Versprochen ist Versprochen!! Danke für eure lieben Feedbacks. Ich wünsche euch auch noch einen schönen 2. Advent
Part 19 – The mistake
Mit diesen Gedanken machte sich Stella auf den Weg nach Hause.
*Warum habe ich das vorhin zu Carla gesagt? Was war da nur in mich gefahren? Wie konnte ich sie nur derart mit meinen Worten verletzen? Sie war diejenige, die wieder Licht in mein dunkles Leben gebracht hat. Sie hat in mir wieder die Fähigkeit zu Lieben erweckt. Ich muss mit ihr reden und alles klar stellen. Am besten sofort.*
Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch schloss Stella die Wohnungstür auf. Sie erhoffte sich insgeheim, dass Carla noch wach war.
In der Wohnung roch es nach Alkohol. Als sie ein paar Schritte gegangen war, stolperte sie über eine leere Weinflasche. „Ach du Schande“, entfuhr es ihr. „Was habe ich nur angerichtet?“
Die Schlafzimmertür war, entgegen der sonstigen Gewohnheiten, nur angelehnt. Leise ging Stella ins Schlafzimmer, um nach Carla zu sehen.
Bei diesem Anblick musste sie schlucken und das Schuldbewusstsein überkam sie. Carla lag schweißgebadet im Bett und wälzte sich unruhig hin und her. Selbst im Schlaf liefen ihr die Tränen über die Wangen und sie rief immer wieder Stella’s Namen.
Vorsichtig, um sie nicht zu wecken, setzte sie sich neben Carla auf das Bett und strich ihr behutsam ein paar verschwitzte Haarsträhnen aus dem Gesicht. „Shhht, ist gut. Ich bin ja hier“, sagte Stella mit sanfter Stimme. Durch die Berührungen und die Stimme erschrocken, schlug Carla die Augen auf. „Stella?“, murmelte sie schlaftrunken. „Ja, Carla. Ich bin es. Es ist alles gut.“ Sofort entspannte sich ihr Gesichtsausdruck und sie schlief – noch berauscht vom Alkohol - umgehend wieder ein.
Stella ging ins Bad um sich bettfertig zu machen. 1000 Gedanken gingen ihr durch den Kopf und sie fühlte sich so schrecklich schuldig. Als sie zurück ins Schlafzimmer kam, schlief Carla wieder tief und fest. Allerdings jetzt wesentlich ruhiger. Sie verharrte für einen kurzen Moment vor dem Bett und schaute verträumt auf die schlafende Carla. *Was für ein Anblick. Sie ist so ein toller Mensch und wunderschön. Und ich habe mich so fies benommen ihr gegenüber. Hoffentlich ist nicht alles zu spät. Gleich morgen werde ich mit ihr reden.* Sie legte sich auch hin, kuschelte sich eng an die schlafende Carla und legte liebevoll einen Arm um sie. Zufrieden registrierte sie, dass diese nach ihrer Hand griff und sie eng an sich zog.
Als ich am nächsten Morgen wach wurde, brauchte ich eine längere Zeit, um mich zu orientieren.
Auch hatte ich einen kompletten Filmriss, begleitet von einem ausgewachsenen Kater. Nur langsam kehrten meine Erinnerungen an den gestrigen Abend wieder zurück. Allein dabei stiegen mir wieder die Tränen in die Augen. *Eine Einbildung, ein schöner Zeitvertreib*, hallte es immer wieder in meinem Kopf.
Plötzlich registrierte ich einen Arm, der um mich geschlungen war. Vorsichtig drehte ich mich um und sah Stella, noch tief schlafend. Ich hatte überhaupt nicht mitbekommen, wann sie nach Hause kam und das sie auch ins Bett kam.
Meine Gedanken überschlugen sich in diesem Moment und ich befreite mich sanft von ihrem Arm, um ins Bad zu gehen. Nach einer ausgiebigen Wechseldusche war ich fast wieder ganz die Alte.
Als ich zurück ins Wohnzimmer kam, sah ich Stella dort, wie ein Häufchen Elend, auf der Couch sitzen. Mehr als ein knappes „Guten Morgen“ konnte und wollte ich nach dem Erlebten des vorherigen Abends nicht hervorbringen.
Ich war gerade im Begriff in die Küche zu entschwinden, als ich ein leises „Carla?“ vernahm. Doch ich drehte mich nicht um. Zu tief saß die Verletzung und zu groß war mein Stolz. Gerade als ich dabei war, mir eine Kleinigkeit zum Frühstück herzurichten, hörte ich sie leise in die Küche kommen.
„Carla“, sagte sie erneut. „Bitte, ich muss mit dir reden.“ „Worüber denn? Es ist doch alles gesagt!“, entgegnete ich in einem schroffen Ton und fuhr herum. Vor mir sah ich Stella stehen. Das Gesicht tränenüberströmt. Fast tat sie mir ein bisschen leid. „Carla, bitte… hör mir nur kurz zu. Wenn du danach trotzdem nichts mehr mit mir zu tun haben willst, würde ich das auch verstehen und muss es akzeptieren.“
Ich platzte förmlich vor Neugier, aber ich hatte auch Angst. Angst, dass ihre Worte mich erneut verletzen und wie eine Pfeilspitze in mein Herz eindringen würden. „Schieß los“, entgegnete ich. „Aber fass dich bitte kurz. Ich habe noch was vor.“
„Okay. Das gestern Abend tut mir unendlich leid. Ich wollte dich nicht verletzen. Ich weiß nicht, was da in mich gefahren ist. Ich glaube, ich war mit meinen Gefühlen und der Situation überfordert. Ich habe mich noch nie so sehr zu einer Frau hingezogen gefühlt oder habe dergleichen empfunden. Das mit uns ist wunderschön, aber ich habe einfach Angst. Verstehst du das?“ Bei jedem ihrer Worte wurde mir wärmer ums Herz. *Sollte ich sie doch nicht verloren haben?*, schoss es mir durch den Kopf. So wie sie vor mir stand, tränenüberströmt, hatte ich keinen Grund an ihren Worten zu zweifeln. Überwältigt von ihren ehrlichen Worten, konnte ich nicht anders und ging die 2 Schritte auf sie zu, um sie in den Arm zu nehmen.
Beruhigend streichelte ich über ihren, vom Weinen, bebenden Rücken. „Ich verstehe dich Stella“, sagte ich mit belegter Stimme. „Mir geht es ganz genau so.“ Ich löste die Umarmung, um ihr Gesicht in beide Hände zu nehmen und ihr in die Augen zu schauen. Zärtlich küsste ich ihre Tränen weg und sagte zu ihr: „Ich bin so froh, dass du mir das gesagt hast. Ich dachte schon, ich hätte dich für immer verloren…“