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Teil 226:
Als Marie sich an diesem Sonntagmorgen zu Rebecca an den Frühstückstisch setzte, sah sie in ein müdes und abgespanntes Gesicht „hey“ sagte sie und setzte sich der anderen gegenüber. Die Brünette erwiderte den Gruß, blieb aber ansonsten stumm „bist Du noch sauer auf mich wegen neulich? Es tut mit wirklich leid, dass ich Dich so angefahren habe, das war nicht in Ordnung“ erklärte Marie und wartete auf eine Reaktion. Rebecca schüttelte leicht den Kopf „nein, bin ich nicht. Am Ende hattest Du sogar recht, ich sollte mich wirklich um meine eigenen Probleme kümmern“ gab sie zu und rührte lustlos in ihrem Kaffee „das habe ich doch gar nicht so gemeint…obwohl Du wirklich so aussiehst, als hättest Du große Sorgen. Möchtest Du darüber reden?“ fragte sie ihre Freundin. Die Lahnstein Tochter seufzte „keine Ahnung, was soll das bringen? Ich versuche seit Wochen alles, um LCL am Laufen zu halten, arbeite zu viel, habe deshalb zu wenig Zeit für mein Privatleben und muss mich zum Dank nicht nur von Tanja niedermachen lassen, sondern auch noch Angst haben, dass mir meine Frau weg läuft. Wahrscheinlich geradewegs in die Arme von dieser Jacky“ erklärte sie niedergeschlagen und Marie hatte den Eindruck, dass sie jeden Moment in Tränen ausbrechen würde. Sie griff nach Rebeccas Hand „wie kommst Du denn darauf? Marlene rennt doch nicht gleich zu einer anderen Frau, nur weil es gerade nicht so einfach für Euch ist. Ihr habt doch schon ganz andere Sachen bewältigt und nach allem, was ich bislang mitbekommen habe, versteht sie sich einfach nur gut mit dieser Jacky. Wir zwei sind doch auch befreundet, ohne, dass das gleich mehr zu bedeuten hat. Also mach Dich nicht verrückt, Marlene liebt Dich und was LCL angeht…vielleicht solltest Du wirklich überlegen, ob Du Dir das auf Dauer antun willst. Solange Tanja da noch was zu sagen hat, wirst Du doch nie zur Ruhe kommen und ich weiß nicht, ob es das wert ist“ sagte sie und schaute die Brünette abwartend an. Die Gräfin dachte über die Worte der anderen nach, ihr war anzusehen, wie zerrissen sie war „wenn das alles so einfach wäre…LCL ist ja nicht irgendein Unternehmen, jedenfalls für mich nicht. Da steckt inzwischen mein Herzblut drin und endlich habe ich die Chance es selbst mitzugestalten und zu lenken. Aber ich weiß auch, dass ich nicht mehr lange so weitermachen kann. Meine Kräfte sind nicht unerschöpflich, der Druck wird auch nicht weniger und ich kann es Marlene nicht verübeln, dass sie damit unzufrieden ist. Ich finde das auch nicht schön und außerdem will ich nicht, dass sie unglücklich ist. Aber im Moment ist sie es, das weiß ich und trotzdem bin ich nicht in der Lage etwas Entscheidendes daran zu ändern. Ich will es ja und versuche es auch immer wieder, aber ich schaffe es einfach nicht. Irgendwie fühle ich mich gerade nur noch leer“ gestand sie der Freundin. Marie kam das alles sehr bekannt vor und sie machte sich ernsthafte Sorgen um die kleine Schwester ihres Freundes „Du musst dringend mal abschalten, Rebecca, und auf andere Gedanken kommen. Was ist mit Marlene? Muss sie heute arbeiten?“ wollte sie wissen, was die andere verneinte „nein, muss sie nicht. Sie schläft noch. Wieso?“ Die Blondine lächelte „wenn das so ist, dann habe ich eine schöne Aufgabe für Euch. Ihr könntet ein paar Stunden auf die Zwillinge aufpassen. Ich müsste nämlich einiges erledigen und da kann ich die beiden nicht mitnehmen. Natürlich nur, wenn Ihr Lust habt, ich könnte auch verstehen, wenn Ihr lieber etwas für Euch sein möchtet. Aber mein Gefühl sagt mir, dass ein Nachmittag mit Jonas und Sophie Euch ganz gut tun würde. Die beiden sind das beste Mittel gegen trübsinnige Gedanken“ erklärte sie und zwinkerte ihr zu. Rebecca musste nicht lange darüber nachdenken „also ich würde gerne auf sie aufpassen und Marlene hat bestimmt auch nichts dagegen“ erwiderte sie „wo gegen habe ich nichts?“ erklang plötzlich die Stimme ihrer Frau, die in diesem Moment die Treppe herunter kam. Rebecca sah sie unsicher an „Marie hat gefragt, ob wir für ein paar Stunden auf die Zwerge aufpassen können. Ich hätte nichts dagegen, aber wenn Du lieber was anderes machen möchtest…“ sagte sie und hoffte, dass ihre Frau es nicht falsch verstehen würde. Doch auch Marlene überlegte nicht lange "klar können wir das machen" erwiderte sie und setzte sich zu den beiden an den Tisch. Marie lächelte die beiden dankbar an "das ist super, damit tut Ihr mir einen großen Gefallen. Ich such dann mal ein paar Sachen zusammen, die Ihr brauchen werdet" verkündete sie und ging in ihr Zimmer. Rebecca sah ihre Frau fragend an "ist das wirklich okay, oder fühlst Du Dich jetzt genötigt?" Die Blonde schüttelte den Kopf „ist es, sonst würde ich es ja nicht sagen“ erklärte sie und schüttete sich eine Tasse Kaffee ein.
Der Mann in dem teuren Designer Anzug saß in dem kleinen Café und schaute ungeduldig auf seine Uhr. Sie hatte bereits Verspätung und langsam fragte er sich, ob sie überhaupt noch auftauchen würde. Ihm war noch immer etwas mulmig zumute und er fühlte sich alles andere als gut bei dem, was er tat, aber ihm stand das Wasser bis zum Hals und nur deshalb hatte er sich auf den Vorschlag der Frau eingelassen, deren Namen er nicht kannte. Er wusste auch nicht, wie sie auf ihn gekommen war, aber letztlich spielte das auch keine Rolle. Wichtig war nur, dass er die Sache schnell über die Bühne brachte und er konnte nur hoffen, dass sich Isabelle auf seine Bedingung einließ, damit es nicht noch unangenehmer wurde. Je länger er warten musste, desto nervöser wurde er und trotz der kühlen Temperaturen spürte er, wie ihm allmählich der Schweiß ausbrach. Als er schon davon ausgegangen war, dass sie nicht mehr erscheinen würde, öffnete sich die Tür und eine brünette Frau, die eine dunkle Sonnenbrille trug, betrat das Café. Trotz der Brille und ihres komplett anderen Kleidungsstils, erkannte er sie sofort. Sie war noch immer sehr schön, auch wenn sie es in diesem Moment zu verstecken versuchte und er ertappte sich dabei, wie er an einige schöne Stunden mit ihr zurück dachte. Auch sie schien ihn direkt erkannt zu haben und kam zielstrebig auf den Tisch zu, an dem er saß. „Hallo Isabelle“ sagte er und stand auf, weil er ihr den Stuhl zurecht rücken wollte, doch sie hob abwehrend die Hand „komm mir bloß nicht zu nahe und hör auf mich Isabelle zu nennen“ bemerkte sie abwehrend und setzte sich auf den freien Stuhl. Er nahm ebenfalls wieder Platz „entschuldige bitte, das ist die Macht der Gewohnheit. Ich bin eben ein höflicher Mensch, daran müsstest Du Dich eigentlich erinnern, auch wenn es bereits eine Weile her ist“ erklärte er und merkte, dass er jetzt etwas ruhiger wurde. Sie sah ihn durch ihre Brille hindurch abschätzend an und kam direkt zur Sache „machen wir es kurz, ich habe nämliches besseres zu tun, als hier mir Dir herum zu sitzen. Was willst Du von mir? Wieso rufst Du mich an und was zum Teufel sollte der Mist mit den Dessous? Ich kann mich nicht erinnern, Dich zu irgendetwas in der Richtung animiert zu haben, ganz abgesehen davon, dass ich Dich längst vergessen hatte. Also, was soll das?“ fragte sie hörbar wütend. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück, so kannte er sie gar nicht, früher war sie stets nett, zurückhaltend und immer freundlich gewesen „ich gebe zu, dass das vielleicht etwas forsch war, aber ich bin mir sicher, dass Dir die Dessous ganz wunderbar stehen. Rot war doch immer Deine Farbe, wenn ich mich recht erinnere, oder? Außerdem musste ich Dich ja irgendwie aus der Reserve locken, wo Du schon nicht auf meine Anrufe reagiert hast. Und das habe ich immerhin erreicht“ stellte er mit einem gewissen Stolz fest. Marie stießen seine Worte bitter auf, sie wollte dieses Gespräch nicht führen, wollte nicht hier sein, sondern bei ihrer Familie „lass dieses Gerede und komm zum Punkt. Was willst Du von mir? Und erzähl mir jetzt bloß nicht, dass Du nur ein bisschen Gesellschaft suchst. Selbst Du müsstest begriffen haben, dass ich dafür schon lange nicht mehr zur Verfügung stehe“ sagte sie und musste darauf achten, nicht aus der Haut zu fahren. Der Mann ihr Gegenüber schien begriffen zu haben, dass er mit seiner netten Fassade nichts erreichen konnte und bemühte sich die folgenden Worte möglichst emotionslos auszusprechen „wie Du meinst, kommen wir direkt zur Sache. Ich brauche Geld. Zwei Millionen Euro um genau zu sein.“ Marie sah ihn irritiert an „ja und? Was habe ich damit zu tun? Sehe ich aus, wie eine Bank, oder warum erzählst Du mir das? Abgesehen davon hast Du Geld ohne Ende, daran kann ich mich in der Tat noch gut erinnern“ bemerkte sie und hätte beinahe gelacht, obwohl es alles andere als lustig war. Ihr Gegenüber jedoch schaute sie todernst an „das ist richtig, aber leider haben sich die Dinge zu meinem Nachteil verändert. Ich habe mich verspekuliert und bin quasi pleite, wenn Du so willst. Und nein, Du bist keine Bank, aber Dein Freund ist reich und seine Familie besitzt eine Bank, wenn ich richtig informiert bin. Deshalb wirst Du mir das Geld besorgen“ sagte er, ohne mit der Wimper zu zucken. Jetzt lachte Marie wirklich „bitte was? Du hast doch einen Dachschaden. Wieso zum Teufel sollte ich das tun?“ wollte sie ungläubig wissen „weil ich sonst dafür sorgen werde, dass ALLE Welt erfährt, dass Marie Lichtenberg einmal unter dem Namen Isabelle Maibach bei einem Edel-Escortservice gearbeitet hat, und das dürfte nicht nur in Deinem näheren Umfeld für Furore sorgen, sondern ganz besonders bei Deinen heutigen Geschäftspartnern. Und wie man hört, läuft Dein Unternehmen sehr gut, Du hast sogar eine weitere Niederlassung hier in Düsseldorf aufgezogen. Tja, es ist wirklich nicht auszudenken, was es für Dich und Deinen weiteren Werdegang bedeuten könnte, wenn dieser Abschnitt Deines Lebens publik werden würde. Du weißt doch, wie die Leute sind, Marie, plötzlich kennen sie einen nicht mehr und alles was sie zuvor an einem geschätzt haben, ist vergessen. Alle würden nur noch die Begleitdame in Dir sehen und sich höflich von Dir distanzieren, denn schließlich möchte sich keiner nachsagen lassen, dass er Dich womöglich nur wegen Deiner anderen Qualitäten engagiert hat. Es wäre Dein berufliches Ende und Deine Eltern würden sicher durchdrehen, wenn die ganze feine Gesellschaft, in der sie sich bewegen, davon erfahren würde. Schließlich haben die Lichtenbergs nach wie vor einen guten Ruf und den möchtest selbst Du nicht ruinieren, oder? Ich weiß doch, wie wichtig Dir Dein Privatleben ist, Du hast es schließlich immer streng verborgen gehalten und das willst Du doch sicher auch weiterhin tun“ stellte er sachlich fest, während Marie sämtliche Farbe aus dem Gesicht gewichen war.
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