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Teil 244:
Der nächste Tag war angebrochen und noch bevor Rebecca sich auf den Weg zur Arbeit machen konnte, betraten Sebastian und Marie die Wohnung. Der Graf erblickte seine Schwester und ging aufgebracht auf sie zu „wieso konnte ich Dich gestern Abend nicht erreichen? Ich habe Dich etliche Male auf dem Handy angerufen. Ist Dir das entgangen, oder warum kommst Du nicht auf die Idee, zurück zu rufen“ schimpfte er direkt drauf los. Rebecca war überrumpelt, sie warf Marie einen fragenden Blick zu und schaute dann wieder ihren Bruder an „ich war gestern Abend nicht mehr in Stimmung für Telefonate. Marlene und ich haben gestritten und ich brauchte etwas Ruhe, um nachzudenken. Was ist denn los? Ist etwas passiert?“ fragte sie unsicher. Sebastian guckte sie an, als hätte sie gerade einen schlechten Scherz gemacht „das wollte ich Dich gerade fragen. Tanja war gestern bei uns und weißt Du, was sie mir erzählt hat? Sie behauptet, dass Du Drogen nimmst. Und ich möchte jetzt von Dir wissen, ob das stimmt. Normalerweise würde ich ja sagen, dass sie spinnt, aber sie hat erwähnt, dass sie mit Marlene gesprochen hat und offenbar habt ihr beide euch ja auch gestritten. Sag mir bitte, dass das nicht wahr ist, Rebecca.“ Die junge Gräfin fasste sich an die Stirn, nach Marlene, kam jetzt also ihr Bruder und hielt ihr die nächste Standpauke. Tanja hatte wirklich ganze Arbeit geleistet und das schlimmste war, dass sie selbst Schuld daran war, weil sie geschwiegen hatte, anstatt mit ihrer Familie zu sprechen. Jetzt sah es für alle so aus, als sei sie abhängig „ja, es stimmt, ich habe Drogen genommen. Aber es war ein einziges Mal, ich bin weder abhängig, noch habe ich vor, es ein weiteres mal zu tun. Ich weiß, dass es ein Fehler war, Sebastian, und Du musst nicht auch noch auf mir herum hacken, Marlene hat mir bereits den Kopf gerade gerückt“ sagte sie resigniert. Wie aufs Stichwort kam Marlene die Treppe herunter und erkannte sofort, was los war. Sie hielt sich jedoch vorerst zurück und gesellte sich zu Marie, die die beiden Geschwister schweigend beobachtete. Sebastian war mit ihrer Antwort nicht zufrieden „das ändert nichts an der Tatsache, dass Du was genommen hast und dafür wird es einen Grund geben, nehme ich an. Verdammt, Rebecca, hast Du schon vergessen, was dieses Zeug anrichten kann? Du hast es doch bei Tristan damals gesehen, oder etwa nicht? Ich kann nicht fassen, dass Du so leichtsinnig bist. Wenn Dir alles zu viel wird und Du den Druck nicht aushalten kannst, dann rede gefälligst mit mir. Offenbar müssen wir eine andere Lösung für LCL finden“ stellte er fest und war noch immer sehr aufgewühlt. Rebecca schüttelte energisch den Kopf „das wird nicht nötig sein. Ich habe Dir doch gerade erklärt, dass ich meinen Fehler eingesehen habe und auch meine Arbeit bei LCL gehe ich jetzt anders an. Ich werde mir wieder mehr Zeit zum regenerieren nehmen und mich auch nicht mehr von Tanja fertig machen lassen. Ich schaffe das, Sebastian, aber nur, wenn Ihr weiter hinter mir steht“ versuchte sie ihn zu überzeugen. Die Geschwister sahen sich lange in die Augen, Sebastian wollte seiner Schwester glauben, aber seine Skepsis war größer „trotzdem halte ich es für besser, wenn Du Dich vorläufig aus der Geschäftsführung zurück ziehst. Tanja wird keine Rücksicht auf Deinen Zustand nehmen und ich bin mir nicht sicher, ob Du damit auf Dauer umgehen kannst“ erwiderte er. Marie konnte nicht länger daneben stehen, ohne etwas zu sagen „ich finde, dass das Rebeccas Entscheidung ist. Wenn sie sagt, dass es nicht wieder vorkommt, dann sollten wir ihr das glauben. Sie hat einen Fehler gemacht und es eingesehen. Ich bin der Meinung, dass sie die Chance bekommen sollte, es besser zu machen. Schließlich ist niemand perfekt, oder?“ setzte sie sich für die Freundin ein, die ihr einen dankbaren Blick zu warf. Der Graf haderte mit sich und wandte sich dann an Marlene „was ist mit Dir? Siehst Du das auch so?“ wollte er wissen und sah sie abwartend an. Marlene tauschte einen Blick mit ihrer Frau aus, sie waren gestern zu keiner Einigung mehr gekommen, aber sie konnte ihr vor Sebastian nicht einfach in den Rücken fallen „es ist Rebeccas Entscheidung, nicht unsere. Wenn sie es so möchte, dann werde ich das akzeptieren und das solltest Du auch tun, denke ich“ erklärte sie letztlich, obwohl es nicht das war, was sie sich wünschte. Sebastian nickte, er war noch immer nicht überzeugt, aber ihm war auch klar, dass Tanja hier eine ganz entscheidende Rolle spielte „gut, dann belassen wir es vorerst dabei, auch wenn ich nach wie vor meine Zweifel habe. Und da wir gerade schon dabei sind...Marie und ich müssen Euch auch noch etwas erzählen, was unter Umständen von Bedeutung sein könnte, denn es betrifft Tanja und ich denke, dass Ihr darüber Bescheid wissen solltet“ sagte er und setzte sich zu seiner Schwester an den Tisch. Er sah sie noch einmal prüfend an und legte dann seine Hand auf ihren Arm „ich mache mir nur Sorgen um Dich, das weißt Du doch hoffentlich“ flüsterte er, woraufhin sie stumm nickte und sich an seine Schulter lehnte.
Etwas später, Marie und Sebastian waren mit Jonas und Sophie in ihrem Zimmer verschwunden, räumten die Frauen den Tisch ab. Beide hingen dabei ihren Gedanken nach, besonders Marlene wirkte nachdenklich, nachdem sie gerade von Tanjas neuester Intrige erfahren hatte „danke“ sagte Rebecca plötzlich, woraufhin die Blonde sie irritiert ansah „wofür?“ Die Gräfin schloss die Spülmaschine „dass Du mir vor Sebastian den Rücken gestärkt hast, obwohl Du seine Meinung teilst. Wenn Du ihm Recht gegeben hättest, dann wäre ich meinen Posten jetzt los“ erklärte sie „lass es mich nicht bereuen“ erwiderte Marlene ernst. Die Brünette ging zu ihr und schüttelte den Kopf „bestimmt nicht, ich weiß was ich tue. Als ich Dir gesagt habe, dass ich meine Prioritäten nicht mehr aus den Augen verliere, war ich völlig klar und habe jedes Wort genau so gemeint. Aber ich kann mir das von Tanja einfach nicht gefallen lassen. Wie Du siehst, läuft sie gerade wieder zur Höchstform auf und ich bin nicht ihr einziges Ziel, wie wir soeben erfahren haben. Es ist einfach nicht zu fassen, was sie da mit Marie abgezogen hat...zum Glück ist es ihr nicht gelungen meinen Bruder und sie zu entzweien“ bemerkte sie betroffen und nahm die Hand der anderen „und bei uns darf sie das auch nicht schaffen. Ich weiß, dass Du an ihr hängst, aber Du darfst Dich nicht von ihr täuschen lassen, Marlene. Wenn es um ihren eigenen Vorteil geht, dann kennt Tanja keine Freundschaft, auch Eure Verbindung hält sie nicht davon ab, mich fertig zu machen, wenn es ihr nutzt. Das muss Dir klar sein und ehrlich gesagt würde ich es besser finden, wenn Du Dich ein für alle mal von ihr distanzierst. Tanja ist durchtrieben, Marlene und sie ist gefährlich, das hat sie mit dieser ekelhaften Aktion deutlich unter Beweis gestellt.“ Die Wolf Tochter nickte, aber Rebecca merkte, dass sie noch immer zerrissen war „mir ist klar, dass alles dafür spricht, dass Tanja dahinter steckt, aber einen Beweis gibt es nicht. Was ist, wenn dieser Klingental doch der Drahtzieher war und nur seinen Kopf aus der Schlinge ziehen will?“ sagte sie, doch es klang nicht sehr überzeugend. Rebecca seufzte „Du weißt selbst, dass das sehr unwahrscheinlich ist. Ich weiß, Du hast gehofft, dass sie sich ändert, aber das wird sie nicht. Vielleicht wollte sie es sogar, aber sie kann es offenbar nicht. Sie konnte es nicht für Sebastian und sie wird es auch nicht wegen Dir tun, Marlene. Tanja ist, wie sie ist und ich möchte nicht, dass sie Dich in ihre miesen Spielchen hinein zieht. Also sei bitte vorsichtig, okay? Kannst Du mir das versprechen?“ Marlene nickte erneut und streichelte mit dem Daumen über Rebeccas Handrücken „ich verspreche es, wenn Du mir im Gegenzug versprichst, dass Du Dich nicht von ihr provozieren und in dieses Machtspiel hineinziehen lässt. Und Du rührst nie wieder irgendwelche Drogen an, sondern kommst zu mir, wenn Du nicht weiter weißt“ erwiderte sie und bekam ein Lächeln zur Antwort. „Versprochen“ sagte die Brünette leise und zog die andere zaghaft zu sich, um sie sanft zu küssen. Was geschehen war, konnte man nicht mehr ändern, aber ab jetzt konnten sie es besser machen und so lange sie zusammen waren, gab es nichts, was sie nicht schaffen würden, da war sich Rebecca sicher.
Tanja saß in ihrem Büro und hing am Telefon „haben Sie ihn ausfindig machen können?“ fragte sie und lauschte ungeduldig der Antwort „sehr gut, mir war klar, dass er nicht wirklich abgehauen ist. Ihm fehlt das Geld und außerdem scheint er zu glauben, dass sein Handeln ungestraft bleibt. Nun ja, ich werde ihn eines besseren belehren und bald schon wird Darius Klingental bereuen, dass er nicht das getan hat, womit ich ihn beauftragt habe. Bleiben Sie an ihm dran, ich lasse Ihnen bald genauere Informationen zukommen, wie wir weiter vorgehen“ erklärte sie und legte auf. Sie erblickte Rebecca, die in diesem Moment an ihrem Büro vorbei ging und stand auf, um ihr zu folgen „gut, dass Du da bist, ich denke, dass wir etwas zu besprechen haben“ rief sie ihr nach. Die junge Gräfin drehte sich erst um, als sie an ihrem Platz in der Designabteilung angekommen war „so, denkst Du? Und was soll das sein? Ich habe eigentlich keine Zeit, ich muss meine Entwürfe überarbeiten und später haben Juri und ich noch einen Termin mit Frau Rotfeld. Was immer es also ist, es wird warten müssen“ erwiderte sie und suchte ihre Entwürfe zusammen. Tanja starrte sie wütend an „wieso weiß ich nichts von diesem Termin? Da sollte ich als Geschäftsführerin doch wohl dabei sein“ zischte sie, doch Rebecca wiegelte ab „wieso, ich bin doch da. Und da ich diejenige von uns beiden bin, die nebenbei auch noch Chefdesignerin ist, bin ich mehr als qualifiziert dafür. Findet übrigens auch Frau Rotfeld, denn sie hat nicht nach Dir verlangt“ bemerkte sie und bat eine Mitarbeiterin nach Juri Ausschau zu halten. Tanjas Puls beschleunigte sich „soll das etwa heißen, dass Du weiterhin Geschäftsführerin spielen darfst?“ Rebecca nickte und blickte sie kühl an „natürlich, oder hast Du etwa gedacht, dass Marlene und Sebastian viel auf das geben, was Du ihnen erzählst. Vergiss es, Tanja, meine Familie täuschst Du nicht mehr, die Zeiten sind vorbei“ stellte sie fest und winkte Juri zu sich, der gerade um die Ecke kam „was gibt’s?“ wollte er wissen. „Ich wollte gerne die Entwürfe mit Dir durchgehen, vielleicht hast Du auch noch ein paar Ideen, wie wir sie überarbeiten können“ sagte sie und sah ihn abwartend an „klar, lass mal sehen“ entgegnete er und gesellte sich zu ihr. Tanja zog sich lautlos zurück und knallte die Bürotür hinter sich zu. Es war alles anders gelaufen, als geplant und das machte sie furchtbar wütend. Aber noch war sie nicht am Ende angekommen. Es gab noch offene Rechnungen und Tanja würde dafür sorgen, dass sie beglichen werden würden. Und wenn es das letzte war, was sie in diesem Leben tun würde.
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