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Teil 53
Sophia ging mit festen Schritten auf das Auto zu.
Susanne wollte etwas sagen, aber Carla winkte ihr zu, im Moment nicht zu sagen. Sophia stieg ein und startete das Auto. Bevor Carla und Susanne einstiegen sagte Carla:
"Ich habe ihr noch nie so wütend gesehen. Wir gehen ruhig mit und später wenn wir bei Lisa zu Hause sind reden wir mit ihr"
"Okay. Ich bin ein bisschen von ihrem wütenden Reaktion schockiert. War es weil Stella so emotional war?"
"Das war der Tropfen, sagte sie. Ach, weißt du, die beiden haben eine bestimmte Band, da kommt keiner zwischen. Auch ich nicht. Lass uns einsteigen sonst fährt sie ohne uns los"
Sie stiegen ein und Sophia fuhr los.
Sie saßen hinten im Auto und Schwiegen. Sie wussten nicht, was zu tun und sahen einander fragend an. Carla guckte nach vorne und traf Sophia's Augen in den Spiegel. Sie sah das sie immer noch wütend war. Sophia seufzte tief.
Nach einer Weile fahren, sagte Sophia,
"Bleibt ihr schweigen?"
"Sophia, konzentriere dich sich auf der Straße. Wir können noch warten, bis wir bei Lisa zu Hause sind", sagte Carla.
"Und dann? Bleibt ihr Schweigen oder kommt ihr doch noch zum reden?"
"Sophia, ich weiß nicht ob es klug ist das wir reden, während du so wütend fährst. In etwa eine halbe Stunde sind wir bei Lisa. Solange können wir doch noch warten", sagte Susanne.
"Natürlich können wir warten. Und welche Entschuldigung habt ihr wenn wir dort sind?"
"Sophia, du gehst zu weit", sagte Carla.
"Lass sie", sagte Susanne.
"Wieso lass sie? Sie geht zu weit"
"Carla, ziere dich nicht. Ich denke nicht, dass wir hier sind um Sophia's Verhalten zu diskutieren"
"Was zur Hölle. Du wusstest dies? Nun, das zeigt mal wieder, dass du immer die Dinge hinter meinem Rücken machst"
Susanne musste nach Luft schnappen.
"Nein. Ich wusste dies nicht, und was ist das für einen Unsinn, dass ich Dinge hinter deinem Rücken mache? Carla, wo zum Teufel redest du von. Lass dich nicht so gehen"
"Ich darf nicht gehen lassen!"
"Hört auf zu schreien" rief Sophia "Die Idee war, dass ihr redet, aber es macht keinen Sinn wenn ihr nur schriet"
Sie waren beide still und schwiegen nach Sophia's Ausbruch, bis sie bei Lisa's Haus waren.
"So, jetzt werde ich erstmal Duschen und euch alleine lassen. Ich hoffe, ihr werdet nun sprechen statt Schreien", sagte Sophia.
Sie standen zu zweit in das Wohnzimmer. Carla stand am Fenster und starrte nach draußen. Susanne starrte nach Carla's rücken. Nach eine Weile sagte Susanne,
"Carla, ich glaube, Sophia hat recht. An einem bestimmten Punkt haben wir aufgehört zu reden. Wir konnten nur noch über deine Schwagerschafft reden oder uns gegenseitig besschuldigen über alles und jedes"
"...."
"Carla, ich weiß, ich habe mich geirrt durch zu viel zeit mit Lars zu verbringen während unserer Ehe"
" ... .. "
"Carla. Bitte sage etwas. Du stehst nur da und starrst nach draußen. Sage etwas"
" .. ... "
"Dann eben nicht. Ich setze mich und wir werden warten bis Sophia wieder hier ist. Vielleicht gelingt es ihr dich reden zu lassen"
"Susanne. Es ist geht mir nicht gut. Ich habe mein Insulinspritzen vergessen und Stella hat die Tasche mitgenommen. Es geht mir wirklich nicht gut"
"Oh mein Gott, ähm, ich rufe sofort Lisa an, dann kann sie deine Medikamente bringen. Setze dich"
Carla setzte sich und Susanne erschrak und rief Lisa an, die sofort kam.
Sophia war fertig und hörte, dass sie nicht redeten. Sie ging ins Wohnzimmer und sah Susanne besorgt zu Carla sitzen. Sie war erschrocken.
"Mama, was ist los mit dir?"
"Sie hat ihre Insulinspritzen vergessen und Stella hat die Tasche mit Medikamenten mitgenommen"
"Scheiße"
"Ruhig, Lisa ist schon unterwegs, aber es dauert mindestens eine halbe Stunde"
"Mama, es tut mir Leid", sagte Sophia und setzte sich neben Carla.
"Es ist meine eigene Schuld. Ich sollte mittlerweile doch daran gewöhnt sein. Nur dumm von mir. Ich hoffe, dass Lisa bald hier ist. Ich fühle mich nicht gut"
"Mama, sollen wir zum Arzt gehen?"
"Nein, nein, lass uns warten auf Lisa"
Lisa kam herein und nachdem Carla die Insulinspritze genommen hatte, ging es ihr bald besser. Sie waren alle sehr schockiert.
"Willst du zu Mum gehen?", fragte Sophia.
"Ja, dass möchte ich gerne, aber dann werden wir es wieder Aufschieben. Ich möchte gerne das ihr geht und uns alleine lasst" sagte Carla. Sophia und Lisa gingen.
"Ich wusste nicht, das es so schlimm war mit deinem Diabetes Carla"
"Ach, da mit kann man schon leben, aber die Aktivitäten und die Emotionen heute, das ist nicht toll und wenn ich dann auch noch vergesse zu Spritzen. Ja, dann geht es schief"
"Willst du etwas trinken?"
"Tee, wäre schön. Würdest du den machen, dann rufe ich Stella an um zu sagen dass es mir gut geht"
Susanne kam mit dem Tee. Sie tranken ihren Tee in der Stille.
"Susanne, was ist bloß mit uns schiefgegangen? Wir hatten so viele Pläne. Wir hatten so viel um uns zu freuen. Warum ging es schief?"
"Natürlich habe ich darüber nachgedacht. Sehr viel sogar. Für mich war einer der Hauptgründe dafür, dass wir irgendwann aufgehört haben zu reden. Es passierte so viel in der Zeit und wir konnten nicht mehr offen reden. Es war immer etwas oder jemand, der sich einmischte. Allmählich habe ich dich verloren. So fühlte sich das zumindest für mich. Ich hatte das Gefühl, dass du und Lars ein Baby bekamen und ich hörte nicht mehr dazu"
"Susanne!"
"Nein, las mich ausreden. Natürlich habe ich Fehler gemacht. Ich hatte Lars sofort klar machen sollen, dass er keine Chance hatte, aber nein, ich wollte ihm nicht als Freund verlieren, und er war der Vater unseres Kindes. Ich habe ihm zu viel Hoffnung gegeben. Ich hatte dich deutlicher angeben sollen, dass Lars hoffnungslos war bei mir, aber auch dort war ich klar genug, dass für fast den gleichen Gründen. Für meinen gefühl habe ich nicht hart genug gekämpft für dich, für uns. Das nehme ich mich selbst sehr übel, weil ich dabei weitgehend Sophia verloren habe. Wenn ich damals mehr selbstvertrauen gehabt hätte, hätte ich diesen Frederike rausschmeißen sollen. Das war mir es Wert gewesen. Was für eine Hexe war das. Weißt du, ich glaube, ich habe dich zu schnell aufgegeben"
Carla hatte atemlos zugehört. Zu verschiedenen Momenten wollte sie kommentieren, aber kontrollierte sich biss Susanne pausierte.
"Weißt du, mein ganzes Leben bin ich weg gelaufen oder habe Menschen weggeschickt, wenn es mir in Bezug auf die Gefühle zu kompliziert wurde. Dies ist weitgehend zurück zu führen auf die Art und Weise von unsere Erziehung. Natürlich ist das eine Ausrede, aber es ist wahr. Eigentlich zum ersten Mal ist meine Mauer abgerissen und nicht wieder aufgebaut, mit Sophia. Hanna hat die Mauer abgerissen und nach ihrem Tod habe ich ihm sehr schnell wieder aufgebaut. Du hast die Mauer abgerissen, aber wenn es mir zu kompliziert wurde, war er sehr schnell wieder da und ich habe dich nicht die Chance gegeben, ihm ab zu rissen. Stella hat die Mauer abgerissen und jedes Mal wenn ich versuchte ihm wieder auf zu bauen, ja, dass ist auch mit Stella passiert, fing sie schon wieder mit den Abriss an, bevor der Zement trocken war. Susanne, ich war damals so verwirrt, ich war hochschwanger, und ich sah unsere Beziehung bröckeln. Ich sah wie Lars versuchte dich zu gewinnen. Ich sah, dass du ihm eine Öffnung gab. Ich sah dass du schreite um ein Zeichen von mir. Ich sah wie Frederike dich herabgesetzte und doch ließ ich es geschehen. Ich war völlig außer Kontrolle und ich hasse das. Ich habe nicht hart genug gekämpft für dich, für uns. Ich war zu viel beschäftigt mit mir selbst und zu viele Nebensächlichkeiten um es ein Halt zu zu rufen. Ich habe dich einfach weggeschickt. Dich aus meinem Leben verbannt."
Jetzt hatte Susanne atemlos zugehört. Und jetzt pausierte Carla.
"Carla. Hat es jemals ein Moment gegeben, dass du mich zurückhaben wolltest nach unserer Scheidung?"
Carla seufzte tief.
"Einen Moment! Susanne es waren so viele Momente. Du standest vor mir. Du warst für mich da. Ich schrie in mir auf dass du zurück kommen solltest, aber habe dich weggeschickt, zum Beispiel, als mein Vater vermisst war. Wenn du dich damals mehr Mühe gegeben hattest wäre ich erliegen, aber die Mauer war da und wir waren beide nicht imstande ihn abzubrechen. Auch, wenn du dich entschieden hattest nach Marseille zu gehen, habe ich habe geschrien, dass du bleiben musst, aber wieder in mir selbst. Ich habe schon einige Kissen nass geweint, aber war nicht in der Lage es zu sagen. Aber ist da jemals einen Moment gewesen, dass du wirklich zurückkehren wolltest, außer bei der Unterzeichnung der Scheidung?"
"Oh, Carla, täglich zu dieser Zeit. Du hast mir so gefehlt. Ich vermisste uns so. Ich floh dann in Lars Arme, aber das war nicht fair zu ihm. Ich suchte Trost und er war vorhanden. Ich habe ihm benutzt und ihm damit sehr verletzt. Ich habe versucht an dich ran zu kommen, aber du hast mir keine Öffnung gegeben. Du hattest dich vollständig abgeschlossen. Nur während Sophia's Geburt hatte ich das Gefühl meinem Carla zurück zu haben, aber bald fühlte ich mich von dich und Lars ausgeschlossen. Weißt du, wenn ich etwas bedauert habe, ist es, dass wir Lars in unser Leben zu gelassen haben. Ja, ich weiß, er war ein großartiger Vater für Sophia, aber für uns war es der Anfang vom Ende. So fühlt es sich zumindest für mich. Anfangs verstand ich nichts von eure Entscheidung, ihn als Vater für eure Söhne zu fragen, aber jetzt verstehe ich es. Ich sehe deutlich die Verwandtschaft zwischen Sophia und die Jungs"
Sie tranken ihren Tee in Stille.
"Weißt du, Carla, ich habe immer das Gefühl, dass unsere Ehe nicht von uns zwei war. Es gab immer jemanden oder etwas, dass uns auseinander zog. Alle Familiendramen, sowohl in deiner als auch in meiner und in einem Moment sogar gleichzeitig, als Elisabeth sich für deinem Vater entschieden hat und meiner verlassen hat. Nie hat man uns in Ruhe gelassen. Mit der Ankunft von Lars waren wir sogar zu Dritt in unserer Ehe. Das ist, meiner Meinung nach wirklich einer zu viel"
Carla begann zu kichern.
"Warum lachst du jetzt? So nett war dass damals nicht"
"Nein, aber wenn du alles so sagst, scheint es wie eine Seifenoper"
Und sie fingen beide an zu kichern.
"Carla?"
"Ja"
"Was war denn los mit dir am Freitagabend beim Abendessen?"
"Äh, was meinst du?"
"Nun, du warst so seltsam"
"Oh, gut, äh, ja, oh weißt du, es ist zu lächerlich für Worte, aber ich war eifersüchtig"
"Auf wem?"
"Nun, wenn ich dich mit Brigitte sah, war ich eifersüchtig. Es macht keinen Sinn"
"Du machst Witze"
"Nein, ich meine es. Ich verstehe es auch nicht, ich habe ausgiebig mit Stella darüber gesprochen und sie war der Meinung. so wie ihre Partner in Crime Sophia, dass wir endlich mal reden sollen. Nun, dass ist ihnen jetzt gelungen"
"Und jetzt? Bist du noch eifersüchtig?"
"Nö. Ich wünsche dich viel Glück mit Brigitte. Was für eine unglaublich nette Frau ist sie!"
"Danke, aber deine Stella ist auch nicht schlecht!"
Sie sahen einander an und fingen an zu lachen und konnten nicht aufhören. In diesem Moment kam Sophia rein und konnte ihre Augen und Ohren nicht glauben.
Es schien, dass endlich der Bann gebrochen war.
_________________ Our live begins to end the day we become silent about things that matter.
Martin Luther King
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