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Teil 59
Die Jungs hatten sich sehr Bemüht und alle genossen das Mittagessen. Beim Mittagessen hatte Brigitte erzählt das sie ein leidenschaftlicher Taucher war. Carla, die in ihrer Jugend viel getaucht hatte, war begeistert und wollte es noch einmal versuchen. Die Jungs waren ebenso begeistert, also vereinbarten sie sich, dass sie am nächsten Dienstag Tauchen wollten. Da die Jungs noch nie getaucht hatten sollten sie erst unterrichtet werden. Brigitte und Carla hatten genügend Erfahrung und gingen zusammen tauchen. Stella hatte nichts dagegen, allein am Strand zu bleiben. Sie nahm ein Buch mit und ihrem iPod.
Sophia hatte andere Pläne. Sie wollte endlich einen Tag lang mit Susanne verbringen. Sie beschlossen, auf den Hof zu gehen und Zeit miteinander verbringen. Sie wollten dort auch schlafen, um wirklich Zeit miteinander zu verbringen.
An jenem Morgen waren die Jungs so begeistert, weil sie zum ersten mal Tauchen wurden. Carla konnte es nicht mehr ertragen und sie unterhielt sich mit ihnen über ihr Verhalten. Stella versuchte sie alle zu beruhigen, aber gab das schon schnell auf. Die Jungs wurden sich schon beruhigen, weil Brigitte jeden Moment kommen wurde. Susanne wollte sie bringen und dann würde sie Sophia abholen.
Susanne war so nervös an diesem Morgen. Sie fragte sich, ob es gut gehen würde, ob Sophia nicht nach Hause gehen wollte, ob sie sich wohl fühlen wurde einen ganzen Tag und Nacht mit ihr, ob sie reden wollte. Brigitte mischte sich da nicht ein aber sie sorgte dafür, dass wenigstens genug zu essen und trinken mitgenommen wurde. Da Susanne so nervös war, fuhr Brigitte zu Carla und Stella, und sie hatte Lisa eine SMS geschickt, um Sophia zu bringen.
Sie standen draußen und warteten auf Lisa und Sophia. Brigitte sprach mit Susanne,
"Mach dich keine Sorgen, klar wird es gut gehen. Sie hat doch bereits angedeutet, dass sie Zeit mit dir verbringen will. Es ist keine Verpflichtung, aber ihr Wunsch"
"Ich weiß dass, aber trotzdem. Ich bin so nervös"
"Komm schon, es wird bestimmt ein wunderschönen Tag"
Lisa und Sophia kamen endlich. Alle verabschiedeten sich von einander, aber Carla wollte noch mal mit Sophia reden und nahm sie beiseite.
"Wie geht es dir? Bist du noch traurig?"
"Oh, es geht mir schon besser. Ich hatte letzte Nacht noch ein langes Gespräch mit Lisa"
"Das freut mich. Außerdem wollte ich dich sagen, dass ich es toll finde, dass du diesen Tag mit Susanne geplant hast. Ich wünsche euch einen schönen Tag"
"Danke. Du auch, Mama"
Sie gingen zurück zu den Andern. Jeder setzte sich im Auto und weg waren sie.
Im Auto begann Susanne als erste an zu sprechen. Sophia bemerkte dass sie nervös war.
"Wie geht es dir? Bist du noch traurig?"
Sophia lachte.
"Warum lachst du? Machst du dich lustig über mich?"
"Nein, nein, aber ich finde es lustig, dass du genau das gleiche Fragst wie Mama. Dann werde ich wohl die gleiche Antwort geben. Es geht mir schon besser. Ich hatte letzte Nacht noch ein langes Gespräch mit Lisa"
"Na, dann hattest du wenigstens ein Gespräch mit einem erfahrenen Praktiker"
"Was meinst du?"
"Oh, Lisa hat schon einige Verliebtheiten und gebrochene Herzen ertragen, bevor sie Jean Paul traf. Was wollte Carla noch mehr wissen?"
"Was meinst du? Du bist doch nicht misstrauisch, oder?"
"Nein, sorry, das habe ich so nicht gemeint. Oh, ich bin nur furchtbar nervös"
"Susanne, das brauchst du nicht zu sein. Mama sagte mir nur, dass sie sehr glücklich ist, dass wir den Tag gemeinsam verbringen. Lassen wir uns darüber einigen, dass wir offen und ehrlich reden. Du darfst mich alles fragen. Ich darf dich alles fragen und wir entscheiden selber, ob wir beantworten möchten, ohne das die andere Person beleidigt wird. Einverstanden?"
"Einverstanden! Sophia, sorry, ich verhalte mich blöd"
"Ich verstehe das schon. Lisa hat mir einiges erzählt über die vergangenen Jahre"
"Oh, was dann?"
"Nun, alles was passiert ist, aber aus ihrer Perspektive. Lassen wir uns darüber keine Sorgen machen und einen schönen Tag mit einander haben"
Susanne musste sich auf das Fahren konzentrieren, aber in ihre Gedanken war viel los. Sie kamen auf dem Hof. Das Auto wurde ausgeladen und Susanne ging erst mal Kaffee machen. Sophia machte es draußen gemütlich. Zuerst eine kleine Kaffeepause.
"Lecker. Kaffee. Das brauche ich jetzt", sagte Susanne.
Sie tranken schweigend ihren Kaffee. Susanne dachte: "Wo soll ich anfangen? Was soll ich sagen? Was soll ich fragen?" Die Gedanken von Sophia waren fast die gleichen. Susanne atmete Tief ein und begann schließlich als erste zu reden.
"Sophia, ich bin so gespannt auf diesen Tag. Nach all den Jahren endlich auf einem normalen, freundlichen Art, den Tag mit dir zu verbringen. Es ist zu dumm für Worte, aber jetzt wo es so Weit ist, weiß ich nicht wo ich anfangen soll. Als du Samstag so traurig warst, habe ich nicht einmal gewusst, was sagen sollte. Obwohl ich doch genügend Erfahrung habe mit Lisa und Paul. Außerdem ist mein Herz auch mehrere malen gebrochen. Doch ich wusste nicht, was zu tun sollte"
"Was du getan hast fand ich sehr süß von dich"
"Danke. Weißt du, als ich nach deinem 18. Geburtstag diesen Brief von dich bekommen habe, war ich so glücklich, dass ich dabei war, sofort ein Flugzeug nach Düsseldorf zu nehmen. Brigitte hat das verhindert, weil sie dachte, wir sollten mit kleine Schritte den Kontakt aufbauen. Sie hatte natürlich Recht. Weißt du, was ich dann getan habe?"
"Mich einen Brief zurück schreiben?"
"Ja, das auch, aber was ich wirklich meine ist, dass ich deine Bücher genommen habe und die wieder gelesen habe vom ersten Tag an und durch das lesen habe ich dich besser kennen gelernt, bevor ich dich besuchen wurde"
"Meine Bücher? Was meinst du?"
"Habe ich dich nie erzählt von deinem Bücher?"
"Nein, was meinst du damit?"
"Als ich ging nach Marseille gezogen bin, hat Carla mir versprochen mich zu informieren über was mit dir passiert. Jedes Mal, wenn etwas besonderes passierte, aber auch alltäglichen Ereignisse, schickte sie eine E-Mail oder Fotos. Ich habe sie alle in Ordnern gespeichert."
"Was? Mama hat dir alles erzählt per E-Mail und Briefe?"
"Ob sie alles erzählt hat weiß ich natürlich nicht, aber reichlich. Nicht nur per Brief, wenn es wichtig war, oder wenn sie überlegen wollte, rief sie mich an"
"Dass habe ich nicht gewusst. Macht sie das immer noch?"
"Nein, nach deinem 18. Geburtstag hat sie damit aufgehört, nachdem sie mit mir darüber geredet hat. Der Kontakt zwischen uns erholte sich langsam und sie meinte, dass wir das selber erledigen sollten"
"Was hat sie dich so alles geschrieben?"
"Dies und das. Schule Ergebnisse, Hobbis, alltägliche Ereignisse, wie du auf bestimmte Ereignisse reagierst hast, wie die Geburt deinen Brüder, eigentlich eine ganze Menge"
"Äh, aber keine wirklichen private Dinge, oder was?"
"Oh, sie berichtete manchmal etwas und als ich dann mehr wissen wollte, sagte sie mir, es war zu privat"
"O"
"Na zum Beispiel letzte Woche habe ich Stella gefragt, was eigentlich mit Anne passiert ist, denn das wurde mich nie klar, aber Stella hat mir gesagt, dass soll ich dich selber fragen. Was ist da eigentlich passiert?"
"Mama hat dich das auch nicht geschrieben?"
"Nö. Auf einmal war Anne nicht mehr da"
Sophia begann zögernd zu erzählen, wie die Beziehung zu Anne gestartet wurde und wie sie schließlich beendet wurde und die ganze Zeit hatte Susanne atemlos zugehört. Das Sophia noch beschämt war über das, was passiert war, sah Susanne, aber sie sagte nichts. Als Sophia fertig war, war da nur ein Schweigen, weil Susanne zutiefst berührt war. Susanne fing als erste an zu sprechen.
"Ich denke, es war schrecklich für dich, aber ich verstehe dich ein bisschen. Auch ich war mal in eine ähnlicher Situation. Ich wurde zwar nicht körperlich, aber geistig von Lisa's Vater missbraucht. Ich weiß, wie schwer es ist, dies zu ändern oder zu beenden."
"Hast du das letztendlich selber beendet?"
"Ja, nach reiflicher Überlegung. Aber was meinst du mit selber?"
"Nun, bei mir hat Mum es eigentlich beendet, weil sie ein mal Zeuge war. Sie hat sie fast wörtlich aus dem Schloss geworfen. Ich war sehr erleichtert, aber auch schrecklich beschämt, dass ich nicht mutig genug war"
"Wow, die Stella ist schon cool, oder. Ich mag sie immer mehr. Sie ist sehr sympathisch. Ach, weist du, sei froh das es vorbei ist. Wie auch immer. Sage mal, war Anne eigentlich deine erste Liebe, oder hattest du schon eher Beziehungen?"
"Anne war der erste ernsthafte, aber bevor sie hatte ich schon Freundinnen und Freunden"
"Wann hast du dich für Frauen entscheiden?"
"Das habe ich nicht."
"Oh, ich dachte ich, na ja, erst Anne und jetzt Giovanna. Also gut, ich dachte, du wärst lesbisch?"
"Und du bist du lesbisch?"
"Was ist das denn für eine Frage. Ich bin doch mit Brigitte"
"Ja, aber du hattest doch auch Männer. Du warst doch verheiratet mit Lisa's Vater. Sie hattest eine Beziehung mit Papa. Wann hast du dich für Frauen entschieden? Könntest du dich vorstellen nochmals eine Beziehung mit einem Mann zu haben?"
"Ich habe mich für Brigitte entschieden und möchte sie nie verlieren"
"Ja, aber was wäre wenn, es könnte etwas schief gehen, und ihr trennt euch"
"Nun, ich hasse die Männer nicht, also ausschließen, nein, das würde ich nicht sagen"
"Susanne, ich verliebe mich in einer Person. Giovanna hatte auch Giovanni sein können. Ich stehe nicht ausschließlich auf Frauen wie Mama oder Mum. Bist du jetzt enttäuscht?"
"Sei nicht albern, natürlich nicht. Warum sollte jemand darüber enttäuscht sein? Es ist dein Leben. Außerdem bin ich die letzte Person, die darüber ein Urteil haben soll"
"Hat Mama dich nie erzählt, dass ich auf Männer und Frauen stehe?"
"Nein, ich denke, das war einer der privaten Sachen. Sie hat mir gesagt, dass du eine Beziehung mit Anne hattest, aber die habe ich dann auch schnell getroffen"
"Wie war das für dich,dich in eine Frau zu verlieben? Da du bevor Mama immer nur Beziehungen mit Männern hattest?"
"Beziehungen ja, aber ..."
"Was war Mama nicht deine erste Frau?"
"Ach, weist du, wenn man jung ist experimentiert man doch manchmal, aber eine Beziehung, Nein, das waren nur einige Flirts oder One-Night-Stands"
"Weiß Mama das, weil sie mir immer gesagt hat, dass sie deine erste Frau war?"
"Du bist verrückt, nein, das habe ich ihr nie gesagt. Manche Dinge sind zu privat", und sie zwinkerte Sophia zu.
Beide begannen zu lachen.
Sie beschlossen, einen langen Spaziergang zu machen. Während den Spaziergang erzählte Susanne, was Carla in all den Jahren geschrieben hatte, und Sophia erzählt so manche privaten Details. Sophia hatte noch eine Menge Fragen, aber da die vielleicht etwas zu konfrontierend waren, fragte sie die noch nicht. Sie hatten ja noch den ganzen Abend.
...
_________________ Our live begins to end the day we become silent about things that matter.
Martin Luther King
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