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 Betreff des Beitrags: Marbecca - Ten Years Gone
BeitragVerfasst: So 26. Jul 2015, 00:23 
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Zitat:
So, ich wollte schon lange mal eine FF über Marbecca schreiben, nachdem ich viele schöne zu diesem Pairing gelesen habe.

Ich mochte die beiden als Paar lange Zeit, auch wenn ich finde, dass sie am Ende ziemlich totgeschrieben wurden. Das Ende von Marbecca war unter aller Kanone. Tibecca mochte ich dann aber auch wieder, nur auf eine ganz andere Weise, wie Marbecca.

Einleitung: Die Geschichte setzt ein paar Jahre in der Zukunft ein. Ab und zu wird die Handlung durch Flashbacks unterbrochen, die die Vergangenheit beleuchten, und so die Leben dieser beiden Frauen näher beleuchten.

Wundert euch nicht, am Anfang wird es ziemlich viel von Rebecca geben, Marlene wird erst in einem späteren Kapitel auftreten.

Ich hoffe, euch gefällt meine Geschichte. Jede Art von Kritik ist willkommen, und motiviert mich, weiterzuschreiben


Mit diesen Worten habe ich damals im VL Forum unter dem Nickname Flo231991 meine Marbecca FF gestartet. Nun bin ich dort nur noch stiller Leser, und habe mitbekommen, dass es das Bestreben gibt, die dortigen Marbecca FFs hier unterzubringen, was ich persönlich eine klasse Idee finde, und deswegen meine alte Marbecca FF auch hier posten möchte.

Die FF war ein interessantes Experiment für mich als Mann, über ein lesbisches Paar zu schreiben. Das hier ist dabei herausgekommen. Ich hoffe, euch gefällts...

------------------------

1. New York, New York


Rebecca schaute aus dem Fenster, wo die Dächer Düsseldorfs unter ihr kleiner und kleiner wurden, bis sie schließlich so winzig waren, dass sie wie eine Ameisenkolonie aussahen, bevor sie schließlich unter der weißen Wolkendecke verschwanden. Nun sah Rebecca über die Wolken zum Horizont in der Ferne, dorthin, wohin sie jetzt reisen würde.

Die letzten Jahre hatten ihr viel abverlangt. Vielen Leuten hatte sie auf die ein oder andere Weise Lebewohl sagen müssen, und mit dem letzten dieser Lebewohls, welches das schwerste für sie gewesen war, schien es auf Königsbrunn, ihrem langjährigen Zuhause, immer kälter und enger zu werden, bis sie sich schließlich so fremd auf diesem Schloss fühlte, dass sie dort weg musste. Vorbei waren die schönen Tage, die sie dort verbracht hatte. Rebecca versuchte angestrengt, sich daran zu erinnern, wann sie das letzte Mal unbeschwert gewesen war. Es musste wohl vor zwei Monaten gewesen sein, am Morgen des Tag X.

Sie hatte gerade die Augen aufgeschlagen, und blinzelte müde auf den Platz neben sich, wo ihr Ehemann Tim immer noch selig schlief. Sie beugte sich vorsichtig zu ihm rüber, und gab ihm einen zärtlichen Kuss auf die Nasenspitze. Tim wachte murrend auf. Rebecca kicherte. Mittlerweile war der Alltag in ihre Ehe eingekehrt, aber diese kleinen Neckereien, die ihre Beziehung von Anfang an bestimmt hatten, wurden auch jetzt noch nicht langweilig.
„Guten Morgen!“, flüsterte Rebecca.
Tim rieb sich die Augen.
„Guten Morgen, Schatz!“, kam es von ihm verschlafen.
Die beiden gaben sich, wie jeden Morgen, einen Gutenmorgenkuss.
„Frühstück?“, fragte Rebecca und war drauf und dran, nach Justus zu klingeln.
Sie freute sich schon auf ein gemeinsames, gemütliches Frühstück im Bett mit Frau Linses herrlichen Sandwiches. Tim sah zur Uhr, und sprang auf einmal auf.
„Mist, ich habe verschlafen. Ich habe gleich einen wichtigen Auftrag. Hat denn der Wecker nicht geklingelt?“
Rebecca hob die Schultern.
„Entweder das, oder wir haben ihn nicht gehört. Also kein Frühstück im Bett?“
Tim streifte sich ein Shirt über seinen nackten Oberkörper, beugte sich zu Rebecca herunter, und gab ihr einen flüchtigen Kuss.
„Tut mir leid, wir holen das nach, okay?“ Tim schnappte sich seine Ausrüstung, und war schon zur Tür hinaus.
„Bis heute Abend!“, rief er noch über die Schulter zurück.
„Ich liebe dich!“, rief ihm Rebecca hinterher.


Niemals würde sie die Sekunden an jenem Nachmittag vergessen, in denen ihr Handy klingelte, und ihr ein Mann am anderen Ende der Leitung die Nachricht überbrachte, dass…

Rebecca riss sich aus ihren Erinnerungen. Nicht jetzt. Nicht jetzt, wo sie gerade im Begriff war, ein neues Leben zu beginnen und das alles hinter sich zu lassen. Am besten vielleicht nie…

Der Junge neben ihr zupfte sie am Ärmel. Liebevoll lächelnd wand sie sich ihm zu.
„Was ist denn?“, fragte sie geduldig. Der kleine Junge sah Rebecca an. Als sie in sein Gesicht schaute, fühlte sie sich an Tim erinnert.
„Es drückt so komisch in meinen Ohren, Mama!“

to be continued...


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 Betreff des Beitrags: Re: Marbecca - Ten Years Gone
BeitragVerfasst: So 26. Jul 2015, 04:44 
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Beiträge: 8047
Kuroshitsuji hat geschrieben:
Zitat:
So, ich wollte schon lange mal eine FF über Marbecca schreiben, nachdem ich viele schöne zu diesem Pairing gelesen habe.

Ich mochte die beiden als Paar lange Zeit, auch wenn ich finde, dass sie am Ende ziemlich totgeschrieben wurden. Das Ende von Marbecca war unter aller Kanone. Tibecca mochte ich dann aber auch wieder, nur auf eine ganz andere Weise, wie Marbecca.

Einleitung: Die Geschichte setzt ein paar Jahre in der Zukunft ein. Ab und zu wird die Handlung durch Flashbacks unterbrochen, die die Vergangenheit beleuchten, und so die Leben dieser beiden Frauen näher beleuchten.

Wundert euch nicht, am Anfang wird es ziemlich viel von Rebecca geben, Marlene wird erst in einem späteren Kapitel auftreten.

Ich hoffe, euch gefällt meine Geschichte. Jede Art von Kritik ist willkommen, und motiviert mich, weiterzuschreiben


Mit diesen Worten habe ich damals im VL Forum unter dem Nickname Flo231991 meine Marbecca FF gestartet. Nun bin ich dort nur noch stiller Leser, und habe mitbekommen, dass es das Bestreben gibt, die dortigen Marbecca FFs hier unterzubringen, was ich persönlich eine klasse Idee finde, und deswegen meine alte Marbecca FF auch hier posten möchte.

Die FF war ein interessantes Experiment für mich als Mann, über ein lesbisches Paar zu schreiben. Das hier ist dabei herausgekommen. Ich hoffe, euch gefällts...

Willkommen in unserem Forum, Kuroshitsuji. :D
Toll, dass du dem Aufruf im VL Forum gefolgt bist, und deine FF hier posten möchtest. :spitze:
Ja, das Marbecca Ende war mehr als leidlich, deshalb ist es umso schöner, dass dieses Paar in FFs weiterlebt.
Es ist außerdem mein Bestreben, Fanarbeit in jeder Form auch nach dem Aus der VL zu erhalten.

Wir haben hier unter den "VL Traumpaaren" auch ein ganzes Marbecca Unterforum.
31135132nx52154/marlene--und-amp-rebecca-f101/

Dort habe ich nun ein weiteres Unterforum mit dem Titel "Marbecca Fanfiction - ARD Forum" eingerichtet, um dort alles aus dem ARD Forum kommende unterzubringen und für die Fangemeinde zu sichern.
31135132nx52154/marbecca-fanfiction-ard-forum-f122/

Es steht dir aber völlig frei, deine Story auch hier im allgemeinen Stories und Gedichte Bereich zu posten.
Ich kann ja im Marbecca Fanfiction Unterforum hierher verlinken. :wink:

_________________
https://www.youtube.com/user/Novemberstern75
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 Betreff des Beitrags: Re: Marbecca - Ten Years Gone
BeitragVerfasst: So 26. Jul 2015, 08:37 
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Hallo Novemberstern :huhu:

Danke für deine liebe Begrüßung!

Ich muss zugeben, ich habe das Unterforum gestern übersehen. :oops: war doch schon etwas später..

Du darfst Ten Years Gone gerne dorthin verschieben, wenn du magst 8)


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 Betreff des Beitrags: Re: Marbecca - Ten Years Gone
BeitragVerfasst: So 26. Jul 2015, 11:40 
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Hey Flo-Kuroshitsuji!
Schön, dass du hier deine FF postest und generell, dass man dich so noch erreichen kann! :huhu:

_________________
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R.I.P. Lexa kom Trikru


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 Betreff des Beitrags: Re: Marbecca - Ten Years Gone
BeitragVerfasst: So 26. Jul 2015, 13:40 
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Kuroshitsuji hat geschrieben:
Hallo Novemberstern :huhu:

Danke für deine liebe Begrüßung!

Ich muss zugeben, ich habe das Unterforum gestern übersehen. :oops: war doch schon etwas später..

Du darfst Ten Years Gone gerne dorthin verschieben, wenn du magst 8)

Ich habe im Unterforum einen Thread zu deiner FF eröffnet und dorthin verlinkt.
31135132nx52154/marbecca-fanfiction-ard-forum-f122/marbecca-ten-years-gone-t2330.html

So findet man sie auch dort in der Übersicht.

Im Hinblick darauf, dass das Forum sehr groß ist und sich jeder erstmal zurechtfinden muss, ist es schön, die FFs auch direkt im allgemeinen Storybereich zu finden - jenseits des themenspeziefischen. Deshalb werde ich wohl auch dort nochmal auf die Marbecca FFs im Unterforum verweisen und verlinken, so dass beide Bereiche miteinander verbunden sind und jeder selbst entscheiden kann, wo er/sie lieber posten möchte. :wink:

_________________
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 Betreff des Beitrags: Re: Marbecca - Ten Years Gone
BeitragVerfasst: So 26. Jul 2015, 16:16 
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hallo flo, schön, von dir zu lesen! :huhu:

jetzt bist du also ein dunkler manga-dämon! 8)

grüße von der tierarztfrau/heidi.m


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 Betreff des Beitrags: Re: Marbecca - Ten Years Gone
BeitragVerfasst: So 26. Jul 2015, 17:48 
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:huhu: hoppe und Heidi :spitze:

@Heidi: ja, eine kleine Schwäche von mir :oops: 8)


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 Betreff des Beitrags: Re: Marbecca - Ten Years Gone
BeitragVerfasst: So 26. Jul 2015, 19:16 
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Mal schauen, wie schnell ich mit dem Posten vorankomme :oops:

2. Mama, wo ist Papa?


Rebecca richtete sich müde notdürftig in ihrer Wohnung in New York ein. Der Jetlag machte sich so langsam bei ihr bemerkbar. Finn, ihren Sohn, hatte er schon übermannt. Sie hatte Finn ins Bett tragen müssen. Sie hatte ihn sanft in ihr Schlafzimmer getragen und dort in das Bett gelegt, die erste Nacht in einem fremden Land – nein, auf einem fremden Kontinent wollte sie ihren Schatz nicht alleine lassen. Sie war gerade dabei, das Gepäck, das sie direkt mitgenommen hatten, zu entpacken. Sie wollte es für sich und vor allem für ihren Sohn so schnell wie möglich gemütlich machen. Hier sollte ihr neues Zuhause sein. Ihr Zukunft. Ihr Leben. Sie hatte die Tür zum Schlafzimmer einen Spalt breit offen gelassen, in den letzten zwei Monaten war Finn oft nachts aufgewacht und hatte nach…

„Papaaaa!“, kam es da auch schon aus dem Zimmer.
Rebecca stellte noch das letzte der vielen Fotos ihrer Familie auf den Beistelltisch im Wohnbereich, und ging dann zügig in das dunkle Schlafzimmer. Sie sah den kleinen Körper ihres fünfjährigen Jungens im Bett sitzen, das Gesicht in den Händen vergraben. Sie setzte sich behutsam vor ihrem Sohn auf das Bett und streichelte ihrem Sohn über den braunen Strubbelkopf.
„Is ja gut, ist schon gut!“, redete sie beruhigend auf Finn ein, und musste dabei selbst gegen die Tränen kämpfen.
Sie wunderte sich, dass sie überhaupt noch Tränen hatte, denn sie hatte in den letzten Monaten so viel geweint. Finn schluchzte ungehemmt und fiel seiner Mutter um den Hals.
„Ich vermisse Papa so!“, meinte er verzweifelt.
Rebecca schlang ihre Arme um ihren Sohn, und streichelte ihm tröstend über den Rücken.
„Ich auch, mein Sohn. Ich auch!“, flüsterte sie mit bröckelnder Stimme.
Stille Tränen rannen ihr über die Wangen.
„Wir werden Papa nie vergessen. Er wird immer bei uns sein.“
Rebecca wischte sich schnell das tränennasse Gesicht trocken und fischte nach dem Bild von Tim, das sie ihrem Sohn auf den Nachttisch gestellt hatte, und zeigte es ihm.
„Schau, Papa passt auf dich auf, wenn du schläfst!“
Finn wischte sich die brennenden Augen, und schaute auf das Foto, das seinen Vater verschmitzt in die Kamera lächelnd zeigte.
„Weißt du“, begann Rebecca, „er lebt in dir weiter. Du siehst im so ähnlich. Bis auf die Augen, die hast du von mir.“
Finn beruhigte sich langsam wieder.
„Und jetzt, schlaf noch ein bisschen!“
Finn legte sich wieder hin, und umklammerte das Foto, das einen der Menschen zeigte, die er am meisten auf dieser Welt liebte, und die jetzt nicht mehr da waren. Rebecca deckte ihn behutsam zu.
„Wenn irgendwas ist, ich bin nur hinter dieser Tür, und später komme ich dann zu dir, okay?“
Finn nickte, bevor er wieder ins Traumland hinüberglitt.

Rebecca lehnte die Tür an, und wand sich ab. Nun konnte sie ungehemmt weinen. Sie wollte für ihren Sohn stark sein, ihm eine Schulter zum Anlehnen geben. Aber jetzt, alleine, musste sie nicht mehr stark sein. Sie setzte sich auf das schwarze Sofa, zog die Knie fest an ihrem Oberkörper, und dachte an den Moment, als sie es erfahren hatte…

Sie war gerade in einer Besprechung mit Tristan, als ihr Handy klingelte. Sie entschuldigte sich, was Tristan mit einem genervten Blick abnickte, und nahm das Gespräch an.
„Rebecca von Lahnstein?“
Am anderen Ende war ein Mann mit dienstlich klingender Stimme.
„Ja, Frau von Lahnstein, Kommissar Meier hier. Es geht um Ihren Ehemann.“
Rebecca wusste sofort, dass da irgendwas nicht stimmte. Wenn die Polizei anrief, war es nie etwas Gutes.
„Was ist mit ihm?“, fragte sie vorsichtig, und bereitete sich innerlich schon auf das Schlimmste vor.
„Es gab einen schrecklichen Unfall. Ihr Mann ist bei einem Fotoshooting vom Dach eines Hochhauses gefallen...Frau von Lahnstein, ich muss Ihnen leider mitteilen, dass Ihr Mann verstorben ist!“
Alles Vorbereiten auf das Schlimmste hatte nichts genutzt. Diese Nachricht traf sie wie ein nicht endend wollender Schwall eiskaltes Wasser. Tristan hatte mitbekommen, dass es wohl etwas Ernstes war, er war aufgestanden, und zu Rebecca gekommen. Als er ihren erschrockenen Gesichtsausdruck sah, sah er sie abwartend an. Rebecca ließ das Handy sinken.
„Was ist los?“, wollte Tristan besorgt wissen. Rebecca sah Tristan in die Augen.
„Tim ist tot.“
Das klang so unwirklich, und es klang auch nicht so, als kam es aus ihrem Mund, obwohl sie hätte schwören können, dass sie ihre Lippen bewegt hatte. Tristan packte Rebecca an den Schultern. Rebecca vergrub das Gesicht in den Händen. Ihr Körper bebte. Tristan dachte, sie sei in Tränen ausgebrochen. Umso überraschter war er, als Rebecca ihren Kopf wieder gehoben hatte, und er sah, dass sie lachte. Es war kein herzliches Lachen, sondern ein hysterisches, überfordertes Lachen. Sie schüttelte sich.
„Tim ist tot. Einfach so. Weg. Aufgehört zu leben.“
Tristan wusste nicht, was er machen sollte, und so drückte er Rebecca an sich. In dem Moment realisierte Rebecca wirklich erst, was sie gerade erfahren hatte, und die Schleusen gingen auf. Sie fing an zu weinen.
„Tim ist tot!“, schluchzte sie in Tristans Schulter.


Rebecca wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. Sie nahm das Bild von sich, Finn und Tim, und schaute es an.
„Es wird Zeit, wieder mit dem Leben zu beginnen!“, flüsterte sie, und strich sanft über Tims Gesicht.


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 Betreff des Beitrags: Re: Marbecca - Ten Years Gone
BeitragVerfasst: So 26. Jul 2015, 20:57 
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Registriert: Mo 3. Dez 2012, 14:29
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Find's auch schön, hier von dir zu lesen, Flo! :huhu:

Bei deiner FF habe ich bislang nie mehr geschafft, als durchzublättern, obwohl ich mir immer mehr vorgenommen habe. :hdl: Vielleicht schaffe ich es ja nun, endlich mal darin zu lesen. :trippelelch:

Lieben Gruß :redknuddel:


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 Betreff des Beitrags: Re: Marbecca - Ten Years Gone
BeitragVerfasst: So 26. Jul 2015, 22:26 
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Registriert: Do 5. Feb 2015, 22:36
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vonLahnstein hat geschrieben:
Find's auch schön, hier von dir zu lesen, Flo! :huhu:

Bei deiner FF habe ich bislang nie mehr geschafft, als durchzublättern, obwohl ich mir immer mehr vorgenommen habe. :hdl: Vielleicht schaffe ich es ja nun, endlich mal darin zu lesen. :trippelelch:

Lieben Gruß :redknuddel:

Lahni! :knuff:

Fühlt sich an wie Homecoming irgendwie :mrgreen:

BTW: Krass, ich lese meine Marbecca FF gerade zum ersten Mal seit dem Ende und erwische mich dabei, dass ich selbst nicht mehr weiß wie es weiter geht :ohnmacht:


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 Betreff des Beitrags: Re: Marbecca - Ten Years Gone
BeitragVerfasst: Mo 27. Jul 2015, 00:11 
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Registriert: Do 20. Sep 2012, 14:20
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Kuroshitsuji hat geschrieben:
vonLahnstein hat geschrieben:
Find's auch schön, hier von dir zu lesen, Flo! :huhu:

Bei deiner FF habe ich bislang nie mehr geschafft, als durchzublättern, obwohl ich mir immer mehr vorgenommen habe. :hdl: Vielleicht schaffe ich es ja nun, endlich mal darin zu lesen. :trippelelch:

Lieben Gruß :redknuddel:

Lahni! :knuff:

Fühlt sich an wie Homecoming irgendwie :mrgreen:

BTW: Krass, ich lese meine Marbecca FF gerade zum ersten Mal seit dem Ende und erwische mich dabei, dass ich selbst nicht mehr weiß wie es weiter geht :ohnmacht:


dann musst du da ja 180-grad-wendungen eingebaut haben en masse! :mrred: die spannung steigt :trippelelch:


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 Betreff des Beitrags: Re: Marbecca - Ten Years Gone
BeitragVerfasst: Mo 27. Jul 2015, 14:59 
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Auf jeden Fall ein paar 90 Grad Haken! :wink:

3. Zeit zu gehen


Musiktipp: https://www.youtube.com/watch?v=f_JLkIOnq04 (Andrea Bocelli & Sarah Brightman - Time To Say Goodbye)

Am nächsten Morgen wachte Rebecca sehr früh auf. Ihre Augen brannten noch von den Tränen der letzten Nacht, aber ihr Verstand war klar. Bevor sie sich letzte Nacht neben ihren Sohn ins Bett gelegt hatte, hatte sie in Gedanken eine Liste angefertigt mit Dingen, die unbedingt erledigt werden mussten, und zwar so schnell wie möglich. Rebecca erhob sich leise, und spitzte zu ihrem Sohn Finn hinüber, der, das Bild immer noch umklammert, leise und regelmäßig atmete und tief und fest schlief. Rebecca stand auf, streifte sich ihren Morgenmantel über, und ging langsam aus dem Zimmer, und ging zu allererst einmal ins Bad.


Als sie schließlich frisch geduscht aus dem Bad kam, machte sie sich daran, für sie beide Frühstück zu machen. Sie nahm eine der Tupperdosen zur Hand. Die gute alte Frau Linse hatte für sie und den kleinen Finn ein paar Leckereien vorbereitet (ein paar war die Untertreibung des Jahres; damit hätte man die gesamte Familie Lahnstein zu ihren besten Zeiten versorgen können), und als Rebecca eine der Dosen öffnete, wehte ihr der so vertraute Geruch entgegen, den sie so oft in der Küche auf Schloss Königsbrunn gerochen hatte.
„Vielen Dank, Frau Linse!“, dachte Rebecca und lächelte, als sie sich erinnerte, wie diese kleine, resolute Frau in der Schlossküche umherwirbelte, bis jedes, aber auch jedes der hungrigen Adelsmäuler gestopft war.
Nebenbei neckte sie sich mit dem Major Domo Justus. Rebecca schüttelte den Kopf. Frau Linse und Justus waren für sie schon lange ein Teil der Familie geworden. Während sie das Frühstück vorbereitete, nahm sie ihr Handy zur Hand. In ihrer Kontaktliste suchte sie konzentriert die Nummer ihres zukünftigen Arbeitgebers.


„Style Up Fashion, Mr. Smithers am Apparat, was kann ich für Sie tun?“
„Mr Smithers? Rebecca von Lahnstein hier“, antwortete Rebecca.
„Mrs. von Lahnstein, welche Überraschung. Sie fangen doch erst nächste Woche bei uns an. Was kann ich für Sie tun?“, fragte Mr. Smithers interessiert.
„Ich wollte nur ein paar Informationen über Ihre nächste Kollektion einholen. Ich würde mir gerne jetzt schon ein paar Gedanken dazu machen.“, erläuterte Rebecca, und suchte sich einen Stift und ein Blatt Papier, um stichpunktartige Notizen machen zu können.
„Das nenne ich Motivation!“, kam es von Mr. Smithers überrascht.
„Nun ja, unsere nächste Linie soll junge Frauen ansprechen. Sie soll elegant sein, aber schlicht und modern, mit einer Prise wildness. Können Sie damit was anfangen?“, fragte Mr. Smithers verunsichert.
Rebecca lächelte, als sie den Stift auf das Papier legte.
„Ja, damit kann ich arbeiten. Vielen Dank, Mr. Smithers!“
„Sehr gerne. Wir sehen uns dann nächste Woche. Ich bin schon gespannt auf ihre Entwürfe. Wir freuen uns, Sie bei uns haben zu dürfen!“
„Nicht doch, ich freue mich, mit Ihnen zusammenarbeiten zu können, Mr. Smithers. Ihr Unternehmen hat so viel Potenzial, und ich freue mich darauf, es mit Ihnen gemeinsam ausschöpfen zu können! Bis nächste Woche!“
Rebecca legte auf. Sie besah sich zufrieden ihre Notizen. Der erste Schritt war getan.

Rebecca sah auf die Uhr. Kurz vor acht. Vielleicht schaffte sie es noch, einen Teil des Papierkrams durchzugehen, den sie sich gleich mitgebracht hatte, bevor zum einen Finn aufwachen würde, zum anderen ihre restlichen Habseligkeiten vom Flughafen hergebracht werden würden. Sie setzte sich an ihren hellen, hohen Schreibtisch, und begann, die Papiere durchzuforsten und in verschiedene Stapel zu sortieren, als ihr ein dicker Briefumschlag ins Auge fiel, auf dem „Rebecca“ geschrieben stand. Das war doch Tristans Handschrift! Sie nahm den Brief in die Hand…

Sie stand mit gepackten Sachen in der großen Eingangshalls des Schlosses. Der verbliebene Rest der Familie war gekommen, um sie und den kleinen Finn zu verabschieden: Ihre Kollegen Tristan, Ansgar mit seinen Kindern Kim und Hannes, sowie Tanja mit Emma hatten es sich nicht nehmen lassen, Rebecca zu verabschieden. Sie verabschiedete sich zuerst von Kim.
„Ich habe so viel von dir gelernt, Becks. Danke!“
Rebecca schloss Kim in ihre Arme.
„Mach einfach so weiter, Kim…und lass dich von den anderen nicht unterbuttern!“, fügte sie leise mit einem Blick auf die übrige Familie hinzu.
Sie umarmte den braungebrannten Sunnyboy Hannes.
„Mein Hübscher. Lass den Mädels ein bisschen Luft zum Atmen!“, mahnte sie grinsend.
Hannes sah sie an.
„Ach, Rebecca, du kennst mich doch!“
„Eben!“, schoss Rebecca zurück und lächelte.
Als sie vor Ansgar stand, musste sie unwillkürlich lachen. Ansgar war seine Familie eben doch nicht egal, wie sie seinem Gesichtsausdruck unschwer entnehmen konnte.
„Ansgar, alter Stinkstiefel!“
„Jaja, schon gut!“, meinte Ansgar mit einer abtuenden Handbewegung.
Er vermied es, Rebecca in die Augen zu schauen. Rebecca drückte Ansgar an sich, und erwischte ihn damit kalt. Ansgar war überrascht, aber er umarmte seine Cousine.
„Wenn irgendwas ist…“, begann er.
„Mach ich!“, versicherte Rebecca ihm.
Sie wand sich Tanja zu, und beugte sich zu ihr herunter. Die Dramen der letzten Jahre hatten ihr arg zugesetzt.
„Danke dir, dass du immer an mir festgehalten hast!“
Tanja sah Rebecca kühl an. Dass sie die Fähigkeit, zu Gehen, verloren hatte, hatte ihrem Stolz keinen Abbruch getan.
„Ach was, du warst einfach die Beste. Sonst hätte ich jemand anderes eingestellt!“ Rebecca grinste sie an.
„Aber sicher!“, meinte sie.
Emma kamen die Tränen.
„Wem soll ich denn meine Jungsprobleme erzählen, wenn du nicht mehr da bist?“, fragte sie und fiel Rebecca um den Hals.
„Vielleicht Kim?“, schlug diese vor.
„Du machst das schon alles richtig!“, gab Rebecca Emma mit auf den Weg.
Am Ende stand Rebecca vor Tristan, dem engsten Verwandten, der ihr geblieben war.
„Also dann…“, begann Rebecca. Tristan sah Rebecca verzweifelt an.
„Ich kann ja verstehen, dass du hier weg willst, nach allem, was du erdulden musstest. Aber mich lässt du hier alleine zurück. Bin ich egoistisch?“, fragte Tristan.
Rebecca schüttelte den Kopf. Sie umarmte Tristan.
„Danke, dass du für mich da warst, egal, was war! Du hattest immer ein offenes Ohr für mich und meine Probleme!“, flüsterte sie ihm ins Ohr.
Sie trat einen Schritt zurück. Nachdem auch Finn sich der Reihe nach von „den Großen und Emma“ verabschiedet hatte, nahm er Rebeccas Hand.
„Bereit für ein großes Abenteuer, Sohnemann?“, fragte Rebecca Finn feierlich.
„Ja, Mama!“, antwortete Finn erwartungsvoll.
Rebecca und er gingen auf den Ausgang zu. Sie drehte sich noch einmal um.
„Machts gut!“
Mit einem letzten, müden Lächeln trat Rebecca hinaus in die kalte Luft. Sie und Finn stiegen die Treppen hinab, wo schon ein Fahrer auf sie wartete. Sie hatte Finn bereits angeschnallt, als Tristan von oben herabrief.
„Rebecca! Warte!“
Rebecca drehte sich überrascht herum, und sah, wie Tristan die Treppe herunter kam, einen Brief in der Hand.
„Der ist für dich. Mach ihn erst drüben auf, okay?“
Rebecca nahm den Umschlag überrascht entgegen. Sie sah Tristan an und umarmte ihn noch einmal.
„Danke.“, flüsterte sie und stieg ein.
Das Auto setzte sich in Bewegung. Rebecca sah durch die Rückscheibe, wie ihre Familie, die ihr hinterherwinkte, und das Schloss, das so lange ihr Zuhause war, immer kleiner wurden. Schließlich wand sie den Blick ab, und lächelte Finn entgegen.
„Es geht los!“


Rebecca schaute den Brief lange an. Mit zitternden Händen öffnete sie ihn, und entfaltete den Bogen Papier…


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 Betreff des Beitrags: Re: Marbecca - Ten Years Gone
BeitragVerfasst: Di 28. Jul 2015, 16:15 
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4. Tristans Nachricht


„Mein liebes Schwesterlein,

Du weißt, ich bin nicht gut darin, mich richtig auszudrücken, aber es gibt noch so vieles, was ich dir mit auf den Weg geben wollte.

Während ich diese Zeilen schreibe, denke ich zurück an unsere gemeinsame Zeit. Wir waren uns nicht immer grün, manchmal haben wir uns bekriegt, aber trotzdem warst du immer meine Schwester. Gerade in den letzten Jahren, in denen wir so viele Verluste erlitten haben, wurdest du für mich zu einer ganz wichtigen Stütze. Es gibt so vieles, wofür ich dir dankbar war, bin, und immer sein werde. Dafür, dass du mich damals daran gehindert hast, Schluss zu machen, für all die Gespräche, die wir während meiner Therapie und auch danach geführt haben, dafür, dass ich mit dir zusammen trauern durfte, als wir Elisabeth verloren haben, und einfach dafür, dass du da warst, egal, wann ich dich brauchte. Von der ganzen Familie warst du mir am nahsten.

Aber ich habe schon sehr früh gemerkt, dass Tims Tod etwas in dir ins Rollen gebracht hat, was ich nicht aufhalten konnte und auch nicht aufhalten wollte: den Drang, woanders noch einmal neu anzufangen. Meine kleine Schwester wollte raus und einfach weg. Also lasse ich dich gehen, mit einem weinenden, aber auch einem lachenden Auge, denn ich bin mir sicher, du wirst deinen Seelenfrieden irgendwann wiederfinden. Mach dir um die Familie und um LCL keine Sorgen, Ansgar, Tanja und ich werden den alten Kahn schon auf Kurs halten. Lebe dein Leben und genieße die Freiheit!

Versprich mir, dass du dich bei mir meldest, egal was es ist, und egal um welche Uhrzeit. Und wenn du Probleme hast: Ein Anruf genügt und ich springe in den nächsten Flieger.

Sag meinem Lieblingsneffen schöne Grüße von seinem verrückten Onkel Tristan!

Mach’s gut, kleine Schwester!

In Liebe,

Tristan

P.S. Ich habe dir eine Kleinigkeit mitgeschickt. Du wirst zwar denken, dass das zurzeit nichts für dich ist, aber tu mir den Gefallen, und nimm dir den Abend nur für dich!“

Rebecca schaute noch einmal in den Umschlag. Sie fischte einen rechteckigen, hochwertigen Pappumschlag heraus. Sie öffnete ihn. Darin befand sich eine Karte für einen „Best Of Musical" Abend an der Metropolitan Opera. Rebecca schüttelte den Kopf. Wie war Tristan nur an solche eine Karte herangekommen? Sie sah rüber zu dem Bild ihres großen Bruders, auf dem er mit seinem typischen cool – charmanten Blick in die Kamera lächelte.
„Du bist wirklich verrückt!“, sagte sie mit einem Augenzwinkern und einem Grinsen auf den Lippen.

Nachdem sie die restlichen Papiere sortiert hatte (Dokumente, Finns Papiere, Frau Linses streng geheime Rezepte, die sie nur unter größter Anstrengung und dem Siegel höchster Verschwiegenheit mitbekommen hatte und und und), deckte sie gerade den Tisch, als sie das Tapsen zweier kleiner Füße hinter sich vernahm. Sie drehte sich herum, und sah ihren kleinen Sohn im Türrahmen stehen, der Pyjama fast so verknittert wie das Gesicht, die Haare verstrubbelt. Er rieb sich die Augen, während Rebecca zu ihm kam, sich vor ihm kniete, und ihm ein Gutenmorgenbussi gab. Finn schüttelte sich.
„Bäh, Mama. Nicht machen!“, murrte er.
Rebecca konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.
„Na gut, aber eine Umarmung bekomme ich doch, oder?“, fragte Rebecca und wartete mit ausgestreckten Armen.
Finn fiel seiner Mutter um den Hals, und drückte sie ganz fest. Rebecca gab Finn einen verstohlenen Kuss auf den Kopf, direkt über dem Ohr, den Finn dieses Mal still hinnahm.

Die beiden saßen am Frühstückstisch. Rebecca erlaubte Finn ausnahmsweise, Frau Linses Kuchen zum Frühstück essen zu dürfen. So saßen sie beide da, aßen Frau Linses herrliches Backwerk, und unterhielten sich. Oder besser gesagt, Finn stellte seiner Mutter alle möglichen Fragen, und Rebecca beantwortete sie ganz geduldig. Rebecca mochte es, wie neugierig und aufgeschlossen Finn war. Er hatte ihre Kreativität und Tims Auge fürs Detail geerbt, und die beiden hatten sich geeinigt, dass, egal was Finn später einmal machen wollte, sie ihn voll und ganz unterstützen würden, und davon würde Rebecca auch jetzt nicht abrücken. Sie beobachtete ihren Kleinen, wie er Gabel um Gabel des Kuchens aß und bewunderte ihn insgeheim. Trotz seiner immensen Trauer um seinen Papa war er doch immer noch Kind geblieben. Er hatte Gott sei Dank diese ansteckende Begeisterung und diese entwaffnende, direkte Ehrlichkeit nicht verloren, und Rebecca hoffte, dass er sie sich noch lange behalten konnte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Marbecca - Ten Years Gone
BeitragVerfasst: Di 28. Jul 2015, 16:17 
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5. The Lost Love Of…

Musiktipp: https://www.youtube.com/watch?v=pgz6PnHkmpY (The Phantom Of The Opera)

Rebecca saß Mr Smithers, ihrem neuen Chef, gegenüber, und blickte immer wieder verstohlen auf die Uhr. Es war das erste Mal, dass Finn mit seiner neuen Nanny alleine war, und Rebecca war unruhig: Wie würde sich die neue Nanny in ihrer Feuertaufe schlagen? Finn war ein lieber Junge, ja, aber es war das erste Mal seit langem, dass er nicht bei ihr war. Es war wichtig für sie beide, das wusste Rebecca, aber dennoch war sie unruhig. Sie hatte der Nanny alles erklärt, was es zu beachten gab, hatte ihr bestimmt zehnmal ihre Handynummer gesagt, inklusive des Hinweises, dass sie jederzeit erreichbar war. Mr Smithers besah sich die Papiere, die vor ihm lagen.
„Wunderbar!“, lächelte er.
„Dann fehlt nur noch ihre Unterschrift.“
Er reichte Rebecca den Arbeitsvertrag.
„Nehmen Sie sich alle Zeit, die sie brauchen.“
Rebecca las sich den Vertrag aufmerksam durch. Sie kannte die Geschäftspolitik von ihrer Arbeit bei LCL, also wollte sie kein Risiko eingehen. Mit jeder Zeile wurde Rebeccas Blick zufriedener. Es fühlte sich einfach richtig an. Rebecca nahm den Füllfederhalter zur Hand, den Mr Smithers bereitgelegt hatte, und setzte ihre schwungvolle Unterschrift unter den Vertrag, bevor sie ihn lächelnd ihrem neuen Chef reichte.
„Wunderbar! Dann, auf gut Zusammenarbeit!“
Mr Smithers reichte ihr die Hand, die Rebecca freundlich lächelnd schüttelte.
„Auf gute Zusammenarbeit. Vielen Dank, dass Sie mir so entgegengekommen sind!“
Rebecca war wirklich dankbar. Einige der Konditionen, die sie ausgehandelt hatten, hätten nicht alle Firmenchefs akzeptiert. Mr Smithers tat es mit einer Geste ab.
„Ihr Ruf ist Ihnen vorausgeeilt, Frau von Lahnstein. Sie haben in Europa bei LCL exzellente Arbeit geleistet. Und dass sie jetzt, frisch verwitwet und alleinerziehend, sofort wieder in die Arbeitswelt einsteigen wollen, bewundere ich sehr.“
Rebecca wurde verlegen. Sie kam mit Komplimenten nicht wirklich gut klar, erst Recht nicht, wenn sie sie wegen Dinge erhielt, die sie eigentlich nicht mochte.

Rebecca öffnete die Tür zum Kleiderfundus von Style Up Fashion. Sie wollte sich die letzten Kollektionen selbst ansehen. Sie hatte Fotos gesehen, Videos von den Modeschauen, aber ein Kleid live zu sehen, es in Händen zu halten, war für Rebecca nochmal eine ganz neue Erfahrung. Rebecca schloss die Augen und atmete ein. Sie sog den Duft der Textilien scharf ein. So vertraut, und doch ganz neu. Rebecca öffnete die Augen wieder. Es war das Richtige…

Am Nachmittag saß Rebecca zu Hause auf ihrem Sofa, und zeichnete einige der Ideen, die ihr beim Durchsehen der Kleider, die ihr Vorgänger entworfen hatte, gekommen waren. Wenn Sie zeichnete, war Rebecca ganz bei sich. Zeichnen beruhigte sie, es war ein Ausweg, keine Aufgabe. Dann fühlte sie nichts. Nicht den Schmerz, nicht die Trauer, nicht die Sorge um die Zukunft, nichts. Im Hintergrund lief ruhige Musik, die aus dem iPod kam, den Rebecca in die Dockstation gesteckt hatte. Ihre neuen Zeichnungen waren gut, hervorragend sogar, aber dennoch gefielen sie Rebecca nicht wirklich. Irgendwie fehlte das letzte kleine Stückchen, das hervorragend zu perfekt werden ließ. Das Lied war zu Ende, einige Sekunden Stille. Das nächste Lied setzte ein.

I wish I could hold you once again…

Rebecca wurde aus ihrer Welt gerissen. Sie hatte nicht gewusst, dass dieses Lied immer noch in ihrer Playliste gewesen war. Sofort wurden Erinnerungen wach, an die Zeit vor zehn Jahren, ihre Zeit mit…ihr. Diese Zeit, diese Liebe, war so intensiv gewesen, so wunderschön, so…vergänglich… Rebecca schwelgte in bittersüßen Erinnerungen, während Lily Rose im Hintergrund ihre verlorene Liebe besang…

Als Rebecca in Erinnerungen schwelgte, fiel ihr Blick auf Tristans Karte, die auf ihrem Schreibtisch lag. Sie hatte lange überlegt, ob sie da heute Abend hingehen wollte, hin und her debattiert, die Für und Wider abgewogen, und war schließlich zu dem Entschluss gekommen, dass sie nicht gehen würde. Aber dennoch: Einen Abend ausspannen, an nichts denken, das war schon verlockend… Rebecca gab sich innerlich einen Ruck. Die Karte war einfach zu schwer zu ergattern, als dass sie sie verfallen lassen konnte. Sie nahm ihr Handy zur Hand, und rief Finns Nanny an. Finn war ganz begeistert von Naomi gewesen. Naomi hatte Rebecca erzählt, wie sie miteinander geredet hatten, wie sie Finn das Essen zubereitet hatte, wie sie miteinander gespielt hatten. Vielleicht hatte Naomi ja am Abend Zeit, auf Finn aufzupassen, dann konnte Rebecca den Abend für sich nehmen. Schließlich nahm Naomi am anderen Ende der Leitung ab.
„Ja?“
„Naomi? Hier ist Rebecca.“
„Rebecca! Was gibt es?“
„Ich weiß, es ist sehr kurzfristig, aber könntest du heute Abend eventuell auf Finn aufpassen?“
Naomi zögerte am anderen Ende. Schließlich antwortete sie.
„Kann ich dich in zehn Minuten zurückrufen? Ich muss etwas abklären, bevor ich zu- oder absage?“
„Natürlich. Bis gleich!“
„Bis gleich!“
Rebecca legte auf.

Rebecca betrat die Met. Sie hatte sich ein schwarzes, schlichtes Kleid angezogen, und sich zum ersten Mal seit…sie wusste nicht wie lange geschminkt. Wohl fühlte sie sich in diesem Aufzug nicht, das war wie einer dieser steifen Familienempfänge auf Königsbrunn. Aber das Ambiente umhüllte sie, und so lockerte sie sich mehr und mehr auf. Sie nahm sich ein Glas Champagner.
„Auf die Zukunft!“, flüsterte sie und prostete ihrem imaginären Gegenüber zu.
Sie nippte an dem prickelnden Getränk, als auch schon der Gong ertönte. Rebecca versicherte sich, dass ihr Handy lautlos war und dass keine Anrufe eingegangen waren, nahm ihre Handtasche, und betrat die Oper…

Rebecca stand auf, und klatschte Beifall. Gerade war eine sehr schöne Version von Memory zu Ende gegangen, mit dem Rebecca sich gerade sehr gut identifizieren konnte. Die Lichter gingen an, nun gab es eine 15-minütige Pause. Rebecca nahm ihr Handy, und schrieb Tristan eine Dankesnachricht. Er hatte mal wieder den richtigen Riecher gehabt. Nach einem kurzen Telefonat mit Naomi ertönte auch schon der Gong, der signalisierte, dass die Pause in fünf Minuten zu Ende gehen würde. Rebecca begab sich wieder zu ihrem Platz auf dem Parkett in der achten Reihe. Das Licht wurde langsam gedimmt, bis es schließlich komplett erlosch. Das Publikum verstummte und eine Spannung machte sich breit, welcher Song als nächstes vorgetragen werden würde. Auch Rebecca wartete gespannt, und sie war nicht die einzige, die sich erschrak, als plötzlich eine dramatisch Orgelmusik einsetzte. Ein Scheinwerfer warf einen weißen Lichtkegel auf die Bühne, und eine blonde Frau in einem weißen, langen Kleid, trat ins gleißende Licht, und begann, zu singen. Rebecca horchte erstaunt auf…Das war doch… Nein, das konnte nicht sein…oder? Rebecca rutschte auf ihrem Sitz nach vorne, um sich zu vergewissern, ob sie sich auch wirklich nicht irrte. Diese Stimme, so vertraut, hatte sie zuletzt vor zehn Jahren gehört…halt nein, sie hatte sie heute Nachmittag gehört. Gebannt schaute Rebecca zu der blonden Frau auf die Bühne, die nun von ihrem Duettpartner umgarnt wurde, mit ihm tanzte, die Erotik der übernatürlichen Beziehung der beiden Charaktere zueinander auf der Bühne greifbar werden ließ. Sie sah atemberaubend aus. Das lange, blonde Haar fielen ihr in Wellen auf die Schulter, wie ein Wasserfall aus honiggoldenem Licht. Rebecca wusste nicht, was sie fühlen sollte, als sie ihre Exfreundin sah, ob die Spannung nur der elektrisierenden Performance geschuldet war, oder der Tatsache, dass sie vor zehn Jahren die Dinge zwischen ihnen ungeklärt gelassen hatten, und jetzt wieder so nah im selben Raum waren, und doch so weit voneinander entfernt. Als die Performance zu einem fulminanten Schluss gekommen war, erhob sich Rebecca und klatschte tosend Beifall. Marlene verneigte sich formvollendet, und wurde dann von ihrem Partner von der Bühne geführt…


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