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BeitragVerfasst: 11.09.2015, 19:18 
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Teil 225:

Wieder zurück in Düsseldorf und im No Limits angekommen, waren die beiden Frauen noch immer in Feierlaune „so, und jetzt trinken wir erst mal was vernünftiges. Nichts gegen das Stadion Bier, aber mit Genuss hat das wirklich nichts zu tun“ bemerkte Marlene und öffnete eine Flasche Champagner. Jacky lächelte zufrieden, sie war noch immer ganz beflügelt von den letzten Stunden und obwohl sie wusste, dass Abstand jetzt eigentlich die bessere Option wäre, konnte sie nicht anders, als sich über jede Minute zu freuen, die sie mit Marlene verbringen durfte. Die Clubbesitzerin hatte es offenbar nicht eilig nach Hause zu kommen, was ein Zeichen dafür war, dass sie es ebenfalls genoss Zeit mit ihr zu verbringen. Marlene reichte ihr ein Glas „träumst Du?“ fragte sie mit diesem leicht wissenden Lächeln im Gesicht, das Jacky sehr sexy fand „wie heißt er denn?“ wollte sie einen Moment später wissen. Die Brünette sah sie irritiert an „wen meinst Du denn mit ER?“ erwiderte sie unsicher „na, den Mann, an den Du gerade so verträumt gedacht hast“ antwortete die andere grinsend. Jacky musterte sie eindringlich „wie kommst Du denn darauf, dass ich an einen Mann gedacht habe?“ fragte sie leicht provokant und erntete einen überraschten Blick „keine Ahnung, ich bin einfach mal davon ausgegangen. Ich meine, Du bis jung, gut aussehend und ungebunden…da wird es doch den ein oder anderen Anwärter geben, oder nicht?“ Jacky schaute sie amüsiert an „neugierig bist Du wohl gar nicht, was? Wenn Du es genau wissen möchtest, ich habe zur Zeit keine Lust auf eine feste Beziehung und schon gar nicht mit einem Kerl. Die letzte hat mir vorerst gereicht“ erklärte sie und schüttelte den Kopf bei der Erinnerung an das Desaster. Marlene horchte verwundet auf „wie jetzt, schon gar nicht mit einem Kerl? Warst Du denn auch schon mal mit einer Frau zusammen?“ fragte sie verwundert, woraufhin die andere lachte „das scheint Dich ja mächtig zu überraschen. Was ist denn daran so ungewöhnlich? Oder sehe ich etwa zu hetero aus? Wobei man danach schlecht gehen kann, Dir sieht man es schließlich auch nicht an“ stellte sie fest. Die Blondine nickte „das nun nicht gerade, aber so gewöhnlich, wie Du tust, ist es nun auch wieder nicht. Ich zum Beispiel habe sehr lange gebraucht, bis ich endlich akzeptieren konnte, eine Frau zu lieben. Beinahe hätte ich sogar geheiratet, nur um mir meine Gefühle für Rebecca nicht eingestehen zu müssen. Hattest Du denn überhaupt keine Probleme damit?“ Die Gefragte schüttelte den Kopf „nö, nicht wirklich. Ich habe mir da ehrlich gesagt keine großartigen Gedanken drum gemacht. Meinen ersten Freund hatte ich mit 17 Jahren und irgendwann habe ich dann mal aus einer Laune heraus mit einer Frau herum geknutscht. Später habe ich mich dann in ein Mädel verliebt, das ich auf der Berufsschule kennengelernt habe. Sie hatte schon länger ein Auge auf mich geworfen und am Ende sind wir auch zusammen gekommen. Das war meine längste und beste Beziehung, danach kam leider nicht mehr viel Erwähnenswertes“ erzählte sie frei heraus. Marlene konnte über so viel Lockerheit nur staunen, obwohl es zu dem Bild passte, was sie bislang von Jacky gewonnen hatte „das ist sehr lobenswert und macht wohl einiges einfacher. Du magst also beides, Männer und Frauen?“ schlussfolgerte sie „ja, sieht so aus. Aber das ist bei Dir doch nicht anders, oder hast Du der Männerwelt abgeschworen?“ wollte sie wissen. Die Clubbesitzerin zuckte mit den Schultern „gute Frage…abgeschworen habe ich ihnen nicht, aber egal ob Mann, oder Frau, für mich gibt es nur Rebecca. Schließlich habe ich sie nicht umsonst geheiratet“ entgegnete sie augenzwinkernd. Die Brünette lächelte gequält, während sie sich gleichzeitig fragte, was sie anderes erwartet hatte „sieht ganz so aus, als wäre Rebecca ein echter Glückspilz“ sagte sie „danke, ich hoffe sie sieht das auch so“ erwiderte die Blonde und stieß mit der anderen an. Rebecca betrat wie aufs Stichworte den Club und musterte die beiden Frauen argwöhnisch, bevor sie zu ihnen ging „gibt es was zu feiern?“ wollte sie gereizt wissen und konnte ihre schlechte Laune nicht verbergen. Marlene ging zu ihr, um sie zu begrüßen „hey, was ist denn los? Bist Du schlecht drauf?“ fragte sie und gab ihr einen Kuss. Die junge Gräfin atmete schwer und versuchte ihren Unmut zu zügeln „ich hatte schon bessere Tage“ sagte sie und schaute zu der anderen Frau, die ihrem bohrenden Blick stand hielt „aber Ihr habt ja offenbar umso mehr Spaß.“ Marlene verstand nicht, was mit ihrer Frau los war und versuchte sie zu besänftigen „jetzt setz Dich doch erst mal und trink ein Glas Champagner mit uns“ schlug sie vor, doch Rebecca war dafür nicht zugänglich „nein, danke! Ich würde lieber nach Hause gehen und den Abend mit Dir verbringen, wie wir es geplant hatten.“ Die Clubbesitzerin blickte sie verständnislos an und zog sie ein Stück zur Seite „sag mal, geht es vielleicht noch ein bisschen unfreundlicher? Wenn Du schlechte Laune hast, ist das eine Sache, aber deshalb musst Du Dich vor Jacky nicht so benehmen. Wir trinken jetzt noch etwas zusammen und dann können wir nach Hause gehen, okay?“ bot sie an, doch die Gräfin blieb abwehrend „nein, das ist nicht okay. Ich hatte einen beschissen Tag und habe keine Lust auf Gesellschaft. Aber wenn es Dir wichtiger ist mit Jacky zu feiern, als die Zeit mit mir zu verbringen, dann mach das ruhig. Hauptsache Du beschwerst Dich am Ende nicht wieder, dass unsere Ehe zu kurz kommt.“ Marlene war wie vor den Kopf gestoßen „Rebecca…“ setzte sie an, doch ihre Frau ließ sie nicht mehr zu Wort kommen und verließ wütend den Club. Jacky stand auf und ging zu ihrer Chefin „geh ihr lieber nach, wir können das ein anderes Mal nachholen“ sagte sie mit leicht schlechtem Gewissen, weil Marlene offenbar Ärger wegen des gemeinsamen Ausfluges hatte. Diese schüttelte den Kopf „das kommt gar nicht in Frage. Wir trinken jetzt in Ruhe unseren Champagner aus und in der Zwischenzeit kann sich Rebecca ein bisschen abkühlen“ verkündete sie entschlossen.

Als Juri die schicke Penthouse Wohnung betrat, staunte er nicht schlecht. Obwohl er für gewöhnlich nicht viel für Luxus übrig hatte, musste er zugeben, dass sie sehr geschmackvoll eingerichtet war. Sie war nicht überladen, sehr hell und das Mobiliar zeugte von einem guten Geschmack. Die blonde Frau mit den faszinierenden Augen, sah ihn mit einer Mischung aus Arroganz und Gier an, die er aus irgendeinem Grund verdammt sexy fand „ich wusste doch, dass Du auftauchen würdest“ stellte sie fest und trat einen Schritt zur Seite, um ihn herein zu lassen. Juri ließ seinen Blick durch die Räumlichkeiten gleiten und stieß einen Pfiff aus „nicht übel die Bude, gemietet, oder gekauft? fragte er und schmiss seine Lederjacke über das Designer Sofa. Die Blondine musterte ihn abschätzend „gekauft natürlich“ bemerkte sie wie selbstverständlich und stellte sich vor ihn „bist Du zum Quatschen hier? Ehrlich gesagt hatte ich nämlich andere Pläne mit Dir“ stellte sie unverblümt fest und machte sich an seiner Hose zu schaffen. Juris Blick veränderte sich, in seinen dunklen Augen spiegelte sich die Lust „das trifft sich gut“ entgegnete er, schob sie zu der Kochinsel und setzte sie auf die Platte „ich nämlich auch.“ Es dauerte nicht lange, bis er die störenden Kleidungsstücke entfernt hatte und sie mit einem Ruck zu sich zog. Er war normalerweise nicht der Typ Mann, den sie bevorzugte, aber der Sex mit ihm war gut und außerdem konnte man Männer viel besser kontrollieren, wenn man ihnen ab und an das Gefühl ließ, dass sie alles unter Kontrolle hatten. In Wahrheit wusste Juri nicht einmal, mit wem er es zu tun hatte und dass er gerade dabei war seine Chefin zu beglücken. Sie hatte ihn gestern Abend gezielt aufgesucht und angesprochen, was auf ihn natürlich wie ein Zufall gewirkt hatte, weil ihm das sicherlich nicht selten passierte. Sie waren sich schnell einig gewesen, doch während Juri dachte, dass es ausschließlich um Sex ging, überlegte Tanja bereits, wie sie sich ihn zu Nutze machen konnte. Sie packte seine Haare und krallte sich in ihnen fest, während Juris Bewegungen immer schneller wurden. Sie wusste zwar noch nicht genau, wie sie ihn für sich einsetzen konnte, aber sie war sich sicher, dass er ihr schon bald sehr nützlich sein würde.

Später am Abend stellte Marlene ihre Frau erneut zur Rede, deren Laune sich nicht wesentlich gebessert zu haben schien „und nur weil Tanja zurück ist, bist Du so schlecht gelaunt? Sei doch froh, dann musst Du Dich wenigstens nicht mehr alleine um alles kümmern“ bemerkte sie und war tatsächlich erleichtert zu hören, dass die Freundin wieder da war. Rebecca schnaubte „das ist doch Unsinn. Das erste was Tanja gemacht hat, war mich nieder zu machen und mir einmal mehr zu sagen, dass ich nichts kann, außer ein bisschen designen und nicht mal damit ist sie zufrieden. Sie wartet nur auf meinen Fall und freut sich jetzt schon diebisch darauf, wenn sie mir dann noch den Rest geben kann. Und darüber soll ich mich freuen?“ entgegnete sie aufgebracht. Marlenes Stimme wurde etwas sanfter „das kann ich doch nicht wissen, wenn Du einfach abhaust, anstatt mit mir zu reden. Abgesehen davon…Du kennst doch Tanja, also nimm es Dir bitte nicht so zu Herzen. Sie will Dich doch nur einschüchtern, dabei weiß sie ganz genau, dass Du gute Arbeit geleistet hast, sie will es nur nicht zugeben“ versuchte sie die Brünette zu trösten. Rebecca hatte keine Lust weiter über dieses Thema zu reden, denn sie wusste, dass das nur zu weiteren Streitigkeiten führen würde, weil die Freundschaft der beiden Frauen ihr nach wie vor ein Dorn im Auge war „wenn Du meinst“ sagte sie nur und ging in die Küche, wo sie sich ein Bier aus dem Kühlschrank nahm. Die Blonde folgte ihr und legte von hinten die Arme um sie „willst Du gar nicht wissen, wie es im Stadion war? Ich hatte sogar ein Trikot an, schau mal“ berichtete sie und zeigte ihr ein Bild von Jacky und sich vor dem Stadion, zu dem die andere sie doch noch überredet hatte. Die junge Gräfin spürte beim Anblick des Fotos nur noch mehr Wut in sich aufkommen und reagierte entsprechend schroff „wie schön, jetzt lauft ihr sogar schon im Partnerlook herum“ bemerkte sie bissig und löste sich von der anderen. Marlene sah sie verständnislos an „was soll das jetzt wieder? Das ist doch echt lächerlich, Rebecca. Willst Du mir immer noch erzählen, dass Du nicht eifersüchtig bist“ erwiderte sie genervt und war verwundert über die Antwort „JA, VERDAMMT, dann bin ich eben eifersüchtig! Und was ändert das jetzt?“ rief sie aufgebracht. Marlene war nach diesem Ausbruch etwas perplex „aber das musst Du doch gar nicht sein“ erwiderte sie ruhig „dann gib mir auch keinen Grund“ antwortete Rebecca, knallte die Flasche auf den Tisch und ging nach oben. Die Blondine sah ihr resigniert hinterher, sie hatte unterschätzt unter welchem Druck ihre Frau nach wie vor stand und wie sehr dieser ihr zusetzte. Sie wusste langsam nicht mehr, was sie noch tun sollte, denn egal was sie tat um Rebecca zu signalisieren, dass es so nicht weitergehen konnte, es schien sie nicht zu erreichen und wenn, dann war es nicht von langer Dauer. Marlene machte sich inzwischen große Sorgen, nicht nur um die Gesundheit ihrer Frau, sondern auch um ihre Beziehung.

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BeitragVerfasst: 11.09.2015, 19:20 
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Teil 226:

Als Marie sich an diesem Sonntagmorgen zu Rebecca an den Frühstückstisch setzte, sah sie in ein müdes und abgespanntes Gesicht „hey“ sagte sie und setzte sich der anderen gegenüber. Die Brünette erwiderte den Gruß, blieb aber ansonsten stumm „bist Du noch sauer auf mich wegen neulich? Es tut mit wirklich leid, dass ich Dich so angefahren habe, das war nicht in Ordnung“ erklärte Marie und wartete auf eine Reaktion. Rebecca schüttelte leicht den Kopf „nein, bin ich nicht. Am Ende hattest Du sogar recht, ich sollte mich wirklich um meine eigenen Probleme kümmern“ gab sie zu und rührte lustlos in ihrem Kaffee „das habe ich doch gar nicht so gemeint…obwohl Du wirklich so aussiehst, als hättest Du große Sorgen. Möchtest Du darüber reden?“ fragte sie ihre Freundin. Die Lahnstein Tochter seufzte „keine Ahnung, was soll das bringen? Ich versuche seit Wochen alles, um LCL am Laufen zu halten, arbeite zu viel, habe deshalb zu wenig Zeit für mein Privatleben und muss mich zum Dank nicht nur von Tanja niedermachen lassen, sondern auch noch Angst haben, dass mir meine Frau weg läuft. Wahrscheinlich geradewegs in die Arme von dieser Jacky“ erklärte sie niedergeschlagen und Marie hatte den Eindruck, dass sie jeden Moment in Tränen ausbrechen würde. Sie griff nach Rebeccas Hand „wie kommst Du denn darauf? Marlene rennt doch nicht gleich zu einer anderen Frau, nur weil es gerade nicht so einfach für Euch ist. Ihr habt doch schon ganz andere Sachen bewältigt und nach allem, was ich bislang mitbekommen habe, versteht sie sich einfach nur gut mit dieser Jacky. Wir zwei sind doch auch befreundet, ohne, dass das gleich mehr zu bedeuten hat. Also mach Dich nicht verrückt, Marlene liebt Dich und was LCL angeht…vielleicht solltest Du wirklich überlegen, ob Du Dir das auf Dauer antun willst. Solange Tanja da noch was zu sagen hat, wirst Du doch nie zur Ruhe kommen und ich weiß nicht, ob es das wert ist“ sagte sie und schaute die Brünette abwartend an. Die Gräfin dachte über die Worte der anderen nach, ihr war anzusehen, wie zerrissen sie war „wenn das alles so einfach wäre…LCL ist ja nicht irgendein Unternehmen, jedenfalls für mich nicht. Da steckt inzwischen mein Herzblut drin und endlich habe ich die Chance es selbst mitzugestalten und zu lenken. Aber ich weiß auch, dass ich nicht mehr lange so weitermachen kann. Meine Kräfte sind nicht unerschöpflich, der Druck wird auch nicht weniger und ich kann es Marlene nicht verübeln, dass sie damit unzufrieden ist. Ich finde das auch nicht schön und außerdem will ich nicht, dass sie unglücklich ist. Aber im Moment ist sie es, das weiß ich und trotzdem bin ich nicht in der Lage etwas Entscheidendes daran zu ändern. Ich will es ja und versuche es auch immer wieder, aber ich schaffe es einfach nicht. Irgendwie fühle ich mich gerade nur noch leer“ gestand sie der Freundin. Marie kam das alles sehr bekannt vor und sie machte sich ernsthafte Sorgen um die kleine Schwester ihres Freundes „Du musst dringend mal abschalten, Rebecca, und auf andere Gedanken kommen. Was ist mit Marlene? Muss sie heute arbeiten?“ wollte sie wissen, was die andere verneinte „nein, muss sie nicht. Sie schläft noch. Wieso?“ Die Blondine lächelte „wenn das so ist, dann habe ich eine schöne Aufgabe für Euch. Ihr könntet ein paar Stunden auf die Zwillinge aufpassen. Ich müsste nämlich einiges erledigen und da kann ich die beiden nicht mitnehmen. Natürlich nur, wenn Ihr Lust habt, ich könnte auch verstehen, wenn Ihr lieber etwas für Euch sein möchtet. Aber mein Gefühl sagt mir, dass ein Nachmittag mit Jonas und Sophie Euch ganz gut tun würde. Die beiden sind das beste Mittel gegen trübsinnige Gedanken“ erklärte sie und zwinkerte ihr zu. Rebecca musste nicht lange darüber nachdenken „also ich würde gerne auf sie aufpassen und Marlene hat bestimmt auch nichts dagegen“ erwiderte sie „wo gegen habe ich nichts?“ erklang plötzlich die Stimme ihrer Frau, die in diesem Moment die Treppe herunter kam. Rebecca sah sie unsicher an „Marie hat gefragt, ob wir für ein paar Stunden auf die Zwerge aufpassen können. Ich hätte nichts dagegen, aber wenn Du lieber was anderes machen möchtest…“ sagte sie und hoffte, dass ihre Frau es nicht falsch verstehen würde. Doch auch Marlene überlegte nicht lange "klar können wir das machen" erwiderte sie und setzte sich zu den beiden an den Tisch. Marie lächelte die beiden dankbar an "das ist super, damit tut Ihr mir einen großen Gefallen. Ich such dann mal ein paar Sachen zusammen, die Ihr brauchen werdet" verkündete sie und ging in ihr Zimmer. Rebecca sah ihre Frau fragend an "ist das wirklich okay, oder fühlst Du Dich jetzt genötigt?" Die Blonde schüttelte den Kopf „ist es, sonst würde ich es ja nicht sagen“ erklärte sie und schüttete sich eine Tasse Kaffee ein.

Der Mann in dem teuren Designer Anzug saß in dem kleinen Café und schaute ungeduldig auf seine Uhr. Sie hatte bereits Verspätung und langsam fragte er sich, ob sie überhaupt noch auftauchen würde. Ihm war noch immer etwas mulmig zumute und er fühlte sich alles andere als gut bei dem, was er tat, aber ihm stand das Wasser bis zum Hals und nur deshalb hatte er sich auf den Vorschlag der Frau eingelassen, deren Namen er nicht kannte. Er wusste auch nicht, wie sie auf ihn gekommen war, aber letztlich spielte das auch keine Rolle. Wichtig war nur, dass er die Sache schnell über die Bühne brachte und er konnte nur hoffen, dass sich Isabelle auf seine Bedingung einließ, damit es nicht noch unangenehmer wurde. Je länger er warten musste, desto nervöser wurde er und trotz der kühlen Temperaturen spürte er, wie ihm allmählich der Schweiß ausbrach. Als er schon davon ausgegangen war, dass sie nicht mehr erscheinen würde, öffnete sich die Tür und eine brünette Frau, die eine dunkle Sonnenbrille trug, betrat das Café. Trotz der Brille und ihres komplett anderen Kleidungsstils, erkannte er sie sofort. Sie war noch immer sehr schön, auch wenn sie es in diesem Moment zu verstecken versuchte und er ertappte sich dabei, wie er an einige schöne Stunden mit ihr zurück dachte. Auch sie schien ihn direkt erkannt zu haben und kam zielstrebig auf den Tisch zu, an dem er saß. „Hallo Isabelle“ sagte er und stand auf, weil er ihr den Stuhl zurecht rücken wollte, doch sie hob abwehrend die Hand „komm mir bloß nicht zu nahe und hör auf mich Isabelle zu nennen“ bemerkte sie abwehrend und setzte sich auf den freien Stuhl. Er nahm ebenfalls wieder Platz „entschuldige bitte, das ist die Macht der Gewohnheit. Ich bin eben ein höflicher Mensch, daran müsstest Du Dich eigentlich erinnern, auch wenn es bereits eine Weile her ist“ erklärte er und merkte, dass er jetzt etwas ruhiger wurde. Sie sah ihn durch ihre Brille hindurch abschätzend an und kam direkt zur Sache „machen wir es kurz, ich habe nämliches besseres zu tun, als hier mir Dir herum zu sitzen. Was willst Du von mir? Wieso rufst Du mich an und was zum Teufel sollte der Mist mit den Dessous? Ich kann mich nicht erinnern, Dich zu irgendetwas in der Richtung animiert zu haben, ganz abgesehen davon, dass ich Dich längst vergessen hatte. Also, was soll das?“ fragte sie hörbar wütend. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück, so kannte er sie gar nicht, früher war sie stets nett, zurückhaltend und immer freundlich gewesen „ich gebe zu, dass das vielleicht etwas forsch war, aber ich bin mir sicher, dass Dir die Dessous ganz wunderbar stehen. Rot war doch immer Deine Farbe, wenn ich mich recht erinnere, oder? Außerdem musste ich Dich ja irgendwie aus der Reserve locken, wo Du schon nicht auf meine Anrufe reagiert hast. Und das habe ich immerhin erreicht“ stellte er mit einem gewissen Stolz fest. Marie stießen seine Worte bitter auf, sie wollte dieses Gespräch nicht führen, wollte nicht hier sein, sondern bei ihrer Familie „lass dieses Gerede und komm zum Punkt. Was willst Du von mir? Und erzähl mir jetzt bloß nicht, dass Du nur ein bisschen Gesellschaft suchst. Selbst Du müsstest begriffen haben, dass ich dafür schon lange nicht mehr zur Verfügung stehe“ sagte sie und musste darauf achten, nicht aus der Haut zu fahren. Der Mann ihr Gegenüber schien begriffen zu haben, dass er mit seiner netten Fassade nichts erreichen konnte und bemühte sich die folgenden Worte möglichst emotionslos auszusprechen „wie Du meinst, kommen wir direkt zur Sache. Ich brauche Geld. Zwei Millionen Euro um genau zu sein.“ Marie sah ihn irritiert an „ja und? Was habe ich damit zu tun? Sehe ich aus, wie eine Bank, oder warum erzählst Du mir das? Abgesehen davon hast Du Geld ohne Ende, daran kann ich mich in der Tat noch gut erinnern“ bemerkte sie und hätte beinahe gelacht, obwohl es alles andere als lustig war. Ihr Gegenüber jedoch schaute sie todernst an „das ist richtig, aber leider haben sich die Dinge zu meinem Nachteil verändert. Ich habe mich verspekuliert und bin quasi pleite, wenn Du so willst. Und nein, Du bist keine Bank, aber Dein Freund ist reich und seine Familie besitzt eine Bank, wenn ich richtig informiert bin. Deshalb wirst Du mir das Geld besorgen“ sagte er, ohne mit der Wimper zu zucken. Jetzt lachte Marie wirklich „bitte was? Du hast doch einen Dachschaden. Wieso zum Teufel sollte ich das tun?“ wollte sie ungläubig wissen „weil ich sonst dafür sorgen werde, dass ALLE Welt erfährt, dass Marie Lichtenberg einmal unter dem Namen Isabelle Maibach bei einem Edel-Escortservice gearbeitet hat, und das dürfte nicht nur in Deinem näheren Umfeld für Furore sorgen, sondern ganz besonders bei Deinen heutigen Geschäftspartnern. Und wie man hört, läuft Dein Unternehmen sehr gut, Du hast sogar eine weitere Niederlassung hier in Düsseldorf aufgezogen. Tja, es ist wirklich nicht auszudenken, was es für Dich und Deinen weiteren Werdegang bedeuten könnte, wenn dieser Abschnitt Deines Lebens publik werden würde. Du weißt doch, wie die Leute sind, Marie, plötzlich kennen sie einen nicht mehr und alles was sie zuvor an einem geschätzt haben, ist vergessen. Alle würden nur noch die Begleitdame in Dir sehen und sich höflich von Dir distanzieren, denn schließlich möchte sich keiner nachsagen lassen, dass er Dich womöglich nur wegen Deiner anderen Qualitäten engagiert hat. Es wäre Dein berufliches Ende und Deine Eltern würden sicher durchdrehen, wenn die ganze feine Gesellschaft, in der sie sich bewegen, davon erfahren würde. Schließlich haben die Lichtenbergs nach wie vor einen guten Ruf und den möchtest selbst Du nicht ruinieren, oder? Ich weiß doch, wie wichtig Dir Dein Privatleben ist, Du hast es schließlich immer streng verborgen gehalten und das willst Du doch sicher auch weiterhin tun“ stellte er sachlich fest, während Marie sämtliche Farbe aus dem Gesicht gewichen war.

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BeitragVerfasst: 11.09.2015, 19:22 
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Teil 227:

Helena und Lukas lagen zusammen auf dem großen Sofa, auf dem sie sich zuvor geliebt hatten und genossen den ruhigen Sonntag, den sie in Lukas´ Wohnung verbrachten. Die Gräfin lag halb auf ihrem Freund und blickte ihn liebevoll an „wieso hast Du mir nie erzählt, dass Dein Bruder sich etwas antun wollte?“ fragte sie plötzlich. Der dunkelhaarige Mann sah sie verwundert an „woher weißt Du denn das?“ wollte er wissen „er hat es aufgeschrieben, in einem seiner Briefe“ erklärte sie. Lukas war sichtbar überrascht „Du hast sie gelesen? Alle?“ Sie nickte „ja, habe ich. Es war an dem Tag, als ich den Brief vom Gericht bekam. Plötzlich fielen mir die Briefe wieder ein und dann habe ich einfach angefangen zu lesen“ sagte sie leise und sah in seine grünen Augen, die sie aufmerksam musterten. Lukas setzte sich vorsichtig auf und wartete, bis Helena es ihm gleich getan und die Decke über sie beide ausgebreitet hatte „warum hast Du mir das nicht gleich erzählt? Das hat Dich doch sicherlich sehr beschäftigt“ vermutete er. Helena nahm seine Hand in ihre „deshalb musste ich das auch erst mal ein wenig sacken lassen. Nicht nur wegen dem, was ich über Karsten erfahren habe, sondern auch über Dich. Wieso hast Du mir denn nie erzählt, was damals passiert ist, nach dem Tod Eurer Mutter? Und dass Karsten kurz davor war sich das Leben zu nehmen, als er von Tristans Tod erfuhr? Das alles muss Dich doch sehr bewegt haben“ stellte sie fest. Er atmete hörbar schwer aus „ich wollte Dich nicht beeinflussen und Karsten wollte auch nicht, dass es jemand erfährt. Du solltest selbst bestimmen, wann Du bereit dazu bist und genau deshalb habe ich Dir die Briefe gegeben. Ich finde es schön, dass Du sie gelesen hast…vielleicht kannst Du jetzt besser verstehen, warum ich meinen Bruder nicht im Stich lassen konnte und warum wir so eine enge Bindung haben. Wir haben nur noch uns, Karsten und die Kinder sind meine Familie und ich könnte sie niemals fallen lassen, egal was passiert“ erwiderte er. Sie streichelte über seinen Handrücken „das kann ich sogar sehr gut verstehen. Karsten ähnelt vom Verhalten her meinem Bruder Sebastian. Er war damals für Dich da und hat die Verantwortung übernommen, als Ihr plötzlich ohne Eltern dar standet. Genauso hat es Sebastian auch gemacht. Und Dich hat der Tod Eurer Mutter offenbar besonders schwer getroffen…“ sagte sie und erinnerte sich an die Schilderungen von Karsten, die erahnen ließen, wie schlimm diese Zeit gewesen sein musste. Lukas Blick wurde traurig, als er leise antwortete „es hat mich damals völlig aus der Bahn geworfen. Ich war gerade erst 15 Jahre alt geworden und hatte eine sehr enge Bindung zu unserer Mutter. Die hatten wir beide, aber ich war noch fixierter auf sie, nachdem unser Erzeuger sich kurz nach meiner Geburt einfach aus dem Staub gemacht hat und sie es trotzdem schaffte, dass es uns an nichts fehlte. Sie war der warmherzigste Mensch, den ich je gekannt habe und als sie starb, brach meine komplette Welt zusammen. Karsten war selbst erst 19 Jahre alt, auch er war fix und fertig und dann hatte er plötzlich noch die Verantwortung für mich. Und ich war wirklich schrecklich in den Monaten nach dem Tod unserer Mutter. Ich habe alles verweigert, bin unregelmäßig zur Schule gegangen, hatte den falschen Umgang und bin auf die schiefe Bahn geraten. Ich habe angefangen Alkohol zu trinken, zu rauchen, habe mit Drogen herum experimentiert und schließlich ließ ich mich sogar zum Stehlen überreden. Karsten war irgendwann total am Ende und niemand hätte es ihm verübeln können, wenn er die Verantwortung für mich abgegeben hätte. Aber er hat es nicht getan, selbst als das Jugendamt irgendwann bei uns vor der Tür stand, hat er behauptet, dass alles in Ordnung ist, weil er Angst hatte, dass sie mich sonst mitnehmen würden. Als sie ein zweites Mal kamen, weil unsere Nachbarn uns angeschwärzt hatten, wäre es beinahe so weit gewesen, aber auch diesmal konnte er sie noch abwimmeln. Danach hat er mir zu verstehen gegeben, dass das meine letzte Chance ist, wenn ich möchte, dass wir als Familie zusammen bleiben können. Es war zwar noch lange nicht alles gut, aber es war wohl der Wendepunkt, wenn man das so nennen kann. Karsten hat vieles für mich aufgegeben, seine damalige Beziehung ging in die Brüche und er hat eine berufliche Chance meinetwegen sausen lassen. Das alles hat sein Leben beeinflusst und vielleicht wäre heute alles ganz anders, wenn ich damals nicht so viel Ärger gemacht hätte. Womöglich wäre er noch mit seiner damaligen Freundin zusammen und hätte niemals Melanie kennengelernt...diese Frau hat ihn kaputt gemacht und am Ende ist das vielleicht sogar meine Schuld“ schloss er seine Erzählung ab. Helena schluckte, langsam fügten sich alle Teile zusammen „diese Melanie mag nicht die richtige Frau gewesen sein, aber ohne sie gäbe es auch Paul und Anna nicht. Und ich weiß doch, wie sehr Du die beiden liebst“ sagte sie und tatsächlich lächelte er jetzt „da hast Du recht. Um nichts in der Welt möchte ich die beiden missen und Karsten schon gar nicht“ erklärte er und küsste sie zärtlich „danke, dass Du die Briefe gelesen hast, ich weiß, wie schwer Dir das gefallen sein muss.“ Sie lächelte nun ebenfalls „ich liebe Dich, Lukas, und ich will mein Leben mit Dir teilen. Ich habe Dir versprochen, dass ich mich damit auseinandersetzen werde und außerdem ist es auch für mich wichtig. Es gibt auch noch etwas, dass ich Dir über mich erzählen muss, aber...“ Er legte ihr einen Finger auf den Mund „ist schon gut, wir haben noch jede Menge Zeit dafür“ erwiderte er sanft „ich liebe Dich.“ Sie versanken in einem innigen Kuss und beide fühlten sich so befreit, wie schon seit sehr langer Zeit nicht mehr.

Marlene und Rebecca hatten eine große Decke auf dem Boden ausgebreitet, um es sich zusammen mit den Zwillingen ein wenig gemütlich zu machen. Jonas lag auf einem der großen, weichen Kissen und war sehr zufrieden, nachdem er gerade eine frische Windel bekommen hatte. Zu Marlenes Erleichterung hatte er sie diesmal mit seiner ganz eigenen Begrüßung verschont und sie musste sich anschließend nicht wieder umziehen. Sie hantierte gerade in der Küche herum und machte das Fläschchen für Jonas warm, während ihre Frau Sophie fütterte. Die Blondine beobachtete Rebecca von ihrem Platz aus und stellte fest, dass der Nachmittag mit den Kindern ihr gut tat. Auch sie selbst fühlte sich entspannt, es war schön einfach mal an nichts denken zu müssen und alle Probleme für eine Weile auszublenden. Sie ging mit der fertigen Flasche zurück zu der Decke und setzte sich zu der Brünetten, die ihre Nichte liebevoll anlächelte „schau mal, wie gut sie das schon macht. Sophie hat einen ganz schönen Zug drauf und wie kräftig sie schon meinen Finger umfasst. Es ist unglaublich, wie schnell sie sich entwickeln, oder?“ sagte sie und schaute Marlene aus ihren großen Augen an. Diese lächelte ebenfalls und nahm Jonas auf den Arm, um auch ihm sein Fläschchen zu geben „ja, das tun sie und sie werden von Tag zu Tag hübscher. Aber das ist ja auch kein Wunder, bei den Genen“ bemerkte sie und zwinkerte ihrem Gegenüber zu. Rebecca grinste „ich fürchte, dass ich als Tante dazu eher weniger beigetragen habe. Es sieht so aus, als würden sie die Augenfarbe von Marie bekommen, aber die Haare sind bei beiden eher dunkel, wie die von Tristan“ stellte sie fest „und wie Deine. Aber ihr Geschwister habt eigentlich alle eher dunkle Haare, genau wie meine Familie, nur ich bin da irgendwie außer Art geschlagen“ bemerkte Marlene. Die junge Gräfin sah sie verliebt an „zum Glück“ entgegnete sie „Du bist ja auch mit Abstand die schönste Wölfin.“ Die Blonde schaute sie gespielt tadelnd an „ich lasse das jetzt mal unkommentiert“ erwiderte sie, worüber Rebecca lachen musste „okay, aber ich darf das sagen, schließlich bin ich mit Dir verheiratet und für mich bist Du nun mal die Schönste von allen.“ Marlene schüttelte belustigt den Kopf, aber sie hörte es natürlich trotzdem gerne „das steht Dir übrigens sehr gut“ sagte sie plötzlich und deutete auf Sophie, die inzwischen alles ausgetrunken hatte und kurz davor war einzuschlafen. Rebecca zog eine Augenbraue hoch „willst Du mir damit was bestimmtes sagen?“ fragte sie amüsiert „nein, ich stelle nur fest, dass Du durchaus Mutterqualitäten hast“ konterte sie grinsend. Rebecca lachte, legte ihre Nichte zurück auf das Kissen und streckte sich selbst auf der Decke aus „bist Du mir eigentlich noch böse? Wegen Jacky, meine ich...“ horchte sie vorsichtig nach, obwohl sie nicht das Gefühl hatte, dass Marlene es ihr noch nachtrug. Die Gefragte bettete den kleinen Jungen ebenfalls auf sein Kissen und legte sich neben ihre Frau „bin ich nicht, ich war nur verwundert über Deine heftige Reaktion, wo Du mir doch bislang immer versichert hast, dass Du nicht eifersüchtig bist“ erklärte sie und strich der anderen sanft durch die Haare. Rebecca seufzte „ich will es ja auch gar nicht sein, aber ich habe einfach Angst, dass unsere Probleme dazu führen, dass Du Dich in ihrer Nähe wohler fühlst, als in meiner...“ gab sie zu und kuschelte sich an Marlene. Die Blondine drückte sie an sich und sog den vertrauten Duft der anderen ein, während sie ihr sanft über den Rücken streichelte „das musst Du nicht. Ich mag Jacky wirklich sehr und ich verbringe auch gerne Zeit mit ihr, aber niemals würde ich sie Dir vorziehen. Ich glaube, dass ich einfach eine Freundin in ihr gefunden habe und ich würde mir wünschen, dass auch Du mit ihr zurecht kommst. Vielleicht kannst Du Dir ja einen Ruck geben und es mir zu Liebe noch einmal versuchen?“ fragte sie und Rebecca erkannte an ihrem Ton, dass es ihr wirklich wichtig war. „Also schön, weil Du es bist...und weil ich einfach chancenlos bin, wenn Du mich so ansiehst“ sagte die junge Gräfin lächelnd und suchte die Lippen der anderen, um sich zärtlich mit ihnen zu vereinen.

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Teil 228:

Tanja ging an ihr neues Handy, das sie sich vor einigen Wochen zugelegt hatte und welches sie nur nutzte, um Angelegenheiten zu klären, die erforderten, dass sie anonym blieb. Das Display zeigte den Namen von Darius Klingental an, ein Mann, der es geschafft hatte, sein Vermögen innerhalb kürzester Zeit zu versenken und damit ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Es war nicht leicht gewesen an die Daten der Kunden zu gelangen, die eine Vorliebe für die extrem noble und teure Begleitagentur hatten, aber Tanja hatte sehr tief in die Tasche gegriffen und am Ende hatte es sich ausgezahlt. „Wie hat sie reagiert?“ fragte sie neugierig und lauschte gut gelaunt den Ausführungen des Mannes „es war zu erwarten, dass sie erst mal nicht darauf eingeht. Sie ist viel zu stolz, um Sebastian um Geld zu bitten und außerdem schämt sie sich nach wie vor für ihre kurze Karriere beim Escortservice“ bemerkte sie schadenfroh „genau so sollte sie reagieren. Wenn ihre Bedenkzeit abgelaufen ist, wird sie Ihnen sagen, dass sie das Geld nicht aufbringen kann und dann greift Stufe zwei. Sie wissen, was Sie zu tun haben. Ich werde dieser Frau nach und nach alles nehmen, was ihr etwas bedeutet, bis sie am Boden liegt und um Gnade winselt.“ Ihr Gesprächspartner reagierte anders, als sie es wünschte, doch Tanja wusste, wie sie ihn dazu brachte, das zu tun, was sie wollte „kommen Sie mir nicht mit Skrupel, Klingental. Sie tun es schließlich nicht umsonst und wenn Sie alles zu meiner Zufriedenheit erledigt haben, dann können Sie auch wieder Ihr Leben genießen, und zwar ganz ohne Geldsorgen“ erklärte sie und legte auf. Sie grinste zufrieden vor sich hin, bislang lief alles nach Plan, nur ihr werter Ehemann hatte ihr einen unerwarteten Strich durch die Rechnung gemacht. Ihre finanzielle Lage drohte dadurch in Schieflage zu geraten, aber auch dafür würde sich eine Lösung finden und die würde Sebastian alles andere als gefallen. Tanja schaute auf die Uhr, es war bereits später Nachmittag und damit war es an der Zeit ihre Tochter zurück aufs Schloss zu bringen. Emma war eingeschlafen und lag ausgestreckt auf dem Sofa, die Gräfin setzte sich zu ihr und strich dem blonden Mädchen sanft über die Wange „aufwachen, mein Engel. Die Mama bringt Dich jetzt zurück nach Königsbrunn“ sagte sie und wartete, bis sie ihre Augen öffnete. Emma wirkte ziemlich zerknirscht und erinnerte Tanja in diesem Moment stark an Sebastian, der genau den gleichen Gesichtsausdruck hatte, wenn man ihn aus dem Schlaf riss. Sie war zweifelsohne seine Tochter, das merkte man immer häufiger. Die Blondine schüttelte den Gedanken wieder ab und spürte im nächsten Moment den zarten Körper von Emma an ihrem, als diese sich an sie klammerte „warum kannst Du nicht auch wieder bei uns wohnen? Ich will nicht, dass Du immer weg gehst“ beschwerte die Kleine sich. Tanja drückte sie an sich „das geht leider nicht, Du weißt doch, dass der Papa und ich nicht mehr zusammen wohnen können. Aber jetzt bin ich ja ganz in Eurer Nähe und ich bleibe auch nicht mehr so lange weg, versprochen“ tröstete sie ihre Tochter und machte sich dann zusammen mit ihr auf den Weg zum Schloss.

Marie war noch immer völlig durch den Wind, als sie ihren Wagen vor dem Haus parkte. Sie riss sich die Perücke vom Kopf und nahm die Brille ab „was für eine verdammte Scheiße“ fluchte sie lauthals und schlug wütend auf das Lenkrad ein. Sie konnte noch immer nicht fassen, was gerade passiert war, und dass man sie schon wieder zwingen wollte, für etwas aufzukommen, das sie nicht verschuldet hatte. Darius war ihr nicht als ein Mensch in Erinnerung geblieben, der es nötig hatte, andere zu erpressen, er war immer sehr anständig und fair gewesen, doch offenbar war mit seinem Geld auch seine Nettigkeit verschwunden. Doch wieso war er ausgerechnet auf sie gestoßen? Hatte er durch Zufall etwas über die Lahnsteins gelesen und wenn ja, woher wusste er dann, dass sie eine Beziehung zu Sebastian pflegte? Hatte es irgendwann einen Artikel, oder ein Bild von ihnen gegeben? Marie wusste es nicht und im Prinzip war es auch egal, denn der Schaden war angerichtet und sie steckte mal wieder bis zum Hals in Schwierigkeiten. Sie war damals so erleichtert gewesen, dass nach Davids Verhaftung keine weiteren Details an die Öffentlichkeit gelangt waren und sie ihr Leben endlich wieder hatte aufnehmen können. Doch jetzt gab es einen weiteren Menschen, der damit drohte sie öffentlich zu diffamieren, wenn sie nicht das tat, was er verlangte. Marie schloss resigniert die Augen, sie hatte es so satt. Vielleicht hätte sie es besser wissen müssen, ihr hätte klar sein sollen, dass sie nicht einfach glücklich sein konnte. So war es schon immer gewesen. Sie seufzte, während sie fieberhaft überlegte, was sie nun tun sollte. Darius erwartete morgen eine Antwort und eines war jetzt schon klar, sie hatte das Geld nicht und Sebastian zu fragen, kam für sie nicht in Frage. Die Lahnsteins hatten ihr bereits mehr als genug geholfen und sie würde sie nicht ein weiteres Mal mit ihrer Vergangenheit und ihren Problemen belasten. Marie mochte sich nicht einmal vorstellen, wie ihr Freund reagieren würde, wenn sie ihn mit Darius konfrontierte. Sebastian hatte ihr zwar immer versichert, dass er kein Problem mit ihrer Vergangenheit hatte, aber es gab für alles Grenzen und sie konnte ihre junge Beziehung nicht noch mehr belasten. Sie zuckte erschrocken zusammen, als es plötzlich an der Fensterscheibe klopfte und sie ihren Freund erkannte, der sie fröhlich anlächelte.

Dana öffnete die Tür zur WG und ließ ihre Begleitung in die Wohnung treten, die sich gut gelaunt umschaute „wow, das ist ja eine tolle Wohnung. Und es ist wirklich in Ordnung für Dich und die anderen, wenn ich hier einziehe?“ fragte Jacky. Die Wolf Tochter nickte „ist es, sonst hätte ich es Dir nicht angeboten. Im Moment wohnt außer mir nur noch Andi hier und da ich die meiste Zeit bei Ricardo bin, ist es ziemlich leer geworden. Wir brauchen also dringend neue Mitbewohner. Du kannst Dir ein Zimmer aussuchen, ich würde das von Olli und Christian nehmen, das ist das schönste von denen, die frei sind“ erklärte sie und führte die andere durch die Räumlichkeiten. Als sie ihren Rundgang beendet und über die Kosten gesprochen hatten, waren sie sich einig „ich freue mich wirklich, dass ich hier wohnen kann, vielen Dank, Dana“ sagte sie und reichte der Kollegin die Hand. Die Brünette lächelte „bedank Dich nicht bei mir, meine Schwester hatte die Idee und hat sich sehr für Dich eingesetzt“ teilte sie der jungen Frau mit „Marlene steckt dahinter? Davon hat sie mir gar nichts gesagt“ erwiderte sie erstaunt und fühlte erneut das inzwischen vertraute Kribbeln, bei dem Gedanken an die schöne Blondine. Dana lachte „ja, so ist meine Schwester, immer für eine Überraschung gut. Aber Ihr versteht Euch ja auch ziemlich gut, wenn Du es sogar geschafft hat, sie ins Stadion zu schleppen, dann muss ihr sehr viel an Dir liegen“ bemerkte sie, ohne zu ahnen, wie diese Aussage auf die andere wirkte. Jacky überlegte einen Moment, bevor sie ihr Gegenüber etwas fragte „wie lange sind Rebecca und Marlene eigentlich schon zusammen?“ Dana machte ein nachdenkliches Gesicht „ich weiß nicht genau, dürften aber bald vier Jahre sein. Wieso?“ Jacky bemühte sich um Lockerheit, es war sicherlich nicht ratsam, wenn ausgerechnet Marlenes Schwester hinter ihre romantischen Gefühle kam „nur so, die beiden sind ein schönes Paar…obwohl ich das Gefühl habe, dass es gerade nicht sonderlich gut läuft zwischen ihnen. Marlene ist jedenfalls ziemlich angespannt in letzter Zeit“ erklärte sie und musste damit nicht mal lügen. Die Brünette nickte „Rebecca ist Marlenes große Liebe, die beiden hatten es nicht immer leicht, aber sie sind auch nicht so einfach zu erschüttern. Was immer da gerade nicht so gut läuft, sie bekommen das schon hin, da bin ich mir sicher. Außerdem freut es mich, dass meine Schwester offenbar eine Freundin gefunden hat, mit der sie über ihre Probleme reden kann. Vielleicht trägt das ja dazu bei, dass sie sich endlich von Tanja löst. Die ist nämlich nicht gerade das, was man als echte Freundin bezeichnen würde“ erwiderte sie leicht missbilligend. Jacky fühlte sich mit einem Mal überhaupt nicht mehr, wie eine gute Freundin, wenn sie darüber nachdachte, wie sie sich in letzter Zeit verhalten hatte. Ihr schlechtes Gewissen meldetet sich, als sie hörte, wie glücklich Marlene mit ihrer Frau war, und dass sie selbst vor lauter Verliebtheit keinen Gedanken daran verschwendet hatte, was es für Marlene bedeuten könnte, wenn dieses Glück zerbrach „ja, mir ist es ehrlich gesagt lange nicht passiert, dass ich mich mit jemandem auf Anhieb so gut verstanden habe. Aber Deine Schwester ist auch schwer in Ordnung, man muss sie einfach mögen“ entgegnete sie innerlich aufgewühlt und verfluchte sich dafür, dass sie sich ausgerechnet in Marlene verliebt hatte, die doch unerreichbar für sie war.

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Teil 229:

Als Sebastian und Marie die Wohnung betraten, fanden sie zwei Frauen vor, die aneinander gekuschelt auf der Decke lagen und wie Jonas und Sophie eingeschlafen waren. Der Graf zückte sofort sein Handy und schoss ein paar Fotos „das ist so süß, das muss für die Nachwelt festgehalten werden“ flüsterte er. Marie fiel es noch immer schwer ihre Emotionen zu kontrollieren, als sie ihren Sohn auf den Arm nahm „bringen wir sie ins Bett, vielleicht haben wir ja Glück und sie schlafen noch eine Weile“ sagte sie leise und ging gefolgt von Sebastian, der Sophie mitnahm, in ihr Zimmer, wo sie die beiden vorsichtig in ihr Bettchen legten. Danach zog der Graf seine Freundin an sich und fing an ihren Hals mit sanften Küssen zu bedecken „ich habe Dich vermisst“ hauchte er, während seine Hände an ihrem Rücken hinab glitten, bis sie ihn stoppte. Er sah sie fragend an „was ist? Stimmt etwas nicht?“ vergewisserte er sich, weil sie bereits bei der Begrüßung etwas merkwürdig gewesen war „ich fühle mich nicht so besonders, sei mir bitte nicht böse“ erklärte sie und setzte sich auf ihr Bett. Sebastian runzelte die Stirn und setzte sich neben sie „wieso sollte ich denn böse sein?“ fragte er verwundert und musterte sie eindringlich „ist es sehr schlimm? Du bist auch ziemlich blass…“stellte er besorgt fest. Marie konnte seine Fürsorge nur schwer aushalten, sie hatte das Gefühl jeden Moment in Tränen auszubrechen „ich sollte mich vielleicht einfach etwas hinlegen“ erwiderte sie „gute Idee, ich könnte auch eine Mütze Schlaf vertragen“ antwortete er, doch seine Freundin schüttelte den Kopf „nimm es mir bitte nicht übel, aber ich wäre lieber etwas alleine.“ Sebastian blickte sie irritiert an „okay, aber vorher sagst Du mir bitte, was mit Dir los ist. Ich dachte eigentlich, dass Du Dich freust mich zu sehen, vor allem, weil ich nächste Woche nur wenig Zeit haben werde. Wenn es Dir nicht gut geht, kann ich doch wenigstens hier bleiben und mich ein bisschen um Dich kümmern. Dann brauchst Du auch kein Auge auf die beiden Knirpse zu haben.“ Marie hätte sich am liebsten einfach in seine Arme geworfen, aber sie konnte ihm gerade nicht in die Augen sehen, weil sie fürchtete, dass er sofort alles durchschauen würde und außerdem konnte sie keinen klaren Gedanken fassen, solange er hier war „es ist nichts, abgesehen davon, dass ich einfach etwas Ruhe brauche. Nimm das doch nicht gleich persönlich. Jonas und Sophie schlafen ja jetzt, also musst Du Dir deswegen keine Gedanken machen.“ Sebastian wusste nicht, was er dazu noch sagen sollte „mit anderen Worten bedeutet das, dass ich nicht erwünscht bin. Ich habe zwar keine Ahnung, was ich getan habe, dass Du plötzlich so abweisend bist, aber wenn Du es so möchtest, dann gehe ich eben“ erwiderte er hörbar gekränkt. Er hatte sich sehr auf den gemeinsamen Abend mit ihr gefreut, verspürte eine große Sehnsucht nach seiner Freundin und war entsprechend enttäuscht, dass es ihr offenbar nicht genauso ging. Sie wusste noch nicht mal, dass es ihm endlich gelungen war, Tanja von ihren Forderungen abzubringen, aber unter den gegebenen Umständen hatte er auch keine Lust, ihr davon zu erzählen. Er warf noch einen Blick in das Kinderbett, erkannte, dass sie Zwillinge noch immer schliefen und ging dann zur Tür. Marie stand ebenfalls auf „so habe ich das doch nicht gemeint, Sebastian“ versuchte sie die Situation zu kitten, aber der Graf ging nicht mehr darauf ein „ist schon in Ordnung, dann verbringe ich den Abend eben mit meiner Tochter. Emma kommt ohnehin zu kurz in letzter Zeit und sie freut sich wenigstens über meine Gesellschaft. Bis dann und gute Besserung“ erklärte er und verließ enttäuscht das Zimmer. Die Blondine setzte sich wieder aufs Bett „herzlichen Glückwunsch, Marie. Das hast Du wirklich ganz wunderbar hinbekommen“ murmelte sie und hätte am liebsten laut geschrien, so wütend war sie über die Situation und vor allem auf sich selbst.

Durch das unsanfte schließen der Tür, wurden die beiden Damen aus ihrem leichten Schlaf gerissen und wunderten sich zunächst darüber, dass sie Zwillinge nicht mehr bei ihnen waren „Marie hat sie bestimmt ins Bett gelegt“ vermutete Rebecca und kuschelte sich direkt wieder in Marlenes Arme. Die Blondine streichelte ihr nachdenklich durchs Haar „sollen wir nicht noch ein bisschen raus gehen? Etwas frische Luft tut uns bestimmt gut“ schlug sie vor. Die Gräfin sah sie lächelnd an „ja, lass uns doch zum Rhein fahren und dort spazieren gehen. Danach können wir ja etwas bei unserem Lieblings Italiener essen, da waren wir schon ewig nicht mehr“ erwiderte sie und bekam einen Kuss zur Antwort „das ist eine gute Idee, genauso machen wir es“ sagte Marlene und griff nach ihrem Handy, weil gerade eine SMS eingegangen war. Rebecca war bereits aufgestanden und machte etwas Ordnung „wer stört?“ fragte sie scherzhaft „Jacky hat mir geschrieben und sich bedankt. Sie ist heute in die WG eingezogen“ erklärte ihre Frau und stand ebenfalls auf. Sie musterte die Brünette und ging auf sie zu „guck nicht so genervt, Du hast mir gerade noch versprochen, dass Du mit Deinen Vorbehalten gegen Jacky aufhörst“ erinnerte sie die andere „ich sag doch gar nichts“ entgegnete Rebecca „regnet es eigentlich draußen? Wir sollten besser einen Schirm mitnehmen.“ Marlene schüttelte den Kopf, ganz so einfach, wie sie es sich erhofft hatte, funktionierte es offenbar doch nicht „ich packe einen ein“ sagte sie und zog sich ihre Schuhe an „wie wäre es, wenn wir auf dem Rückweg kurz in der WG vorbei schauen? Dann kannst Du Dich davon überzeugen, dass Jacky wirklich in Ordnung ist und ich kann kurz mit Dana sprechen. Ich wollte gerne wissen, ob es Lara inzwischen besser geht.“ Rebecca seufzte, das war wohl ein Kompromiss, den sie eingehen musste, wenn sie die gute Stimmung nicht direkt wieder zerstören wollte „wenn es Dir so wichtig ist, dann können wir das machen“ verkündete sie und ging ebenfalls zur Garderobe, um sich ihre Jacke anzuziehen. Die Blonde lächelte zufrieden „es ist mir wichtig“ stellte sie fest und gab der anderen noch einen Kuss „und jetzt lass uns gehen, dann können wir vielleicht noch eine Runde im Trockenen drehen.“ Damit verließen sie die Wohnung und machten sich auf den Weg zum Rhein.

Ricardo besuchte nach Feierabend noch seine persönliche Lieblingspatientin, die seit heute wieder auf der normalen Station lag. Laras Werte waren inzwischen stabil, die Infektion war überstanden und entsprechend erleichtert war auch der spanische Arzt, wenngleich es das kleine Mädchen einiges an Kraft gekostet hatte. Der Kampf gegen den Krebs hinterließ immer mehr Spuren und diese waren nicht mehr länger nur äußerlich sichtbar, was Ricardo große Sorgen bereitete. Lara war bislang unglaublich Tapfer gewesen und hatte durch ihr sonniges Gemüt immer den Eindruck vermittelt, dass sie sich nicht unterkriegen ließ. Doch die letzten Tage hatten ihr schwer zugesetzt, sie hatte große Angst gehabt und ihn in der ersten Nacht auf der Intensivstation sogar gefragt, ob sie sterben müsste. Die Erinnerung daran machte dem spanischen Arzt noch immer zu schaffen und wenn er in ihre müden Augen sah, die vor wenigen Wochen noch so wundervoll gestrahlt hatten, dann wünschte er sich nichts mehr, als all ihre Sorgen und Schmerzen auf sich nehmen zu können, aber leider war das unmöglich. Er streichelte ihr liebevoll über die Wange „bald kannst Du das Krankenhaus erst mal verlassen und bis zu Deiner nächsten Chemotherapie dauert es dann auch eine ganze Weile“ versuchte er sie aufzuheitern, doch sie wirkte plötzlich noch trauriger „was ist? Freust Du Dich denn gar nicht darüber?“ Laras Augen füllten sich mit Tränen „nein“ sagte sie und schüttelte den Kopf „dann muss ich wieder ins Heim und kann Dich und Dana nicht mehr sehen.“ Ricardo wischte ihr die Tränen weg, die über ihr Gesicht liefen „nicht weinen, wir werden Dich im Heim besuchen, versprochen“ versicherte er und konnte ihre Traurigkeit kaum ertragen. Auf das, was dann kam, war er jedoch nicht vorbereitet gewesen „ich möchte aber nicht zurück ins Heim, da ist es nicht schön und die sind auch alle nicht so nett, wie hier. Warum kann ich denn nicht bei Dir und Dana bleiben? Ich bin auch immer lieb, versprochen, und Du kannst mich bestimmt auch wieder ganz gesund machen. Bitte Ricardo, ich will da nicht mehr hin“ flehte sie und sah ihn aus verweinten Augen an. Ricardo schluckte und spürte, wie sein Herz schwer wurde. Zum ersten Mal in seinem Leben wusste er tatsächlich nicht, was er sagen sollte.

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BeitragVerfasst: 11.09.2015, 19:31 
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Teil 230:

Nachdem sie ihren Spaziergang und das anschließende Essen beim Italiener beendet hatten, schlenderten Marlene und Rebecca Hand in Hand den Flur zur WG entlang. Bevor die ältere von beiden an die Tür klopfen konnte, hielt Rebecca sie zurück „was genau soll ich denn jetzt zu Jacky sagen? Es ist ja nicht mal so, dass wir uns gestritten hätten…ehrlich gesagt finde ich die Situation etwas merkwürdig“ erklärte sie skeptisch. Marlene grinste „keine Ausflüchte, mein Schatz, wir gehen da jetzt rein. Du musst auch nicht viel sagen, reich ihr einfach die Hand und alles andere ergibt sich dann schon. Außerdem bleiben wir ja nicht lange, ich möchte einfach nur, dass Du siehst, dass es keinen Grund gibt auf Jacky eifersüchtig zu sein“ erwiderte sie und klopfte dann an die Tür, die kurz darauf geöffnet wurde. „Hallo, das ist ja eine Überraschung“ bemerkte die junge Frau und ließ die Besucher eintreten „wollt Ihr zu mir?“ Marlene umarmte sie kurz „sieht ganz so aus. Wir waren gerade in der Nähe und wollten mal schauen, wie es Dir in Deinem neuen Zuhause geht.“ Rebecca und Jacky schauten sich etwas unschlüssig an, bis die junge Gräfin schließlich reagierte und ihr die Hand gab „tja, jetzt wohnst Du also in der WG. Ich bin hier früher viel ein und ausgegangen und es hat sich nicht viel verändert seitdem. Nur etwas leerer ist es geworden“ versuchte sie es mit ein wenig Smalltalk. Die andere lächelte „stimmt, aber das hat durchaus Vorteile. So wird wenigstens das Bad nicht stundenlang blockiert“ witzelte sie „wollt Ihr vielleicht was trinken?“ Die beiden Frauen schüttelten den Kopf „nein, danke. Wir waren gerade essen und ich wollte eigentlich noch kurz mit Dana sprechen. Ist sie da?“ fragte Marlene „ne, sie ist gerade zu ihrem Freund gefahren. Es war wohl etwas mit Lara, aber nichts schlimmes, soweit ich das mitbekommen habe“ klärte sie ihre Chefin auf. Diese nickte und wandte sich an ihre Frau, der anzusehen war, dass sie lieber nach Hause gehen wollte „okay, dann gehen wir jetzt wieder. Wir waren einige Zeit unterwegs und wollen den Abend ruhig ausklingen lassen, bevor morgen wieder der Stress losgeht“ sagte sie. Rebecca lächelte sie dankbar an und gab ihr einen Kuss „erinnere mich bloß nicht daran, ich hatte es bis gerade erfolgreich verdrängt“ scherzte sie und als ihr Blick zu Jacky wanderte, glaubte sie erneut erkannt zu haben, dass die Brünette ihre Frau auf eine Art ansah, die ihr nicht sonderlich gefiel. Sie beschloss jedoch, es vorerst für sich zu behalten und Jacky auch zukünftig mit einer gewissen Vorsicht zu begegnen.

Am Montag Morgen zog es Marie als erstes zu Sebastian. Sie hatte die ganze Nacht kein Auge zugetan, was ausnahmsweise nicht an den Zwillingen gelegen hatte, sondern an ihrer misslichen Situation und dem schlechten Gewissen ihrem Freund gegenüber. Sie war außerdem zu dem Entschluss gekommen, dass es doch besser war mit Sebastian zu reden, denn spätestens wenn sie Darius heute davon in Kenntnis setzen würde, dass sie das Geld nicht zahlen konnte, würde dieser die Bombe platzen lassen. Sie seufzte, während sie den Kinderwagen aus dem Aufzug schob und auf das Büro des Grafen zu steuerte, der glücklicherweise auch da war. Sebastian schaute kurz von seinen Unterlagen auf, als sie eintrat, senkte seinen Kopf aber direkt wieder „was treibt Dich denn hier her?“ fragte er etwas kurz angebunden, obwohl er sich insgeheim über ihr Auftauchen freute. Marie stellte den Wagen ab und sah ihn resigniert an „ich bin hier, um mich für mein Verhalten gestern zu entschuldigen. Es war unmöglich von mir, Dich einfach weg zu schicken und das tut mir leid“ sagte sie leise, aber aufrichtig. Sebastian blickte wieder zu ihr, sein Ärger war bereits verflogen und er wollte sie nicht länger als nötig quälen. Er stand auf und ging zu ihr „das stimmt, aber ich liebe Dich trotzdem, auch wenn Du mir manchmal noch Rätsel aufgibst“ entgegnete er lächelnd und schloss sie in die Arme. Marie atmete erleichtert auf, seine Nähe gab ihr für einen Moment das Gefühl zurück, dass ihr nichts zustoßen konnte und so hielt sie ihn eine ganze Weile einfach fest. „Geht es Dir denn heute wieder besser? Du bist immer noch ziemlich blass“ bemerkte er, als er ihr kurz darauf in die Augen sah „ja...nein, also es geht mir gut, aber es ist gerade einfach etwas viel“ stammelte sie und wusste nicht, wie sie anfangen sollte. Der junge Graf gab ihr einen Kuss und lächelte fröhlich „ich habe etwas, dass dafür sorgen wird, dass es Dir gleich besser geht“ erklärte er und lief zu seinem Schreibtisch. Er griff in seine Schublade, holte etwas heraus und hielt es ihr anschließend unter die Nase „das hier schafft uns Tanja endgültig vom Hals. Sie verzichtet auf sämtliche finanziellen Forderungen, willigt in die Scheidung ein und was das Beste ist, sie stimmt dem gemeinsamen Sorgerecht für Emma zu und akzeptiert, dass sie bei mir wohnen bleibt. Ist das nicht großartig?“ verkündete er aufgekratzt. Marie überflog die Vereinbarung und war mehr als irritiert, als sie Tanjas Unterschrift entdeckte „wie hast Du sie denn dazu gebracht? Das hat sie doch nie im Leben freiwillig unterschrieben, oder?“ wollte sie wissen und sah ihn skeptisch an. Sebastian wirkte ein wenig verschämt, als er zugab ihr Einverständnis nicht auf ganz herkömmliche Art erhalten zu haben „es war nicht ganz korrekt, aber was hätte ich denn machen sollen? Sie hätte uns das Leben sonst noch ewig schwer gemacht, hätte immer wieder damit gedroht mir Emma weg zu nehmen und sich gegen die Scheidung gewehrt, solange ich ihr nicht das gezahlt hätte, was sie haben wollte. Natürlich war es nicht die feine Art, sie zu erpressen und ich weiß nicht mal, ob ich es tatsächlich durchgezogen hätte, aber zum Glück hat sie es mir abgenommen und nur das zählt. Ich habe das auch für uns getan, Marie, damit wird endlich ein normales Leben führen können, ohne ständig Angst haben zu müssen, dass sie uns dazwischen funkt. Ich will doch nur, dass endlich Ruhe einkehrt und wir unser Glück unbeschwert genießen können. Du, die Kinder und ich, kannst Du das verstehen? Oder hältst Du mich jetzt für einen Schuft?“ Sie blickte in seine blauen Augen, die sie fragend ansahen und die so schön strahlten, wie schon lange nicht mehr. Ihr Freund war erleichtert und glücklich und er sehnte sich nach Normalität, was sie nur zu gut verstehen konnte. Marie verließ plötzlich wieder der Mut, sie konnte ihm jetzt nicht das nächste schwere Problem um die Ohren hauen, es würde vielleicht alles kaputt machen und sie hatte schreckliche Angst davor. Sebastian wurde nervös „was ist denn? Bist Du jetzt schockiert? Glaub mir, ich verabscheue solche Methoden sonst auch, aber gegen gewisse Gegner bleibt einem manchmal nichts anderes übrig. Es tut mir leid, wenn ich Dich damit enttäuscht habe, aber ich bin selbst nicht stolz darauf“ gab er etwas zerknirscht zu. Die Blondine schüttelte den Kopf und versuchte ihre Gefühle zu kontrollieren „Du kannst mich gar nicht enttäuschen...Du nicht“ sagte sie leise und lehnte sich wieder an ihn. Sebastian war erleichtert und freute sich auf ihre gemeinsame Zukunft, für die soeben der nächste Meilenstein gelegt worden war.

Bei Dana und Ricardo herrschte gedämpfte Stimmung an diesem Morgen, beide hatten wenig geschlafen und lange miteinander geredet in der letzten Nacht. Laras Bitte, dass sie bei ihnen bleiben konnte, hatte sie unerwartet getroffen und keiner von ihnen wusste so recht, wie damit nun am Besten umzugehen war. Natürlich war ihnen klar gewesen, dass Lara eine Bindung zu ihnen aufgebaut hatte, genauso wie sie es umgekehrt auch getan hatten, aber dennoch waren sie überrascht und auch ein Stück weit überfordert mit der neuen Situation. Dana trank etwas von ihrem Kaffee und sah ihren Freund prüfend an „Du denkst ernsthaft darüber nach, oder?“ fragte sie und begegnete seinem aufgewühlten Blick „Du nicht?“ wollte er statt einer Antwort von ihr wissen uns spürte, wie sich alles in ihm anspannte. Die Wolf Tochter seufzte „natürlich habe ich darüber nachgedacht, aber mal ehrlich, Ricardo, ist Dir klar, wovon wir hier sprechen? Es geht nicht darum, ob wir Lara eine Weile zu uns nehmen, um sie beim Gesund werden zu unterstützen. Es geht darum, ihr ein Zuhause zu geben, eine Familie zu sein und das für immer. Es ist das natürlichste der Welt, dass sie sich das wünscht und sie ist auch ein wundervolles Kind, aber das ist eine verdammt weitreichende Entscheidung. Abgesehen davon wissen wir nicht mal, ob wir überhaupt eine Chance hätten, sie zu uns zu nehmen. Da gibt es sicherlich jede Menge Bedingungen, die zu erfüllen sind und wir beide sind weder verheiratet, noch leben wir zusammen. Und mit gerade Mal ein paar Monaten Beziehung sind wir nicht unbedingt das, was man als stabiles Umfeld bezeichnen kann“ gab sie zu bedenken. Der spanische Arzt ließ sich ihre Worte durch den Kopf gehen, die natürlich alle richtig waren und schaute sie danach wieder an „Du hast recht, alles was Du gesagt hast ist richtig und auf gar keinen Fall dürfen wir hierbei irgendetwas übers Knie brechen. Aber ich möchte gerne wissen, ob Du grundsätzlich dazu bereit bist und ob es in Ordnung für Dich wäre, wenn ich mich über die Möglichkeiten informieren würde, die es gibt? Das ist noch lange keine Entscheidung, Dana, aber alles was wir ab jetzt tun, müssen wir gemeinsam beschließen und auch tragen. Wenn Du also nicht willst, dass ich mich weiter darüber informiere, dann musst Du mir das sagen“ erklärte er und blickte sie abwartend an. Dana stellte ihre Tasse vor sich auf den Tisch und schaute in die braunen Augen des Mannes, den sie wahnsinnig liebte und mit dem sie ihr Leben verbringen wollte. Sie hatte bereits einmal geglaubt, die Liebe ihres Lebens gefunden zu haben, damals mit Hagen, und war bitter enttäuscht worden. Auch ihr Wunsch nach einer eigenen Familie war je zerstört worden und sie wusste nicht, ob sie noch einmal die Kraft würde aufbringen können, die es kostete, wenn dieser Traum am Ende erneut zerplatzen würde. All diese Gedanken gingen ihr durch den Kopf, während Ricardo sie einfach nur ansah und geduldig auf eine Antwort wartete.

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Teil 231:

Darius Klingental wartete im Schneiders auf seine Verabredung, wobei es fast schon vermessen war dieses Treffen so zu bezeichnen, wo er doch nichts anderes tat, als Marie zu erpressen und sie in die Enge zu treiben. Er fühlte sich nach wie vor nicht sonderlich gut dabei und wenn seine finanziellen Schwierigkeiten nicht so akut wären, dann hätte er sich nicht auf dieses Spiel eingelassen, doch nun war es zu spät für Skrupel. Marie war nicht begeistert gewesen, als sie hörte, dass er sich hier mit ihr treffen wollte, aber er hatte ihr keine Wahl gelassen und so wunderte er sich nicht, als er sie kurze Zeit später durch die Tür kommen sah. Auch diesmal hatte sie sich wieder „verkleidet“, dabei wusste er längst, dass sie in Wirklichkeit keine Brünette war, aber er ließ ihr diese kleine Illusion, um sie nicht noch nervöser zu machen. Etwas abgehetzt nahm sie vor ihm Platz und bevor er auch nur einen Ton sagen konnte, platze es bereits aus ihr heraus „ich habe das Geld nicht und egal was Du tust, Du wirst es von mir nicht bekommen. Es ist einfach nicht machbar.“ Er blickte ihr stumm in die Augen, sie hatte Angst, das konnte er erkennen und sie handelte genauso, wie es seine Auftraggeberin, wenn man sie denn so nennen konnte, vorhergesehen hatte. Darius strich sich am Kinn entlang und tat so, als würde er nachdenken „das ist nicht gut“ stellte er mit ruhiger Stimme klar und sah ihr weiter fest in die Augen „Du weißt, was das bedeutet, Marie und vielleicht denkst Du lieber noch einmal darüber nach. Ich möchte wirklich nicht, dass es zum Äußersten kommt...und weil ich einsehe, dass zwei Millionen sehr viel und schwer zu beschaffen sind, würde ich mich vorerst auch mit der Hälfte zufrieden geben“ sagte er und nippte an seinem Kaffee. Sie lachte trocken „wie gnädig von Dir, nur leider ändert das nichts daran, dass ich so viel Geld nicht besitze. Und bevor Du davon anfängst, meinen Freund werde ich nicht fragen, der hat damit nichts zu tun. Und ich sehe auch nach wie vor nicht ein, weshalb ich für Deine Unfähigkeit aufkommen sollte. Das einzige was ich Dir anbieten kann ist Dich zukünftig zu beraten und das bekommst Du dann sogar gratis“ sagte sie vor Ironie triefend. Darius musterte sie aufmerksam, sie hatte ihn schon früher mit ihrer Art zum Lachen gebracht, aber leider änderte das nichts an dem, was er jetzt tun musste. Er beugte sich zu ihr und sprach nun deutlich leiser „es gibt da unter Umständen noch eine andere Möglichkeit, wie wir ins Geschäft kommen könnten“ flüsterte er „und das Beste daran ist, dass Du dafür nicht mal Geld beschaffen musst.“

Als Juri an diesem Tag die Arbeit aufsuchte, wirkte er blass und abgespannt. Er hatte in der Nacht schreckliche Alpträume gehabt, was keine Seltenheit war, aber diesmal waren sie wieder besonders schlimm und intensiv gewesen. Sein halbes Leben schon verfolgten ihn die grausamen Bilder, egal wie gut er sich fühlte, oder wie viel Zeit auch verging, er wurde sie einfach nicht los und manchmal machte es ihn schier verrückt. Er ging als erstes in die Küche, wo er sich einen Kaffee holte und von wo aus er Rebecca entdeckte, die in der Designabteilung saß und fast genauso beschissen aussah, wie er sich selbst fühlte. Sein erster Impuls war einfach zu seinem Arbeitsplatz zu gehen, aber aus irgendeinem Grund tat er es nicht, sondern steuerte auf seine Kollegin und Chefin zu. Sie schaute irritiert auf, als er ihr die Kaffeetasse unter die Nase hielt „danke, aber ich hatte bereits genug davon heute“ sagte sie und schaute ihn prüfend an „Du siehst ziemlich fertig aus“ bemerkte sie „dito“ konterte Juri gereizt und wandte sich ab. Rebecca sprang von ihrem Platz auf „hey, das war nicht böse gemeint…ich mache mir ehrlich gesagt etwas Sorgen um Dich und auch um LCL. Wenn Du nämlich ein Drogenproblem hast…“ Sie hatte es kaum ausgesprochen, da fuhr er sie ungehalten an „ich habe kein verdammtes Drogenproblem! Also hör auf mit diesem Geschwafel und kümmere Dich um Deinen eigenen Kram. Wenn ich mir angucke, was Du da gerade fabrizierst, dann hast Du echt andere Probleme, als Dir Deinen Kopf wegen mir zu zerbrechen“ stellte er fest und stapfte davon. Rebecca blieb beinahe der Mund offen stehen „sag mal, wie redest Du eigentlich mit mir?“ rief sie ihm wütend hinterher, aber natürlich bekam sie keine Antwort mehr.

Tanja betrat unterdessen unentdeckt mit ihrem Sohn Hannes, der gerade zu Besuch war, das Gebäude und ging mit ihm in ihr Büro. „Kann ich sie jetzt endlich haben?“ fragte er zum wiederholten Male und sah seine Mutter bittend an. Tanja holte die Pistole aus ihrer Tasche, die zwar nur ein Spielzeug war, aber täuschend echt aussah und obendrein machten die Platzpatronen gehörigen Krach und konnten einem Menschen, der nicht darauf gefasst war, einen ordentlichen Schrecken einjagen. Sie grinste und reichte ihrem Sohn die Pistole „hier hast Du sie, aber dafür musst Du mir einen Gefallen tun“ sagte sie und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Der kleine Graf schaute sie schelmisch an, er schien sein Glück kaum fassen zu können „das darf ich wirklich machen?“ vergewisserte er sich noch einmal und als sie nickte, flitze er davon, um seine Mission zu erfüllen.

Juri stand an seinem Arbeitsplatz, er war noch immer reichlich verstimmt und ahnte nicht, dass er von einem kleinen Banditen beobachtet wurde, der nur darauf wartete, ihn mächtig zu erschrecken. Es waren kaum Mitarbeiter im Gebäude, die meisten befanden sich in der Mittagspause und entsprechend ruhig war es in den Räumen. Hannes kicherte in sich hinein und als der Designer sich umdrehte und mit dem Rücken zu ihm stand, verließ er sein Versteck und pirschte sich leise an den Schreibtisch heran, bis er direkt davor stehen blieb. Er zielte mit der Pistole auf Juris Hinterkopf „jetzt bist Du fällig“ schrie er, woraufhin der Designer sich ruckartig umdrehte und schockiert in den Lauf der Pistole blickte. Hannes war belustigt über den verstörten Gesichtsausdruck des anderen, der sich offenbar mächtig erschrocken hatte und drückte dreimal hintereinander ab. Die Platzpatronen hallten so laut durch die Räume, dass selbst Rebecca davon aufgeschreckt wurde und nach vorne lief, um nach dem rechten zu sehen. „Was ist denn hier los?“ fragte sie und fand einen amüsierten Jungen vor, der sich gar nicht mehr einkriegen konnte „hey Rebecca, ich habe gerade Juri erschossen“ witzelte er und kicherte erneut. Die junge Gräfin blickte zu ihrem Chefdesigner, der wie versteinert da stand und sich krampfhaft die Ohren zu hielt. Juri war leichenblass, auf seiner Stirn hatten sich Schweißtropfen gebildet und er zitterte wie Espenlaub. Hannes fuchtelte noch immer mit der Pistole herum, bis es Rebecca genügte „okay, es reicht jetzt, Du hattest Deinen Spaß. Geh bitte zu Deiner Mutter und keine Schießerei mehr hier im Gebäude“ wies sie ihn an und ging dann zu Juri, der sich noch immer nicht rührte. Vorsichtig näherte sie sich ihm, immer darauf bedacht, ihn nicht noch mehr zu erschrecken „Juri…was ist mit Dir?“ fragte sie leise und fürchtete sich davor ihn zu berühren, weil er darauf schon einmal sehr heftig reagiert hatte. Sie wusste nicht, was in ihm vorging und hatte keine Ahnung was sie tun sollte, da fing er plötzlich an zu sprechen, wobei seine Augen zunehmend wässeriger wurden. Sie konnte nicht verstehen, was er sagte, aber er schien wie gefangen zu sein in einer Erinnerung, die sehr schmerzvoll sein musste. Rebecca konnte nicht länger einfach nur herum stehen, also nahm sie all ihren Mut zusammen und packte ihn vorsichtig an den Armen, bevor sie erneut ruhig, aber dafür etwas lauter zu ihm sprach „es ist alles in Ordnung, Juri. Das war nur Hannes, der sich einen Scherz erlaubt hat. Bitte komm zu Dir und rede mit mir.“ Nach einer Weile sah er sie endlich an, aber er wirkte noch immer völlig verstört „was? Wo…die Schüsse…mir ist nicht gut, ich muss hier raus“ sagte er aufgewühlt. Rebecca nickte „ist gut, wir gehen ein bisschen vor die Tür. Komm mit“ erwiderte sie und führte ihn hinaus. Tanja hatte die Szene amüsiert beobachtet und ging lächelnd zurück in ihr Büro „das hast Du wirklich gut gemacht, mein Schatz“ lobte sie ihren Sohn, der sich noch immer wunderte, dass er es geschafft hatte, den großen Mann derart zu erschrecken. Seine Mutter dagegen wunderte es nicht, sie hatte gewusst, dass er etwas mit sich herum schleppte und nun hatte sie die Bestätigung, dass Juri schwer traumatisiert war „das ist viel zu einfach“ murmelte sie und lächelte kühl.

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Teil 232:

Marlene saß gerade an einem der Tische im No Limits und aß eine Kleinigkeit mit ihrem Vater, als Jacky zur Tür herein kam, um ihre Schicht anzutreten. Sie erblickte ihre Chefin und steuerte auf den Tisch zu „hallo Jacky“ begrüßte die Clubbesitzerin sie und stellte dann ihren Vater vor „das ist mein Papa“ sagte sie lächelnd. Thomas reichte ihr die Hand „guten Tag, junge Dame, ich bin Thomas“ erklärte er in seiner bekannt offenen Art „sind die etwa für mich? Das wäre aber nicht nötig gewesen“ scherzte er und zeigte auf den Blumenstrauß, den sie in der Hand hielt. Entgegen ihrer Art wirkte Jacky ein wenig verlegen „hallo, ich bin Jacky und die Blumen sind leider nicht für Sie“ erwiderte sie und hielt stattdessen Marlene den Strauß hin „für mich?“ fragte diese überrascht und nahm ihn erfreut entgegen. Die Brünette nickte „ist ein kleines Dankeschön dafür, dass Du mir das Zimmer in der WG vermittelt hast. Dana hat erzählt, dass Du sie auf die Idee gebracht hast“ erklärte sie lächelnd. Thomas sah zwischen den beiden hin und her „das ist aber nett. Dann wohnen Sie jetzt also mit meiner anderen Tochter zusammen? Irgendwie bekomme ich nichts mehr von dem mit, was bei meinen Mädels so passiert“ bemerkte er etwas pikiert. Seine älteste Tochter tätschelte ihm die Hand „ach Papa, das ist doch erst seit gestern so. Du bist also absolut auf dem neuesten Stand“ erklärte sie und zwinkerte ihm zu „und Dir danke ich für die Blumen, die sind wirklich schön“ sagte sie zu Jacky, die sich daraufhin zurück zog, um sich an die Arbeit zu begeben. „Wirklich sehr nett, Deine neue Mitarbeiterin. Und dass sie Dich ins Stadion geschleppt hat, macht sie mir direkt sympathisch“ verkündete er grinsend, da stellte Dana ihm ein neues Glas vor die Nase „natürlich, mehr braucht es ja auch nicht, um Dein Herz im Sturm zu erobern“ bemerkte sie leicht ironisch und setzte sich zu ihrer Familie an den Tisch. Er knuffte sie in die Seite „hörst Du wohl auf Deinen alten Vater auf die Schippe zu nehmen. Ich habe immerhin drei Mädels groß gezogen und zwei davon sind schon beim bloßen Anblick eines Fußballes schreiend davon gelaufen. Nur mit Dir konnte ich ab und an mal ein bisschen kicken“ erinnerte er sich lachend. Marlene und Dana verdrehten lächelnd die Augen, doch dann wurde die jüngere von beiden sehr ernst „Ricardo und ich überlegen, ob wir Lara eventuell zu uns nehmen sollen“ platze es plötzlich aus ihr heraus. Thomas und Marlene sahen sich überrascht an „sprichst Du von einer Adoption?“ fragte ihre Schwester, woraufhin die andere mit den Schultern zuckte „ich weiß es nicht, Ricardo will sich erst mal informieren, was überhaupt möglich ist. Wahrscheinlich fallen wir ohnehin durchs Raster, weil wir nicht verheiratet sind. Eine Adoption ist eine langwierige Angelegenheit, das weiß ich noch, weil Hagen und ich uns damals auch ein bisschen damit beschäftigt haben. Eine Pflegschaft wäre eine Alternative, denke ich, aber auch dafür gibt es sicherlich Bestimmungen und die müssen wir jetzt erst mal abklären.“ Thomas rückte etwas näher an den Tisch heran „habt Ihr schon mit Lara darüber gesprochen?“ wollte er wissen „nein, aber sie hat das Ganze ins Rollen gebracht. Sie hat Ricardo gefragt, ob sie bei uns bleiben kann, weil sie nicht mehr ins Heim zurück möchte“ erwiderte sie und seufzte. Marlene sah sich in dem bestätigt, was sie zu Beginn schon vermutet hatte, die beiden hatten eine sehr enge Bindung zu dem kleinen Mädchen aufgebaut „versteh mich jetzt bitte nicht falsch, Dana, aber seid Ihr Euch darüber bewusst, was das bedeutet? Ihr kennt Lara gerade mal ein paar Wochen und sie ist außerdem schwer krank. Abgesehen davon wisst Ihr nicht, was sie womöglich schon alles erlebt hat…und jede weitere Enttäuschung muss doch unerträglich für sie sein. Das ist eine unglaubliche Verantwortung, die Ihr da auf Euch nehmen würdet und es würde Euer komplettes Leben verändern“ gab sie zu bedenken. Thomas sah seine Älteste fragend an „findest Du nicht, dass ein krankes Kind das gleiche Recht auf eine Familie hat, die es aufnimmt, wie jedes andere? Ich finde es bemerkenswert, dass Dana und Ricardo sich so um die Kleine kümmern und darüber nachdenken, sie zu sich zu nehmen“ stellte er fest und lächelte der jüngeren aufmunternd zu. Marlene fühlte sich missverstanden und verschränkte die Arme vor der Brust „jetzt verdreh mir doch nicht die Worte im Mund, das habe ich mit keiner Silbe gesagt. Natürlich hat Lara das gleiche Recht darauf und gerade weil sie krank ist, braucht sie wahrscheinlich noch viel mehr den Rückhalt einer Familie, aber das ändert doch nichts daran, dass das eine weitreichende Entscheidung ist. Was ist denn, wenn es schief geht? Ist Dir klar, was das für so einen jungen Menschen bedeuten muss, wenn er glaubt endlich ein Zuhause zu haben und dann doch wieder heraus gerissen wird? Ich erinnere mich noch gut an die Pflegetochter von Christian und Olli…da tauchte plötzlich der Vater auf und nahm sie zu sich. Das war total schrecklich für die beiden“ erklärte sie. Dana unterbrach die Diskussion „Marlene hat recht, Papa, so einfach ist das alles nicht. Es geht ja nicht nur darum, dass wir uns Sorgen um Lara machen, auch ich habe große Angst. Was ist, wenn wir versagen? Oder wenn wir sie tatsächlich wieder verlieren? Ich weiß einfach nicht, ob ich das ertragen könnte“ gestand sie traurig und ließ sich von ihrem Vater in den Arm nehmen „Du hast recht, Schneckchen, es tut mir leid. Natürlich müsst Ihr Euch erst ganz sicher sein, aber egal, wie Ihr Euch entscheidet, wir werden hinter Euch stehen und Euch unterstützen. Nicht wahr, Marlene?“ Die Gefragte nickte, beruhigte sich wieder ein wenig und griff nach der Hand ihrer Schwester „natürlich werden wir das“ versicherte sie ihr.

Nach dem Treffen mit Darius war Marie in ihr Büro geflüchtet, welches zur Zeit regelrecht verweist war, da die Kunden während ihrer Auszeit von der Hauptstelle in München aus betreut wurden. Sie setzte sich an ihren Schreibtisch und starrte aus dem Fenster, das triste Wetter passte gut zu ihrer aktuellen Stimmungslage, die auch wenig Aussicht auf Besserung versprach. Darius hatte auch nach ihrer Ansage, dass sie kein Geld aufbringen konnte, nicht von seiner Erpressung abgelassen, im Gegenteil, er zog die Daumenschrauben weiter an. Als er ihr gesagt hatte, dass es auch eine andere Möglichkeit geben würde, um ins Geschäft zu kommen, hatte sie ihn entgeistert angesehen „was meinst Du denn damit?“ Darius hatte den Moment voll ausgekostet und sie eine ganze Weile zappeln lassen, bis er ihr mitgeteilt hatte, was er wollte „zum Glück gibt es neben Bargeld auch noch andere Vermögenswerte, die sehr interessant sein können und Du sitzt quasi auf einem kleinen Vermögen. Dein Unternehmen in München befindet sich in bester Lage, Grundstück und Gebäude allein sind schon immens viel wert, vom immateriellen Wert mal ganz abgesehen. Überschreib es mir und Du bist alle Sorgen los.“ Marie schüttelte ungläubig den Kopf bei der Erinnerung an das Gespräch, langsam glaubte sie wirklich, dass das alles nur ein ganz fürchterlicher Alptraum war und sie doch irgendwann endlich aufwachen musste. Ihr Unternehmen war bislang die einzige Konstante in ihrem Leben gewesen, sie hatte es alleine aufgebaut und es zu dem gemacht, was es heute war. Es war nicht nur ihre Existenz, sondern etwas, auf dass sie wirklich stolz war und dass sie irgendwann mal an ihre Kinder vererben konnte. Und jetzt verlangte dieser Mistkerl, dass sie es ihm einfach überlassen sollte, nur damit er sich sanieren und es an den nächst besten verschachern konnte. Als sie ihm signalisiert hatte, dass er das vergessen konnte, hatte er nicht wirklich überrascht gewirkt und sich schließlich wieder zu ihr gebeugt „das dachte ich mir schon und deshalb mache ich Dir ein aller letztes Angebot. Du überschreibst mir 51 Prozent und darfst weiter als Geschäftsführerin fungieren. Dafür bist Du mir dann eine andere Gefälligkeit schuldig, sozusagen als kleine Entschädigung“ hatte er geflüstert und dabei schmierig gegrinst. Marie hatte ihn fassungslos angestarrt und ihm kurzerhand eine schallende Ohrfeige verpasst „Du widerst mich an! Eher verrecke ich, als mich von Dir anfassen zu lassen!“ hatte sie empört entgegnet und das Schneiders aufgewühlt verlassen. Er hatte ihr noch hinterher gerufen, dass sie noch etwas Zeit hatte, um es sich anders zu überlegen, aber für Marie gab es nichts mehr, worüber sie nachdenken musste. Sie hatte bereits viel zu lange gewartet, hätte sich gar nicht erst mit ihm treffen sollen, sondern direkt mit Sebastian sprechen müssen. Nach Darius´ letztem Vorschlag, der mehr als unmoralisch war, glaubte Marie nicht mehr länger nur an reine Geldgier. Sie hatte das Gefühl, dass noch etwas anderes dahinter steckte und sie musste herausfinden, was es war. Sie hoffte auf Sebastians Unterstützung und darauf, dass er ihr Schweigen ihm gegenüber nicht falsch deuten und ihr trotzdem helfen würde. Ihr ganzes Leben lang hatte sie ihre Probleme alleine lösen müssen, lange Zeit hatte es niemandem gegeben, dem sie sich hätte anvertrauen können, aber das hatte sich glücklicherweise geändert. Marie musste nur noch lernen, es auch anzunehmen.

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Teil 233:

Rebecca und Juri waren eine ganze Weile am Medienhafen entlang gelaufen, wo sie schließlich in einem der Cafés Platz genommen hatten, um etwas zu trinken. Nach zwei Schnaps und einem Glas Bier, schien Juri sich wieder ein bisschen gefangen zu haben „sag es schon“ forderte er sie plötzlich auf, während er das Glas in seiner Hand hin und her schwenkte. „Was meinst Du?“ fragte Rebecca und nahm ihm irgendwann entnervt das Glas weg „Juri, was soll ich sagen?“ hakte sie erneut nach. Er lehnte sich zurück und fuhr sich mir der Hand durchs Haar „dass Du mich für total durchgeknallt, oder vielleicht sogar verrückt hältst. Das ist es doch, was Du denkst, oder? Dass ich nicht mehr ganz dicht bin. Und wer weiß, vielleicht bin ich das auch wirklich nicht“ sagte er und lachte, als hätte er einen Witz gemacht, aber es war ein freudloses Lachen. Die junge Gräfin sah ihm fest in die Augen, sie würde nicht auf seinen Versuch eingehen, alles ins Lächerliche zu ziehen „ich denke nicht, dass Du verrückt bist, aber ich glaube, dass Du große Probleme hast. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Du in Erinnerungen gefangen bist, die Dich quälen, so wie gerade eben, als Hannes Dich mit der Pistole erschreckt hat. Liege ich damit richtig?“ wollte sie wissen und sah ihn abwartend an. Juri rutschte unruhig auf seinem Platz herum, er war nicht gut darin über seine Gefühle zu sprechen und eigentlich wollte er es auch nicht. Aber er hatte Rebecca inzwischen einiges zugemutet und war es ihr schuldig, wenigstens ihre Frage wahrheitsgemäß zu beantworten „ja, das tust Du, aber ich will nicht weiter darüber reden, okay? Ich habe als junger Mensch Dinge gesehen und erlebt, im Krieg, die ich nicht mal meinem schlimmsten Feind wünschen würde. Wenn Du Dich ein bisschen in Geschichte auskennst, wirst Du vielleicht wissen, wovon ich spreche“ erklärte er leise und schaute wieder auf das Glas, welches vor ihm auf dem Tisch stand. Rebecca war erstaunt, dass er ihr überhaupt Einblick in seine Gefühlswelt gegeben hatte und beschloss nicht weiter zu bohren. Sie konnte wahrscheinlich nicht mal ansatzweise erahnen, was er durchgemacht hatte, aber seine heutige Reaktion auf den kleinen Spaß von Hannes, ließ eindeutig auf ein tief sitzendes Trauma schließen, und Rebecca empfand plötzlich großes Mitgefühl für ihren Kollegen. Sie nickte und wagte einen weiteren Vorstoß „nimmst Du deshalb Drogen?“ Er sah sie wütend an, schien sich aber schnell wieder zu beruhigen „ich bin kein Junkie, okay? Ja, ich nehme ab und an mal was, aber nur sehr selten und nicht, weil ich abhängig bin. Manchmal ist das die einzige Möglichkeit, wenn es ganz schlimm ist, es zu ertragen. Ich habe das aber im Griff und wäre Dir dankbar, wenn Du es für Dich behältst. Und damit ist die Fragestunde beendet“ stellte er fest und stand auf „ich gehe zahlen.“ Rebecca akzeptierte es und obwohl es nicht wirklich beruhigend war, fühlte sie sich etwas besser, weil sie nun wenigstens ein bisschen mehr über Juri wusste und für einen Moment hinter seine harte Fassade hatte blicken können.

Tanja klopfte an die Bürotür ihrer Freundin und trat ohne eine Antwort abzuwarten ein „sieh an, Frau von Lahnstein bei der Arbeit. Was für ein ungewohnter Anblick“ sagte sie zur Begrüßung. Marlene legte ihre Unterlagen zur Seite und blickte die andere prüfend an „sieh an, Frau von Lahnstein ist also wieder da und findet endlich mal den Weg hier her. Hattest Du vergessen, wo das No Limits liegt, oder warst Du einfach zu beschäftigt, um mal kurz vorbei zu schauen?“ erwiderte sie trocken. Tanja verdrehte die Augen und setzte sich auf den Stuhl, der vor Marlenes Tisch stand „ich bin doch jetzt hier. Und außerdem hatte ich in der Tat jede Menge zu tun, ist schließlich einiges in Ordnung zu bringen, was während meiner Abwesenheit verbrochen wurde“ bemerkte sie und schlug ein Bein über das andere. Die Clubbesitzerin machte ein ernstes Gesicht „verstehe, dazu gehörte offenbar auch, dass Du Rebecca anschnauzt und sie direkt wieder fertig machst, nachdem sie LCL und Dir den Arsch gerettet hat, als Du nicht in der Lage warst Dich um das Geschäft zu kümmern“ stellte sie angesäuert fest. Die Blondine ihr gegenüber verzog keine Miene „ach Gottchen, hat sie sich bei Dir ausgeweint? Das hätte ich mir denken können, so zart besaitet, wie Rebecca ist. Und so etwas will Geschäftsführerin sein. Sorry, Marlene, aber Deine Frau hat einfach nicht das Zeug dazu. Das ist auch überhaupt nicht schlimm, aber sie sollte es langsam mal einsehen, dann klappt es auch wieder besser mit dem Designen. Ich meine es wirklich nur gut mit ihr, aber leider versteht Rebecca das nicht und fühlt sich immer gleich angegriffen.“ Die Wolf Tochter schüttelte den Kopf und stand von ihrem Platz auf „hör doch auf, Tanja, ich kenne Dich und wenn ich Dir eines nicht abnehme, dann, dass Du es nur gut meinst. Dir geht es doch nur darum wieder alles an Dich zu reißen, damit Du alleine bestimmen kannst, was bei LCL passiert. Du hast ja nicht mal versucht mit Rebecca zusammen zu arbeiten, Du hast sie von Anfang an nur klein gemacht. Ich habe erlebt, wie sehr Rebecca sich in den letzten Wochen bemüht hat, sie war kaum noch zuhause und hat sich regelrecht in ihrer Arbeit vergraben. Also erzähl Du mir nicht, dass sie nicht das Zeug dazu hat, sie hat mehr Biss und Ehrgeiz als gut für sie ist“ erklärte sie und sah ihre Freundin vorwurfsvoll an. Tanja stand ebenfalls auf und blickte ihr direkt in die Augen „das alleine macht sie aber nicht zu einer guten Geschäftsführerin und Du bist einfach nicht objektiv. Lass mal Deine Gefühlsduselei da raus und sieh ein, dass Deine Rebecca maßlos überfordert ist. Ihre aktuellen Entwürfe belegen das ziemlich deutlich und nur darauf kommt es an. So funktioniert nun mal das Geschäft, Marlene, da haben persönliche Befindlichkeiten nichts zu suchen“ erwiderte sie entschieden. Die andere guckte sie strafend an „man merkt, dass es Dir wieder gut geht. Vor kurzem noch hast Du hier gesessen und warst ein Wrack. Ich habe Dich immer verteidigt, Tanja, aber wenn Du nicht aufhörst gegen Rebecca zu schießen, dann bekommen wir beide ernsthafte Probleme, verstanden? Ich habe keine Lust mehr darauf, dass meine Frau sich wegen Dir und Deinem ständigen Druck kaputt macht. Wenn Dir also noch irgendetwas an unserer Freundschaft liegt, dann hörst Du damit auf und behandelst sie gefälligst anständig“ forderte sie und hielt dem stechenden Blick von Tanja stand. Die Gräfin ließ sich Zeit mit ihrer Antwort „ich habe es zur Kenntnis genommen“ sagte sie ausweichend „willst Du mich nicht endlich mal fragen, wie mein Urlaub war?“ Marlene seufzte resigniert und hörte sich dann an, was ihre Freundin in den letzten Wochen so getrieben hatte.

Sebastian betrat etwas abgehetzt das Kaminzimmer, wo ihn Ricky Pflock vom Düsseldorfer Kurier bereits erwartete „Graf Lahnstein, wie schön, dass sie es einrichten konnten“ bemerkte der Journalist erfreut und reichte Sebastian die Hand. Dieser nahm sie widerwillig entgegen, denn er empfand eine große Abneigung für den Mann, der seiner Meinung nach nichts weiter als ein Schmierfink war „nun ja, Sie haben mir ja nicht gerade die Wahl gelassen. Was gibt es denn nun, worüber Sie unbedingt mit mir sprechen wollen und wozu ich Stellung beziehen soll?“ Pflock tat wie üblich so, als könnte er kein Wässerchen trüben „naja, die Sache ist, sagen wir mal, ein wenig delikat. Es geht um Ihre neue Lebensgefährtin. Mir ist zu Ohren gekommen, dass sie früher bei einem Escort-Service beschäftigt war und…“ Sebastian fiel ihm wütend ins Wort „wenn Sie es wagen etwas derartiges zu schreiben, werde ich Sie verklagen, das ist Ihnen hoffentlich klar. Ich weiß nicht, woher Sie diese Information haben, aber sie entspricht nicht den Tatsachen“ sagte er und klang dabei durchaus überzeugend, obwohl es ihn innerlich aufwühlte, dass man jetzt tatsächlich versuchte im Leben seiner Freundin herum zu wühlen. Pflock grinste „aber natürlich weiß ich das, nur würde mich Ihre Meinung hierzu interessieren“ verkündetet er und reichte Sebastian ein paar Fotos. Der junge Graf wurde blass, als er Marie zusammen mit einem unbekannten Mann erkannte und seine Freundin zudem eine Perücke trug „kennen Sie den Mann? Falls nicht, wird es Sie vielleicht interessieren, dass es sich um Darius Klingental handelt. Er ist langjähriger Kunde bei dem Escort-Service für den ihre Freundin mutmaßlich einmal gearbeitet hat“ erklärte er und lächelte siegesgewiss „sind Sie unter diesen Umständen vielleicht doch bereit mit mir zu reden?“ Sebastian starrte weiter die Bilder an, sah den lüsternen Blick des Mannes mit dem dieser Marie ansah und versuchte zu begreifen, was es damit auf sich hatte. Ihm fiel das merkwürdige Verhalten seiner Freundin wieder ein und plötzlich merkte er, wie sich sein Magen krampfhaft zusammenzog. Er sah zu Pflock, der noch immer dreckig grinste und musste in diesem Moment all seine Beherrschung aufbringen, um ihm nicht einfach ins Gesicht zu schlagen.

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Teil 234:

Marlene war auf der Suche nach Jacky und hatte schließlich erfahren, dass diese ins Getränkelager gegangen war, um die Bestände zu überprüfen. Sie betrat das Lager, ohne sich vorher bemerkbar zu machen und stand plötzlich vor ihrer halb nackten Angestellten, die sich gerade die Hose wieder anzog „oh, Entschuldigung…ich wusste nicht, dass Du gerade…nichts anhast“ stammelte Marlene und wusste nicht so recht, wo sie hinschauen sollte. Jacky fand ihre Verlegenheit süß und musste lachen „also dass ich nichts anhabe, stimmt ja nun nicht. Aber meine Klamotten waren total nass, nachdem ich Trampel es mal wieder geschafft habe, über meine eigenen Füße zu stolpern. Außerdem dürfte da nichts sein, was Du nicht schon mal gesehen hast, oder?“ erwiderte sie amüsiert und ging zu dem Regal, um sich ein neues Shirt zu nehmen. Marlene beobachtete ihr Vorhaben und obwohl sie es nicht wollte, wanderte ihr Blick immer wieder zu der halb nackten Frau. Jacky hatte eine schöne Figur und sah ziemlich sexy aus in ihrer engen Jeans und dem BH „kannst Du mir vielleicht mal helfen? Du bist doch ein bisschen größer, ich komme irgendwie nicht an dieses blöde Fach“ bat Jacky und riss sie damit aus ihren Gedanken. Die Clubbesitzerin ging schnell zu ihr und stellte sich auf ihre Zehenspitzen „wer hat die denn da oben rein gelegt, da kommt doch kaum jemand dran“ bemerkte sie kopfschüttelnd und schaffte es schließlich eines der Shirts zu greifen. Sie drehte sich zur Seite und stand mit einem mal sehr dicht vor der Brünetten „danke“ sagte diese leise und spürte, dass sich eine Gänsehaut auf ihrem Körper ausbreitete. Marlene schien es ebenfalls zu bemerken und blickte ihrem Gegenüber unsicher in die Augen, während sie ihr langsam das Shirt reichte. Gerade als sich ihre Hände berührten und die Temperatur im Raum stetig zuzunehmen schien, öffnete sich die Tür. Die Blondine zuckte zusammen, drehte sich um und blickte in ein wild funkelndes, braunes Augenpaar „was ist denn hier los?“ fragte Rebecca hörbar aufgebracht. Als Marlene die zweideutige Situation bewusst wurde, in der sie sich befand, ging sie sofort auf Abstand zu ihrer Mitarbeiterin „hey…was machst Du denn hier?“ entgegnete sie und sah sich in Erklärungsnot, als sie Rebeccas verstörtem Blick begegnete „das ist jetzt nicht das, wonach es vielleicht aussieht.“ Die Gräfin spürte, wie sich ihr Puls beschleunigte „und was genau treibt Ihr da gerade, wenn ich fragen darf?“ presste sie zwischen den Zähnen hervor, während Jacky sich ein frische Oberteil anzog. „Ich habe mir die Klamotten versaut und musste mich umziehen, das ist alles“ schaltete diese sich ein „und dabei muss Marlene Dir helfen?“ bemerkte Rebecca zynisch und konnte sich nur schwer beherrschen. Marlene versuchte sie zu besänftigen „ich bin hier rein geplatzt, weil ich nach ihr gesucht habe. Und dann habe ich ihr ein Shirt aus dem Regal geholt, weil sie nicht an das obere Fach heran gekommen ist. Das ist alles, also kein Grund sich aufzuregen“ erklärte sie ruhig, obwohl sie wegen der gerade erlebten Situation etwas durcheinander war. Rebecca schien das nicht zu entgehen, sie blickte ihre Frau prüfend an „eigentlich wollte ich Dich fragen, ob wir was zusammen essen gehen, aber jetzt ist mir der Appetit vergangen“ stellte sie angefressen fest, bevor sie sich abwandte und aus dem Lager stürmte. Jacky sah Marlene fragend an „sieht so aus, als hätte sie da was in den falschen Hals gekriegt. Soll ich es ihr vielleicht noch mal erklären?“ bot sie an, doch Marlene schüttelte den Kopf „besser nicht, das mache ich lieber selbst. Außerdem gibt es da auch nichts groß zu erklären, wir haben schließlich nichts zu verbergen“ sagte sie und verließ ebenfalls das Lager, um Rebecca noch zu erwischen.

Rebecca war bereits draußen, als Marlene sie einholte „jetzt lauf doch nicht einfach weg, es war doch nur ein dämliches Missverständnis“ rief sie und hielt ihre Frau am Arm fest, die sich daraufhin umdrehte „tatsächlich? Und wieso stand Dir dann der Schreck ins Gesicht geschrieben? Wenn es so harmlos war, wieso wirktest Du dann so ertappt?“ regte Rebecca sich auf und fuchtelte dabei wild mit ihren Armen in der Luft herum. Die Blonde sah sie irritiert an „das ist doch nur Deine Interpretation, weil Du immer noch eifersüchtig bist. Natürlich war ich etwas überrascht, es war ja auch eine merkwürdige Situation. Aber Du glaubst doch wohl nicht ernsthaft, dass ich mich gerade mit Jacky im Lager vergnügt habe, oder? Das kann nicht Dein Ernst sein, Rebecca“ erwiderte sie, jetzt ebenfalls wütend. Die junge Gräfin geriet einen Moment ins Wanken, aber wirklich beruhigen konnte sie sich dennoch nicht „das habe ich auch nicht behauptet, aber es würde mich nicht wundern, wenn Jacky bewusst halb nackt dort unten auf Dich gewartet hat. Du kannst mir sagen, was Du willst, aber die ist definitiv nicht abgeneigt. Ich bin mir fast sicher, dass die auch auf Frauen steht, obwohl ich es nicht mal erklären könnte.“ Marlene schaute etwas betreten zu Boden, sie hatte Rebecca noch nicht erzählt, dass Jacky dem weiblichen Geschlecht tatsächlich nicht abgeneigt war und hielt es in diesem Moment auch nicht für sinnvoll. Stattdessen ignorierte sie die Vermutung ihrer Frau und brachte ihre Empörung zum Ausdruck „das ist Blödsinn und total aus der Luft gegriffen. Jacky hatte doch gar keine Ahnung, dass ich nach ihr suche und abgesehen davon finde ich es ziemlich dreist von Dir so etwas zu behaupten, wo Du sie kaum kennst. Im Übrigen wäre ich Dir sehr dankbar, wenn Du mir etwas mehr vertrauen würdest“ beschwerte sie sich und musste danach erst mal durch schnaufen. Die Brünette griff sich an die Schläfe, in letzter Zeit hatte sie wieder vermehrt Kopfschmerzen und solche Momente trugen nicht gerade dazu bei, dass es besser wurde „Du machst es Dir wirklich einfach“ erwiderte sie und schaute auf die Uhr „ich muss jetzt los, wir haben gleich noch ein Meeting. Wir klären das später.“ Marlene schüttelte ungläubig den Kopf „natürlich, die Arbeit geht vor. Immerhin hast Du es geschafft einen Streit vom Zaun zu brechen und mir den Tag zu verderben. Dann kannst Du ja jetzt ruhigen Gewissens arbeiten gehen. Ich nehme mal an, dass es wieder später wird, oder? Dann könnte ich mich ja eigentlich noch eine Runde mit Jacky im Lager vergnügen, dann hättest Du wenigstens einen Grund für Deine Eifersucht“ zischte sie wütend und ging zurück in den Club. Ihr war bewusst, dass sie mit diesem Kommentar nicht zur Klärung des Problems beitrug, aber sie war es einfach leid immer nachzugeben. Gerade erst hatte sie ihrer Frau Tanja gegenüber erneut den Rücken gestärkt und alles was sie zum Dank dafür bekam, war eine Eifersuchtsszene nach der anderen. Außerdem gab es auch noch andere Probleme auf diesem Planeten und Marlene hätte gerne mit Rebecca über das gesprochen, was ihre Schwester ihr heute erzählt hatte. Frustriert setzte sie sich an die Bar und war sehr dankbar, als Jacky ihr einfach etwas zu trinken hin stellte und nicht weiter nachfragte. Stattdessen erzählte sie Marlene ein paar lustige Anekdoten aus ihrer jüngsten Vergangenheit und brachte sie damit wieder zum Lachen.

Als Marie die Wohnungstür öffnete, rauschte Sebastian an ihr vorbei, ohne ein Wort zu sagen „hey…“ sagte sie unsicher „gut, dass Du da bist, ich muss dringend mit Dir reden.“ Der Graf sah sie aufgewühlt an „ach was, tatsächlich? Und dass Du gerade jetzt mit mir reden willst, hängt nicht zufällig damit zusammen, oder?“ fragte er und hielt ihr die Fotos unter die Nase, die er von Pflock erhalten hatte. Marie war überrumpelt von seinem Auftreten und nahm ihm die Bilder ab „was ist das?“ wollte sie wissen und warf einen Blick auf das oberste Foto „das wollte ich Dich gerade fragen und wenn Du auch nur einen Funken Anstand besitzt, dann sagst Du mir jetzt die Wahrheit. Ich finde, dass ich das verdient habe“ forderte er sie mit bebender Stimme auf. Die Blondine schüttelte fassungslos den Kopf, als sie die Bilder durchging „woher hast Du die?“Sebastian sah sie verständnislos an „ist das gerade Deine einzige Sorge? Ich habe Dich etwas gefragt, Marie, und ich möchte von Dir keine Gegenfrage, sondern eine Antwort“ stellte er aufgebracht fest „warum zum Teufel läufst Du mit einer Perücke herum und triffst Dich mich einem Kunden vom Escort-Service? Ich verstehe das nicht...“ Sie erkannte, was er dachte und war entsetzt „Du denkst doch wohl nicht, dass ich mit diesem Kerl…Sebastian, bitte, für was hältst Du mich? Irgendjemand versucht offenbar mich hier bloß zu stellen, aber das war alles ganz anders. Genau darüber wollte ich mit Dir sprechen“ erklärte sie ihm und machte ein paar Schritte auf ihn zu. Seine Haltung blieb abwehrend „was soll ich denn Deiner Meinung nach denken? Dein Verhalten in den letzten Tagen war mehr als sonderbar und außerdem verheimlichst Du mir etwas. Warum muss ich von diesem Boulevard Journalisten Ricky Pflock erfahren, dass Du Dich mit diesem Klingental triffst? Hast Du eigentlich eine Ahnung, wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe? Es wäre deine Aufgabe gewesen mit mir zu reden, Marie, und zwar bevor dieser Schmierfink es tut.“ Marie fühlte sich noch elendiger als zuvor „ich weiß und es tut mir auch fürchterlich leid, aber ich schwöre Dir, dass ich es heute tun wollte und es ist auch nicht so, wie dieser Typ es hier aussehen lässt. Bitte, Sebastian, lass es mich erklären“ bat sie und wollte nach seiner Hand greifen, aber er wehrte sie gekränkt ab „das hättest Du Dir besser vorher überlegt. Ich habe jetzt einen wichtigen Termin und außerdem bin ich gerade viel zu wütend auf Dich, um mit Dir zu reden. Aber jetzt hast Du so lange gewartet, da kommt es auf ein paar Stunden sicher nicht an“ sagte er und verließ die Wohnung, ohne ihre Antwort abzuwarten.

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Teil 235:

Später auf der Arbeit gelang es Rebecca nicht, sich auf ihre Entwürfe zu konzentrieren. Ihr Kopf schmerzte nach wie vor, die Gedanken an Marlene und Jacky im Lager erstickten jegliche Kreativität im Keim und der Streit mit ihrer Frau lag ihr zudem schwer im Magen. Natürlich hätte sie Marlene nicht direkt eine Szene machen müssen. Sie ärgerte sich selbst am meisten darüber, dass sie diese blöde Eifersucht nicht los wurde und konnte auch verstehen, dass Marlene deswegen genervt war, aber ihre Worte hatten sie auch verletzt. „Dann kann ich mich ja noch eine Runde mit Jacky im Lager amüsieren, dann hast Du wenigstens einen Grund zur Eifersucht.“ Immer wieder hallte dieser Satz durch Rebeccas Kopf und mit jedem weiteren Mal wurde das Pochen schlimmer, welches gegen ihre Schläfen hämmerte. „Was ist los? Hast Du nichts zu tun, oder weshalb sitzt Du hier so untätig herum?“ maulte Tanja sie an, die gerade hinter ihr aufgetaucht war „ich sehe schon, Du bekommst mal wieder nichts ordentliches zu Papier. Wenn das so weiter geht, können wir LCL in der Tat bald dicht machen. Ich gebe Dir noch genau bis Ende der Woche Zeit, wenn Du dann nicht endlich ablieferst, werde ich eine weitere Designerin verpflichten.“ Die junge Gräfin war nicht in der Verfassung, um auch noch mit Tanja herum zu streiten, also nickte sie nur „wie Du meinst.“ Die Blondine sah sie erstaunt an „oh, so zahm heute…was ist passiert? Hast Du es tatsächlich eingesehen, oder glaubst Du, dass ich nur bluffe? Falls das so sein sollte, muss ich Dir leider sagen, dass dem nicht so ist. Ich habe bereits jemanden ins Auge gefasst und wenn Du wieder versagst, steht sie nächsten Monat hier auf der Matte und übernimmt Deinen Job“ stellte sie klar und ging zurück in ihr Büro. Rebecca starrte auf die angefangene Zeichnung, die vor ihr lag und versuchte sich zu konzentrieren, doch als sie den Stift ansetzte, um weiter Du zeichnen, verschwammen die Linien vor ihren Augen. Es hatte einfach keinen Sinn, sie war ausgebrannt und kreative Gedanken waren gerade absolute Mangelware. Dafür gingen ihr unzählige andere Dinge durch den Kopf, da war ihre Angst zu versagen und sich dadurch ihre berufliche Zukunft zu ruinieren, der ständige Ärger mit Tanja, Juris schlechte Verfassung und zu guter Letzt die Probleme mit Marlene, die ihr besonders zusetzten und ihr die restlichen Kraftreserven raubten. Die junge Gräfin sackte in sich zusammen, es war ihr alles zu viel und ehe sie es verhindern konnte, rannen zahlreiche Tränen über ihr Gesicht. Sie versuchte sich zusammenzureißen, aber es wurde nur noch schlimmer, bis sie von einem regelrechten Weinkrampf geschüttelt wurde. Rebecca konnte es nicht kontrollieren und war froh, dass gerade niemand in der Nähe war. Das letzte was sie wollte war, dass irgendjemand sie so sah, ganz besonders Tanja nicht und so öffnete sie schnell ihre Schublade, um sich ein Taschentuch heraus zu nehmen. Dabei fiel ihr Tränen verschleierter Blick auf etwas, von dem sie bereits vergessen hatte, dass es noch in ihrem Besitz war. Rebecca griff danach und betrachtete es unsicher, während sie sich mit der anderen Hand die Tränen aus dem Gesicht wischte.

Marlene hatte ebenfalls Probleme einfach wieder zur Tagesordnung über zu gehen und nahm zum wiederholten Male ihr Handy zur Hand. Ihr Finger ruhte auf der Taste mit dem grünen Hörer, aber am Ende schüttelte sie den Kopf und legte ihr Telefon doch wieder zur Seite. Sie seufzte schwerfällig und rieb sich mit den Händen durchs Gesicht, sie bereute bereits, was sie zu Rebecca gesagt hatte und trotzdem war sie nicht bereit den ersten Schritt zu tun, um sich mit ihr zu versöhnen. Dabei hatte sie sogar ein leicht schlechtes Gewissen, weil sie Jacky tatsächlich zum ersten Mal nicht nur als Freundin, sondern auch als Frau wahrgenommen und sich in diesem Moment sogar zu ihr hingezogen gefühlt hatte. Es war zwar nichts weiter passiert, aber die Erkenntnis brachte Marlene trotzdem zum Nachdenken, da Rebecca bislang die einzige Frau gewesen war, zu der sie eine körperliche Anziehungskraft spürte. Sie hatte sich nie wirklich Gedanken darum gemacht, ob sie durch die Beziehung zu Rebecca nun mehr auf Frauen, als auf Männer fixiert war, weil es letztlich keine Rolle gespielt hatte. Doch seit ihrem offenen Gespräch mit Jacky am Wochenende, dachte sie über diese Frage nach und jetzt hatte sie indirekt eine Antwort erhalten, auch wenn das natürlich nichts daran änderte, dass Rebecca der einzige Mensch war, mit dem sie zusammen sein wollte. Jacky war nur eine Freundin, die zwar attraktiv und sehr liebenswürdig war, aber Marlene war sich sicher, dass dieser kurze Moment im Lager sich nicht wiederholen würde. „Das darf es auch nicht“ sagte sie in Gedanken zu sich selbst und schüttelte den Kopf, ob dieser merkwürdigen Überlegungen, die sie gerade tätigte. Sie warf einen Blick auf ihre Uhr, heute Abend legte zum ersten Mal die neue Djane auf und eigentlich hätte Marlene sich gewünscht, dass Rebecca nach der Arbeit in den Club kommen würde, um ein bisschen mit ihr zu feiern. Die Veranstaltung lief unter dem Motto „After Work Party“ und sollte zukünftig regelmäßig statt finden, sofern sie genügend anklang fand. Es war schon lange her, dass Rebecca und sie ausgelassen gefeiert hatten, aber nach dem Streit mit ihrer Frau hatte Marlene wenig Hoffnung, dass daraus noch etwas werden würde. Sie grifft erneut nach ihrem Handy und schrieb eine SMS, damit Rebecca wenigstens Bescheid wusste. Vielleicht, so hoffte sie insgeheim, würde sie ja doch auftauchen und den Abend mit ihr verbringen. Marlene seufzte und schickte die Nachricht ab, aber sie konnte nicht umhin zu denken, dass es wahrscheinlich nichts bringen würde. Sie stand auf und machte sich auf den Weg zur Bar, um mit Dana, Jacky und den anderen kurz den Verlauf des weiteren Abends zu besprechen.

Marie war noch immer deprimiert und fühlte sich schrecklich, weil Sebastian einfach gegangen war, ohne sie wirklich anzuhören. Sie konnte es ihm nicht einmal übel nehmen, es war dumm von ihr gewesen nicht sofort mit ihm zu sprechen, aber es war nicht immer leicht alte Gewohnheiten abzulegen und wie hätte sie ahnen sollen, dass so ein dämlicher Reporter ihr am Ende zuvor kommen würde. Sie hatte bereits mehrfach versucht ihren Freund zu erreichen, aber er reagierte nicht. Sie schrieb ihm eine Nachricht und ging dann seufzend zu dem Kinderbett in ihrem Zimmer. Die beiden Knirpse waren wach und sahen sie aus großen Augen an, als sie sich über das Bett beugte und zu ihnen hinunter sah. Jonas war gerade damit beschäftigt das bunte Flugzeug Mobile zu betrachten, welches über seinem Bett hing. Als Marie es an schubste und die Flugzeuge sich bewegten, entdeckte sie ein süßen Lächeln im Gesicht ihres Sohnes, welches dafür sorgte, dass es ihr augenblicklich etwas besser ging. „Das gefällt Dir, was?“ flüsterte sie und streichelte ihm über sein Köpfchen, während sie einmal mehr dachte, wie unglaublich schön die beiden doch waren. Da Jonas gerade sehr zufrieden wirkte, nahm sie Sophie auf den Arm und setzte sich mit ihr aufs Bett „Deine Mama ist manchmal ein echter Dummkopf“ stellte sie fest und gab ihr einen Kuss auf die Stirn, als ihr Handy signalisierte, dass eine Nachricht eingegangen war. Schnell griff sie danach und als sie Sebastians Namen erkannte, rutschte ihr beinahe das Herz in die Hose „komm nachher zu mir aufs Schloss, dann reden wir“ schrieb er und nahm ihr damit immerhin einen Teil der Anspannung. Sie bestätigte, dass sie vorbeikommen würde und lächelte ihre Tochter an „wir machen später einen kleinen Ausflug und wenn alles gut geht, dann ist Onkel Sebastian hoffentlich nicht mehr böse auf mich“ sagte sie hoffnungsvoll und lief dann mit Sophie auf dem Arm in die Küche, um die Fläschchen vorzubereiten.

Währenddessen erlebte Rebecca einen gewaltigen Anflug von Kreativität, der zwar nicht nur Gutes zu Tage förderte, aber sie zeichnete so viel, wie schon lange nicht mehr und plötzlich war sie wie befreit. Ihr Kopf war nicht mehr mit all den sorgenvollen Gedanken belastet, die Ängste waren verschwunden und alles, was sie jetzt noch wollte, war zu experimentieren, zu entwerfen und endlich wieder das zu tun, was sie so sehr liebte. Designen. Kreativ sein. Etwas neues schaffen. Eine Zeichnung nach der anderen wurde fertig. Anfangs waren sie noch etwas unausgegoren und wirkten unsicher, ein Zeichen ihrer Selbstzweifel, die sie seit geraumer Zeit quälten, doch dann wurden sie immer besser. Rebecca war wie aufgezogen, eine lang nicht mehr da gewesene Energie durchströmte ihren gesamten Körper und trieb sie wie ferngesteuert an. Ihr wurde fast schon schwindelig von ihrem eigenen Tatendrang und aus irgendeinem Grund musste sie die ganze Zeit lachen. Sie konnte sich nicht daran erinnern, wann sie zuletzt derart locker und gut gelaunt gewesen war. Hatte sie sich jemals zuvor so stark und selbstsicher gefühlt? Ihr fiel wieder die Nachricht von Marlene ein, die sie vorhin bekommen hatte. Sie las sie noch einmal durch und beschloss ihre Frau nach der Arbeit zu überraschen „Party klingt doch super“ stellte sie aufgekratzt fest und machte sich dann wieder an die Arbeit, um ihren kreativen Schub voll auszukosten.

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Teil 236:

Marie war aufgeregt und unsicher, als sie die Suite ihres Freundes betrat, der gerade an seinem Schreibtisch saß und sie erst bemerkte, als seine Tochter aufsprang und zur Tür lief „hallo Marie“ rief sie fröhlich und begab sich in die Arme der blonden Frau. Diese freute sich über die herzliche Begrüßung und drückte das Mädchen an sich „hallo Emma“ sagte sie und strich ihr sanft durchs Haar. „Sind Sophie und Jonas auch hier?“ wollte die kleine Gräfin wissen „ja, sie sind unten bei Deinem Opa und Deiner Oma“ entgegnete Marie lächelnd. Sebastian stand auf und wandte sich an seine Tochter „magst Du vielleicht zu ihnen gehen, mein Schatz?“ fragte er, woraufhin Emma nickte und eilig die Suite verließ. Die beiden Erwachsenen blieben zurück und standen sich schweigend gegenüber, bis Marie die bedrückende Stille nicht mehr aushielt „Du bist noch wütend auf mich“ stellte sie fest und ging die letzten Schritte auf ihn zu, um die Distanz zwischen ihnen zu überwinden. Sebastian dachte wieder an die Bilder und biss sich auf die Lippe „wundert Dich das? Dabei weiß ich nicht mal genau, worüber ich eigentlich sauer sein soll. In erster Linie bin ich enttäuscht, weil Du offenbar immer noch Geheimnisse vor mir hast. Ich dachte Du hast mit Deiner Vergangenheit abgeschlossen und dann so etwas…was hat das alles zu bedeuten, Marie?“ Die Gefragte wich seinem bohrenden Blick aus, sie hasste es über diesen Abschnitt ihres Lebens zu sprechen und das würde sich wohl auch niemals ändern „es gibt kein Geheimnis, Du kennst die Geschichte. Ich weiß nicht, warum es mich erneut einholt…Alles fing mit diesen Anrufen von Darius an, das ist der Mann auf dem Bild. Er hat einfach nicht locker gelassen, wollte sich unbedingt mit mir treffen und dann…hat er mich erpresst“ erklärte sie leise. Sebastian horchte auf „womit erpresst er Dich und was will er?“ hörte er sich selbst fragen. Marie schaute ihn endlich wieder an „mit meiner Vergangenheit. Er weiß jetzt, wer ich wirklich bin und will es publik machen. Erst wollte er, dass ich ihm zwei Millionen Euro zahle…er dachte wohl, das wäre ein Klacks, wo ich doch mit einem Lahnstein zusammen bin, dessen Familie eine Bank besitzt. Als ich darauf nicht eingegangen bin, wollte er die Hälfte und als ich ihm sagte, dass ich überhaupt kein Geld aufbringen kann, wollte er, dass ich ihm meine Firma überschreibe. Auch das habe ich abgelehnt und dann machte er mir dieses Angebot…“ berichtete sie und schaute wieder zu Boden. Der Graf berührte ihr Kinn und zwang sie, ihm wieder in die Augen zu sehen „was für ein Angebot?“ wollte er wissen und sah, wie sich ihre Augen mit Tränen füllten „er wollte 51 Prozent Anteile und eine…gewisse Dienstleistung“ brachte sie leise hervor und wäre am liebsten im Erdboden versunken. Sebastian blickte sie fassungslos an, seine Wut auf den Kerl erreichte ungewohnte Ausmaße „und das alles hast Du vor mir verheimlicht. Warum, Marie? Ich verstehe das nicht.“ Sie sah ihn resigniert an, er würde es wahrscheinlich niemals verstehen „ich wollte Dich nicht schon wieder mit den Problemen aus meiner Vergangenheit belasten. Du hast neulich noch gesagt, dass Du endlich ein normales Leben führen möchtest und plötzlich hatte ich Angst, dass Du Dir das mit mir nicht mehr vorstellen kannst. Aber ich schaffe es nicht alleine, Sebastian, ich brauche Deine Hilfe... Ich könnte aber auch verstehen, wenn Du dazu nicht mehr bereit bist“ erwiderte sie traurig und spürte erneut Angst in sich aufsteigen. Sie wollte ihn nicht verlieren. Erneut standen sie sich gegenüber und sahen einander schweigend an, die Distanz zwischen ihnen schien nach wie vor ungebrochen zu sein.

Das No Limits wurde gegen Abend zunehmend voller, ein Zeichen dafür, dass die After Work Party gut angenommen wurde. Die neue DJane hatte ein gutes Gespür für die richtige Musik, sodass die Tanzfläche schon nach kurzer Zeit voller Menschen war. Eigentlich ein Grund zur Freude für die Clubbesitzerin, doch die saß eher unbeteiligt an der Bar und war noch immer schlecht drauf wegen des Streits mit Rebecca. Jacky konnte es irgendwann nicht mehr mit ansehen und zog sie von ihrem Barhocker herunter „genug Trübsal geblasen, wir gehen jetzt tanzen“ beschloss sie und schleifte ihre Chefin auf die Tanzfläche. „Das ist nett gemeint, aber mir ist nicht danach“ verkündete die Blonde und wollte gehen, doch Jacky ließ nicht von ihr ab, sondern zog sie wieder dicht zu sich „nichts da, hier wird nicht gekniffen. Oder bist Du inzwischen zu spießig, um Dich zu amüsieren?“ fragte sie leicht provokant und grinste frech. Marlene blickte ihr direkt in die Augen, welche sie herausfordernd musterten „ich gebe Dir gleich spießig“ erwiderte sie lachend, nahm die Hand der anderen und brachte Jacky dazu sich einmal um die eigen Achse zu drehen „die Frage ist, ob Du mit mir mithalten kannst.“ Die Brünette lachte ebenfalls und ließ sich danach von Marlene über das Parkett dirigieren. Als irgendwann eine Ballade angestimmt wurde, standen die beiden Frauen sich etwas unsicher gegenüber „tja,…also...langsam kann ich nicht so gut“ stammelte Jacky, weil ihr plötzlich ganz warm wurde bei dem Gedanken an einen eng umschlungenen Tanz mit der Blondine „nichts da, hier wird nicht gekniffen, oder bist Du etwa zu spießig dafür?“ konterte Marlene grinsend und wiederholte damit die Worte, die zuvor ihre Mitarbeiterin an sie gerichtet hatte. Jacky war ausnahmsweise mal sprachlos und als sie sich kurz darauf in den Armen der anderen wieder fand, hatte sie plötzlich Angst, dass diese ihren beschleunigten Herzschlag spüren würde. Ihr stieg wieder der betörende Duft von Marlenes Parfum in die Nase und plötzlich war ihr alles andere egal, sie wollte nur noch diesem Moment genießen. Marlene wurde unterdessen bewusst, dass sie erneut dabei war, Jacky sehr nahe zu kommen. Trotzdem hielt sie die andere weiterhin fest, während sie sich kaum merklich zu der langsamen Musik bewegten. Die Clubbesitzerin wusste, dass es nicht richtig war, aber sie konnte sich der Anziehungskraft Jackys einfach nicht entziehen, bis eine vertraute Stimme den innigen Moment beendete „danke, dass Du meiner Frau die Zeit vertrieben hast, aber ab jetzt übernehme ich“ sagte Rebecca, woraufhin die beiden sie wie vom Donner gerührt ansahen. Marlene löste sich von Jacky und fürchtet schon, dass jetzt der nächste Streit vom Zaun brechen würde, doch es kam anders. „Darf ich bitten, schöne Frau?“ fragte die junge Gräfin galant und wartete darauf, dass die Blonde ihre Hand ergriff. Als sie es tat, lächelte Rebecca und zog sie nahe zu sich heran „und damit das gleich klar ist, heute führe ich“ bemerkte sie selbstsicher und musste über den überraschten Gesichtsausdruck ihrer Frau lachen „was ist? Traust Du mir das nicht zu?“ Marlene blickte unsicher zur Seite, Jacky hatte sich inzwischen zurückgezogen, aber sie spürte ihren Blick im Rücken. Sie widmete ihre Aufmerksamkeit wieder Rebecca „ich…ähm, bin nur verwundert, dass Du jetzt hier bist. Du hast mir nicht auf meine SMS geantwortet und ich dachte, dass Du noch wütend bist wegen dem, was ich heute Mittag gesagt habe…“ erklärte sie, doch Rebecca legte ihr sanft einen Finger auf den Mund „ich wollte Dich überraschen. Und außerdem habe ich keine Lust mehr wegen Jacky zu streiten. Es tut mir leid, dass ich so überreagiert habe, aber ab jetzt ist damit Schluss, versprochen.“ Marlene war perplex, sie erkannte die Brünette kaum wieder, die plötzlich wie ausgewechselt war „okay…wer bist Du, und was hast Du mit meiner Frau gemacht?“ fragte sie und bekam die Antwort in Form eines intensiven Kusses, der ihr fast den Atmen raubte. „Wow“ bemerkte die Blonde leise und blickte in warme, braune Augen, die ihr so vertraut waren und gleichzeitig doch irgendwie anders wirkten „weißt Du eigentlich, wie unglaublich sexy und schön Du bist“ erwiderte Rebecca, bevor sie anfing die andere erneut ausgiebig zu küssen.

Unterdessen entdeckte Tanja die zahlreichen Entwürfe, die auf dem Tisch der Chefdesignerin lagen „das gibt es doch nicht“ murmelte sie ungläubig „wo hat sie die denn auf einmal her gezaubert?“ Sie schaute sich die Zeichnungen an und musste zugeben, dass sie wirklich gut waren „sieht so aus, als würdest Du doch am besten unter Druck arbeiten“ überlegte sie laut, doch der plötzliche kreative Schub und die Menge der Entwürfe kamen ihr schon ein wenig verdächtig vor. Als sie Rebecca vorhin die Pistole auf die Brust gesetzt hatte, wirkte diese noch total benommen, fast so, als wäre sie kurz vor einem Zusammenbruch und ein paar Stunden später zeichnete sie das Beste, was Tanja in den letzten Monaten zu sehen bekommen hatte. Die Gräfin schüttelte den Kopf und sah sich das Chaos auf dem Tisch genauer an. Sie setzte sich und öffnete die Schubladen. Die oberste war abgeschlossen, doch das war kein Problem für Tanja. Sie nahm eine Büroklammer, knackte das Schloss und machte kurz darauf große Augen „na sieh mal einer an“ sagte sie und griff nach dem Tütchen mit den Pillen „das ist ja interessant“ stellte sie lächelnd fest und konnte einmal mehr nur staunen, wie sehr das Glück ihr zur Zeit in die Hände spielte.

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BeitragVerfasst: 11.09.2015, 19:54 
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Teil 237:

Auch zwei Stunden später war Rebecca noch wie aufgedreht und tanzte ausgelassen mit Marlene zu der flotten Musik. Irgendwann war die Clubbesitzerin jedoch kaputt und zog ihre Frau regelrecht von der Tanzfläche „Pause, ich kann nicht mehr“ stöhnte sie und setzte sich auf einen der Barhocker. Die Gräfin grinste, stellte sich zwischen Marlenes Beine und strich ihr sanft die Haare aus dem leicht verschwitzten Gesicht „aber nur eine kleine, schließlich ist der Abend noch jung“ sagte sie und gab ihr einen Kuss. „Was ist nur mit Dir los? Woher kommt die ganze Energie auf einmal?“ fragte die Blonde erstaunt. Rebecca zuckte mit den Schultern „ich bin einfach gut drauf, das ist alles. Oder ist das jetzt auch wieder falsch?“ Marlene schüttelte den Kopf „nein, natürlich nicht, ich wundere mich nur. Aber ich freue mich ja, wenn es Dir gut geht“ erklärte sie schnell und legte die Arme um den Hals der Brünetten. Diese lächelte nun wieder und wandte sich dann an Jacky „machst Du meiner Süßen und mir bitte noch etwas zu trinken. Und schenk Dir am besten auch ein Glas ein, dann können wir auf diesen gelungenen Abend anstoßen“ verkündete sie fröhlich und zwinkerte der jungen Frau hinter der Bar zu. Jacky blickte sie skeptisch an, sie kannte Rebecca nicht gut genug, um zu wissen, ob ihre Freundlichkeit nur aufgesetzt war, oder ob sie es tatsächlich ernst meinte. Fest stand nur, dass sie ganz anders war, als zuvor und dieser Umstand war schon etwas merkwürdig, wenn man bedachte, dass sie vor kurzem noch ziemlich eifersüchtig auf sie reagiert hatte. Jacky warf einen fragenden Blick zu Marlene, die wohl ähnliche Gedanken hatte, aber sie nickte nur und widmete sich dann wieder ihrer Frau, die es anscheinend sehr genoss, vor Jackys Augen mit ihr herum zu turteln. Jacky wusste, dass sie kein Recht darauf hatte eifersüchtig zu sein, aber sie war es trotzdem und wäre am liebsten einfach abgehauen, um sich diesen schmerzhaften Anblick zu ersparen. Vor Rebeccas Auftauchen hatte es einen ähnlich intensiven Moment zwischen Marlene und ihr gegeben, wie zuvor im Lager und sie war sich sicher, dass Marlene es auch gespürt hatte. „Sag mal, träumst Du? Wir verdursten hier gleich“ scherzte Rebecca und riss die Brünette damit aus ihren Gedanken. Jacky lächelte es tapfer weg und reichte den beiden die Getränke „danke, machst Du uns bitte auch noch ein Wasser?“ bat die Clubbesitzerin, was ihr einen amüsierten Blick von Rebecca einbrachte „Wasser? Was ist denn mit Dir los?“ Marlene umfasste ihr Gesicht und gab ihr einen Kuss auf die Stirn „wer so viel tanzt, muss auch viel trinken und zwar nicht nur Champagner“ erklärte sie „wie fürsorglich, Frau von Lahnstein und ein gutes Stichwort. Komm, lass uns noch eine Runde übers Parkett drehen“ schlug sie vor, doch die andere schüttelte den Kopf „wir sitzen doch gerade mal ein paar Minuten.“ Rebecca lachte „falsch, Du sitzt, ich stehe und ich habe Lust noch ein bisschen zu tanzen“ bemerkte sie fröhlich und schaute sich suchend um. Als sie ihren Freund Ricardo entdeckte, der etwas entfernt an der Bar saß und mit Dana sprach, fackelte sie nicht lange „wenn Du schlapp machst, kralle ich mir halt den attraktiven Spanier dort“ verkündete sie augenzwinkernd und steuerte auf den ahnungslosen Ricardo zu. Marlene schaute verdattert dabei zu, wie sie den spanischen Arzt von ihrer Schwester weg lotste und ihn auf die Tanzfläche beförderte „was ist denn mit Rebecca los?“ wollte Dana lachend wissen „muss ich mir Sorgen machen?“ Die ältere Schwester lächelte zaghaft „ich hoffe nicht, denn dann müsste ich mir ebenfalls Sorgen machen. Rebecca scheint sich ernsthaft Gedanken gemacht zu haben, vielleicht war unser Streit der Auslöser…ich hoffe nur, dass es diesmal auch anhält und wir morgen nicht wieder vor den gleichen Problemen stehen“ erwiderte sie nachdenklich und winkte ihrer Frau zu. Sie schaute kurz zu Jacky und bekam erneut ein schlechtes Gewissen, doch sie tröstete sich damit, dass nichts passiert war und es ab sofort auch nicht mehr zu solchen irritierenden Momenten zwischen ihnen kommen würde. Marlene seufzte und beobachtete die junge Gräfin beim Tanzen. Dort war sie, die Frau, die sie über alles liebte, auch wenn es nicht immer einfach war und sie schon einige Hindernisse hatten überwinden müssen. Aber es gab Dinge im Leben für die es sich lohnte zu kämpfen und Rebecca war der beste Grund, den es gab. „Kann ich Dir noch was Gutes tun?“ hörte sie Jacky fragen und schüttelte den Kopf „nein, danke. Ich schnappe mir jetzt meine Frau und dann geht´s ab nach Hause. Ihr bekommt das doch auch alleine hin, oder?“ Die Gefragte nickte und versuchte sich ihre Enttäuschung nicht anmerken zu lassen „klar, kein Problem“ antwortete sie knapp und verschwand dann schnell aus Marlenes Sichtweite.

Eine halbe Stunde später schlenderten die beiden Frauen die Seitenstraße entlang, die zu ihrem Haus führte „was machen eigentlich Deine Kopfschmerzen?“ fragte Marlene plötzlich „sind weg. Woher weißt Du denn, dass ich welche hatte?“ Die Blondine sah sie von der Seite her an „ich habe es Dir vorhin angesehen und außerdem hast Du in letzter Zeit wieder verstärkt Probleme damit. Du musst Dir angewöhnen Deine Beißschiene wieder regelmäßig zu tragen, Du weißt doch, dass das einer der Hauptgründe für die Kopfschmerzen ist, neben dem vielen Stress“ erklärte sie. Rebecca blieb stehen und fing plötzlich an zu lachen „oh man ey, Marlene, das ist doch nicht Dein Ernst, oder? Weißt Du, wie Du gerade klingst? Wie soll das erst werden, wenn wir beide alt und grau sind, trägst Du mir dann mein Gebiss hinterher?“ fragte sie belustigt. Marlene schaute sie verblüfft an, musste dann aber auch lachen und umfasste ihre Taille „wenn es nötig ist, mache ich auch das. Das gehört schließlich alles zu meinen ehelichen Pflichten“ stellte sie grinsend fest. Rebeccas Augen funkelten wild, als sie die andere noch näher zu sich zog „apropos eheliche Pflichten…zu denen gehört auch noch was anderes, wenn ich mich recht erinnere und das duldet keinen Aufschub“ raunte sie und küsste die Blonde leidenschaftlich. Marlene erwiderte den Kuss und spürte, wie Rebeccas Hände unterhalb ihres Rückens auf Wanderschaft gingen „hey, nicht hier auf offener Straße, oder willst Du, dass wir verhaftet werden?“ witzelte sie und hielt die Arme der anderen fest. Die Gräfin ließ sich nicht beirren „solange sie uns in eine Zelle sperren, ist mir das egal“ konterte sie und öffnete Marlenes Jacke „Du bist echt verrückt, weißt Du das? Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich meinen, dass Du total betrunken bist.“ Die Brünette lachte und startete bereits die nächste Kussattacke, doch ihre Frau bremste sie aus „die paar Schritte bis zu unserer Wohnung musst Du Dich noch gedulden, aber dann darfst Du gerne über mich herfallen“ erklärte sie amüsiert. Keine fünf Minuten später stolperten die beiden in ihre Wohnung, wo in Windeseile die ersten Kleidungsstücke zu Boden fielen und Rebecca das Sofa anpeilte. „Was denn, gehen wir nicht nach oben?“ brachte die ältere zwischen den intensiven Küssen hervor „nein“ war die knappe Antwort der anderen, die sich jetzt damit befasste, Marlenes Hose zu öffnen „aber was ist mit Marie und den Zwillingen? Wenn sie raus kommt und uns erwischt…“protestierte sie und wurde mit einem weiteren Kuss zum Schweigen gebracht. „No risk, no fun“ erwiderte die Brünette „und außerdem dauert mir das viel zu lange“ sagte sie und schubste die Blonde aufs Sofa. Marlene gab es auf und fügte sich ihrem Schicksal, obwohl sie sich schon fragte, was bloß in ihre Frau gefahren war. Diese hatte ihr jetzt die Hose ausgezogen und küsste sich langsam an Marlenes langen Beinen hinauf. Sie liebkoste ausgiebig die Innenseiten ihrer Oberschenkel und wanderte dann mit den Lippen den flachen Bauch entlang, wo sie verspielt ihre Zunge zum Einsatz brachte und widmete sich schließlich mit großer Sorgfalt dem Dekolleté ihrer Frau. Marlenes Widerstand war inzwischen gänzlich gebrochen, sie zog Rebecca zu sich, um sie zu küssen, wobei ihr ein leichtes Stöhnen entwich „nicht aufhören“ flüsterte sie erregt und vergrub ihre Hände anschließend in den Haaren der Gräfin, während diese ihre leidenschaftliche Erkundung am Körper der anderen fortsetzte.

Marie tigerte unterdessen unruhig durch ihr Zimmer, es war schon sehr spät, als sie die Nummer von Darius wählte, um es endlich hinter sich zu bringen. Es dauerte eine ganze Weile, bis sich seine verschlafene Stimme meldete „Klingental“ sagte er und wartete auf eine Reaktion „hallo?“ Marie atmete tief durch „hier ist Marie. Ich habe es mir anders überlegt. Ich werde Deine Forderungen erfüllen.“ Der Mann am anderen Ende der Leitung richtete sich abrupt in seinem Bett auf „das freut mich zu hören. Aber Dir ist schon klar, was das bedeutet, oder? 51 Prozent Deiner Unternehmensberatung und eine Nacht mit Isabelle, wie in guten, alten Zeiten“ erklärte er um Ruhe bemüht, obwohl er ziemlich aufgeregt war, aufgrund der neuen Entwicklung. Sie zögerte einen Moment, bevor sie antwortete „ich weiß, aber nur an einem Ort meiner Wahl. Ich gebe ihn Dir morgen durch, eine Stunde vorher. Das ist meine Bedingung.“ Darius sah darin kein Problem „okay, ich will schließlich, dass Du Dich wohl fühlst“ säuselte er, was bei Marie beinahe einen Brechreiz verursachte „in Ordnung, Du hörst dann morgen von mir“ sagte sie und legte auf.

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BeitragVerfasst: 11.09.2015, 19:55 
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Teil 238:

Tanja genoss gerade ein Glas Rotwein und blickte nachdenklich auf das Tütchen mit den Pillen, welches sie in Rebeccas Schublade gefunden hatte. Dieser Fund war ein wahrer Glücksgriff, denn wenn sie wollte, konnte sie die zweite Geschäftsführerin von LCL damit unter Druck setzen und erreichen, dass diese sich aus der Führungsebene zurückzog. Leider wusste Tanja nichts Genaueres und Rebecca hatte bislang auch nicht den Eindruck gemacht, als wäre sie abhängig. Aber sie war inzwischen offenbar so unter Druck und ausgebrannt, dass sie zu Drogen gegriffen hatte, um ihren Job erledigen zu können. Tanja musste zugeben, dass die Ergebnisse dieses Rausches sich durchaus sehen lassen konnten und ob Rebecca dabei süchtig wurde, oder nicht, war ihr letztlich egal. Wichtig war nur, dass sie als Designerin funktionierte und sich ansonsten aus allem raus hielt und genau dazu musste Tanja sie bringen. Marlene hatte mit Sicherheit keine Ahnung von Rebeccas neuer Energiequelle und Möglicherweise war das der Punkt an dem Tanja ansetzen konnte. Das Klingeln des Telefons riss sie jedoch vorerst aus ihren Überlegungen. Tanja warf einen missbilligenden Blick auf die Uhr, es war reichlich spät für einen Anruf, doch als sie sah, wer der Anrufer war, ging sie schnell dran „ich hoffe, Sie haben einen guten Grund für diese späte Störung, Klingental“ sagte sie mahnend. Sie lauschte seinen aufgeregten Worten, während ihre Gesichtszüge sich zunehmend entspannten „sie hat also tatsächlich zugestimmt? Das ist mehr, als ich erwartet habe, obwohl mir immer klar war, dass sie nichts weiter ist, als ein überteuertes Callgirl. Wie dem auch sei, Sie müssen morgen unbedingt vor ihr an dem Ort sein, den sie Ihnen vorgibt, damit Sie die Kamera installieren können. Es wird sicher ein Hotel sein. Und ganz egal, was dann passiert, Sie werden kein Wort darüber verlieren, dass Sie nur der Strohmann sind, verstanden? Wenn Sie das tun, sehen Sie keinen Cent von mir und ich werde außerdem dafür sorgen, dass Sie nie mehr auf die Füße kommen“ erklärte sie kühl „also versauen Sie es bloß nicht, nur weil Ihnen vielleicht das Gehirn vorübergehend in die Hose rutscht“ fügte Sie hinzu und beendete das Gespräch. Die Gräfin stand auf und blickte aus der großen Fensterfront ihrer Penthouse Wohnung „das wird ein Spaß“ flüsterte sie lächelnd und stellte sich das schockierte Gesicht von Sebastian vor, wenn sie ihm das Video vorspielen würde, auf dem es seine Freundin mit Darius Klingental trieb. Er hatte sie für diese Frau verlassen, weil er ein hoffnungsloser Romantiker und Vollidiot war, aber bald schon würde er es bitter bereuen. Alle, die sich mit ihr angelegt und sie mit Füßen getreten hatten, würden es bereuen und bald schon war der Tag der vorläufigen Abrechnung gekommen.

Der nächste Morgen begann für Rebecca mit einem bösen Erwachen, niemals zuvor hatte sie sich derart elend und ausgelaugt gefühlt. Ein gewöhnlicher Kater war nichts dagegen und als der Gräfin der Grund dafür wieder bewusst wurde, erschrak sie über sich selbst. Sie hatte tatsächlich eine von Juris Pillen genommen, ohne überhaupt zu wissen, was genau sie dort zu sich nahm und welche Wirkung es haben würde. Sie versuchte sich an die Geschehnisse danach zu erinnern und ihr fiel ein, dass sie sehr viele neue Entwürfe gezeichnet hatte. Außerdem war sie ins No Limits gegangen und hatte dort den ganzen Abend getanzt, mit Marlene und auch mit Ricardo, wenn ihre Erinnerung sie nicht täuschte. Sie richtete sich vorsichtig auf und lehnte sich an das Bettgestell, da kam ihre Frau ins Schlafzimmer, die bereits wieder unverschämt gut aussah dafür, dass sie gestern aus gewesen waren. „Guten Morgen, mein Schatz“ sagte Marlene fröhlich, setzte sich zu ihr aufs Bett und gab ihr ein Küsschen auf den Mund „guten Morgen...wie spät ist es denn?“ wollte die junge Gräfin erschöpft wissen. Die Blondine teilte es ihr mit und beruhigte sie direkt „es ist gerade mal halb acht, also kein Grund zur Panik.“ Sie lächelte die Brünette mitfühlend an „hast wohl einen dicken Kopf, was? Ehrlich gesagt verstehe ich das gar nicht. Du hast gestern zwar einiges getrunken, aber nicht übermäßig viel und trotzdem warst Du total aufgekratzt und einfach nicht müde zu kriegen. So habe ich Dich lange nicht erlebt…und als wir zuhause waren, hattest Du immer noch jede Menge Energie“ erinnerte sie sich und zwinkerte der anderen zu. Rebecca sah sie leicht verschämt an und errötete etwas, als sie an die stürmische Liebesnacht zurück dachte „ähm ja, ich weiß auch nicht…ich hatte gestern einen Durchbruch beim Entwerfen und danach war ich einfach total happy und erleichtert“ erklärte sie und hatte Mühe Marlene in die Augen zu sehen. Diese schien es jedoch nicht zu merken „das weiß ich, Du hast es mir gestern erzählt und das freut mich wirklich sehr für Dich. Ich fand es toll, dass Du noch in den Club gekommen bist, trotz unseres Streits und dass Du Dich Jacky gegenüber so locker verhalten hast. Ich hatte schon Angst, dass wir das gar nicht mehr hinbekommen, nach diesem Missverständnis im Lager“ gab sie zu. Die Brünette wusste nicht, was sie sagen sollte, in ihrem Kopf herrschte das Chaos, sie war schockiert von sich selbst und hatte keine Ahnung, wie sie Marlene das alles erklären sollte. Diese musterte sie eingehend „oh je, Du bist aber wirklich durch den Wind. Ich mache uns jetzt erst mal was zum Frühstücken und Du stellst Dich in der Zeit unter die Dusche. Danach geht’s Dir bestimmt besser“ schlug sie vor und gab der anderen noch einen Kuss, bevor sie aufstand und zur Tür ging. „Marlene...“ rief Rebecca leise, woraufhin die Blonde sich noch einmal umdrehte „ja?“ Die junge Gräfin suchte nach den passenden Worten, aber sie brachte es einfach nicht fertig ihrer Frau den Drogenkonsum zu beichten „danke, Du bist ein Schatz“ sagte sie stattdessen „ich weiß“ entgegnete Marlene lächelnd und verließ dann das Schlafzimmer. Rebecca seufzte, bevor sie langsam aus dem Bett stieg und ins Badezimmer ging, wo sie schnell in die Dusche schlüpfte. Sie zuckte zusammen, als das eiskalte Wasser auf ihre Haut traf, doch sie zwang sich dazu die Kälte zu ertragen, fast so, als wolle sie sich selbst für ihre Dummheit bestrafen und das Dröhnen in ihrem Kopf betäuben. Rebecca spürte Übelkeit in sich aufsteigen, ihr Magen rebellierte unangenehm, doch sie betrachtete es als angemessene Strafe für ihr leichtsinniges Verhalten und ließ weiter den kalten Wasserstrahl über sich nieder prasseln, während sie ihre Stirn an die kühlen Fliesen lehnte.

Als Juri bei LCL eintraf, ahnte er nicht, dass er gleich eine Überraschung erleben würde. Die Dame am Empfang begrüßte ihn freundlich und teilte ihm mit, dass die Gräfin ihn sehen wollte. Er nickte und machte sich auf den Weg in Rebeccas Büro, weil er dachte, dass diese damit gemeint war, aber sie war nicht da. Irritiert sah er sich um und ging in die Designabteilung „weiß jemand, wo Rebecca ist? Sie wollte mich sprechen“ fragte er die Kollegen „die ist noch gar nicht da, aber soweit ich weiß, erwartete Tanja von Lahnstein Dich“ klärte eine Kollegin ihn auf und zeigte in die Richtung, wo ihr Büro lag. Juri machte sich auf den Weg und klopfte kurz an die Tür, als ihm klar wurde, dass er bislang noch nichts über die zweite Geschäftsführerin wusste. Was er gehört hatte, sprach jedoch dafür, dass sie ziemlich unausstehlich und herrisch sein musste, doch das konnte Juri nicht abschrecken, er hatte es in seinem Leben schon mit sehr vielen, unangenehmen Menschen zu tun gehabt. Als er das Büro betrat und die blonde Frau mit den faszinierenden Augen erblickte, verschlug es ihm dennoch die Sprache „Du?“ brachte er überrascht hervor und beobachtete, wie sie sich von ihrem Stuhl erhob und langsam um den Tisch herum kam. Tanja nickte „richtig, ich. Da staunst Du, was? Hättest wohl nicht gedacht, dass wir uns so schnell wiedersehen, oder? Aber mach Dir keine Hoffnungen, nur weil wir miteinander schlafen, bekommst Du hier keinerlei Vergünstigungen“ stellte sie grinsend fest. Nachdem die erste Verblüffung sich gelegt hatte, fand auch Juri wieder zu seiner coolen Haltung zurück „mich würde viel mehr interessieren, ob Du nur mit mir geschlafen hast, weil ich für Dich arbeite. Oder willst Du mir erzählen, dass Du nicht gewusst hast, wer ich bin.“ Die Gräfin näherte sich ihm langsam und blickte ihm dabei unentwegt in die Augen „natürlich habe ich das gewusst, so viele Juris laufen einem in kurzer Zeit eher selten über den Weg. Und weil alle Welt von Dir schwärmt, wollte ich mich höchst persönlich von Deinen Qualitäten überzeugen, wo ich doch bei Deiner Einstellung einfach übergangen wurde“ erklärte sie und blieb vor ihm stehen. Er hielt ihrem Blick stand „und, konnte ich Dich überzeugen?“ fragte er und spürte, dass ihn diese Begegnung erregte „sagen wir mal so, Du hast meine Erwartungen bei weitem übertroffen, was nicht schwer war, da ich von Natur aus eher skeptisch bin. Aber Deine Entwürfe sind wirklich außergewöhnlich, damit könnten wir große Erfolge erzielen.“ Er spürte ihren warmen Atem und konnte sich kaum noch beherrschen, diese Frau war einfach unglaublich sexy „meine Entwürfe also, ja? Dabei habe ich noch ganz andere Qualitäten. Ist nur die Frage, ob Du daran auch weiterhin interessiert bist“ bemerkte er und wartete auf eine Reaktion. Tanja fummelte an seinem Kragen herum, sie war sich seiner Erregung bewusst und spielte damit „mal sehen. Aber wie heißt es so schön, erst die Arbeit und dann vielleicht das Vergnügen. Ich will Deine kompletten Entwürfe sehen und dann besprechen wir den weiteren Ablauf. In einer halben Stunde“ ordnete sie an und setzte sich wieder an ihren Platz. Juri grinste amüsiert, er ließ sich normalerweise nicht herum kommandieren, aber dieses Spiel gefiel ihm irgendwie „sagen wir in einer Stunde, ich muss schließlich erst mal warm werden“ konterte er unbeeindruckt und verließ dann ihr Büro.

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