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BeitragVerfasst: Sa 28. Jul 2012, 19:52 
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Er starrte auf sein leeres Glas und war kurz versucht, es an der Wand in tausend Stücke zerspringen zu lassen, doch es hätte nichts gebracht, außer dass er nachher die Scherben hätte wegfegen müssen. Er konnte natürlich auch Justus hierfür rufen, doch er wollte allein sein und sich noch ein wenig dem Selbstmitleid hingeben. Also schenkte er sich noch einmal nach. Alkohol war keine Lösung, aber das war ihm gelinde gesagt gerade im Moment scheissegal.

Seine Gedanken wanderten zu dem kleinen fensterlosen Raum in dem er heute mit Marlene gestanden hatte, der Abstellkammer, dem Vorratsraum des No Limits. Er konnte nicht verhindern, dass in ihm drin schon wieder eine extreme Wut brodelte, die er nur zu gerne erneut raus gelassen hätte, so wie in dem Moment mit Rebecca in der Schlossküche, beim Fechten. Sie hatte ihn angefleht, sie nicht zu verlassen, sie hatte ihm geschworen, dass sie ihn lieben würde. Später in seiner Suite hatte sie ihm gesagt, dass sie kämpfen würde um ihre Beziehung. Tristan hinterfragte, was es mit ihm machte, dass Marlene anscheinend die gemeinsame Zeit nicht aufgeben wollte. Er fragte sich, ob er Marlene das wirklich abnahm. Er hatte sie heute mit dem Journalist gesehen, und es hatte ihn verdammt wütend gemacht. Sie hatte geflirtet mit ihm. Tristans Magen zog sich zusammen als er die Szene vor seinem geistigen Auge heraufbeschwörte. Sicher, Marlene war Profi und sie würde nicht zulassen, dass der private Stress mit ihm, Tristan, zum Hindernis ihrer Karriere wurde, aber hatte sie ihn so anflirten müssen? Warum tat Marlene das? Wollte sie ihm absichtlich wehtun? Reichte es nicht, dass sie im Bett mit seiner Schwester war? Reichte es nicht, dass er sich permanent das Hirn zermartere, warum es überhaupt dazu gekommen war und dass er sich x-mal diese Szenen vorstellte – vorstellte, wie Rebecca keuchend über Marlene zum Orgasmus kam, wie seine Verlobte die Augen verdrehte, wie sie sich unter seiner Schwester wandt? Ja, es tat ihm weh, wenn er sich dieser Vorstellung von Marlene und Rebecca hingab. Noch vor einem halben Jahr hätte Tristan wahrscheinlich einen schlüpfrigen Spruch losgelassen wenn ihm jemand erzählt hätte, dass die Freundin mit einer Frau was am Start hatte, er hätte es wohl eher antörnend gefunden – die Vorstellung zweier Frauen miteinander. Jetzt aber, da er liebte, da er sich vorstellen konnte, mit einer Frau den Rest seines Lebens zu verbringen, jetzt riss ihm diese Vorstellung fast das Herz entzwei.
Es war das erste Mal dass Tristan diese Gefühle für eine Frau hegte. Ja, er hatte schon einmal geliebt. Er hatte schon mal eine Frau bis zum Umfallen begehrt, alles für sie getan. Aber diese Frau hatte er nicht lieben dürfen. Diese Liebe war nicht erlaubt gewesen, ja fast krankhaft. Tristan war damals fast zerbrochen an seinen Gefühlen, an seiner Liebe, die nicht sein durfte. Er wusste was es hieß, eine unerfüllte Liebe zu durchleben, zu erfahren, die Liebe seines Lebens mit einem anderen Mann glücklich war, und zu wissen, dass sie für einen unerreichbar war. Doch die Sache mit Helena war ausgestanden, er hatte einen Weg gefunden, damit abzuschließen, und es war ihm gelungen, ein gutes Verhältnis zu ihr aufzubauen – wieder – nach all dem was zwischen ihnen passiert war. Mit Marlene – so hatte er geglaubt – war es ihm nun ein weiterer Glückfall wiederfahren. Er hatte fest damit gerechnet, dass Marlene ihn genauso liebte wie er sie, doch anscheinend war dies ein Trugschluss. Marlene hatte ihn benutzt – zuerst, um über Hagen hinwegzukommen, dann um ihre Karriere als Musicalstar voranzutreiben, und zum Schluss hatte sie ihn sogar betrogen. Was aber viel schwerer für Tristan wog, war die Tatsache, dass sie ihn über Monate belogen hatte. Er hätte vielleicht über einen Seitensprung von Marlene hinwegsehen können, vielleicht auch über die Tatsache, dass es sich bei dem Liebespartner um seine kleine Schwester handelte, aber er konnte nicht mit Marlenes Lügen leben. Was war er für Marlene? Hatte sie ihn jemals wirklich geliebt? Er bezweifelte es. Liebte Marlene nicht vielmehr das Gefühl, geliebt zu werden? Hagen hatte ihr dieses Gefühl nicht geben können, weil er ihre Schwester Dana liebte, aber bei Tristan hatte sich Marlene von Anfang an sicher sein können, dass ihre Gefühle erwidert werden, ja, dass Tristan verrückt nach Marlene war. Und wenn Marlene eines liebte: dann das Gefühl des Im-Mittelpunkt-Stehens, des Gefeiert-Werdens und das Gefühl des Hofiert –Werdens. War er nicht einfach ein weiterer Fan Marlenes gewesen, der größte von allen, der sie auf Händen getragen hatte und der alles für sie getan hätte, und der doch am Ende erfuhr, dass ihm nicht viel bleiben würde, als das Poster über dem Bett?

Tristan spürte wieder eine unkontrollierbare Wut in sich aufsteigen. Und – wie um sich selbst noch mehr zu kasteien zog er aus der Nachtischschublade ein Kästchen hervor. In diesem Kästchen befanden sich sämtliche Zeitungsausschnitte und Fotos von Marlene und ihm. Tristans Hände zitterten als er sich ein Foto von Marlene ansah, auf dem sie – wundervoll zurechtgemacht stand und effektascherisch in die Kamera lächelte, neben ihr der Trottel, der ihr vertraut hatte – Tristan von Lahnstein. Tristan stieß das Bild mit einem Schnaufen verächtlich von sich und sprang dann auf. Er riss die Fotobox vom Bett und warf sie in den Papierkorb. Dann zückte er Feuerzeug und setzte den Inhalt der Fotobox in Brand. Er beobachtete die Flammen, wie sie jedes einzelne Bild und jeden einzelnen Zeitungsartikel auslöschten. Er wünschte sich, das könnte er auch mit den Gedanken in seinen Gehirn machen: sie auslöschen, die Gefühle, die er für Marlene empfand, einfach auslöschen.
Als die Fotos und Artikel zu einem unerkenntlichen Haufen verbrannt waren gab Tristan dem Papierkorb einen Tritt. Der Korb prallte gegen die Wand, und die Reste verbrannten Papieres flogen heraus, hinterliessen schwarze Spuren auf dem Parkettfußboden. Jetzt kam Regung in Tristan. Er konnte seine Wut nicht länger unterdrücken. Er ging ins Badezimmer, sah, dass Marlene noch einige Utensilien auf dem Waschtisch stehen hatte. Er ergriff ihr Parfüm und warf es gegen den Spiegel. Glas zerbarst, der Inhalt des Flakons spritze an die Fliesen. Tristan riss das Waschgel und den Handspiegel von Marlene vom Waschtisch und schleuderte ihn mit einem Wutschrei durchs ganze Badezimmer. „Ich werde nicht zulassen, dass du mich zerstörst, Marlene, ich wird es NICHT zulassen, NIEMALS!“ schrie er außer sich und warf ein anderes Parfüm an den Badezimmerspiegel. Dann sah er sich im Spiegel, sah wie ihm eine wutverzerrte Fratze entgegenblickte. Er sah wie ein Fremder aus. Tristan hob die Faust und schlug gegen den Spiegel, einmal, zweimal. Er hatte solche eine Wut in sich, dass er das Glas des Spiegels zerschlug. Als er wieder zuschlug, landete seine Faust in Scherben. Er schrie auf vor Schmerz, ließ seine Faust aber noch einmal in das Glas schnellen. Das Blut lief ihm über die Hand, den Oberarm herunter, mischte sich mit der Faser seines violetten Baumwollhemdes. Jetzt ließ Tristan vom Spiegelschrank ab. Der Schmerz in seinem Inneren wurde übertönt von dem Schmerz in seiner Hand. „Verdammt“ schrie er aus und suchte nach einem Handtuch um das Blut zu stillen.

„Tristan!“ rief eine Stimme hinter ihm. „Tristan, was ist los?“ Helena schoss vor und fand ihren Bruder im Badezimmer. „Oh Gott, Tristan, was hast du getan?“ rief sie total entsetzt und fasste ihren Bruder am Arm. „Das muss sofort verbunden werden, ich rufe einen Arzt.“ „Nein! ich brauch keinen Arzt“, wehrte ihr Bruder ab. „Das muss genäht werden“, rief Helena aufgeregt. „NEIN! Ich brauche keinen Arzt, hörst du?“ schrie er wieder. „Geh! Geh einfach, LASS MICH IN RUHE. Lass mich. einfach… in Ruhe…“ die letzten Worte kamen nur noch stoßweise, und dann konnte Tristan nicht mehr. Er brach weinend in Helenas Armen zusammen. „Oh Gott, ich habe sie doch so geliebt. ich… wollte doch….“er konnte nicht weiterreden, so sehr wurde er von Weinkrämpfen geschüttelt. „Marlene.. ich…ich lieb´ sie doch so..“ „Shhhh, es ist gut, Tristan, alles ist gut, ich bin bei dir“, flüsterte Helena und hielt ihren Bruder fest an sich gedrückt, strich mit der Hand über sein Haar, immer wieder. „Ich bin für dich da, immer, hörst du?“ Tristans Schluchzen wurde leiser, bis er nur noch wimmerte. Die beiden Geschwister hielten sich fest, und in dem Moment wussten sie beide, dass sie sich immer auf den anderen würden verlassen konnten, egal, was passierte. Ihre Verbindung würde niemals zerstört werden können, denn sie war etwas sehr sehr kostbares, Einmaliges. Helena schob Tristan sanft von sich, sah ihn an. „Lass uns deine Hand verarzten“, sagte sie. Ihr Bruder nickte und sah seine Zwillingsschwester dankbar an. „Danke“, sagte er nur.

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