Viel Spaß mit dem nächsten Part
Part 31 - Lack of understanding
Ich spürte schon mindestens vier Finger auf meiner Wange, als sie sich anscheinend im letzten Moment anders besann und ihre Hand wieder runter nahm. Jetzt stand sie direkt vor uns, schaute von einem zu dem anderen und ihre Augen funkelten uns böse an. "Ihr habt uns die ganze Zeit an der Nase herumgeführt?" Und zu Stella gewandt, fragte sie: "Seit wann bitte stehst du auf Frauen? Früher war doch kein Kerl vor dir sicher." Ich sah, wie Stella rot anlief und ich versuchte, die Situation zu retten. "Ich glaube, das wissen wir beide noch nicht lange. Ich für meinen Teil habe vorher noch nie was für Frauen empfunden. Bei Stella kam es einfach so über mich. Ich habe mich Hals über Kopf in sie verliebt. Unabhängig davon, ob sie jetzt ein Mann oder eine Frau ist. Ist denn das Geschlecht wirklich ausschlaggebend, wenn man einen Menschen liebt?" Stella fügte noch hinzu: "Bei mir war es genau so. Ich habe auch lange mit mir gekämpft und wollte es nicht wahrhaben. Aber irgendwann konnte und wollte ich mich nicht mehr gegen meine Gefühle wehren. Sie waren einfach zu stark."
Kristin schaute uns noch immer ungläubig und erzürnt an. Jetzt mischte sich auch Leonard ein. "Schatz, was ist denn mit dir los? Solch eine Reaktion hätte ich nie von dir erwartet. Du bist doch sonst nicht so verbohrt." "Ich bin auch nicht verbohrt. Aber wir wurden den ganzen Tag für dumm verkauft. Findest du das gut? Ich nicht. Sie hätten uns doch von Anfang an sagen können, was los ist. Aber nein, sie machen sich noch einen Scherz daraus und ich hasse es, wenn mich jemand verarscht." "Was erwartest du denn? Ich habe Carla seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen und du doch Stella sicherlich auch nicht. Sollen sie dann gleich mit der Tür ins Haus fallen? Sei doch mal realistisch bitte. Das hätte wohl niemand gemacht", entgegnete Leonard.
"Ach, hört doch auf. Ist mir auch jetzt alles egal. Für mich ist der Abend gelaufen. Wenn mich jemand sucht, ich rufe mir ein Taxi und bin im Hotel", sagte sie. Und ehe einer von uns etwas erwidern konnte, war sie auch schon verschwunden.
Ich schaute Leo und Stella an und stellte fest, dass wir alle von dieser Reaktion sehr überrascht waren. Ich fühlte mich schuldig. Wir hätten es ihnen vielleicht doch anders beibringen und den Scherz weglassen sollen. "Leo, es tut mir leid. Wir haben den Abend mit dieser Aktion wohl gründlich ruiniert. Willst du ihr nicht hinterhergehen?"
"Nein Carla, es ist schon okay. Es konnte ja keiner ahnen, dass Kristin so engstirnig und verbissen reagiert. Ich dachte eigentlich, ich kenne sie. Aber mit dieser Reaktion hätte ich nie im Leben gerechnet", erwiderte er und nahm mich tröstend in den Arm. "Es ist wohl besser, wenn du ihr nachgehst. Nicht, dass sie auf dich auch noch einen Groll hegt", sagte Stella leise. "Nein Mädels, das mache ich nicht. Sie wird sich sicher schnell wieder beruhigen. Und ich platze gleich vor Neugierde. Deswegen setzen wir uns jetzt hin, trinken was und ihr erzählt mal eure ganze Geschichte von Anfang an", antwortete er mit einem verschmitzten Grinsen. Meinem Bruderherz konnte ich einfach noch nie etwas abschlagen. Und so bestellten wir uns noch etwas zu trinken, setzten uns in eine ruhige Ecke und fingen an zu erzählen.
Wir begannen an dem besagten Abend, als mich Stella im Park aufgelesen hatte und ließen nichts aus. An Leo's Mimik konnte ich erkennen, dass er unseren Erzählungen interessiert folgte.
Mal staunte er, mal musste er laut lachen. Nach einer Ewigkeit endeten wir bei den Ereignissen des Nachmittags. "Jetzt weißt du auch, warum es mich nach so langer Zeit in die Hütte verschlagen hat. Wir mussten einfach schnell weg und mir fiel sofort die Hütte ein. Dich hier wieder zu sehen, hätte ich mir natürlich nie erträumt", sagte ich am Ende unserer Geschichte. "Ja Carla, die Welt ist doch ein Dorf. Aber wer hätte schon damit rechnen können, dass wir uns ausgerechnet hier über den Weg laufen? Aber Schwamm drüber. Das Warum und Weshalb ist doch egal. Die Hauptsache ist doch, dass wir uns getroffen haben." "Ja, das stimmt allerdings", entgegnete ich ihm mit belegter Stimme und konnte nicht anders. Ich musste ihn einfach umarmen. Wie sehr hatte ich ihn doch vermisst. Als wir uns wieder voneinander lösten, schaute Leonard auf seine Uhr. "Meine Lieben, es ist gleich 3 Uhr und wir sollten den schönen, ereignisreichen Abend hier beenden. Ich möchte auch mal nachsehen, ob sich meine bessere Hälfte inzwischen beruhigt hat", sagte er lachend. Erschrocken schauten nun auch Stella und ich auf unsere Uhren. Hatten wir doch während unseren Erzählungen überhaupt nicht bemerkt, wie schnell die Zeit verging. "Ja ist okay. Schließlich ist morgen ja auch noch ein Tag", antwortete Stella, schelmisch grinsend. "Stimmt. Und wenn sich Kristin beruhigt hat, wovon ich ausgehe, können wir den ja gerne zu viert verbringen. Lasst uns morgen einfach mal telefonieren", entgegnete Leonard.
Somit machten wir uns auf den Weg zu meinem Auto und ich setzte Leonard an seinem Hotel ab. "Ich wünsche euch beiden eine gute Nacht. Ich sage einfach mal, bis morgen. Ich melde mich bei dir Schwesterherz." "Das wünsche ich dir, trotz allem, auch Leo." Auch Stella erwiderte noch einen Gute-Nacht-Gruß und Leonard verschwand im Hotel.
Auf dem Weg zurück in die Hütte, bemerkte nun auch ich, dass mich die Müdigkeit überkam. Ich musste wiederholt gähnen, was natürlich Stella nicht entging. "Süße, du bist doch nicht etwa müde?", fragte sie mich mit ihrem lausbubenhaften Grinsen. "Doch, leider", antwortete ich geständig. "Hmmm, das ist aber schade. "In dem Moment, als sie das aussprach, bemerkte ich ihre Hand auf meinem Knie. Und sie bahnte sich zärtlich und unsäglich langsam ihren Weg...