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Schönen Sonntag alle
LG
Teil 60
Nach dem Spaziergang bereitete Susanne das Mittagessen, während Sophia die Betten vorbereitete.
Susanne hatte draußen den Tisch gedeckt und als Sophia herauskam, sah sie ein großes Mittagessen stehen.
"Wow, das sieht lecker aus, ich habe schon Hunger"
"Setze dich, kann ich dich was zu Trinken anbieten oder nimmst du selber?"
"Ich möchte ein Glas Wein. Möchtest du etwas Brot mit Wurst und Käse? Ich mach uns auch ein Teller mit Salat"
"Ja bitte"
Sie fingen an zu essen und hatten keine Eile, so dass sie in alle Ruhe dem guten Essen, dass Brigitte gepackt hatte, genießen konnten.
"Kochst du manchmal noch, oder macht Brigitte das immer?"
"Wenn wir Arbeiten, dann essen wir im Restaurant und dann kocht Brigitte, aber zu Hause mach ich dass"
"Mama hat mir erzählt das du so gut kochen kannst. Hast du schon mal für mich gekocht? Ich kann mich das nicht erinnern"
"Ich weiß nicht mehr. Du warst zu klein, als ich nach Marseille ging und wenn wir uns nachher sahen war das meistens zu Hause bei dein Vater und ein paar Mal auf das Schloss. Möchtest du etwas Obst?"
"Warum bist du gegangen?"
"Was?"
"Warum bist du einfach weg gegangen?"
"Ah. Ich bin nicht einfach weg gegangen. Es ist damals viel passiert und schließlich habe ich mich entschieden mit Lisa nach Marseille zu gehen"
"Ich weiß, dass viel passiert ist. Ob ich alles weiß, na ja, dass weiß ich nicht, aber eins weiß ich, du hast mich verlassen"
"Aua, das tut weh."
"Das hat mir auch weh getan. Natürlich weiß ich nichts von damals, weil ich zu klein war, aber später, als mich einmal klar war, wer du warst, habe ich das so gefühlt"
"Warum hast du mir das nie gesagt?"
"Weil ich das sehr schwierig fand. Wenn du mal in Düsseldorf warst, war ich nie allein mit dir. Es war immer jemand da. Lisa, Papa, Arnold oder sonst jemand. Du warst immer so wütend oder traurig. Ich tut mir sehr Leid, dass ich die Susanne die ich Seit kurzem kenne, nie zu vor getroffen habe"
"... .."
"Susanne, sorry, ich wollte dich nicht so traurig machen"
"Sophia, das ist okay. Es ist nur ein wenig konfrontierend. Diesen ganzen Urlaub ist ein Wechselbad der Gefühle. Ich werde versuchen zu erklären, was ich damals fühlte und warum ich dann beschlossen habe zu gehen. Ob dies ohne Tränen erzählt wird, wage ich nicht versprechen"
"Das ist okay, möchtest du noch was trinken oder essen?"
"Ach, lass alles nur dort stehen, wenn ich was haben will nehme ich dass schon. Sophia, ich habe Carla so sehr geliebt. Ich wollte so gerne eine Familie mit ihr gründen, aber manchmal denke ich, dass ich es so sehr wollte dass ich sie gezwungen habe. Verstehe mich nicht falsch, dies betrifft nicht dich und vor allem nicht Carla als Mutter, weil ich sie eine gute Mutter für dich und deine Brüder finde und zusammen mit Stella hat sie meiner Meinung nach, eine liebevolle Familie. Aber ich habe so viele Fehler gemacht. Ich hatte Lars von Anfang an klar machen sollen, dass ich nichts von ihm wollte, außer Freundschaft. Ich habe versucht alle als Freund zu behalten, aber in den Prozess haben mir entfremdet von Carla. Das sie in einem bestimmten Moment den Glauben an mich verloren hat, verstehe ich jetzt. Ich, äh, ich habe es einfach vermasselt"
"Das ist nicht wahr. Ihr habt alle Fehler gemacht. Du, Papa und Mama. Ich bedaure nur, dass wir keinen guten Kontakt hatten. Wann ging es falsch? Warum habe ich erst jetzt die richtige Susanne kennen gelernt?"
"Pfff. Alles lief damals falsch. Meine Ehe zerbrach. Die Beziehung mit Lars zerbrach. Die Beziehung zu meinem Vater brach. Paul ging nach Marseille. Nach deiner Geburt, sah ich Carla ändern in eine liebende Mutter, Lars ein stolzer Vater und ich stand an der Seitenlinie. Dass sie das nicht bewusst machten glaube ich, aber ich fühlte mich so ausgeschlossen. Schließlich entschied ich mich zu gehen. Es tat mir so weh dich zu verlassen, aber du warst noch so klein, dass ich dachte dass ich dich damit nicht verletzte"
"Möchtest du aufhören?"
"Nein, ich bin in Ordnung. Aber es muss doch einmal erzählt werden. Sobald ich in Marseille war, ging ich durch die Hölle. Lisa fand schnell ihren Weg, aber ich vermisste euch so. Du hast mir gefehlt, Carla hat mir gefehlt. Ich vermisste den Traum, den wir einmal hatten. Ich wurde immer wütender auf alles. Als ich hörte, dass Carla mit ihrer neuen Liebe eine Weltreise machen wurde, fing ich wie ein kleines Kind an zu weinen. Warum hatten wir damals nicht den Mut zu gehen? Ich denke manchmal, wenn wir früher zusammen gezogen waren, wäre vielleicht alles anders gelaufen. Der größte Fehler, den ich dich gegenüber gemacht habe, ist, dass ich einfach nicht die Momente die wir hatten, genossen habe. Ich habe mich zu viel von meinen Ärger führen lassen. Die Tatsache, dass du deine Mutter so ähnlich bist, hat auch nicht wirklich geholfen"
"Aber dass kann ich nicht ändern?"
"Nein, das habe ich nicht so gemeint. Ich habe auch mit dir wieder Fehler gemacht und das hat unsere Beziehung zerstört. Warum habe ich mich nicht mehr bemüht, mich darüber hin weg zu setzen? Carla hat mich nie verhindert Kontakt mit dir zu haben. Nur wenn sie bemerkte, wie viel Schmerz du nach jedem Kontakt hattest, hat sie eingegriffen. Ich dachte, dass war schrecklich, aber Ruckblickend verstehe ich sie und respektiere ihre Entscheidung sogar. Sie wollte dich nur schützen, und ich war nicht in der Lage, mich daran anzupassen biss es zu spät war. Ich habe zu viel Energie in die Negative verloren und nicht genug in die positiven Aspekte investiert. Erst nachdem ich Brigitte kennen gelernt habe kam wieder Freude und Glück in meinem Leben, aber es schien, dass ich dich für immer verloren hatte. Ich war sicherlich auch nicht fair, zu Stella. Ich war sehr lange eifersüchtig auf sie, weil ich fand dass sie meine Rolle übernommen hat"
"Susanne"
"Nein, du brauchst sie nicht zu verteidigen. Ich denke, sie ist Klasse. Sie hat dich, zusammen mit Carla und Lars, sehr gut erzogen. Sie haben dich zu eine wunderbare Person gebildet. Stella hatte da eine große Rolle. Das es mich so schmerzt, das ist wirklich lächerlich, weil ich tatsächlich dasselbe getan habe"
"Wie meinst du?"
"Ich habe bei Lisa und Paul doch auch die Rolle ihrer Mutter angenommen. Ich weiß also, wie schwierig das ist."
Susanne's Handy klang. Sie sah, dass es Brigitte war.
"Hast du etwas dagegen, wenn ich das Handy beantworte?"
"Nö. mach schon. Ich räume den Tisch ab"
"Hey Cherie, wie geht es dir?"
"Es geht gut. Wir reden viel. Ich hoffe, sie versteht ein wenig, warum alles war wie es war"
"Das wird sie, außerdem können wir es trotzdem nicht ändern. So versuche, in die Zukunft zu schauen, das ist das Einzige, was du tun kannst"
"Ich weiß. Findest du es schlimm, dass ich nicht nach Hause komm heute Abend? Für dich ist es doch auch sehr konfrontierend?"
"Nein, ich habe nichts dagegen. Du musst hier durch. Ich halt das aus. Ich habe herrlich mit Carla getaucht. Sie war es nicht mehr gewöhnt, aber sie ist ein sehr guter Taucher. Ich werde gleich noch mit den Boys schnorcheln."
"Du genießt es wirklich was mit ihnen zu Unternehmen. Ist es nicht zu konfrontierend?"
"Natürlich schmerzt es ein wenig, aber ich finde es toll mit ihnen, also lasst mich einfach nur genießen"
"Was machst du heute Abend?"
"Wir werden zusammen essen. Stella und die Boys Kochen"
"Na dann viel Spaß. Bis morgen Schatz"
"Bis morgen Cherie"
Sophia kam wieder nach draußen und sah, dass Susanne da stand und vor ihr starrt. Sie ging auf sie zu, schlug den Arm um sie und sagte: "Ich denke, wir sollten uns mal entspannen. Ich sah in das Dorf unter einer Reihe von Geschäften. Die möchte gerne sehen. Kommst du mit?"
Sie hatten einige Einkäufe erledigt. Sobald sie wieder auf dem Hof waren, ernten sie Gemüse und bereiteten gemeinsam das Abendessen. Susanne gab Sophia einige Tipps und lehrte sie, wie sie am besten bestimmten Zutaten benützen sollte. Sophia liebte es, weil sie es liebte zu kochen. Für dem Moment sprachen sie nicht über die Vergangenheit, aber sie genossen es zusammen zu arbeiten.
Beim Abendessen fragte Sophia:
"Warum warst du heute Nachmittag so weit weg? Nach dem Anruf von Brigitte hast du nur noch in die Ferne gestarrt. Vermisst du sie so sehr?"
"Ich vermisse sie, aber das war nicht der Grund. Der Grund dafür ist .. "
Zur gleichen Zeit saßen Carla, Stella und Brigitte zusammen und genossen noch ein wenig den Tag und die Mahlzeit. Die Jungs waren schon im Bett und Brigitte wollte noch ein wenig plaudern. Dann fragte Stella:
"Du bist wirklich toll mit den Jungs. Hast du jemals selber Kinder haben wollen?"
Brigitte schluckte nur und griff nach ihrer Tasche und zog ein Foto. Während sie Carla und Stella den Foto gab sagte sie:
"Ich habe einen Sohn. Er steht da auf dem Bild mit meiner Frau"
"Verzeihung, ich wollte dich nicht verletzen. Wo ist er jetzt?"
"Vor zwölf Jahren hatten sie einen Autounfall, und die beiden haben es nicht überlebt"
"Das ist schrecklich. Ich weiß nicht, was ich sagen soll", sagte Stella, und sie fühlte, dass Carla erfror und ihre Hand nahm.
"Wie hast du das überlebt?"
"Ich war ganz weit weg. War fassungslos. Lebte als ob ich betäubt war. Warf mich in meiner Arbeit und hatte eine Gruppe von Freunden, die mich geholfen haben. Ich dachte, mein Leben sei vorbei. Hatte keinen Grund zu existieren, bis ich Susanne traf. Sie gab mir wieder Freude im Leben. Natürlich hatte sie ihre eigene Trauer und Ärger, aber sie versuchte ihr Leben wieder auf die Strecke zu bekommen. Zusammen sind wir wieder hoch geklettert"
Stella spürte das Carla den druck auf ihre Hand verstärkte.
"Wie alt wäre er jetzt und was ist sein Name?"
"Pierre wäre jetzt 16"
Sie redeten noch den ganze Abend. Brigitte ging um Mitternacht nach Hause. Carla und Stella gingen zu Bett.
"Stella, bitte halt mich?"
Stella nahem sie fest in ihre Arme.
"Stella, verspreche mich, das du mich nie verlässt?"
"Ich werde dich nie verlassen, bis der Tod uns trennt. mein Schatz"
Susanne hatte Sophia die gleiche Geschichte erzählt.
"Das ist schrecklich für Brigitte. Es muss schwer für sie sein, jetzt so mit den Jungs"
"Sie liebt es beschäftigt mit ihnen zu sein. Ich habe es mit ihr gesprochen, bevor ihr hierher gekommen seit"
"Ich habe den Eindruck, dass sie sich wirklich freut das wir hier sind und ich finde sie sehr nett. Ich mag sie sehr"
"Sie hatte auch eine wichtige Rolle bei der Wiederherstellung unserer Beziehung. Durch sie habe ich habe erkannt, dass du mich nicht mehr sehen wolltest wegen mein eigenes Verhalten und ich bedauere es sehr das ich mich so verhalten habe. Ich hoffe, das du mich mal wieder ein bisschen Vertrauen gibt"
"Susanne, ich möchte dir etwas sagen, aber niemand weiß es, außer Mama und Mum. Ich finde es sehr schwierig zu erzählen, aber ich möchte es dir trotzdem sagen"
Zum ersten Mal sprach Sophia über das, was damals in Paris geschehen war. Sie hatte nie darüber gesprochen, nachdem sie es Carla und Stella erzählt hatte, aber jetzt fühlte sie sich so verbunden mit Susanne, dass sie es ihr definitiv erzählen wollte.
...
_________________ Our live begins to end the day we become silent about things that matter.
Martin Luther King
Zuletzt geändert von Hoffie am 07.11.2010, 21:47, insgesamt 1-mal geändert.
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