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BeitragVerfasst: 11.09.2015, 18:51 
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Teil 211:

Rebecca hatte das Essen aufgetragen, welches nun beide genossen und saß ihrer Frau gegenüber, die im Schein der Kerzen nicht nur atemberaubend gut aussah, sondern auch eine gewisse Anmut ausstrahlte „habe ich Dir heute schon gesagt, wie unglaublich schön Du bist“ sagte sie mit leiser Stimme. Marlene legte ihr Besteck zur Seite und griff über den Tisch hinweg nach Rebeccas Hand „nein, aber Du bist heute offenbar für eine Menge Überraschungen gut. Das Essen ist fantastisch, und Du...“ flüsterte sie plötzlich und beugte sich zu ihr „siehst einfach zum Anbeißen aus, sodass ich mich nur schwer konzentrieren kann“ stellte sie lächelnd fest und gab der Brünetten einen zärtlichen Kuss. Die junge Gräfin freute sich, dass der romantische Abend ein Volltreffer war und fühlte sich ein bisschen in die Anfangszeit ihrer Beziehung zurück versetzt, als solche Abende regelmäßig stattgefunden und nicht selten sehr leidenschaftlich geendet hatten. Marlene sah sie fragend an „wieso grinst Du so?“ wollte sie wissen „weil ich gerade an etwas sehr schönes gedacht habe“ entgegnete Rebecca „und ich bin froh, dass Du mir nicht mehr böse bist. Ich mag es nämlich viel lieber, wenn Du lieb zu mir bist“ säuselte sie und lächelte süß. Die Blonde lachte „das kann ich mir denken, aber manchmal machst Du es mir nicht gerade leicht. Dabei bevorzuge ich es auch, wenn ich lieb zu Dir sein kann...und im Moment hast Du das auch absolut verdient“ bemerkte sie und zwinkerte der anderen zu. Die Brünette nahm das Weinglas zur Hand und hielt es ihrer Frau entgegen „darauf sollten wir anstoßen“ sagte sie und wartete, bis Marlene es ihr gleich tat, wobei sie sich tief in die Augen blickten. Als sie einen Schluck getrunken hatten, setzten sie das Essen fort und nach einer Weile nahm Rebecca das Gespräch wieder auf „wieso hast Du eigentlich ausgerechnet diese Jacky mit ins Musical genommen? Ich meine, Du kennst sie doch so gut wie gar nicht...und vielleicht ist es auch ein falsches Signal, sie ist immerhin Deine Angestellte“ bemerkte sie möglichst beiläufig. Die Blonde schaute sie überrascht an „das scheint Dich ja ganz schön zu beschäftigen. Jacky war einfach gerade da, sie interessiert sich für Musicals und außerdem kennt sie in Düsseldorf ja noch niemanden. Sie ist wirklich sehr nett und ich sehe kein Problem darin, dass sie für mich arbeitet. So habe ich sie gleich etwas besser kennengelernt und mein guter Eindruck von ihr, hat sich dadurch auch bestätigt. Ihr hat es jedenfalls sehr gut gefallen und so hatte das Ganze am Ende doch noch etwas Gutes“ erklärte sie und trank noch etwas von dem Wein. „Stellt sich nur die Frage, was genau ihr so gut gefallen hat, die Vorstellung oder ihre Chefin“ erwiderte Rebecca und konnte sich die Bemerkung einfach nicht verkneifen, nachdem sie das Telefonat von Jacky mitbekommen hatte. Marlenes Stirn legte sich in Falten „was willst Du denn damit jetzt andeuten?“ fragte sie, obwohl es eigentlich deutlich genug gewesen war „nichts weiter, aber ich habe mitbekommen, wie sie von Dir geschwärmt hat, als sie mit irgendwem telefoniert hat. Außerdem ist sie ziemlich frech, wie ich finde...sie hat mir einfach ins Gesicht gesagt, dass ich Dich verärgert habe und wohl einiges gut zu machen hätte.“ Erneute musste Marlene lachen, das passte zu Jacky „sie ist sehr direkt, das stimmt. Aber ich mag ihre offene Art, das ist irgendwie erfrischend und ganz unrecht hat sie damit ja auch nicht gehabt, oder? Und man kann ihr auch nicht verübeln, dass sie von ihrer Chefin schwärmt, die ist doch wirklich sehr nett, oder siehst Du das etwa anders?“ witzelte sie. Rebecca zog eine Grimasse „sehr lustig“ sagte sie „naja, mir soll es egal sein, solange sie nicht erwartet, dass Du sie ab jetzt regelmäßig ausführst“ stellte sie etwas unwirsch fest. Marlene zog eine Augenbraue hoch „höre ich da einen Hauch von Eifersucht heraus, Frau von Lahnstein“ fragte sie amüsiert und stellte fest, dass sie es sehr süß fand. Die junge Gräfin sah sie herausfordernd an „ich bin nicht eifersüchtig, sondern wachsam. Oder willst Du etwa abstreiten, dass Jacky durchaus attraktiv ist und nebenbei dürfte sie ja auch Deinem Typ entsprechen“ stellte sie fest und blickte ihre Frau prüfend an. Diese ließ sich jedoch nicht aus der Reserve locken „das ist ja interessant...mir ist noch gar nicht aufgefallen, dass sie mein Typ ist. Woraus schließt Du denn das?“ spielte sie die ahnungslose und grinste schelmisch. Rebecca schüttelte belustigt den Kopf, Marlene beherrschte es wie kein anderer, sie alt aussehen zu lassen, wenn es darum ging, ihr etwas zu entlocken „ich verweigere die Aussage, am Ende schneide ich mir noch ins eigene Fleisch und Du kommst auf dumme Gedanken“ konterte sie und stand auf, um den Nachtisch zu holen.

Sie wollte gerade den Kühlschrank öffnen, als sie Marlenes Körper hinter sich spürte, der sich sanft gegen ihren drückte. Sie fühlte den warmen Atem der anderen, der ihren Nacken kitzelte und Marlenes Arme, die sich von hinten um sie legten „auf dumme Gedanken bringt mich nur eine“ flüsterte sie Rebecca ins Ohr, die sofort eine leichte Gänsehaut bekam. Sie drehte sich um und sah in die kristallblauen Augen ihres Gegenübers, die so wunderschön funkelten, wenn Marlene mit ihr flirtete „tanz mit mir“ hauchte sie jetzt und zog die Brünette mit sich ins Wohnzimmer. Sie ging kurz zu der Stereo Anlange, wählte ein passendes Lied aus und drehte die Musik etwas lauter. Danach ging sie zurück, stellte sich vor Rebecca und nahm mit ihrer linken Hand die rechte ihrer Frau. Ihre andere Hand legte sie um Rebeccas Taille und zog sie näher zu sich. Die junge Gräfin legte ihre freie Hand auf Marlenes Rücken und blickte ihr lächelnd in die Augen. Die Blonde erwiderte den Blick und wartete auf den richtigen Moment, bevor sie anfing sich langsam mit Rebecca zu der Musik zu bewegen. Sie tanzten eng aneinander geschmiegt durch das Wohnzimmer, außer der Musik und ihren leisen Schritten war nichts zu hören. Es gab nur sie zwei, ihre innigen Blicke und die sanften Bewegungen ihrer beiden Körper, die sich dabei fortwährend berührten. Der Raum war erfüllt von romantischen Klängen und einer erotischen Spannung, die immer einnehmender wurde „Du willst mich verführen“ sagte Rebecca leise, als Marlenes Hand von der Taille aus immer tiefer wanderte. Auf dem Gesicht der Blonden machte sich ein sexy Lächeln breit „nein“ erwiderte diese „ich will nicht, ich bin schon dabei“ hauchte sie und platzierte einen zarten Kuss auf der nackten Schulter der anderen. Die Brünette schloss die Augen, sie war machtlos gegen die Verführungskünste ihrer Frau, aber sie wollte die Spannung noch ein bisschen aufrecht erhalten „es gibt noch Nachtisch...“ erinnerte sie die andere „ich dachte, Du wärst der Nachtisch“ erwiderte Marlene und wollte sie küssen. Rebecca löste sich sanft von ihr und zog sie wieder zum Tisch „das Beste kommt zum Schluss“ sagte sie lachend und holte das Dessert aus dem Kühlschrank.

Während sie die Panna cotta aßen, sprachen sie kaum ein Wort. Sie saßen sich gegenüber und kommunizierten mit ihren Blicken, wie sie es immer taten, wenn alles andere um sie herum an Bedeutung verlor und sie nur noch Augen füreinander hatten. Marlene schob sich gerade lasziv einen weiteren Löffel des Desserts in den Mund, als sie plötzlich inne hielt und Rebecca mit gespielter Empörung ansah „kann es sein, dass Dein Fuß gerade auf Abwege gerät?“ fragte sie mit rauer Stimme. Die Brünette lächelte „er ist genau da, wo ich ihn haben will“ entgegnete sie verführerisch, während ihr Fuß weiter an dem Innenschenkel ihrer Frau nach oben wanderte. Marlene stellte die Dessert Schale zurück auf den Tisch und beobachtete interessiert das Treiben der anderen, die jetzt anfing sich langsam die Bluse aufzuköpfen. Der Blonden wurde es zunehmend wärmer beim Anblick der schönen Brünetten, die noch immer erstaunliche Dinge mit ihrem Fuß anstellte. Nach einer Weile stand Rebecca auf und ging betont langsam um den Tisch herum zu Marlene, die ebenfalls aufstehen wollte, doch Rebecca drückte sie zurück auf ihren Platz „sitzen bleiben“ hauchte sie und setzte sich breitbeinig auf ihren Schoß. Marlene sah der anderen fest in die Augen, während sie ihr langsam die Bluse abstreifte und auch Rebecca zögerte nicht lange und zog ihrer Frau das Oberteil über den Kopf hinweg aus. „Ich liebe Dich“ sagte die junge Gräfin, bevor sie Marlenes Gesicht zu sich zog und sie leidenschaftlich küsste „und ich liebe Dich“ erwiderte diese, ehe sie anfing Hals und Dekolleté der Brünetten mit heißen Küssen zu bedecken. Die beiden Frauen gaben sich ganz ihrer Lust und dem Verlangen nach einander hin, ließen sich fallen und genossen ihre leidenschaftliche Versöhnung in vollen Zügen.

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BeitragVerfasst: 11.09.2015, 18:53 
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Und weiter gehts mit einem kleinen Zeitsprung.

Teil 212: (Einen Monat später)

Die Wochen waren schnell vergangen, der goldene Oktober war vorbei und der November brachte zunehmend trübes Wetter mit sich. Während Rebecca wieder in alte Muster verfiel, viel arbeitete und selten zuhause anzutreffen war, hatte Marie alle Hände voll mit ihrem neuen Job als Mutter zu tun, der ihr einiges abverlangte. Sebastian unterstütze sie zwar so gut es ging, aber auch er hatte einen anstrengenden Beruf und war zur Zeit sehr eingespannt im Familienunternehmen der Lahnsteins. Marie saß gerade in der Küche und trank ihren dritten Kaffee an diesem Morgen, doch noch immer drohte sie im Sitzen einzuschlafen. Die Zwillinge gönnten ihr nur wenig Schlaf und wenn sie tagsüber mal ein paar ruhige Minuten hatte, gab es genug andere Dinge zu erledigen, sodass sie auch diese Zeit nicht nutzen konnte, um an etwas Schlaf zu kommen. Sie stütze ihren Arm auf dem Tisch ab und legte das Gesicht in ihre Hand, wobei sie für einen Moment die Augen schloss. Als sie ein Geräusch vernahm zuckte sie zusammen und schaute erschrocken auf „Entschuldigung, ich wollte Dich nicht erschrecken“ sagte Marlene und holte sich eine Tasse aus dem Schrank. Danach setzte sie sich zu der Freundin an den Tisch „Du siehst müde aus“ stellte sie fest und wusste selbst, dass das untertrieben war, aber sie wollte nicht, dass Marie sich angegriffen fühlte „das bin ich auch. Ich glaube ich habe noch niemals so wenig geschlafen, wie in den letzten Wochen und das will schon was heißen“ erwiderte sie und biss in ihr Brötchen. Marlene wollte gerade etwas sagen, als das Geschreie zweier Babys aus dem Zimmer zu ihnen drang „immerhin habe ich es geschafft etwas zu trinken und in mein Brötchen zu beißen“ bemerkte Marie und Marlene erkannte die Erschöpfung, die aus ihren Worten sprach „bleib mal sitzen, ich sehe nach ihnen“ bot sie an und stand auf. Eine Weile später kam die Blonde mit Jonas auf dem Arm zurück „Sophie konnte ich mit ihrem Schnuller zufrieden stellen, aber der kleine Pupser hier braucht anscheinend eine neue Windel“ erklärte sie und versuchte den Winzling irgendwie zu beruhigen. Marie stand auf und holte die nötigten Utensilien, um den kleinen Mann zu wickeln. Als sie Marlene das Baby abnehmen wollte, schüttelte diese den Kopf „ich mache das schon“ sagte sie und war amüsiert über den skeptischen Gesichtsausdruck der Freundin „was denn? Traust Du mir das nicht zu?“ Die andere lächelte leicht „doch schon, aber stell Dir das nicht so einfach vor. Jonas ist nicht immer kooperativ, wenn es ums Windeln wechseln geht“ erklärte sie, doch Marlene ließ sich nicht entmutigen „ach was, das wäre doch gelacht. Ich habe schon ganz andere Dinge bewältigt, da wird mir der kleine Zwerg hier doch keine Probleme bereiten.“ Marie nickte und beobachtete mit einer gewissen Belustigung, wie die Freundin den Kampf mit ihrem Sohn aufnahm, der schon einen ganz roten Kopf vom Schreien hatte und trotzdem noch genügend Kraft aufbrachte, um wild mit seinen kleinen Beinen zu strampeln. Marlene schaffte es schließlich, trotz der beherzten Gegenwehr, den Strampler zu öffnen und die Windel auszuziehen „na also, war doch gar nicht so schwer“ stellte sie zufrieden fest. Auch Jonas hatte sich inzwischen etwas beruhigt und das Schreien eingestellt. Er schien sich ein bisschen die Umgebung anzusehen und wunderte sich offenbar über die blonde Frau, die gar nicht wie seine Mama aussah. Marlene hatte gerade eine neue Windel zurecht gelegt, da kam ihr ein warmer Strahl entgegen, dem sie nicht mehr ganz ausweichen konnte „hey, was machst Du denn da“ sagte sie und schaute etwas pikiert an sich herunter. Marie fing an zu lachen „nimm es nicht persönlich, das ist seine Art Dir zu zeigen, dass er Dich mag. Rebecca und ich mussten da auch schon durch“ scherzte sie. Marlene sah die andere stutzig an, die noch immer grinste und musste schließlich doch lachen „okay Zwerg, den einen hattest Du frei, aber ab jetzt pinkelst Du bitte nur noch in die Windel“ sagte sie belustigt und wickelte den kleinen Mann dann zu Ende.

Rebecca legte resigniert den Hörer auf, nachdem sie gerade vor einem ihrer Kunden zu Kreuze gekrochen war. Sie hatte einen wichtigen Termin versäumt und den Kunden damit verärgert, der jetzt in Erwägung zog sich einen anderen Geschäftspartner zu suchen. Die junge Gräfin war wütend und ließ ihren Unmut an der Assistentin aus, die soeben ihr Büro betreten hatte „wieso haben Sie mich nicht an den Termin erinnert? Sie wussten doch ganz genau, wie wichtig er war“ warf sie der jungen Frau vor. Diese schien mit sich zu ringen, sie war von Tanja weitaus schlimmeres gewohnt und wollte eigentlich nicht, dass sie nun auch noch zur Zielscheibe der anderen Geschäftsführerin wurde „verzeihen Sie bitte, aber das habe ich doch getan“ sagte sie etwas kleinlaut. Die Brünette hatte Mühe sich zu beherrschen, ihr Nervenkostüm wurde immer dünner „und wieso weiß ich davon nichts? Wann bitte soll das denn gewesen sein?“ fragte sie gereizt, da deutete die andere auf ihren Schreibtisch „ich habe Ihnen eine Notiz hingelegt, wie ich es immer mache, wenn ich Sie nicht persönlich antreffe“ erklärte sie. Rebecca wurde Augenblicklich ruhiger und schaute unsicher auf ihren Schreibtisch. Sie hatte am Morgen ein ziemliches Chaos angerichtet und fand den gelben Zettel schließlich unter ein paar anderen Unterlagen. Sie seufzte und wandte sich peinlich berührt an die Assistentin „da ist er ja...es tut mir leid, bitte entschuldigen Sie. Das war mein Fehler, nicht Ihrer“ gab sie zu und konnte nur hoffen, dass der Kunde seine Drohung nicht wahr machte. Die Assistentin atmete erleichtert auf, sie wusste, dass Rebecca gerade ziemlich unter Strom stand und nahm es ihr deshalb nicht übel „ist schon in Ordnung“ sagte sie und verließ das Büro. Rebecca schüttelte den Kopf, sie ärgerte sich über sich selbst und beschloss, dass sie ab sofort noch mehr Ordnung halten musste. Sie stand auf und machte sich auf den Weg zu Juris Arbeitsplatz und zu ihrem Erstaunen war er sogar da, was nicht unbedingt selbstverständlich war „hey, wie läuft es bei Dir?“ wollte sie wissen und stellte sich hinter ihn, um einen Blick auf seine neuesten Entwürfe zu werfen. Er knallte den Stift auf den Tisch und drehte sich zu ihr um „beschissen. Und das ändert sich auch nicht, wenn Du mich ständig kontrollierst“ fuhr er sie an. Das war genau das, was der jungen Gräfin noch gefehlt hatte und entsprechend gereizt reagierte sie darauf „aber sonst geht es Dir gut, oder? Ich kontrolliere Dich also? Das soll wohl ein schlechter Witz sein, Dich kann man doch gar nicht kontrollieren, denn Du machst doch ohnehin was Du willst! Keiner hier hat so viele Freiheiten wie Du, Juri, und wenn ich Dich dann hin und wieder mal Frage, wie es läuft, dann drehst Du gleich am Rad. Dein divenhaftes Getue geht mir langsam auf den Zeiger, Du bist ja noch schlimmer als meine Frau zu ihrer Zeit als Musical Star. Du magst ja ein begnadeter Designer sein, Juri, und ich akzeptiere auch Deine Eigenarten, aber irgendwann ist es auch mal gut. Also zeig mir bitte Deine Entwürfe und sag mir, wie weit Du mit der Kollektion bist.“ Er sah sie erstaunt an, nicht viele Leuten trauten sich, ihm so offen die Meinung zu sagen und irgendwie imponierte ihm das „Du bist echt ne Marke“ bemerkte er lächelnd und zog dann seine Jacke an „was wird das denn jetzt?“ fragte sie ungläubig und verschränkte die Arme vor der Brust „Mittagspause“ erwiderte er knapp „kommst Du mit?“ Rebecca sah ihn fassungslos an „weißt Du eigentlich, was hier los ist und wie viel Arbeit ich habe? Und anstatt mir ein bisschen zu helfen, trampelst Du auf meinen Nerven herum. Du kannst froh sein, dass Tanja nicht hier ist, die hätte Dir längst den Kopf abgerissen. Du wirst schon noch sehen, wie gut Du es bisher hattest, wenn sie erst mal zurück ist. Ich erwarte Dich in spätestens zwei Stunden in meinem Büro und dann will ich Antworten haben“ erklärte sie und ließ ihn einfach stehen. Juri schüttelte grinsend den Kopf, er mochte Rebecca ja irgendwie, aber manchmal fragte er sich, wieso sie das alles so schrecklich ernst nahm.

Jacky spülte gerade die Gläser, die sich in großen Mengen angehäuft hatten, als Marlene sich zu ihr an die Bar setzte „machst Du mir bitte einen Kaffee?“ sagte sie und rieb sich die Schläfen. Die Frau hinter der Bar musterte sie eingehend und stellte ihr schließlich einen Tee vor die Nase „so viel Kaffee ist nicht gesund, der hier wird Dir gut tun“ erklärte sie und lächelte ihre Chefin an. Marlene wollte ihr gerade sagen, dass sie selber entscheiden konnte, was gut für sie ist, aber Jackys Lächeln war so hinreißend, dass sie es nicht fertig brachte „Du musst auch immer das letzte Wort haben, was?“ stellte sie stattdessen fest und trank vorsichtig etwas von dem Tee. Jacky grinste „schon komisch, wo doch eigentlich Du der Boss hier bist, was?“ entgegnete sie und nahm dann all ihren Mut zusammen, um Marlene etwas zu fragen „ich habe übrigens Karten für das Spiel Dortmund gegen Schalke am Samstag...und weil ich ja versprochen hatte, dass ich Dich mal mitnehme, wollte ich fragen, ob Du Lust hättest mich zu begleiten.“ Die Clubbesitzerin schaute sie überrascht an „ich dachte ehrlich gesagt, das wäre ein Scherz“ gab sie zu und wirkte wenig begeistert, doch Jacky wollte noch nicht aufgeben „mit so etwas mache ich keine Scherze und außerdem schulde ich Dir noch etwas dafür, dass Du mich in das Musical mitgenommen hast.“ Marlene seufzte „das ist aber gar nicht nötig, ich war ja froh, dass Du mitgekommen bist. Also gut, ich werde es mir überlegen...aber ich muss vorher mit Rebecca sprechen“ erklärte sie „Du wirst sehen, das wird toll und die Stimmung im Signal Iduna Park während eines Derbys ist mit nichts zu vergleichen“ schwärmte Jacky und brachte ihre Chefin damit erneut zum Lachen.

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BeitragVerfasst: 11.09.2015, 18:55 
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Teil 213:

Dana und Ricardo standen vor Laras Zimmer im Krankenhaus und unterhielten sich leise „ich bin gespannt, wie sie reagieren wird. Hoffentlich freut sie sich“ überlegte Dana und schaute ihren Freund nachdenklich an „machst Du Witze, sie wird total aus dem Häuschen sein. Ich hoffe nur, dass sie wirklich schon kräftig genug ist, aber ihre Werte sind gut und alles ist besser, als die ganze Zeit hier herum liegen zu müssen.“ Er nickte ihr noch einmal zu und öffnete dann die Tür. Lara stand sofort von ihrem Bett auf, als sie die beiden Besucher erkannte, die in den letzten Wochen sehr oft bei ihr gewesen waren und rannte in Ricardos Arme „hey, nicht so stürmisch junge Dame, sonst haust Du mich noch um“ scherzte er. Lara lachte vergnügt und schaute die beiden fragend an „was ist denn jetzt die Überraschung?“ wollte sie aufgeregt wissen und lief um Dana und Ricardo herum, weil sie ein Geschenk vermutete. Die Erwachsenen grinsten sich an „das wird noch nicht verraten, aber Du wirst Dir etwas anderes anziehen müssen. Wir werden nämlich einen Ausflug machen“ erklärte der Arzt, während Dana an den Kleiderschrank des Mädchens ging, um ihr ein paar wärmere Klamotten heraus zu suchen. Lara machte große Augen „wir fahren weg? Wohin denn?“ fragte sie und klatschte aufgeregt in die Hände. Der Arzt ging vor ihr in die Hocke „wenn ich es Dir verrate, ist es ja keine Überraschung mehr. Aber ich verspreche Dir, dass es Dir großen Spaß machen wird“ sagte er und stupste ihr mit dem Finger gegen die Nase. Dana reichte Lara die Sachen, die sie rausgesucht hatte und sah belustigt dabei zu, wie die kleine Patientin sich in Windeseile umzog. Danach ging das Mädchen an eine Schublade und kam mit einem Kopftuch wieder „kannst Du mir damit helfen?“ fragte sie die Brünette, die ihr daraufhin das Tuch umband „das sieht richtig hübsch aus“ stellte sie anschließend fest und zauberte der Kleinen damit ein Lächeln aufs Gesicht. Ricardo nahm Laras Hand „dann mal los“ sagte er und verließ zusammen mit den beiden Damen das Krankenhaus.

Marlene betrat derweil das LCL Gebäude, welches sie lange nicht mehr aufgesucht hatte und schaute sich nach ihrer Frau um, die sie schließlich an ihrem Arbeitsplatz in der Designabteilung fand. Sie schlich sich von hinten an sie heran und schaute ihr interessiert über die Schulter „das sieht doch gut aus“ flüsterte sie und erschrak etwas, als Rebecca sich ruckartig zu ihr herum drehte „meine Güte, musst Du mich so erschrecken“ sagte die Brünette und fasste sich an die linke Seite über ihrer Brust. Marlene lachte „tut mir leid“ entschuldigte sie sich und gab der anderen einen kurzen Kuss „ich wollte nur kurz nach Dir sehen und Dich fragen, ob Du später mit in die Stadt kommst?“ Die Gräfin sah sie verwirrt an „um das Geschenk zu besorgen. Für meinen Vater. Oder hast Du etwa vergessen, dass er morgen Geburtstag hat?“ half sie ihrer Frau auf die Sprünge, die einen Blick auf ihren Tisch warf, bevor sie sich wieder Marlene zu wandte „nein, das habe ich nicht vergessen. Kannst Du das nicht alleine besorgen? Ich habe noch so viel zu tun...“ erwiderte sie, obwohl sie wusste, dass es nicht gut ankommen würde. Die Blonde nickte „werde ich wohl müssen, aber das war ja auch eigentlich klar“ bemerkte sie wenig begeistert „mach jetzt bitte kein Drama draus, Marlene, ich kann es leider nicht ändern. Es sei denn wir gehen auf den letzten Drücker, aber das willst Du sicher auch nicht.“ Marlene hob die Hände „mache ich nicht, es bringt ja doch nichts. Hauptsache Du kriegst es morgen Abend hin und schaffst es einmal pünktlich Feierabend zu machen. Meine Eltern freuen sich nämlich schon sehr, dass sie uns endlich mal wieder alle an einem Tisch haben. Das kommt schließlich selten genug vor“ erklärte sie und sah die andere abwartend an. Rebecca merkte, dass sie zu schroff gewesen war und lenkte ein „ich werde um Punkt 17 Uhr alles stehen und liegen lassen, versprochen“ versuchte sie zu scherzen, aber ihre Frau konnte darüber nicht lachen „es wäre das erste Mal seit Wochen, ich lasse mich überraschen“ entgegnete sie knapp und band sich ihr Halstuch wieder um. Die Brünette wollte noch etwas sagen, aber sie kam nicht mehr dazu, da Marlene bereits den Rückzug antrat „bis später,…irgendwann“ rief sie und war kurz darauf verschwunden. Rebecca sah ihr niedergeschlagen hinterher, sie wusste nicht, wie lange es noch so weiter gehen würde und sie hatte keine Ahnung, was sie tun konnte, um etwas an der Situation zu ändern.

Marie kümmerte sich gerade um die Wäsche, als sie ihr Handy klingeln hörte und eilte zu ihrer Handtasche, um es hervor zu holen „Marie Lichtenberg“ meldetet sie sich, da sie die Nummer, die im Display anzeigte wurde, nicht kannte. Am anderen Ende der Leitung war es zunächst Still, bis eine Männerstimme erklang „Du bist es wirklich, oder?“ fragte der Anrufer und löste damit blankes Entsetzen bei Marie aus, die ihr Handy krampfhaft umschlossen hielt. „Ich habe keine Ahnung wovon Sie reden, Sie müssen sich verwählt haben“ erwiderte sie und legte auf. Das Herz schlug ihr bis zum Hals, sie versuchte sich zu beruhigen und sich einzureden, dass es sich tatsächlich nur um eine Verwechslung handelte, da klingelte das Handy erneut. Sie wäre am liebsten nicht dran gegangen, aber sie ahnte, dass es unumgänglich war „was wollen Sie von mir?“ fuhr sie den Mann ungehalten an „warum so feindselig? Wir haben uns doch seinerzeit bestens verstanden“ erwiderte er ruhig und sprach dann mit leiser Stimme weiter „ich würde Dich gerne wiedersehen, Isabelle.“ Seine Worte trafen sie mit voller Wucht, genauso wie die Erkenntnis, dass ihre Vermutung in diesem Moment zur Tatsache geworden war. Marie schloss resigniert die Augen und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie aufgewühlt sie war „ich kenne keine Isabelle, und Sie kenne ich auch nicht. Also lassen Sie mich bitte in Ruhe und hören Sie auf mich anzurufen“ verlangte sie und beendete das Gespräch. Sie schaltete das Handy aus und ließ sich aufs Sofa fallen. Ihre Gedanken überschlugen sich, während sie versuchte zu begreifen, was da eben passiert war. Das, wovor sie stets die größte Angst gehabte hatte, schien eingetreten zu sein und Marie fragte sich, wie es dazu hatte kommen können. Sie schüttelte ungläubig den Kopf, ein Anflug von Panik machte sich in ihr breit und sie war kurz davor in Tränen auszubrechen, als eines ihrer Kinder anfing zu schreien. Sie ging in ihr Zimmer und stellte sich an das Kinderbett, der Anblick von Jonas und Sophie beruhigte sie ein wenig, doch er befeuerte auch ihre Angst. Marie wollte nicht, dass ihre Vergangenheit eine Rolle im Leben ihrer Kinder spielte, sie konnte den Gedanken nicht ertragen, dass das Vergangene sie erneut einholte und sich in ihr Leben drängte. Sie nahm ihre Tochter auf den Arm und drückte den zarten Körper sanft an sich „ist ja gut, meine Kleine“ flüsterte sie und streichelte ihr beruhigend über den Rücken.

Lara war während der gesamten Autofahrt total aufgekratzt gewesen, hatte die ganze Zeit aus dem Fenster geschaut und währenddessen versucht die beiden Erwachsenen auszufragen. Doch Dana und Ricardo hatten sich nicht erweichen lassen und so musste das kleine Mädchen sich in Geduld üben, was ihr nach wochenlangem Krankenhausaufenthalt nicht leicht viel. Als sie schließlich ihr Ziel erreicht hatten und aus dem Wagen stiegen, war sie kaum noch zu halten „Pferde, da sind Pferde“ rief sie aufgeregt und lief auf den Stall zu, hinter welchem eine Weide zu sehen war, auf der einige Pferde standen. Dana und Ricardo lächelten sich an und folgten der jungen Dame, die am Zaun stand und auf die Weide hinaus schaute. „Welches davon ist denn Deins?“ fragte Lara und schaute die Brünette neugierig an „das da ist Rocky“ erwiderte Dana und zeigte auf den schwarzen Hengst, der seine Besitzerin jetzt bemerkt hatte und langsam auf sie zugelaufen kam „schaut mal, er kommt zu uns“ sagte die Kleine fröhlich. Dana beugte sich zu ihr runter „wenn Du magst, können wir auch zu ihm gehen“ schlug sie vor und bekam ein aufgeregtes Nicken zur Antwort. Sie gingen zusammen auf die Weide, Rocky war inzwischen schon bis zu ihnen vorgedrungen und plötzlich bekam Lara doch etwas Angst vor dem großen Tier und griff nach Danas Hand. Die Brünette lächelte sie an „Du musst keine Angst haben, Rocky ist ganz lieb, der tut niemandem etwas“ versicherte sie dem Mädchen und streichelte ihrem Hengst mit der anderen Hand über den Kopf. Sie nahm Laras Hand und legte ihr eine kleine Möhre hinein, die sie mitgenommen hatte „damit kannst Du ihn füttern. Halt ihm die Hand einfach ganz flach hin“ sagte sie, doch Lara zögerte „und wenn er mich beißt“ gab sie zu bedenken und sah Dana unsicher an. Die Wolf Tochter nahm sich selbst eine Möhre und gab sie Rocky, der sie schnell verputzt hatte „siehst Du, das ist ganz einfach und da kann auch nichts passieren. Komm, wir machen es zusammen“ bot sie an und legte ihre Hand unter die von Lara, um ihr die Angst zu nehmen. Als Rocky seinen Kopf hinunter beugte, schloss das Mädchen die Augen, doch dann kicherte sie plötzlich „das hat gekitzelt“ stellte sie fest und lachte begeistert. Schließlich traute sie sich auch näher an den Hengst heran, streichelte vorsichtig über sein schwarzes Fell und als Dana ihr anbot ein Stückchen auf ihm zu reiten, war sie ganz aus dem Häuschen. Die Brünette stieg gekonnt auf und wartete, bis Lara mit Hilfe von Ricardo ebenfalls aufgestiegen war. Das kleine Mädchen saß jetzt vor ihr auf dem Pferd „bist Du bereit?“ fragte Dana und als Lara nickte, gab sie Rocky durch die Zügel ein Zeichen, woraufhin der Hengst langsam los trottete. Ricardo beobachtete lächelnd die schöne Szene, sein Herz schmolz beim Anblick der kleinen Patientin dahin, die er noch niemals so glücklich erlebt hatte, wie in diesem Moment. Es hatte ihn große Mühe gekostet diesen Ausflug möglich zu machen und die Verantwortung, die auf ihm lastete, wog schwer. Doch das alles war nicht länger wichtig, denn das Strahlen in Laras Augen zeigte ihm, dass sich der Aufwand gelohnt hatte.

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BeitragVerfasst: 11.09.2015, 18:56 
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Teil 214:

Rebecca saß noch immer über ihren Entwürfen, hatte sich jedoch in ihr Büro zurückgezogen und versuchte nicht auszuflippen, als plötzlich Juri in der Tür stand und sie unverschämt lässig angrinste. Es war bereits 19 Uhr durch, als sie ihn zuletzt gesehen hatte, war es Mittag gewesen und sie hatte ihm deutlich zu verstehen gegeben, dass sie ihn anschließend sprechen wollte. Sie sah ihn mit einer Mischung aus Wut und Ratlosigkeit an, doch bevor sie etwas sagen konnte, legte er eine Tüte vor ihr auf dem Tisch ab, aus der ein leckerer Duft hervor trat. Rebecca beäugte ihn skeptisch „was soll das?“ fragte sie und bemühte sich um einen strengen Ton, er sollte ruhig merken, dass sie sauer war. Juri blickte ihr direkt in die Augen „man nennt es Nahrung. Es sorgt dafür, dass man bei Kräften bleibt und außerdem schmeckt es auch noch ziemlich gut“ bemerkte er und wollte das Büro verlassen, doch sie pfiff ihn zurück „halt, Du rennst jetzt nicht einfach weg. Du hast mich schon wieder hängen lassen, Juri, und ich frage mich, ob Du das mit Absicht machst. Ist es wirklich zu viel verlangt, dass Du Dich einmal an einen Termin hältst? Was zum Teufel ist so schwer daran, ich verstehe es nicht“ sagte sie und sah ihn fragend an. Er überlegte einen Moment und zuckte dann mit den Schultern „so bin ich eben“ erwiderte er und ging zur Tür, wo er sich noch einmal umdrehte „ich mache meine Arbeit, darauf kannst Du Dich verlassen. Aber jetzt gehe ich nach Hause. Bis morgen...und lass es Dir schmecken“ sagte er und verließ ihr Büro. Die junge Gräfin schüttelte einmal mehr mit dem Kopf und wusste einfach nicht, was sie von diesem Kerl halten sollte. Doch dann stieg ihr wieder der Duft des Essens in die Nase, es war etwas vom Asiaten und in diesem Moment merkte Rebecca erst, wie hungrig sie war. Sie holte sich Besteck aus der Küche und während sie sich über den Reis und das Hühnchen hermachte, dachte sie, dass Juri durchaus nette Züge hatte, auch wenn man erst eine Weile nach ihnen suchen musste.

Sebastian begrüßte seine Freundin stürmisch, als diese ihm die Tür öffnete und wunderte sich, dass Marie seine Wiedersehensfreude nicht zu teilen schien „na, Du scheinst mich ja nicht gerade vermisst zu haben“ stellte er etwas zerknirscht fest. Die Blonde war noch immer mitgenommen von den Anrufen, die sie heute erhalten hatte, doch sie hatte beschlossen ihrem Freund nichts davon zu erzählen „es tut mir leid, ich bin einfach müde“ sagte sie und gab ihm einen Kuss zur Besänftigung. Der Graf sah sie mitfühlend an „waren die kleinen Quälgeister wieder so anstrengend?“ wollte er wissen und zog Marie in seine Arme „das nicht, aber mir fehlen einfach gefühlte hundert Stunden Schlaf“ erwiderte sie lächelnd und lehnte sich an seine Brust. Sie war froh, dass er jetzt hier war, Sebastian war zu ihrem Ruhepol geworden und sie hatte keine Ahnung, was sie ohne ihn machen würde. Sie verharrten eine ganze Weile in der innigen Umarmung, die körperliche Sehnsucht zueinander war inzwischen sehr groß und manchmal wunderte Marie sich, dass Sebastian nach wie vor sehr beherrscht war. Natürlich wusste er, dass es nach der Geburt eine gewisse Zeit brauchte, bis der Körper sich erholt hatte, aber sie waren inzwischen schon gut drei Monate zusammen und auch vorher hatte er ohne Murren akzeptiert, dass sie nicht bereit gewesen war, während der Schwangerschaft mit ihm zu schlafen. Marie nahm sich vor ihre Frauenärztin darauf anzusprechen, um zu erfahren, ob aus medizinischer Sicht noch etwas dagegen sprach. „Ist es okay, wenn Emma heute hier schläft? Ich möchte sie im Moment nicht so viel alleine lassen, sie leidet eh schon darunter, dass Tanja nicht da ist“ erklärte er plötzlich „natürlich ist das in Ordnung, Emma kann immer herkommen, das weißt Du doch“ erwiderte sie und fuhr mit der Hand durch sein Haar „hat Tanja sich denn mal gemeldet und gesagt, wann sie zurück kommen wird?“ Sebastian schüttelte den Kopf „bei mir nicht, sie redet nur mit Emma und etwas genaueres lässt sie dabei offenbar nicht verlauten. Ich weiß nicht, irgendwie gefällt mir das alles nicht…es ist schon merkwürdig, dass sie so lange weg bleibt, allein schon wegen Emma und LCL. Rebecca weiß kaum noch, wie sie die Arbeit schaffen soll und Tanja wird es nicht egal sein, was dort während ihrer Abwesenheit vor sich geht. Nicht, dass ich sie vermissen würde, aber ich frage mich, was sie dazu bewegt so lange weg zu bleiben.“ Marie sah die Skepsis in seinen Augen, sie selbst war einfach nur froh, dass sie von dieser Frau nichts hören oder sehen musste, aber es ging um Emma und das war nun mal etwas anderes „naja, sie braucht wahrscheinlich einfach Abstand von dem Ganzen hier und ich muss gestehen, dass ich ihr so viel Vernunft gar nicht zugetraut hätte. Vielleicht hat sie ja tatsächlich eingesehen, dass es besser ist, nicht länger Krieg zu führen gegen Dich, mich und den Rest der Welt“ vermutete sie. Der Graf schien über ihre Worte nachzudenken „und genau das ist es, was mir Sorgen bereitet. Es passt einfach nicht zu Tanja“ entgegnete er, wechselte dann aber das Thema „aber lass uns nicht länger über meine Ex reden. Ich will jetzt erst mal die beiden Knirpse begrüßen“ erklärte er und zog seine Freundin lächelnd hinter sich her in ihr Zimmer.

Am nächsten Morgen gelang es Rebecca nur schwer die Augen zu öffnen und das erste was sie spürte, war ein unangenehmes Pochen in ihrem Kopf. Sie kniff kurz die Augen zusammen und drehte sich zur Seite, doch der Platz neben ihr war leer. Verwundert blickte sie zur anderen Seite, wo der Wecker stand und erkannte, dass es bereits 9 Uhr durch war „oh nein, verdammter Mist“ fluchte sie und stand ruckartig auf, was zur Folge hatte, dass sich erneut ein heftiger Schmerz in ihrem Kopf ausbreitete. Sie blieb einen Moment sitzen und massierte sich die Schläfen, als Marlene das Schlafzimmer betrat, die schon fertig angezogen war „guten Morgen“ begrüßte sie die Brünette und setzte sich mit einer Tasse Kaffee in der Hand neben sie. Rebecca sah sie verstimmt an „ich habe verschlafen. Wieso hast Du mich denn nicht geweckt?“ wollte sie wissen „weil Du den Schlaf dringend nötig hattest“ erwiderte die Blonde und reichte ihr die Tasse. Die junge Gräfin nahm sie etwas mürrisch entgegen „aha, das ist natürlich ein Grund. Mensch Marlene, ich habe vielleicht Termine und außerdem wartet jede Menge Arbeit auf mich. Wenn ich heute pünktlich Feierabend machen will, dann kann ich es mir erst recht nicht erlauben, auch noch später anzufangen“ erklärte sie und verzog das Gesicht, als sie etwas von dem Kaffee trank „Gott, ist der stark.“ Marlene sah sie ernst an „ich habe bei LCL angerufen, die wissen Bescheid, dass Du ein bisschen später kommst. Und lass Dir ja nicht einfallen das als Ausrede zu benutzen, um heute Abend nicht auf den Geburtstag meines Vaters kommen zu müssen. Es ist wichtig, dass Du auch mal ein bisschen abschaltest und etwas anderes siehst, als LCL“ erwiderte sie und streichelte der anderen über den Rücken „ich habe jetzt lange genug darauf gewartet, dass Du es selbst einsiehst, aber irgendwann ist auch mal Schluss.“ Rebecca seufzte, diese Diskussion führten sie nicht zum ersten Mal und sie wusste auch, dass ihre Frau es nur gut meinte, aber sie fühlte sich auch unverstanden und konnte einfach nicht aus ihrer Haut „und ich habe Dir schon so oft erklärt, warum das im Moment nicht anders geht. Aber Du kannst oder willst es einfach nicht verstehen und machst mir obendrein noch ein schlechtes Gewissen. Das hilft mir nicht, Marlene, das stresst mich nur noch mehr.“ Die Blonde wirkte gekränkt „so, ich stresse Dich also, na danke. Es muss wirklich schlimm sein mit jemandem zusammen zu sein, der sich Sorgen um einen macht und dem es nicht egal ist, wenn der andere sich übernimmt. Du hast es echt schwer mit mir, entschuldige bitte, dass ich versuche an Deinem Leben teil zu haben“ sagte sie und stand auf. Die junge Gräfin erhob sich ebenfalls und hielt ihre Frau am Arm fest „geh bitte nicht, es tut mir leid...Du weißt doch, dass ich das so nicht meine“ erklärte sie und blickte der anderen entschuldigend in die Augen. Marlene seufzte „tu ich das? Alles was ich weiß ist, dass Du Dich immer mehr zurückziehst. Wenn Du es nicht so meinst, dann sag es auch nicht und gib mir nicht das Gefühl, dass ich eine Last bin“ sagte sie traurig. Rebeccas schlechtes Gewissen meldete sich mit voller Wucht zurück „wie kannst Du denn so was denken, Du bist doch keine Last für mich“ erwiderte sie bedrückt und nahm Marlene in den Arm „ich weiß doch, dass ich ohne Dich verloren wäre.“ Sie lächelte zaghaft, zog das Gesicht der anderen zu sich und küsste sie zärtlich. Marlene erwiderte den Kuss und intensivierte ihn sehnsüchtig, doch sie spürte, dass etwas nicht stimmte „was ist los?“ fragte sie und sah in das zerknirschte Gesicht der Brünetten „ich habe extreme Kopfschmerzen, das hört einfach nicht auf zu hämmern“ antwortete sie und massierte sich erneut die Schläfen. Marlene nahm ihre Hände „dagegen hilft ein ordentliches Frühstück und eine Aspirin“ stellte sie fest und bevor Rebecca protestieren konnte, fügte sie streng hinzu „und ich will keine Widerrede hören, Frau von Lahnstein.“ Die Gräfin gab sich geschlagen und folgte ihrer Frau in die Küche, wobei sie nochmals einen Blick auf die Uhr warf und sich fragte, wie sie die verlorene Zeit aufholen sollte, ohne dabei erneut in Ungnade zu fallen.

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Teil 215:

Helena empfing fröhlich ihre Freundin, als diese sie am Vormittag auf Königsbrunn aufsuchte „hey, da seid Ihr ja schon“ sagte sie und schloss Marie herzlich in die Arme. Danach schaute sie in den Kinderwagen und begrüßte Jonas und Sophie „na Ihr beiden hübschen, heute machen wir uns einen schönen Tag hier auf dem Schloss“ flüsterte sie und streichelte ihnen abwechselnd über die Wange „hach, ich könnte sie den ganzen Tag lang ansehen, sie sind einfach goldig..****er Papa wäre vor Stolz geplatzt.“ Marie stellte sich neben die Gräfin und legte ihr eine Hand auf die Schulter „mir geht es genauso. Manchmal kann ich es immer noch nicht fassen und obwohl sie gerade mal ein paar Wochen auf der Welt sind, kann ich mir ein Leben ohne die beiden gar nicht mehr vorstellen“ erklärte sie lächelnd. Helena nickte und sah die blonde Frau neugierig an „das gilt nicht zufällig auch für einen gewissen Grafen“ bemerkte sie amüsiert „was gibt es denn da zu grinsen? Ja, Dein Bruder ist toll. Er unterstützt mich wo er kann, kümmert sich rührend um Jonas und Sophie und er ist ein echter Gentleman. Sebastian ist...einfach unglaublich“ schloss sie ihre kleine Lobeshymne ab. Die Brünette lachte „so so...und, was sagt die Frauenärztin? Hast Du grünes Licht?“ fragte sie direkt und zwinkerte der anderen zu, die sofort etwas errötete „ähm, naja, schon...also sie hat gesagt, dass alles gut verheilt ist und dass nichts dagegen spricht, wenn ich mich dabei gut fühle“ stammelte sie verlegen. Helena wurde wieder ein wenig ernster „das klingt doch gut. Marlene und Rebecca sind heute Abend bei den Wolfs, die Knirpse sind hier in guten Händen und Sebastian und Du habt demnach sturmfreie Bude. Wenn das keine guten Voraussetzungen sind“ sagte sie, doch Marie wirkte irgendwie unsicher „was ist denn? Begeisterung sieht irgendwie anders aus. Oder willst Du es gar nicht? Macht mein Bruder Dir etwa Druck? In dem Fall kann er was erleben.“ Die Blonde schüttelte den Kopf „im Gegenteil, Sebastian ist die Geduld in Person...es ist nur...oh Gott, das klingt jetzt bestimmt total bekloppt, aber ich bin fürchterlich aufgeregt. Dabei ist es ja nun nicht so, als hätte ich noch nie Sex gehabt...Himmel, ich weiß auch nicht, was mit mir los ist“ erwiderte sie leicht zerknirscht. Helena musste erneut lächeln, sie entdeckte immer wieder neue Seiten an ihrer Freundin, die sie nicht unbedingt erwartet hätte, die sie aber als sehr liebenswert empfand. Sie streichelte ihr am Arm entlang „ich glaube, diesen Zustand bezeichnet man als verliebt sein. Dich hat es einfach voll erwischt, da ist es doch ganz normal, dass Du etwas nervös bist. Mein Bruder ist verrückt nach Dir, das weiß ich, also mach Dir keine Gedanken, es wird bestimmt sehr schön werden“ beruhigte sie die andere. Marie sah sie dankbar an „oh man, ich bin echt ein bisschen aus der Übung, wenn es um die Liebe geht. Dabei hatte ich ihr eigentlich für alle Zeiten abgeschworen“ bemerkte sie „das kenne ich, habe ich auch schon mehr als einmal getan. Wie Du siehst, bin ich ebenfalls gescheitert“ scherzte Helena und umarmte die Freundin zum Abschied „zum Glück, Dein Lukas ist ein feiner Kerl“ entgegnete Marie und ging dann zu ihren Kindern. Sie nahm Sophie auf den Arm „es ist das erste Mal, dass ich sie abgebe...und es ist schwerer, als ich gedacht habe“ gab sie zu. Die Gräfin holte den kleinen Jonas aus dem Kinderwagen und grinste „tja, Marie, sieht so aus, als wärst Du eine echte Glucke“ foppte sie die andere, die daraufhin die Augen verdrehte „was ist nur aus mir geworden“ antwortete sie lachend und gab ihrer Tochter einen Kuss auf die kleine Nase.

Rebecca hatte nach einigen Anlaufschwierigkeiten wieder halbwegs zurück zu ihrer Form gefunden, die Kopfschmerzen waren fast weg und ein paar Tassen Kaffee hatten ihr übriges getan. Sie war gerade am Telefonieren, als eine Mitarbeiterin aus der Designabteilung ihr Büro betrat, die sehr aufgeregt wirkte. Rebecca gab ihr ein Handzeichen, dass sie sofort für sie da sein würde und beendete kurze darauf das Telefonat „hey Sabine, was gibt es?“ fragte sie. Die Gefragte schien nach den richtigen Worten zu suchen „es ist wegen Juri...also Herrn Adam. Er ist...ich weiß nicht, wie ich es sagen soll...er ist sehr komisch“ erklärte sie aufgewühlt. Die junge Gräfin zog die Stirn in Falten „das ist ja nichts Neues“ versuchte sie zu scherzen, wurde dann aber wieder ernst „was genau meinst Du denn mit komisch? Hat er sich Dir gegenüber schlecht verhalten?“ Sabine schüttelte den Kopf „nein, das nicht. Es ist eher so, dass er irgendwie apathisch wirkt...fast so, als wäre er weggetreten und dann redet er in einer Sprache, die hier keiner versteht. Das war gerade echt unheimlich. Er ist plötzlich aufgesprungen, hat alles von seinem Tisch gepfeffert und seitdem sitzt er einfach nur da und starrt vor sich hin.“ Rebecca schaute ihre Mitarbeiterin überrascht an und stand auf „okay, ich sehe mal nach ihm. Danke, dass Du Bescheid gegeben hast“ erwiderte sie und versuchte sich ihre eigene Aufregung nicht anmerken zu lassen, als sie zum Arbeitsplatz des Chefdesigners ging. Juri saß noch immer an seinem Tisch, hatte die Ellenbogen darauf abgestützt und die Hände in seinen Haaren vergraben. Um ihn herum herrschte das Chaos und die Gräfin musste sich zwingen, ihn nicht einfach anzuschreien. Sie blieb direkt vor ihm stehen und versuchte Augenkontakt herzustellen, aber er starrte tatsächlich stur vor sich hin „Juri? Was ist los mit Dir? Geht es Dir nicht gut?“ fragte sie vorsichtig und als er nicht reagierte, berührte sie ihn vorsichtig an der Schulter. Als er auch nach mehrmaligem Nachfragen nicht antwortete, packte sie ihn an den Schultern und versuchte ihn aus seiner Starre zu rütteln, was auch funktionierte, denn er sprang abrupt auf „fass mich nicht an!“ schrie er aggressiv und packte sie grob am Handgelenk. Rebecca war so erschrocken, dass sie kaum ein Wort heraus brachte „was ist denn in Dich gefahren? Lass mich gefälligst los, Du tust mir weh“ sagte sie aufgebracht und blickte in seine Augen, die noch dunkler wirkten als sonst. Ihr lief ein unangenehmer Schauer über den Rücken, doch dann ließ er von ihr ab und schien plötzlich selbst erschrocken zu sein „Scheiße“ sagte er nur und lief dann an ihr vorbei zum Ausgang. Rebecca umfasste ihr Handgelenk und war einen Moment lang einfach nur perplex. Als sie merkte, dass einige Mitarbeiter sie unsicher ansahen, fing sie sich wieder „so, die Show ist vorbei und der Stargast geht sich jetzt abkühlen“ witzelte sie, um sie Situation etwas zu entschärfen „und jetzt bitte alle wieder an die Arbeit.“ Danach zog sie sich in ihr Büro zurück und schloss die Tür. Es hatte etwas undefinierbares in Juris Blick gelegen, das sie nicht richtig deuten konnte. Sie glaubte nicht nur Wut, sondern auch Angst und sogar den Anflug von Panik darin erkannt zu haben. Doch ganz egal, was es war, es bedeutete nichts gutes und Rebecca fragte sich, wie sie nun damit umgehen sollte.

Als Sebastian die Wohnung betrat und vor seiner Freundin stand, fiel ihm beinahe die Kinnlade runter. Marie sah umwerfend aus, sie trug ein schickes, dunkelblaues Kleid, welches ihre weiblichen Rundungen auf sehr schöne Art betonte. Ihr blondes Haar war nicht nur etwas stufiger geschnitten, sondern auch frischt gefärbt und hatte einen leicht orangenen Schimmer. Ihre Augen waren dezent geschminkt, die Farbe des Lidschattens passte wunderbar zu ihren grünen Augen, die jetzt direkt in seine blickten und dabei wundervoll glänzten. Der Graf war fasziniert von ihrem Anblick, sie schien nach der Schwangerschaft noch schöner geworden zu sein, es war fast so, als würde sie von innen heraus strahlen. Marie hatte in den letzten Wochen bereits einige übrig gebliebene Pfunde abgenommen, sie war sehr eisern und extrem pingelig, wenn es um ihre Figur ging und war nach eigener Aussage noch nicht bei ihrem Idealgewicht angekommen. Sebastian störten die paar Kilo, die sie mehr hatte nicht im Geringsten, er fand sie sogar sehr sexy „Du siehst wunderschön aus“ sagte er und zog sie an sich „hast Du Dich etwa extra für mich so in Schale geworfen?“ Die Blonde lächelte und spielte mit seiner Krawatte „das könnte durchaus sein, aber denk bloß nicht, dass ich das jetzt immer mache“ neckte sie ihn und gab ihm einen innigen Kuss. Ihr süßer Duft stiegt Sebastian in die Nase und die Wärme, die von ihrem Körper ausging, machte ihn zunehmend unruhiger „ich glaube, ich brauche eine Abkühlung...Du machst mich ganz schön...nervös“ gab er zu und grinste schelmisch. Marie lachte und nahm seine Hand „das war der Plan, aber jetzt wird erst mal gegessen. Du musst doch einen Bärenhunger haben“ vermutete sie und zog ihn mit zum Tisch. Der Graf konnte nicht umhin zu denken, dass er in der Tat einen großen Hunger verspürte, jedoch bezog dieser sich weniger auf das Essen, sondern viel mehr auf seine hinreißende Freundin.

Bei den Wolfs waren inzwischen fast alle eingetroffen und saßen an dem großen, festlich eingedecktem Tisch. Neben Kim und Emilio, waren auch Dana und Ricardo anwesend, was Thomas sehr freute, denn er hatte mitbekommen, dass es zuletzt Spannungen zwischen seiner zweitältesten Tochter und ihrem Freund gegeben hatte. Als sein Blick zu seiner ältesten Tochter wanderte, hatte er allerdings das Gefühl, dass seine Schwiegertochter demnächst Probleme bekommen würde, denn Marlenes Blick verfinsterte sich etwas, als sie eine SMS las, die gerade eingegangen war. Thomas stellte sich hinter sie und legte seine Hände auf ihre Schultern „ist alles okay?“ flüsterte er „Rebecca verspätet sich“ entgegnete sie knapp. Er setzte sich neben seine Tochter „das ist doch nicht so schlimm, dann warten wir halt noch ein bisschen mit dem Essen“ schlug er vor, doch sie schüttelte den Kopf „nein, das ist nicht nötig. Sie weiß ja nicht mal, wann genau sie hier sein wird. Es reicht schon, dass sie mich ständig warten lässt, da braucht Ihr nicht auch noch Rücksicht darauf zu nehmen.“ Ihr Ton war sehr angespannt und Thomas kannte seine Älteste gut genug, um zu wissen, dass es besser war nicht weiter auf sie einzureden „wie Du meinst, aber sie kommt bestimmt gleich. Die Kleine hat halt viel um die Ohren in letzter Zeit“ sagte er beschwichtigend, woraufhin Marlene die Augen verdrehte. Es war typisch für ihren Vater Rebecca in Schutz zu nehmen, das tat er immer und manchmal nervte sie das. Victoria gesellte sich zu den beiden „was tuschelt Ihr denn hier? Gibt es ein Problem mit Rebecca?“ erkundigte sie sich „nein, sie kommt nur später. Aber wir brauchen nicht warten“ erwiderte die Blonde. Ihre Mutter nickte „ich kann ihr ja später noch mal was warm machen“ erklärte sie und ging zusammen mit Thomas in die Küche, um das Essen aufzutragen. Dana schaute ihre Schwester fragend an, doch bevor sie etwas sagen konnte, hob Marlene die Hand „keine weiteren Fragen bitte, ich will jetzt nicht darüber reden“ verkündete sie genervt und stand auf, um ins Badezimmer zu gehen.

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BeitragVerfasst: 11.09.2015, 19:00 
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Teil 216:

Rebecca überlegte gerade, ob sie Marlene lieber noch einmal anrufen sollte, um ihr die Situation zu erklären, da kam Juri endlich aus der Toilette. Nach seinem Ausbruch war er abgehauen und erst vor einer halben Stunde zurück gekehrt. Allerdings schien sein Zustand jetzt noch schlimmer zu sein, denn er verhielt sich mehr als merkwürdig. Er war laut singend in die Firma gekommen, hatte dann angefangen übertrieben durch die Gegend zu tanzen und war ihr anschließend um den Hals gefallen „nicht mehr böse sein, Rebecca, ich hab´s nicht so gemeint“ hatte er gemurmelt und war dann auf die Toilette verschwunden. Die junge Gräfin beschlich ein merkwürdiges Gefühl, seine glasigen Augen, der starre Blick und die taumeligen Bewegungen, das alles erinnerte sie an etwas, das sie schon einmal erlebt hatte. Juri stand inzwischen wieder vor ihr „was ist? Wieso guckst Du denn so komisch?“ fragte er und lachte „lass uns doch ein bisschen tanzen gehen, ich habe Lust zu tanzen“ erklärte er aufgekratzt und wollte sie mit sich ziehen, doch die entzog sich seinem Griff „lass das, wir gehen nirgendwo hin. Du bist doch total zugedröhnt!“ Er sah sie überrascht an, doch dann grinste er wieder „ach was, ich bin doch nicht zu..zugedröhnt, ich bin einfach nur gut drauf. Also komm, lass uns Spaß haben“ rief er. Rebecca schüttelte den Kopf „Spaß? Wegen Dir werde ich heute wieder mal keinen Spaß haben, weil ich nämlich zu spät zu einem Geburtstag komme. Du sagst mir jetzt sofort, was Du genommen hast, andernfalls kannst Du Deine Sachen packen und verschwinden“ schimpfte sie und sah ihn wütend an. Wieder fing er an zu lachen „ich mag es, wenn Du sauer bist, das ist irgendwie...süß“ bemerkte er und strich ihr mit dem Finger das Haar zur Seite. Die Brünette gab es auf „weißt Du was, mach doch, was Du willst. Ich gehe jetzt, aber wenn ich noch einmal erlebe, dass Du zugedröhnt zur Arbeit kommst, dann kriegen wir beide mächtig Ärger. Und jetzt mach, dass Du raus kommst, wir unterhalten uns morgen“ bestimmte sie und wunderte sich, dass er tatsächlich ging. Er lief zu seinem Tisch, schmiss bei der Gelegenheit noch mal einiges durcheinander und stolperte dann zum Ausgang.

Marie und Sebastian genossen derweil ihren ersten Abend für sich ganz alleine und hatten inzwischen das Essen beendet. Sie saßen bei einem Glas Rotwein auf dem Sofa und der Graf spürte schon länger, dass seine Freundin etwas unruhig war „was ist mit Dir? Du machst Dir doch wegen irgendetwas Gedanken“ stellte er fest und sah ihr forschend in die Augen. Marie seufzte, man konnte diesem Mann einfach nichts vormachen „Du hast mich erwischt...ich habe gerade an Jonas und Sophie gedacht. Ich weiß, dass es ihnen bei Deiner Familie gut geht, aber...irgendwie, ach ich weiß auch nicht“ erwiderte sie unschlüssig. „Aber Du vermisst sie und kannst nicht aufhören Dich zu fragen, wie es ihnen geht“ vollendete er ihren Satz und traf damit genau ins Schwarze, was sie mit einem erneuten Seufzen quittierte „hast Du eine Direktschaltung in mein Gehirn, oder weißt Du so gut über meine Gedankengänge Bescheid, weil Du Anwalt bist?“ Er lächelte, nahm ihr das Glas ab und stellte es zusammen mit seinem auf den Tisch „ich weiß das, weil ich Vater bin und es ganz normal ist, dass man sich in den ersten Wochen und Monaten nur schwer von seinen Kindern trennen kann“ erklärte er und rückte näher an sie heran „und was das andere angeht...ich habe zwar keine Direktschaltung in Dein Gehirn, aber dafür habe ich eine, die dort hinführt“ sagte er leise und legte seine Hand über ihre linke Brust, wo ihr Herz schlug. Maries Pulsschlag beschleunigte sich, ihr ganzer Körper schien wie elektrisiert und in diesem Moment wurde ihr klar, dass er tatsächlich der einzige Mann war, bei dem sie genau dieses Gefühl hatte. Sebastian konnte in ihr Herz sehen, jedenfalls schien es so und obwohl dieser Gedanke ihr Angst einjagte, fühlte es sich gleichzeitig unglaublich gut an „und ich hatte dabei nicht mal ein Mitspracherecht“ sagte sie, nahm seine Hand und führte sie zu ihrem Mund, um sie zu küssen. Ein schönes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus „das ist auch gut so. Manchmal ist es besser, einfach sein Herz sprechen zu lassen“ entgegnete er und beugte sich zu ihr. Sie versanken in einem leidenschaftlichen Kuss, der nicht enden wollte und Sebastian spürte, dass er diesmal nicht die Beherrschung besitzen würde, ihr zu widerstehen. Marie unterbrach den Kuss und sah ihn mit glänzenden Augen an „die Frauenärztin hat übrigens grünes Licht gegeben, Du musst Dich also nicht länger anständig benehmen“ flüsterte sie und lächelte dabei verführerisch. Der Graf konnte sein Glück kaum fassen „aber ich will es nur, wenn Du Dich wirklich bereit dafür fühlst, unabhängig von dem, was die Ärztin meint“ sagte er dennoch, weil er auf keinen Fall wollte, dass ihre erste gemeinsame Nacht mit irgendwelchen unangenehmen Empfindungen für sie verbunden war. Marie antwortete, indem sie ihn wieder zu sich zog „genug geredet, küss mich lieber“ erwiderte sie und lachte vergnügt, als er sie plötzlich auf die Arme nahm und ins Schlafzimmer trug.

Als Thomas die Tür öffnete und seine Schwiegertochter erblickte, wurde ihm schlagartig wieder bewusst, warum er die Kleine so mochte. Rebecca stand in ihrem Motorrad Outfit vor ihm, die Harre leicht zerzaust, hielt ein Sechserpack seines Lieblingsbieres in der Hand und schaute ihn mit einem Blick an, der einfach unbezahlbar war „tut mir leid, dass ich zu spät bin...alles Liebe zum Geburtstag“ sagte sie „ich dachte, wir trinken uns gleich mal ein Bier, ich könnte jedenfalls gut eins gebrauchen.“ Thomas lachte und zog die Brünette in seine Arme „danke Schwiegertochter, das ist eine sehr gute Idee. Du weißt eben, was gut ist“ erwiderte er fröhlich und nahm ihr den Helm und das Bier ab „dann komm mal rein in die gute Stube.“ Rebecca ging lächelnd an ihm vorbei und begrüßte zunächst Victoria, bevor sie zu den anderen ging, die sich inzwischen auf dem Sofa niedergelassen hatten „hallo zusammen“ sagte sie in die Runde. Die Anwesenden freuten sich über ihre Ankunft und begrüßten sie herzlich, nur Marlene blieb zurückhaltend. Die junge Gräfin gab ihr einen Kuss auf die Wange „hey Schatz. Ich weiß, dass Du wahrscheinlich sauer auf mich bist, aber es gab einen guten Grund für meine Verspätung...“ flüsterte sie und setzte sich neben sie „da bin ich mir sicher, den gibt es ja immer“ entgegnete die andere hörbar angefressen. Rebecca sah sie flehend an „bitte Marlene, ich kann es Dir wirklich erklären“ setzte sie an, doch ihre Frau schüttelte den Kopf „nicht jetzt und nicht hier. Heute geht es ausnahmsweise mal nicht um Dich und LCL, sondern um meinen Vater“ sagte sie und fragte dann etwas milder „hast Du schon was gegessen?“, was die andere verneinte. „Ich mache Dir etwas warm, komm doch zu mir in die Küche“ sagte Victoria sofort. Thomas griff nach Rebeccas Arm und begleitete sie in die Küche „und ich mach uns gleich mal ein Bierchen auf“ verkündete er gut gelaunt, während die Gräfin noch einen letzten Blick zu ihrer Frau warf, die bereits wieder in ein Gespräch mit den anderen vertieft war.

Sebastian blickte der Frau, die unter ihm lag, tief in die Augen und hatte das Gefühl, dass sie in diesem Moment nicht nur körperlich vereint, sondern auch seelisch miteinander verbunden waren. Es war ein wunderschönes Gefühl und der Graf merkte, dass er diese Innigkeit vermisst hatte, die man nur mit einem Menschen erleben konnte, der sich ganz fallen ließ, ohne Angst und ohne Rückversicherung. Marie zog ihn wieder zu sich herunter, wo ihre Lippen sich trafen und ein leidenschaftlicher Kuss entfachte, während Sebastian sich weiter in einem langsam ansteigenden Rhythmus bewegte. Marie umschlang den Körper ihres Freundes mit den Beinen, um ihm noch näher zu sein und während sie sich weiter liebten, kamen beide dem erlösenden Ziel immer näher und erreichten schließlich zusammen den Gipfel der Lust. Sebastian ließ sich neben der Blonden nieder, während seine Atmung sich langsam beruhigte und nahm sie in die Arme. Marie legte den Kopf an seine Brust und streichelte mit der rechten Hand zärtlich über selbige „das war wunderschön“ flüsterte sie glücklich. Der junge Graf lächelte und zog sie zu sich hoch, um ihr in die Augen zu sehen „Du bist wunderschön“ sagte er und gab ihr einen Kuss „ich liebe Dich, Marie. Du bist das Beste, was mir passieren konnte. Mit Dir fühlt sich einfach alles richtig an...ich war lange nicht so glücklich.“ Die Augen der blonden Frau wurden leicht wässerig, sie selbst empfand es genauso, nur mit dem Unterschied, dass sie noch niemals so glücklich gewesen war, wie in den letzten Wochen. Sophie und Jonas waren mit Abstand das Beste was sie je zustande gebracht hatte und Sebastian war der erste Mann seit Jahren, der es geschafft hatte, ihr Herz zu berühren und ihr Vertrauen zu gewinnen. Sie hatte beides nicht mehr für möglich gehalten, doch jetzt, wo sie wieder wusste, wie gut es sich anfühlte, wollte sie es nie wieder missen „ich hätte nie gedacht, dass mein Leben einmal so vollkommen sein würde. Mir ging es noch nie besser, Sebastian, und das verdanke ich vor allem Dir. Ich liebe Dich“ erklärte sie berührt und kuschelte sich wieder in seine Arme.

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BeitragVerfasst: 11.09.2015, 19:00 
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Teil 217:

Fern ab von Düsseldorf, in einem luxuriösen Hotel, das keine Wünsche offen ließ, stand eine Frau in ihrem seidenen Morgenmantel am Fenster und blickte hinaus aufs Meer. Die Nacht war bereits herein gebrochen und tauchte alles in eine tiefe Finsternis, nur ein paar vereinzelte Sterne erleuchteten den Himmel, der keinen Anfang und kein Ende zu haben schien. Tanja atmete tief durch, sie fühlte sich stark und ausgeruht. Die letzten Wochen waren nicht leicht gewesen, hatten an ihr gezerrt und sie durch ein Wechselbad der Gefühle gejagt, wie sie es noch nie zuvor erlebt hatte. Es war ein harter Kampf gewesen, der in ihrem inneren stattgefunden und der sie am Ende fast in die Knie gezwungen hatte. Aber Tanja hatte rechtzeitig die Notbremse gezogen, sie hatte aufgehört gegen das anzukämpfen was sie war, und stattdessen angefangen wieder zu ihrer alten Stärke zurück zu finden. Sie hatte ihren Ballast abgeworfen, die verletzten Gefühle erstickt und die Erinnerungen an Sebastian tief in ihrem Herzen vergraben. Es war vorbei, unwiderruflich und endgültig. Die Liebe, an die sie einst geglaubt hatte, war beinahe zu ihrem Verhängnis geworden und hatte sie schwach werden lassen. Schwach und verletzlich. Erst nachdem sie aufgehört hatte ihr nachzutrauern, war es bergauf gegangen, das Atmen fiel ihr wieder leichter und sie spürte eine unglaubliche Energie, die ihr das Gefühl vermittelte, dass sie alles schaffen konnte. Tanja hörte leise Geräusche hinter sich und kurze Zeit später spürte sie zwei starke Arme, die sich von hinten um sie legten. Der junge Mann, der ihr in den letzten Stunden sehr viel Freude bereitet hatte, schien noch immer nicht genug zu haben, doch Tanja wurde er langsam zu anhänglich. Sie drehte sich zu ihm um „es wird Zeit, dass Du gehst“ sagte sie und holte ein paar Geldscheine aus ihrer Handtasche „es war wirklich nett mit Dir, aber zum Kuscheln musst Du Dir jemand anderen suchen.“ Der südländische Mann sah sie verdutzt an und starrte auf die Geldscheine, sein Deutsch war nicht sehr gut, aber es reichte aus um zu verstehen, dass er gerade eiskalt abserviert wurde. „Ich will kein Geld“ erwiderte er gekränkt und zog sich schnell seine Sachen an, bevor er ohne ein weiteres Wort das Hotelzimmer verließ. Tanja zuckte mit den Schultern und steckte die Scheine wieder weg „umso besser“ bemerkte sie und schenkte sich noch ein Glas Champagner ein. Danach setzte sie sich aufs Bett, öffnete die Schublade des Nachtschränkchens und holte ein Bild ihrer Tochter Emma hervor. Sie betrachtete es eine ganze Weile, während sie mit dem Finger sanft darüber strich „bald ist die Mama wieder zuhause“ flüsterte sie lächelnd „und dann wird abgerechnet.“ Sie stellte das Foto an die kleine Lampe auf dem Tisch und nahm ihr Handy zur Hand. Eine Nachricht war eingegangen „habe ersten Kontakt aufgenommen. Nächster Schritt folgt in Kürze“ stand dort geschrieben. Tanjas Lippen formten sich zu einem leichten Lächeln, der erste Schritt war getan und weitere würden folgen. Sie war wieder im Spiel.

Die beiden Frauen waren auf dem Rückweg nach Hause, sie saßen im Wagen von Marlene und hatten das Motorrad stehen gelassen, da Rebecca und Thomas ein paar Bierchen mehr getrunken hatten. Die Brünette drehte den Kopf zur Seite und betrachtete ihre Frau, die noch kein Wort gesprochen hatte, seit sie die Wohnung der Wolfs verlassen hatten „was hältst Du eigentlich von der Sache mit Lara? Also ich finde es echt toll, dass Dana und Ricardo sich so um sie kümmern. Hoffentlich wird sie wieder ganz gesund“ sagte sie und versuchte damit das Thema von sich selbst abzulenken, weil sie wusste, dass Marlene es ihr noch immer übel nahm, dass sie zu spät gekommen war. Die Blonde nickte „und ich hoffe, dass die beiden wissen was sie tun. Sie haben bereits eine ziemlich starke Bindung zu der Kleinen aufgebaut. Aber irgendwann muss Lara wieder zurück ins Heim und dann haben die drei vielleicht ein Problem“ erwiderte sie angespannt. Die junge Gräfin musste zugeben, dass ihre Frau nicht ganz Unrecht hatte, auch wenn sich solche Gefühle nur schwer steuern ließen „ich glaube, Juri nimmt Drogen“ sagte Rebecca plötzlich und merkte, dass Marlene sie kurz anschaute, bevor sie sich wieder auf den Verkehr konzentrierte „wie kommst Du darauf?“ Die Brünette überlegte einen Moment und erzählte ihr dann von den Geschehnissen „er war total überdreht, ganz anders als sonst und dann noch seine Augen...ich bin mir sicher, dass er was eingeworfen hat“ bemerkte sie und sah dann wieder zu der anderen „ich musste wenigstens kurz mit ihm reden, auch wenn es nicht viel gebracht hat. Nur deshalb bin ich zu spät gekommen.“ Marlene fuhr in die nächste Seitenstraße und seufzte „Du findest doch immer einen Grund, der mich daran hindern soll, wütend auf Dich zu sein“ entgegnete sie und parkte den Wagen vor dem Haus, in dem sie wohnten. Die beiden stiegen aus und gingen in ihre Wohnung „und Du findest immer einen Grund, um trotzdem wütend auf mich zu sein, dabei mache ich das doch wirklich nicht mit Absicht. Außerdem war ich ja noch da und Dein Vater war schließlich auch nicht sauer auf mich“ verteidigte Rebecca sich und legte ihre Sachen ab. Marlene sah sie verständnislos an „er ist auch nicht mit Dir verheiratet“ erwiderte sie und rieb sich dann mit den Händen durchs Gesicht „und ich habe langsam keine Lust mehr, immer die meckernde Ehefrau zu geben, Rebecca. Oder meinst Du vielleicht, mir macht das Spaß? Ich komme mir inzwischen selbst schon blöd vor und frage mich, ob ich die einzige bin, der noch etwas daran liegt, dass unsere Beziehung nicht in Vergessenheit gerät. Dich scheint das alles ja nicht wirklich zu stören, ich höre immer nur, dass das halt so ist im Moment und damit basta. Wie lange soll das denn noch anhalten? Wie lange sollen wir noch nebeneinander her leben? Es tut mir leid, Rebecca, aber das ist nicht das, was ich mir wünsche und ich dachte eigentlich, dass wir beide uns da einig sind. Aber offenbar haben sich Deine Prioritäten geändert“ stellte sie fest und ließ sich frustriert aufs Sofa sinken. Die junge Gräfin spürte einmal mehr einen Kloß im Hals und fragte sich, ob sie tatsächlich dabei war, die Arbeit in ihrem Leben, der Liebe zu Marlene vorzuziehen. Sie erinnerte sich daran, dass sie genau das niemals tun wollte und hatte in ihrer Familie allzu oft genau dieses Verhalten und Denken kritisiert. Sie ging zum Sofa und setzte sich neben ihre Frau, die auf einmal sehr traurig wirkte „natürlich ist mir die Arbeit sehr wichtig, es geht um unser Familienunternehmen und ich kann jetzt zum ersten Mal beweisen, dass ich mehr kann, als nur ein bisschen designen. Bislang hatte ich immer das Gefühl, dass meine Familie mich nie richtig Ernst nimmt, wenn es um geschäftliche Dinge geht. Ich war schon immer das Nesthäkchen, das viel zu verträumt und sensibel war, um wirklich mitreden zu können. Früher war das bestimmt auch so, aber inzwischen bin ich nicht mehr die kleine Becci, die sich nichts zutraut und ich möchte einfach, dass meine Familie das sieht...und Du sollst das auch sehen“ erklärte sie und griff nach Marlenes Hand „trotzdem bist Du das Wichtigste für mich und daran wird sich auch niemals etwas ändern.“ Die Blonde sah in die warmen Augen der anderen, die wohl niemals ihre magische Wirkung auf sie verlieren würden „Du sagst es mir, Rebecca, aber das reicht einfach nicht, ich möchte es auch wieder spüren. Früher hatten wir auch wenig Zeit füreinander, aber wir haben es trotzdem geschafft uns dabei nicht zu vergessen, weil wir uns beide bemüht haben. Ich weiß, dass Du das Gefühl hast Dich beweisen zu müssen, aber mir musst Du überhaupt nichts beweisen. Ich weiß, was Du kannst, und selbst wenn Du nicht erfolgreich wärst, würde das für mich nichts ändern. Und für Deine Familie gilt übrigens das Gleiche, auch wenn sie es nicht immer zeigen können, da bin ich mir sicher. Du musst endlich aufhören Dich selbst so unter Druck zu setzen, sonst gehst Du irgendwann daran kaputt…Ich will doch nur verhindern, dass das passiert und dass wir beide uns am Ende verlieren. Und alles, was ich mir von Dir wünsche ist, dass Du mir ein bisschen dabei hilfst“ sagte sie und sah die Brünette hoffnungsvoll an. Es ging ihr nicht darum Druck auszuüben, sie wollte einfach nur, dass Rebecca verstand, wie wichtig ihr das gemeinsame Glück war. Die Gräfin ließ die Worte auf sich wirken und nickte dann leicht „das will ich doch auch, Marlene. Alleine die Vorstellung Dich zu verlieren, jagt mir eine riesige Angst ein. Ohne Dich bin ich doch gar nicht vollständig...“ erwiderte sie und gab der anderen einen sanften Kuss. Marlene fühlte sich zwar etwas besser nach dem Gespräch, blieb aber trotzdem skeptisch, nachdem sie in letzter Zeit des Öfteren Rückschläge erfahren hatte „ich werde Dich daran erinnern, wenn Du es wieder vergessen solltest“ entgegnete sie und zog Rebecca zu sich. Nach einer Weile lösten sie sich von einander „lass uns schlafen gehen, es war ein langer Tag“ schlug die Blonde vor und stand auf. Rebecca tat es ihr gleich, auch sie war müde und sehnte sich einfach nur nach etwas Ruhe.

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Teil 218:

Als Marie am nächsten Morgen aus der Dusche kam, unter der Sebastian noch immer stand, während er ein Lied nach dem anderen vor sich her trällerte, bekam sie das Grinsen kaum noch aus dem Gesicht. Sie wickelte sich in ein großes Handtuch und ging in ihr Zimmer, um sich in Ruhe anzuziehen. Währenddessen schweiften ihre Gedanken immer wieder ab, sie dachte zurück an die letzte Nacht und den heutigen Morgen, als Sebastian und sie sich erneut leidenschaftlich geliebt hatten. Marie hatte gewusst, dass es schön werden würde, aber ihre Erwartungen waren um ein vielfaches übertroffen worden und sie hatte noch immer das Gefühl zu schweben. Sie kam sich vor wie eine sechzehnjährige, die zum ersten Mal in ihrem Leben verliebt war und das mit einer Intensität, die ihr fast ein wenig Angst einjagte. Sie hatte nur einmal etwas Vergleichbares erlebt, damals mit Kai, aber diese Gefühle hatten sich am Ende als einseitig erwiesen und Marie in die Schlimmste Krise ihres Lebens gestürzt. Mit Sebastian war das anders, das konnte sie nach den Erfahrungen, die sie inzwischen gemacht hatte, mit absoluter Gewissheit sagen. Seine Gefühle für sie waren echt, da gab es keine Hintergedanken oder bösen Absichten. Er liebte sie wirklich, trotz ihrer Vergangenheit und all der Fehler, die sie begangen hatte. Marie ließ sich wieder aufs Bett fallen, nachdem sie sich fertig angezogen hatte und griff nach Sebastians Kissen. Sie drückte es an sich und lächelte verträumt vor sich hin, als ihr einfiel, dass sie ja noch Helena anrufen wollte, um zu fragen, wie es mit den Zwillingen gelaufen war. Sie hatte gerade ihr Handy eingeschaltet, da bekam sie eine Nachricht von einem unbekannten Teilnehmer, was ihr sofort übel aufstieß. Mit ungutem Gefühl las sie die Nachricht und wurde bestätigt, als sie erkannte, dass die SMS von dem Mann kam, der sie neulich schon angerufen hatte. Ihr ehemaliger Kunde wollte an alte Zeiten anknüpfen und versuchte sie zu einem Treffen zu überreden. Marie schloss für einen kurzen Moment die Augen, sie hatte geahnt, dass er nicht einfach locker lassen würde, jetzt, da er herausgefunden hatte, wer sie in Wirklichkeit war. Sie konnte sich nicht erklären, wie er es geschafft hatte, an ihre Handynummer zu kommen. Sie hatte immer darauf geachtet, dass es keinerlei Verbindung zwischen Isabelle Maibach und ihrer wahren Persönlichkeit gab, selbst ihre Optik hatte sie immer verändert, wenn sie sich mit einem Kunden getroffen hatte. Sie wusste, dass es keinen Sinn machen würde, wenn sie ihm antwortete, er war ihrer Bitte sie in Ruhe zu lassen bislang nicht nachgekommen und würde es auch nach einer SMS nicht tun. Marie brauchte eine andere Lösung, sie musste ihn loswerden und dafür sorgen, dass er sie nicht mehr kontaktieren konnte. Sie fuhr ihren Laptop hoch und rief die Seite ihres Mobilfunkanbieters auf. Danach wählte sie die Nummer der Service Hotline.

Nachdem sie an diesem Freitagmorgen zusammen gefrühstückt hatten, waren Marlene und Rebecca bereits wieder auf dem Sprung „wirst Du am Samstag auch wieder arbeiten?“ wollte die Blonde wissen. Rebecca sah sie unsicher an „eigentlich müsste ich schon…wenigstens ein paar Stunden, sonst hinke ich wieder die ganze Woche hinterher“ erklärte sie und war schon darauf gefasst, dass es deswegen den nächsten Ärger geben würde. Die Reaktion ihrer Frau fiel jedoch anders aus, als erwartet „okay, das heißt also, dass ich den Nachmittag ohne Dich planen kann? Ich bin nämlich eingeladen worden und wollte erst absagen, weil ich das Wochenende lieber mit Dir verbringen wollte“ erklärte sie und steckte sich den Rest ihres Brötchens in den Mund. Die junge Gräfin war erleichtert, so brauchte sie wenigstens nicht die ganze Zeit über ein schlechtes Gewissen zu haben „ja klar, mach das ruhig. Und bis zu zurück bist, bin ich bestimmt fertig und der Abend gehört dann uns. Was genau hast Du denn vor?“ fragte sie und war von der Antwort mehr als überrascht „ich fahre nach Dortmund zum Spiel gegen Schalke. Jacky hat zwei Karten und wollte sich damit für die Musical Vorstellung revanchieren.“ Die gelöste Stimmung der Brünetten war mit einem Schlag dahin „Du willst Dir ein Fußballspiel ansehen? Und dann auch noch im Stadion? Seit wann hast Du denn dafür was übrig, das ist doch gar nicht Deine Welt“ sagte sie verwundert. Marlene zuckte mit den Schultern „stimmt, aber ich habe es auch noch nie ausprobiert und Jacky meint, dass es ein unvergessliches Erlebnis ist, wenn diese beiden Mannschaften aufeinander treffen. Die Stimmung in dem Stadion soll tatsächlich besonders sein, das habe ich sogar mal irgendwo gelesen und außerdem spricht doch nichts dagegen, mal etwas Neues auszuprobieren. Vielleicht gefällt es mir ja sogar“ erwiderte sie und trank noch einen Schluck Kaffee. Rebecca lag bereits eine bissige Bemerkung auf der Zunge, was das Ausprobieren neuer Dinge anging, doch sie biss sich auf die Zunge und versuchte sich ihren Unmut nicht anmerken zu lassen „na, wenn Jacky das sagt, dann muss es wohl stimmen. Ich nehme mal an, dass sie niemand anderen gefunden hat, der mit ihr geht, oder? Und die Karten hat sie sicher auch schon länger und nicht erst seit sie weiß, was für eine nette Chefin sie hat, richtig?“ Marlene stellte ihre Tasse wieder ab und sah ihre Frau erstaunt an „wow, was war das denn jetzt? Ich werde das Gefühl nicht los, dass Du Jacky nicht magst und dabei kennst Du sie doch überhaupt nicht. Wo ist bitte das Problem? Ich hätte ja den Samstag lieber mit Dir verbracht, aber wie Du mir gerade mitgeteilt hast, musst Du arbeiten und da solltest Du doch eigentlich froh sein, dass ich ein Alternativprogramm habe“ stellte sie fest. Die junge Gräfin hätte gerne gesagt, dass sie unter diesen Umständen lieber doch nicht arbeiten gehen wollte, doch diese Blöße konnte sie sich nicht geben „naja, es ist ja nicht so, dass ich nicht auch lieber etwas schönes mit meiner Frau unternehmen würde, aber es geht ja leider nicht immer nach dem, was man gerne möchte. Und ich habe auch nichts gegen Jacky, aber ich muss es deshalb ja nicht gleich gut finden, dass sie bald mehr Zeit mit Dir verbringt als ich, oder? Schließlich seht Ihr Euch schon täglich auf der Arbeit…Aber gut, wenn Du wirklich Lust darauf hast, dann fahr halt mit ihr zum Fußball. Ich glaube allerdings nicht, dass Dir das wirklich gefallen wird“ bemerkte sie betont lässig, obwohl es ihr mächtig gegen den Strich ging, aber sie wollte keinen erneuten Streit vom Zaun brechen. Ihre Frau konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen „wie gnädig von Dir, dass Du mir die Erlaubnis erteilst. Du bist wirklich zu süß, wenn Du eifersüchtig bist und es nicht zugeben willst“ zog sie ihr Gegenüber auf und schaute ihr prüfend in die Augen. Rebecca verdrehte selbige und stand auf „es war klar, dass das jetzt kommt. Nur weil ich es nicht so toll finde, dass Du Dich ständig mit dieser Jacky amüsierst, bin ich noch lange nicht eifersüchtig“ erwiderte sie genervt und ging zur Garderobe. Marlene räumte die Teller ab und war noch immer am Grinsen „natürlich nicht, wie komme ich bloß auf so eine absurde Idee. Eifersucht ist ja ein Fremdwort für meine Frau, das hatte ich vergessen“ bemerkte sie trocken und schüttelte den Kopf. Die junge Gräfin zog sich Jacke, sowie Schuhe an und ging noch einmal in die Küche „machst Du Dich gerade über mich lustig?“ fragte sie und stemmte die Hände in die Hüften, was die Blonde erst recht zum Lachen brachte „nein, das würde ich niemals tun. Ich bewundere nur Deine Kunst die Dinge so zu drehen, wie Du sie gerade brauchst.“ Rebecca war zunächst etwas pikiert, weil sie sich veralbert vorkam, musste dann aber doch lachen und zog Marlene zu sich „und das wundert Dich? Ich habe halt von der Besten gelernt...schließlich bin ich mit ihr verheiratet“ sagte sie und grinste frech. Die Blonde machte ein gespielt entrüstetes Gesicht „warum genau habe ich Dich noch mal geheiratet?“ fragte sie „oh, das hatte viele Gründe, um die alle aufzuzählen reicht nur leider meine Zeit nicht. Aber heute Abend könnte ich unter Umständen noch mal näher darauf eingehen, wenn Du möchtest“ säuselte Rebecca und gab ihr einen Kuss. Marlene beließ es dabei „also schön, Frau super-cool, dann geh jetzt mal arbeiten und später werden wir dann ja sehen, was hinter Deinen Worten steckt“ sagte sie und gab ihrer Frau einen Klaps auf den Po, die daraufhin lächelnd die Wohnung verließ. Marlene seufzte, es gab einfach zu wenig dieser unbeschwerten Momente, aber immerhin wusste sie jetzt, dass sie es noch schaffte ihre Frau eifersüchtig zu machen, auch wenn diese das nicht zugeben wollte.

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BeitragVerfasst: 11.09.2015, 19:03 
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Teil 219:

Juri saß an seinem Arbeitsplatz und versuchte sich an das zu erinnern, was gestern passiert war. Er hatte sich Rebecca gegenüber daneben benommen, das wusste er, aber was war danach noch passiert? Schon den ganzen Morgen zerbrach er sich den Kopf darüber und fragte sich, ob sie wohl etwas gemerkt hatte. Die Antwort darauf sollte schneller folgen als erwartet, denn im nächsten Moment stand die Geschäftsführerin von LCL vor ihm und sah ihn abwartend an „wie ich sehe, bist Du wieder ansprechbar. Dann kannst Du mir bestimmt auch erklären, was gestern mit Dir los war“ forderte sie ihn auf und verschränkte die Arme vor der Brust. Juri erwiderte ihren bohrenden Blick und schaltete auf Abwehrmechanismus „ich hatte einen schlechten Tag. Kommt nicht wieder vor“ entgegnete er und stand auf. Als er an ihr vorbei gehen wollte, hielt sie ihn am Arm fest „nimmst Du Drogen?“ fragte sie direkt und sah ihm dabei fest in die Augen „nein“ antwortete er gereizt und lief in die Küche. Rebecca folgte ihm „ich bin es leid, dass Du ständig abhaust. Du wirst jetzt gefälligst mit mir reden und mir sagen, was gestern mit Dir los war“ sagte sie leicht angesäuert, doch er ließ sie erneut auflaufen „das geht Dich nichts an. Du bist vielleicht meine Chefin, aber nicht meine Therapeutin.“ Die junge Gräfin schnaubte „wie schön, dass Du zumindest das wahrgenommen hast. Und gerade weil ich Deine Chefin bin, kann ich von Dir erwarten, dass Du Dich entsprechend benimmst. Das gestern könnte man durchaus als Angriff bewerten, wenn man wollte, oder gehört es etwa zu Deinen Umgangsformen anderen Leuten Angst einzujagen?“ wollte sie wissen und erkannte einen Anflug von Reue in seinem Gesicht „tut mir leid, das war nicht meine Absicht“ sagte er leise. Rebecca kochte ein wenig herunter, nachdem er sich immerhin entschuldigt hatte „okay, ist hiermit angenommen“ erwiderte sie und ging noch einen Schritt auf ihn zu „ich weiß, dass Du gestern irgendetwas genommen hast, Juri, und ich kann es Dir leider nicht verbieten…Aber wenn Du in diesem Zustand noch einmal zur Arbeit kommst, dann hat das Konsequenzen, das muss Dir klar sein.“ Er reagierte nicht, schien es aber verstanden zu haben und zuckte leicht zusammen, als sie ihm plötzlich die Hand auf die Schulter legte „wenn Du Probleme hast, kannst Du mit mir reden. Ich weiß selbst, wie schnell man unter großen Druck gerät…“ erklärte sie mit sanfter Stimme. Juri funkelte sie leicht verstört an „als ob Du wüsstest, was echte Probleme sind. Als Adliger ist doch die einzige Sorge, die man hat, ob man sein Essen mit dem silbernen, oder doch lieber mit dem goldenen Besteck zu sich nimmt“ bemerkte er abfällig, bevor er zurück zu seinem Schreibtisch ging und kurz darauf das Gebäude verließ. Die Brünette sah ihm resigniert hinterher und ging dann zu seinem Arbeitsplatz. Sie wusste selbst nicht genau, wonach sie suchte und wollte gerade gehen, als ihr etwas ins Auge fiel, das unter seinem Schreibtisch lag. Sie hob das durchsichtige Tütchen auf, in dem sich ein paar kleine Pillen befanden, Juri musste es verloren haben „also doch“ flüsterte sie, steckte es ein und machte sich auf den Weg in ihr Büro.

Als Helena am Mittag die beiden Zwillinge zurück brachte, konnte sie ihre Neugier nicht unterdrücken „und, wie war es?“ fragte sie die Blonde, die daraufhin so schön lächelte, dass sich eine Antwort erübrigte „schon verstanden, Du brauchst nichts mehr sagen“ bemerkte Helena amüsiert. Marie nickte erleichtert, es war ihr zumeist unangenehm über solche Dinge zu sprechen, zumindest wenn es sie selbst betraf „und, wie lief es mit den beiden Knirpsen?“ wollte sie wissen und wiegte ihren Sohn sanft in den Armen. Sie hatte die Zeit mit Sebastian sehr genossen, war aber trotzdem froh, dass ihre Kinder nun wieder da waren. Die Brünette lächelte zufrieden „es war toll. Sie haben zwar anfangs ziemlich viel geschrien, aber später waren sie die reinsten Engel. Lukas und ich haben gestern Nachmittag einen langen Spaziergang mit ihnen gemacht und am Abend wurden sie vom Rest der Familie bespaßt. Ich glaube, das hat ihnen gut gefallen“ berichtete sie „das kann ich mir vorstellen“ erwiderte Marie, als es an der Tür schellte. Sie ging mit Jonas auf dem Arm zur Tür und stand kurze Zeit später einem jungen Mann vom Paketdienst gegenüber „ich habe ein Paket für Frau Lichtenberg“ teilte er mit „das bin ich“ bestätigte sie, quittierte den Empfang und nahm es entgegen. Helena kam auf sie zu und nahm ihr Jonas ab, damit sie nachsehen konnte, was in dem Paket war „hast Du was bestellt?“ fragte sie die Freundin, die dies verneinte „nein, keine Ahnung, was das sein könnte“ erwiderte Marie und öffnete den Karton. Die Brünette schaute ihr interessiert über die Schulter und stieß einen leisen Pfiff aus, als sie den Inhalt erblickte „wow…ich wusste ja gar nicht, was für einen ausgefallenen Geschmack mein Bruder hat“ bemerkte sie, während Marie kein Wort heraus brachte. Helena sah sie fragend an „was ist? Gefallen sie Dir nicht? Also ich finde sie ziemlich sexy“ erklärte sie und berührte den edlen Stoff der roten Dessous. Die Blonde wusste nicht, was sie sagen sollte, da sie befürchtete, dass nicht Sebastian hinter diesem Geschenk steckte „ja, wirklich sehr schick“ hörte sie sich selbst sagen und legte das Paket zur Seite. Sie versuchte sich einzureden, dass die Dessous doch von ihrem Freund waren, aber insgeheim wusste sie, dass dies nicht der Fall war. Helena war etwas verwundert über ihre Reaktion, fragte aber nicht weiter nach, weil sie davon ausging, dass es Marie einfach unangenehm war.

Dana hatte unterdessen alle Hände voll im No Limits zu tun, wobei ihr Jacky tatkräftig zur Hand ging, die sich inzwischen ganz gut in den Arbeitsalltag eingefunden hatte. Zwischen den beiden Frauen lief es nach wie vor etwas holprig, was vor allem an Dana lag, die sich nicht so recht mit der anderen anfreunden konnte. Seit ihrem missglückten Start hatten sie nur wenig miteinander kommuniziert, Dana war mit ihren Gedanken die meiste Zeit bei Lara und verbrachte so viel Zeit wie möglich bei ihr im Krankenhaus. Heute jedoch war sie froh, dass Jacky da war, denn Josie war krankheitsbedingt ausgefallen und der Club war rappel voll. Als ihr Handy klingelte und sie den Namen ihres Freundes erkannte, ging sie etwas abgehetzt dran „hey, was gibt’s?“ fragte sie und horchte besorgt auf, als Ricardo ihr mitteilte, dass sich Laras Zustand verschlechtert hatte. Jacky bekam das Telefonat mit und merkte, dass ihre Kollegin ziemlich durch den Wind war „fahr ruhig ins Krankenhaus, ich komme schon klar“ bot sie an „bist Du sicher?“ hakte Dana nach und bekam ein Nicken zur Antwort. Sie sagte Ricardo, dass sie sich gleich auf den Weg machen würde und legte auf. Marlene kam in diesem Moment mit einer jungen Frau aus ihrem Büro, die Interesse daran hatte, hin und wieder im Club aufzulegen „vielen Dank für das nette Gespräch und bis bald“ verabschiedete sich die junge DJane und verließ lächelnd das No Limits. Danach wandte sich die Clubbesitzerin an ihre Schwester „was ist los? Willst Du weg?“ fragte sie „ja, ins Krankenhaus. Lara geht es nicht gut und Ricardo kann gerade nicht bei ihr bleiben, weil er gleich eine OP hat“ erklärte sie „ich weiß, dass es ungünstig ist, aber Jacky meint, dass sie eine Weile alleine klar kommt.“ Marlene schaute ihre Mitarbeiterin skeptisch an „ist gut, geh Du mal. Ich bin ja auch noch da“ sagte sie zu ihrer Schwester, die sich noch kurz bei Jacky bedankte und dann verschwand. Marlene ging hinter die Bar und krempelte die Ärmel hoch „dann mal los, ich spüle und Du kümmerst Dich um den Ausschank“ verkündete sie und machte sich direkt ans Werk. Jacky lächelte erfreut „danke, das ist echt cool von Dir“ bemerkte sie überrascht und widmete sich dem nächsten Bestellzettel „wenn es brennt, muss die Chefin halt mit anpacken“ entgegnete die Blonde und war sogar ganz froh über die Abwechslung. Nachdem die Bestellungen abgearbeitet waren, konnten die beiden etwas durch schnaufen „gilt eigentlich Dein Angebot noch?“ wollte Marlene plötzlich wissen „was meinst Du?“ fragte die andere, die nicht sofort schaltete. „Ich spreche von dem Fußballspiel morgen…wenn Du noch keine andere Begleitung hast, würde ich gerne mitkommen“ erklärte sie, was bei Jacky sofort für eine erhöhte Pulsfrequenz sorgte „natürlich tut es das, ich würde mich total freuen, wenn Du mitgehst. Aber ich hatte ehrlich gesagt nicht mehr damit gerechnet.“ Marlene grinste „bei mir musst Du immer mit allem rechnen. Wann genau geht das denn los und gibt es irgendetwas, was ich beachten muss?“ Die Brünette konnte ihr Glück kaum fassen, obwohl sie natürlich wusste, dass diese Gefühle unangebracht waren "das Spiel beginnt um 15:30 Uhr. Wir können mittags los fahren und ansonsten zieh Dir einfach was bequemes an. Vorzugsweise etwas schwarz-gelbes" erklärte sie und zwinkerte der anderen zu. Marlene nickte lächelnd und war selbst verwundert, dass sie sich tatsächlich auf einen Besuch im Fußballstadion freute. Sie warf einen Blick zu Jacky, die bereits die nächste Bestellung entgegen nahm und dachte, dass es vielleicht auch einfach daran lag, dass sie sich so gut verstanden. Genau genommen fehlte Marlene schon lange eine Freundin mit der sie einfach mal reden, oder etwas unternehmen konnte. Mit Tanja war so etwas in der Regel nicht möglich und Marie war gleichzeitig sehr eng mit Rebecca befreundet, was nicht immer ganz einfach war, wenn es einmal Probleme gab. Vielleicht war es ja Schicksal, dass Jacky ausgerechnet ins No Limits gestolpert war. Marlene jedenfalls war froh darüber, denn bislang war sie in jeder Hinsicht eine Bereicherung.

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BeitragVerfasst: 11.09.2015, 19:04 
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Teil 220:

Als Dana im Krankenhaus ankam und die Kinderkrebsstation betrat, spürte sie mit einem Mal, dass sich in ihrem Inneren Angst breit machte. Natürlich war es von Anfang an ein beklemmendes Gefühl gewesen, aber bislang hatte es wenigstens keine Komplikationen gegeben und die Chemotherapie war gut angeschlagen. Doch jetzt ging es dem kleinen Mädchen sehr schlecht. Ricardo hatte am Telefon gesagt, dass eine Infektion daran schuld war und Lara deshalb vorläufig auf der Intensivstation lag. Bohrende Schuldgefühle machten sich in der Wolf Tochter breit, die sich fragte, ob der Ausflug, den sie neulich mit Lara gemacht hatten, möglicherweise dafür verantwortlich war. Ricardo entdeckte seine Freundin und kam ihr entgegen „hey…schön, dass Du da bist“ sagte er leise und sah sie aus müden Augen an. Die Brünette war den Tränen nahe, was der spanische Arzt bemerkte und sie tröstend in den Arm nahm „es ist alles gut, Laras Zustand ist zwar ernst, aber nicht lebensbedrohlich. Es wird eine Weile brauchen, bis sie wieder zu Kräften kommt, aber sie schafft das, ganz sicher“ beruhigte er sie. Dana konnte das nur wenig trösten, sie löste sich aus der Umarmung und blickte ihn niedergeschlagen an „ist das unsere Schuld?“ fragte sie und konnte kaum sprechen, weil ihr der Gedanke die Kehle zuschnürte. Ihr Freund sah sie erschrocken an und schüttelte dann den Kopf „Du meinst wegen dem Ausflug zum Stall? Nein, Dana, das hat damit nichts zu tun, die Infektion hat eine andere Ursache. Es gibt keinen Grund sich Vorwürfe zu machen, hörst Du? Dieser Tag hat Lara nicht geschadet, im Gegenteil, er hat ihr sogar sehr gut getan. Ich hätte das doch sonst niemals gemacht und die Verantwortung dafür übernommen. Es gibt wirklich keinen Grund sich Vorwürfe zu machen“ erklärte er eindringlich. Dana war vorerst erleichtert und nickte „darf ich denn überhaupt zu ihr? Ich bin ja nicht mal eine Angehörige…“ wollte sie wissen „normalerweise nicht, aber für irgendetwas muss es ja gut sein, dass ich hier Chefarzt bin“ erwiderte er und lächelte ihr aufmunternd zu. Dann nahm er ihre Hand und ging zusammen mit ihr zur Intensivstation.

Am Nachmittag schaute Rebecca kurz im No Limits vorbei und war überrascht ihre Frau zusammen mit Jacky hinter der Bar anzutreffen „hast Du einen neuen Aufgabenbereich?“ fragte sie leicht provokant, als sie vor der Theke stand „mir gehört dieser Club und damit gehört quasi alles zu meinen Aufgaben“ konterte Marlene grinsend. Die Brünette lehnte sich leicht über die Theke „dem Geschäft kann es jedenfalls nicht schaden, schöne Frauen steigern ja bekanntlich den Umsatz“ flötete sie und gab der anderen einen Kuss. Jacky schielte unsicher zu den beiden hinüber und fragte sich, ob Rebecca womöglich ahnte, was in ihr vorging. Das bisherige Verhalten der jungen Gräfin deutete jedenfalls darauf hin „Marlene hat mir netterweise geholfen, weil Josie ausgefallen ist und Dana ins Krankenhaus musste“ erklärte sie und nahm der anderen damit direkt den Raum für Spekulationen. Rebecca schaute ihre Frau besorgt an „ist etwas passiert?“ wollte sie wissen „nicht mit Dana, aber Lara geht es wohl nicht so gut. Genaueres weiß ich aber auch nicht“ erklärte die Blonde „und was führt Dich hier her? Du hattest doch nicht etwa Sehnsucht nach mir?“ Der Lahnstein Tochter entging der leicht ironische Unterton nicht, anscheinend glaubte Marlene, dass sie nur hergekommen war, um sie zu kontrollieren und wenn Rebecca ehrlich zu sich selbst war, hatte ihre Frau damit nicht ganz unrecht. Zugeben konnte sie das natürlich nicht „Du hast es erfasst“ sagte sie stattdessen „ich dachte, ich könnte Dich zu einem Kaffee überreden…und nebenher könnten wir ein bisschen knutschen“ fügte sie grinsend hinzu. Die Blondine lachte „so, dachtest Du das…hm, das klingt durchaus verlockend“ gab sie zu und bat Jacky ihnen zwei Kaffee zu machen, während sie mit ihrer Frau zu einem der Tische ging. Dort angekommen, konnte Marlene sich die Frage nach Rebeccas eigentlichem Beweggrund jedoch nicht verkneifen „und Du bist sicher, dass Dein Auftauchen nicht doch noch einen anderen Grund hat?“ Die Gefragte fühlte sich ertappt, ließ sich aber nichts anmerken „seit wann brauche ich denn einen Grund, um Dich sehen zu wollen“ bemerkte sie und rückte näher zu der anderen. Sie lehnte ihren Kopf an Marlenes Schulter und seufzte „außerdem musste ich einfach mal raus…ich weiß nicht, was ich wegen Juri unternehmen soll. Er hat behauptet, dass er keine Drogen nimmt und kurz darauf habe ich eine kleine Tüte mit irgendwelchen Pillen bei ihm gefunden“ berichtete sie resigniert. Die Blonde legte ihren Arm um sie „ich nehme mal an, dass eine Kündigung nicht in Frage kommt“ stellte sie fest, was die andere bestätigte „das kann ich nicht bringen. Wir haben gerade erst groß angekündigt, dass wir LCL mit Hilfe von Juri in ein neues Zeitalter führen wollen. Ich würde wie eine Idiotin dar stehen, für LCL wäre es eine Katastrophe und außerdem ist dieser Kerl wirklich ein verdammt guter Designer. Ich würde ihm ja gerne helfen, aber er lässt es einfach nicht zu…es ist echt frustrierend.“ Marlene strich ihr tröstend über die Wange und spürte einen Moment später Rebeccas weiche Lippen auf ihren. Sie versanken in einem innigen Kuss und bemerkten dabei nicht, dass Jacky mit zwei Tassen Kaffee in den Händen neben dem Tisch stand. Die junge Frau versuchte das stechende Gefühl, was sie beim Anblick der beiden Damen verspürte, zu ignorieren und stellte wortlos die Tassen vor ihnen ab. Durch das Geräusch wurden die zwei aufgeschreckt und lösten sich lächelnd voneinander „danke“ sagte Marlene und wandte sich direkt wieder an Rebecca, als Jacky gegangen war „von mir aus kannst Du ruhig öfter auf einen Kaffee vorbei kommen“ sagte sie und zwinkerte der Brünetten zu. Sie tranken jeweils einen Schluck von dem heißen Getränk, bevor die Gräfin wieder das Wort ergriff „ich werde es versuchen“ versprach sie „aber immerhin sieht es so aus, als könnte ich heute Abend mal halbwegs pünktlich Feierabend machen.“ Marlene machte ein zerknirschtes Gesicht „na toll, ausgerechnet heute, wo ich wahrscheinlich länger machen muss. Ich kann Jacky unmöglich alleine lassen mit der ganzen Arbeit“ erklärte sie und fragte sich nicht zum ersten Mal, ob irgendein Fluch auf ihnen lag, der verhinderte, dass sie mehr Zeit miteinander verbringen konnten. Ihre Frau schien etwas ähnliches zu denken, während sie gedankenverloren an ihrem Kaffee nippte.

Dana saß schweigend an Laras Bett, nachdem sie sich die vorgeschriebene Schutzkleidung angezogen hatte, die aus einem Kittel, einem Atemschutz und einer Kopfhaube bestand. Ihre Hände hatte sie gründlich desinfiziert und hielt damit die Hand von der kleinen Patientin umschlossen, die noch viel blasser war als sonst. Die kleinen Sommersprossen auf ihren Wangen waren dadurch noch deutlicher zu erkennen und Dana musste plötzlich daran denken, dass Lara einmal erzählt hatte, dass ihr die vielen, kleinen Sprossen auf die Nerven gingen. Die Erinnerung daran brachte sie zum Schmunzeln und dann spürte sie plötzlich, wie ihre Hand gedrückt wurde „hey, Du Schlafmütze“ flüsterte sie und streichelte dem gerade aufgewachtem Mädchen sanft über die Wange. Lara brauchte einen Moment, bis ihr wieder einfiel, wo sie war, doch als sie die Frau an ihrem Bett erkannte, lächelte sie „hallo Dana. Mir ging es auf einmal ganz schlecht“ sagte sie leise „ist Ricardo weg?“ Die Brünette lächelte und drückte ihre Hand „er musste in den Operationssaal, aber er kommt Dich danach noch einmal besuchen. Du brauchst jetzt ganz viel Ruhe und Schlaf, damit Dein Körper wieder zu Kräften kommt“ erklärte sie der Kleinen. Lara sah sie erschöpft an „ich habe etwas schönes geträumt. Willst Du wissen was?“ fragte sie, woraufhin die Erwachsene nickte „in dem Traum hatte ich meine Haare wieder und bin zur Schule gegangen. Und keiner hat mich mehr geärgert, weil sie nämlich braun waren.“ Dana runzelte die Stirn „wie meinst Du das? Welche Farbe haben denn Deine Haare?“ wollte sie wissen „die sind rot und alle nennen mich deshalb immer Pippi Langstrumpf und machen sich darüber lustig. Ich hätte viel lieber braune Haare, so wie Du. Aber keine Haare zu haben, ist auch blöd“ sagte sie traurig. Dana lächelte sie liebevoll an und drückte leicht ihre Hand „Deine Haare wachsen bald wieder und rot ist doch eine tolle Farbe. Die anderen Kinder ärgern Dich nur, weil sie neidisch sind“ erwiderte sie „wieso denn neidisch?“ fragte Lara skeptisch und hatte Mühe die Augen offen zu halten. Die Wolf Tochter überlegte einen Moment, bevor sie antwortete „naja, das ist doch klar. Schau mal, Pippi Langstrumpf zum Beispiel, war doch ein total cooles Mädchen, das viel stärker und intelligenter war, als alle anderen Kinder. Du hast tatsächlich Ähnlichkeit mit ihr, denn Du bist auch sehr stark und klug noch dazu. Und soll ich Dir noch etwas verraten? Rote Haare sind viel toller als braune, oder blonde, denn sie sind seltener und dadurch etwas Besonderes. Also wenn ich wählen müsste, dann würde ich mich für rotes Haar entscheiden. Und wenn Dich noch mal jemand damit aufziehen will, dann sagst Du ihm einfach genau das“ munterte sie das Mädchen auf, das jetzt wieder lächelte „das finde ich gut“ erwiderte sie und gähnte herzhaft. „Schlaf jetzt noch ein bisschen“ sagte Dana „aber dann bist Du vielleicht weg, wenn ich wieder aufwache“ entgegnete Lara und die Worte gingen der jungen Frau mitten ins Herz „nein, ich bleibe hier, versprochen“ versicherte sie, woraufhin die kleine Patientin kurze Zeit später einschlief. Die Brünette blieb an ihrem Bett sitzen und versuchte zu verstehen, was gerade mit ihr passierte. Vor wenigen Wochen noch, hatte sie Lara nicht einmal gekannt und jetzt saß sie an ihrem Krankenbett und wünschte sich nichts sehnlicher, als dass sie wieder gesund werden würde.

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Teil 221:

Am Abend saßen Marie und Rebecca zusammen am Tisch und unterhielten sich über dies und das, als die Blonde ihr einen Zettel reichte „das ist meine neue Handynummer, die alte gibt es nicht mehr“ erklärte sie beiläufig. Die Gräfin sah sie verwundert an „wieso das?“ wollte sie wissen und bekam eine knappe Antwort „ich habe den Anbieter gewechselt.“ Rebecca tippte die Nummer in ihr Handy ein „warum hast Du Deine Nummer denn nicht behalten, das ist doch viel einfacher“ bemerkte sie „ja, aber so konnte ich gleich ein paar unnötige Kontakte ausmisten. Jetzt haben nur noch die Leute meine Nummer, die sie auch wirklich brauchen“ erwiderte sie möglichst lässig. Ihre Freundin blickte sie noch immer skeptisch an „ist alles in Ordnung mit Dir? Du bist irgendwie komisch...“ stellte sie fest und Maries Reaktion war es ebenfalls „wieso denn das? Nur weil ich eine neue Handynummer habe? Andere wechseln die ständig, ist doch nichts dabei“ erklärte sie gereizt. Rebecca sah das anders „darum geht es nicht, jedenfalls nicht nur. Aber Du wirkst einfach total angespannt und auch irgendwie nervös. Hast Du Ärger mit Sebastian, oder ist etwas mit Jonas und Sophie?“ fragte sie besorgt. Die Blonde stand auf und ging zum Kühlschrank „das sagt ja genau die richtige, hast Du in letzter Zeit mal in den Spiegel geschaut?“ fuhr sie die Brünette an „vielleicht befasst Du Dich lieber mal mit Deinen eigenen Problemen, oder kümmerst Dich um Deine Frau, anstatt bei mir nach welchen zu suchen.“ Rebecca war so perplex von dieser Ansage, dass sie erst mal gar nichts zu sagen wusste. Als sie sich wieder etwas gefasst hatte, stand sie ebenfalls auf und ging auf die andere zu „bitte was? Ist es jetzt verboten sich Sorgen zu machen? Entschuldige bitte, aber wenn Du Dich so merkwürdig benimmst, dann brauchst Du Dich auch nicht wundern. Und wieso pampst Du mich überhaupt so an? Wenn Du ein Problem hast, über das Du nicht mit mir reden möchtest, dann sag das, aber das ist kein Grund gleich so aus der Haut zu fahren“ erklärte sie angesäuert. Marie tat es bereits leid, aber sie konnte und wollte jetzt nicht weiter darauf eingehen „Du hast recht, es tut mir leid, okay? Ich bin nur etwas daneben heute, das ist alles“ lenkte sie ein und versuchte dem prüfenden Blick von Rebecca stand zu halten. In den braunen Augen war abzulesen, dass sie ihr noch immer nicht glaubte, also versuchte Marie sie abzulenken „wo bleibt eigentlich Marlene? Ist sie heute mal fürs zu spät kommen zuständig?“ scherzte sie, doch die Brünette konnte darüber nicht lachen. Sie wandte sich ab „sieht so aus“ entgegnete sie und machte sich auf den Weg nach oben „wenn Du es Dir anders überlegst, weißt Du ja, wo Du mich findest. Gute Nacht“ sagte sie und ging die Stufen hinauf. „Gute Nacht“ erwiderte Marie und verfluchte sich selbst für ihr Verhalten. Es war schon schlimm genug, dass sie ihren Freunden nicht die Wahrheit sagen konnte und jetzt hatte sie Rebecca auch noch verärgert. Sie beschloss ebenfalls ins Bett zu gehen, welches heute allerdings leer war, da Sebastian auf dem Schloss schlief. Inzwischen war auch klar, dass er tatsächlich nicht der Absender des Paketes war und damit stand Marie vor einem weiteren Problem. Nicht nur ihre Handynummer war dem Kerl bekannt, sondern auch ihre Adresse und das bedeutete, dass sie nicht drum herum kommen würde, mit ihm zu sprechen. Auf keinen Fall würde sie zulassen, dass er den anderen begegnete und schon gar nicht wollte sie, dass Sebastian mit ihm in Berührung kam. Erneut stiegen Wut und Angst in ihr auf, während sie sich fragte, wann dieser ganze Mist endlich ein Ende haben würde.

Als Marlene nach Hause kam, war es bereits fast 23 Uhr, Rebecca lag schon im Bett und schien zu schlafen. Die Clubbesitzerin schloss leise die Tür und ging ins Badezimmer, um sich bettfertig zu machen. Es war ein anstrengender Tag gewesen, doch zusammen mit Jacky hatte sie es geschafft den Ansturm im No Limits zu bewältigen und es hatte ihr sogar richtig Spaß gemacht. Ihre neue Mitarbeiterin war sehr engagiert, hatte eine große Portion Humor und passte super ins Team. Marlene hatte sich nach getaner Arbeit noch ein bisschen mit ihr unterhalten und erfahren, dass sie weiterhin in der Pension wohnte. Jacky hatte zwar behauptet, dass es ihr nichts ausmachte, aber Marlene war der Meinung, dass eine Lösung für dieses Problem gefunden werden musste und hatte auch bereits eine Idee. Sie würde ihre Schwester fragen, ob Jacky das alte Zimmer von Olli und Christian beziehen konnte, denn dieses war seit dem Weggang der beiden nach England frei und die anderen waren bestimmt froh, wenn sie schnell einen neuen Mitbewohner fanden, der vertrauenswürdig war. Marlene konnte sich gut vorstellen, dass Jacky der Typ für ein WG Leben war und sich dort wohl fühlen würde, aber bevor sie ihr etwas sagte, wollte sie natürlich erst das okay aller Beteiligten abwarten. Sie gähnte, zog sich auf dem Weg zum Bett ihre Kleider aus und schlüpfte in ihr Negligé, bevor sie zu ihrer Frau ins Bett stieg „da bist Du ja“ murmelte Rebecca im Halbschlaf. Marlene kroch zu ihr unter die Decke und kuschelte sich an ihren Rücken „schlaf weiter“ flüsterte sie, gab ihr einen Kuss auf die Wange und legte den Arm um ihre Frau. Rebecca nickte, nahm die Hand von Marlene in ihre und legte sie sich an die Brust. Es dauerte nur wenige Minuten, bis beide fest eingeschlafen waren.

Sebastian dagegen saß noch immer in seinem Büro, außer ihm befand sich niemand mehr in den Räumen der Holding, was um diese späte Uhrzeit alles andere als verwunderlich war. Normalerweise wäre auch er längst weg, doch er wartete voller Ungeduld auf eine E-Mail, die ihm sein Kontaktmann angekündigt hatte. Der junge Graf war nervös, aber es war eine positive Aufregung und wenn alles gut lief, dann würde er gleich eine große Sorge weniger haben. Nach weiteren Minuten, die ihm wie Stunden vorgekommen waren, erklang endlich der leise Ton, der eine eingegangene Nachricht ankündigte. Sebastian klickte sie sofort an, las den kurzen Text und öffnete den Anhang. Nach ein paar Sekunden breitete sich ein erleichtertes Lächeln auf seinem Gesicht aus „ich wusste doch, dass auf Deine kriminelle Energie verlass ist“ flüsterte er und freute sich wie ein Schneekönig auf das Gesicht seiner noch Ehefrau, wenn sie zurückkehren würde und er sie mit seinem Wissen konfrontieren konnte. Das letzte Schreiben ihres Anwaltes war mehr als unverschämt gewesen und Tanjas Forderungen wurden zunehmend utopischer. Sebastian wäre bereit gewesen ihr einen angemessenen Betrag zu zahlen, obwohl sie nach allem, was sie sich in den gemeinsamen Ehejahren geleistet hatte, nicht mal den verdiente, doch darüber hätte er, um des lieben Friedenswillen, hinweg gesehen. Tanja jedoch bekam den Hals nicht voll und hatte den Bogen schließlich derart überspannt, dass Sebastian sich nicht länger in der Lage sah, weiter mit fairen Mitteln dagegen zu halten. Er hatte lange gesucht und schon fast aufgegeben, aber mit Hilfe seines Kontaktmannes war er am Ende doch fündig geworden. Alles was er jetzt noch tun musste war, die geforderte Geldsumme in einem Schließfach zu hinterlegen, damit er die original Papiere ausgehändigt bekam. Wenn er die hatte, würde Tanja nicht nur auf ihre unverschämten Forderungen verzichten, sie würde komplett leer ausgehen und obendrein könnte er eine schnellere Scheidung erwirken, der sie zustimmen musste, weil sie ansonsten ins Gefängnis wandern würde. Sebastian lehnte sich in seinem Stuhl zurück und blickte auf das Familienfoto, welches nach wie vor auf seinem Schreibtisch stand. Er fühlte sich nicht sonderlich gut dabei, aber er konnte auch nicht zulassen, dass diese Frau ihn weiter terrorisierte. Der Graf seufzte und nahm das Foto aus dem Rahmen, er würde es durch ein neues ersetzen auf dem er zusammen mit Emma, Marie und den Babys zu sehen war. Tanja war selbst Schuld, sie hatte es einfach zu weit getrieben und außerdem war es nicht sein Problem, wenn sie schmutzige Gelder, von denen er gar nicht wissen wollte, woher sie kamen, am Staat vorbei schleuste. Sie hatte es zwar ziemlich geschickt eingefädelt, aber sie hatte den Fehler gemacht ihn zu unterschätzen, genauso wie die Tatsache, dass er sie einfach viel zu gut kannte. „Abgerechnet wird immer zum Schluss“ sagte er und packte dann seine Sachen zusammen, um nach Hause zu fahren.

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BeitragVerfasst: 11.09.2015, 19:06 
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Teil 222:

Der nächste Morgen brach herein, Marlene und Rebecca wurden gegen 08:00 Uhr wach und gingen beide kurz ins Bad, um sich schon einmal die Zähne zu putzen und sich die Müdigkeit aus dem Gesicht zu waschen. Doch keine von beiden hatte wirklich Lust schon aufzustehen „ich habe keine Lust arbeiten zu gehen“ bemerkte Rebecca und stöhnte „dann lass es“ erwiderte die Blonde und stellte sich hinter sie. Sie blickten beide in den Spiegel „und dann? Sitze ich hier herum, während Du mit Jacky ins Stadion gehst. Nein danke, da gehe ich lieber arbeiten.“ Marlene grinste „Du hattest die Wahl, also hör auf Dich zu beschweren“ sagte sie und legte ihre Hände auf Rebeccas Hüften „außerdem bist Du doch nicht eifersüchtig und hast somit keinen Grund Dir Gedanken zu machen“ foppte sie die andere und ging zurück ins Schlafzimmer. Die Brünette folgte ihr und zog sie mit einem Ruck an sich „ich gehe eben davon aus, dass Du weißt, wo Du hin gehörst“ raunte sie und streifte einen der dünnen Träger von Marlenes Schulter. Diese lächelte amüsiert „vielleicht musst Du mir ein bisschen auf die Sprünge helfen“ entgegnete sie, während Rebecca auch den zweiten Träger über ihre Schulter streifte und das Negligé zu Boden fiel. Die beiden sahen sich lange in die Augen „den Eindruck habe ich auch“ sagte die junge Gräfin, stieß die Blonde sanft aufs Bett und zog sich dann ihr Pyjama Oberteil aus, welches sie noch trug. Sie legte sich zu ihrer Frau, fing an sie zu küssen und zärtlich zu streicheln „Du und ich, für immer, daran hat sich nichts geändert“ flüsterte sie und sah in die blauen Augen von Marlene. Die Blondine lächelte glücklich und zog Rebecca zu sich, um sie innig zu küssen. Die körperliche Nähe war, wie vieles andere auch in letzter Zeit, zu kurz gekommen und so genossen die beiden Frauen ihr leidenschaftliches Liebesspiel, bevor der Tag sie zunächst wieder voneinander trennen würde.

Helena saß in ihrer Suite, sie hielt den Brief vom Gericht in der Hand, den sie von Sebastian bekommen hatte und starrte gedankenverloren vor sich hin. Der Termin für den Prozess wurde noch einmal verschoben und würde damit erst im nächsten Jahr stattfinden. Das Warten darauf zermürbte nicht nur Helena, auch die anderen wünschten sich, dass es endlich vorbei sein würde. Vorbei. Was genau würde dann eigentlich vorbei sein, fragte Helena sich nicht zum ersten Mal und legte den Umschlag zur Seite. Ihr Bruder Tristan, der ein Teil von ihr gewesen war und der sie erst komplett gemacht hatte, würde nie wieder zurück kommen, ganz egal, was bei diesem Prozess heraus käme. Und doch erwarteten alle, dass es eine Art Abschluss sein würde, ein Wendepunkt, der dazu führen sollte wieder nach vorne zu sehen, ein Urteil, das für Gerechtigkeit sorgen und ihnen wieder Frieden bringen würde. Die Gräfin wusste, dass nichts davon der Fall sein würde, es änderte nichts an ihrem Schmerz und dem Verlust, der durch nichts in der Welt gemindert werden konnte. Sie dachte an Sophie und Jonas, Tristans Kinder, die er niemals kennenlernen durfte und plötzlich brannten Tränen in ihren Augen. Sie hatte seit seinem Tod so viel geweint, dass sie sich manchmal selbst fragte, ob es jemals aufhören würde. Dabei waren die Zwillinge wundervoll, Helena liebte sie, als wären sie ihre eigenen Kinder und vielleicht lag das auch daran, dass ihr Vater ein Teil von ihr gewesen war und es immer bleiben würde. Sie würde Jonas und Sophie erzählen, wer ihr Vater gewesen war und wie sehr er sich auf sie gefreut hatte, obwohl er nicht einmal gewusst hatte, dass ihnen gleich zweifaches Glück ins Haus stand. Manchmal stellte sie sich vor, wie es wäre, wenn Tristan noch leben würde und jetzt bei ihnen wäre. Helena sah ihn vor sich, wie er mit den Zwillingen auf dem Arm vor ihr stand, sah sein Lächeln und den Stolz in seinen Augen, die sie glücklich anstrahlten „wer hätte gedacht, dass ich einmal etwas so vollkommenes hinbekomme. Etwas so schönes, unschuldiges und großartiges, wie diese beiden kleinen Menschen“ hörte sie ihn sagen, während ihr eine Träne über die Wange lief. Sie wischte sie weg, stand auf und öffnete ein Fenster, um etwas frische Luft zu holen. Sie schloss die Augen und plötzlich dachte sie an Lukas und daran, was der Prozess für ihn bedeutete. Auch für ihn ging es um seinen Bruder und Helena wusste, dass ihr Freund große Angst davor hatte, dass Karsten ins Gefängnis musste. Sie erinnerte sich wieder an die Briefe, die er ihr vor einiger Zeit gegeben hatte und aus einem plötzlichen Impuls heraus ging sie an die Schublade ihres Schreibtisches und öffnete diese. Dort lagen sie noch immer, nachdem Helena sie von ihrer Schwester zurück bekommen hatte. Rebecca hatte sie nicht lesen wollen und auch sie hatte sich bislang nicht dazu durchringen können, doch jetzt nahm sie die Briefe zur Hand und setzte sich damit auf ihr Sofa.

Als Marlene im Club ankam und auf Jacky traf, war diese einmal mehr fasziniert von ihrer Chefin, die es schaffte, selbst in einer Jeans und einem einfachen, schwarzen Pullover umwerfend und sexy auszusehen. Sie war nur leicht geschminkt und strahlte eine natürliche Schönheit aus, die Jacky den Atem raubte. Marlene sah die junge Frau fragend an, die ein wenig abwesend wirkte „was ist los? Ich weiß, schwarz-gelb sollte es sein, aber etwas gelbes konnte ich tatsächlich nicht finden. Jedenfalls nichts, was Stadion tauglich gewesen wäre“ erklärte sie lächelnd „ich hoffe, Du nimmst mich trotzdem mit.“ Die Brünette erwachte aus ihrer Tagträumerei und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie durcheinander sie war „was? Nein...Du siehst...toll aus, ähm, ich meine, das ist schon in Ordnung so. Und außerdem habe ich noch etwas für Dich“ sagte sie und griff unter die Theke, wo sie etwas abgelegt hatte. Die Blonde verfolgte interessiert, was die andere da machte und erblickte schließlich zwei Trikots, die Jacky ihr jetzt zeigte „damit sind wir ganz vorne“ scherzte sie und reichte Marlene eines davon. Die Clubbesitzerin lachte „das soll ich anziehen?“ fragte sie skeptisch und musterte das gelbe Trikot mit dem schwarzen Muster und der Nummer 11 hinten drauf „ich bitte darum. Du kannst es über den Pullover ziehen, es müsste groß genug sein. Das ist übrigens die Nummer von Marco Reus, ein grandioser Spieler, der hoffentlich ein paar Buden schießt heute.“ Marlene nahm es wenig begeistert entgegen „oh je, aber nur, weil Du es bist und ich nicht schuld daran sein möchte, wenn der BVB am Ende verliert, weil ich dieses Trikot nicht getragen habe. Aber ich ziehe das erst an, wenn wir da sind...und keine Fotos, verstanden?“ bemerkte sie belustigt „Du bist der Boss“ erwiderte Jacky amüsiert und musste sich zwingen, die Blondine nicht in einer Tour anzustarren.

Rebecca war inzwischen bei LCL angekommen und saß in ihrem Büro, wo sie gerade den Brief vom Gericht geöffnet und gelesen hatte. Ihre gute Stimmung von heute Morgen war mit einem Schlag dahin, als die schmerzvollen Erinnerungen an den Unfall und seine Folgen wieder über sie herein brachen. Der Prozess würde nicht mehr in diesem Jahr stattfinden, was sie auf eine Art erleichterte, aber auf der anderen Seite wusste Rebecca auch, dass es nichts änderte. Der Tag würde kommen und dann gab es nichts mehr, das man vor sich herschieben konnte. Sie legte den Brief zur Seite und fuhr ihren Rechner hoch, als ihr einfiel, dass sie ihre Zeit lieber ihrer Kollektion widmen sollte, mit der sie weit im Rückstand war. Aber was nutze es sich daran zu begeben, wenn sie doch nichts zustande brachte und im Moment gingen ihr einfach zu viele andere Gedanken durch den Kopf. Sie dachte an die Drogen, die sie bei Juri gefunden hatte und fragte sich, wie sie weiter damit umgehen sollte. Wenn sie ihn darauf ansprechen würde, würde er sie wieder von sich stoßen, da war sie sich sicher, aber einfach ignorieren konnte sie es auch nicht. Rebecca seufze, wieder einmal fühlte sie einen enormen Druck in sich aufkommen, der mit der Zeit immer beklemmender wurde. Sie sehnte sich zurück nach der Zeit, als sie vor Ideen gesprudelt und sich mit Spaß und Liebe ans Designen begeben hatte, ohne dabei an irgendwelche Zahlen zu denken, oder sich um die Probleme anderer Leute kümmern zu müssen. Sie rieb sich die Augen und atmete einmal tief durch, ohne zu ahnen, dass sie nicht mehr alleine war, denn jemand stand in ihrem Büro und fixierte sie aufmerksam „na, gibst Du endlich auf?“ fragte die blonde Frau. Rebecca sah erschrocken auf und musste sich erst einmal sammeln „Du?“ war das einzige, was sie in diesem Moment hervor brachte „ja, ich. Ich bin wieder da“ sagte Tanja und blickte die Brünette siegesgewiss an.

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BeitragVerfasst: 11.09.2015, 19:08 
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Teil 223:

Als Jacky und Marlene am Signal Iduna Park in Dortmund ankamen, war die Clubbesitzerin plötzlich doch sehr froh, dass sie das Trikot noch angezogen hatte, denn hier schien es niemanden zu geben, der nicht in schwarz-gelben Farben herum lief. Auch das Aufgebot an Polizisten war beeindruckend, Marlene konnte sich nicht daran erinnern, jemals so viele Gesetzeshüter auf einen Haufen gesehen zu haben. Sorgen machte sie sich deswegen aber nicht, Jacky hatte sie vorgewarnt und ihr erklärt, dass das bei einem Derby normal war und nur der Sicherheit diente, damit Ausschreitungen verhindert wurden. Die Schlangen an den Eingängen waren bereits ganz ordentlich „Himmel, wer soll denn da den Überblick behalten? Weißt Du überhaupt, wo wir hin müssen?“ fragte sie die andere „na klar weiß ich das, das ist in Blöcke aufgeteilt und außerdem ist das hier quasi mein zweites Zuhause“ erwiderte sie grinsend, bevor sie Marlenes Hand nahm und sie hinter sich her zog. Nachdem sie die Eingangskontrolle hinter sich gelassen und sich etwas zu trinken besorgt hatten, nahmen sie ihre Plätze auf der Westtribüne ein „wow, das ist echt riesig“ bemerkte die Blonde und beobachtete fasziniert das Spektakel, welches sich schon jetzt zwischen den Fans abspielte. „Hier sind heute 80.645 Menschen, wie immer ausverkauft“ bemerkte Jacky und zeigte nach rechts „das ist das Herzstück, auf der Südtribüne wird die Stimmung gemacht, wie Du siehst“ erklärte sie weiter und deutete dann auf die Nordtribüne, die gegenüber lag und wo der Gästeblock untergebracht war „und das ist der Zwergenaufstand der Gegenseite“ sagte sie frech grinsend, worüber Marlene lachen musste. Die beiden Fangruppen heizten sich gegenseitig mit diversen Gesängen ein, was der Blondine durchaus gefiel „immerhin wird hier fleißig gesungen, schade, dass ich die Texte nicht kenne“ bemerkte sie, doch auch dafür hatte ihre Begleitung eine Lösung. Jacky kramte einen Zettel aus der Hosentasche „hier, ich habe die wichtigsten Texte zusammengestellt“ verkündete sie fröhlich und reichte der anderen den Zettel. Marlene war sichtbar überrascht „Du hast aber auch an alles gedacht, was?“ stellte sie amüsiert fest „naja, mir war halt schon irgendwie klar, dass Dir das Singen wohl am Besten gefallen würde“ entgegnete sie augenzwinkernd. Marlene fühlte sich ertappt und Jacky hätte sie in diesem Moment einfach nur küssen können, weil sie so unglaublich hinreißend aussah, aber natürlich hielt sie sich zurück, wenn auch mit Mühe. Auf der Südtribüne ging unterdessen richtig die Post ab und alle BVB Fans fingen plötzlich an zu hüpfen „was rufen die denn da die ganze Zeit?“ wollte Marlene irritiert wissen und riss Jacky damit aus ihren Gedanken „wer nicht hüpft, ist Schalke Fan“ erklärte sie lachend „und deshalb machen alle Dortmunder Anhänger mit, weil sich das natürlich niemand nachsagen lassen möchte.“ Marlene beobachtete kopfschüttelnd das Treiben im Stadion und während sie noch dachte, dass die Dortmunder ein ulkiges Volk waren, war sie bereits selbst am Hüpfen, weil Jacky sie mit ihrer mitreißenden Art dazu animierte. Danach wurde es wieder etwas ruhiger und ein sehr schönes Bild bot sich den beiden Frauen, als die komplette Südtribüne, gefolgt von den anderen Rängen, ihre Schals und Fahnen in die Höhe hielten und die Fans gemeinsam „You´ll never walk alone“ anstimmten. Auch die zwei Frauen sangen lauthals mit und Jacky nahm erfreut zur Kenntnis, dass Marlene sich trotz anfänglicher Skepsis sehr zu amüsieren schien.

Tanja war nach ihrer kurzen Rückmeldung direkt in ihr Büro gegangen, wo sie sich einen Überblick über das verschaffte, was in den letzten Wochen passiert war. Anscheinend hatte Rebecca keinen größeren Schaden angerichtet und die Entwürfe von Juri waren tatsächlich sehr gelungen, auch wenn die Mode an sich natürlich nicht ihrem Geschmack entsprach. Als Tanja sich jedoch die Arbeiten ihrer Chefdesignerin ansah, verging ihr die gute Laune und sie sah sich in dem bestätigt, was sie von Anfang an geahnt hatte. Sie griff sich die Mappe und ging damit zu der Brünetten, die noch immer an ihrem Schreibtisch saß „das ist mittelmäßig, wenn überhaupt und davon abgesehen ist es eine ziemlich dürftige Ausbeute, wenn man bedenkt, dass Du dafür ein paar Wochen Zeit hattest“ stellte sie fest und pfefferte die Mappe auf den Tisch. Rebecca starrte sie ungläubig an „das weiß ich selbst, oder glaubst Du vielleicht, ich bin damit zufrieden? Dass ich nicht schon viel weiter bin liegt nur daran, dass ich in den letzten Wochen mit allem alleine war, während Du irgendwo am Strand gelegen hast, um Deine Wunden zu lecken. Du solltest Dich lieber zurück halten mit Deiner Kritik, Tanja, sonst fange ich gleich mal an, Deine Verfehlungen aufzuzählen“ sagte sie wütend. Die Blonde ließ es wie gewohnt an sich abprallen „hör doch auf Dich heraus zu reden und Dein Versagen damit zu rechtfertigen, dass Du überlastet warst. Niemand hat Dich gezwungen Geschäftsführerin zu spielen, ich habe Dir gleich gesagt, dass Du das nicht schaffen wirst und das ist der Beweis dafür. Also tu uns allen einen Gefallen, konzentriere Dich wieder auf das Designen und überlass die wichtigen Dinge mir, dann wird LCL auch wieder an der Spitze stehen“ erwiderte sie mit einer Überheblichkeit, die Rebecca bitter aufstieß. Sie stand auf, ging zu der anderen und funkelte sie zornig an „das kannst Du vergessen, ich werde mich mit Sicherheit nicht aus der Geschäftsführung zurück ziehen. Akzeptiere endlich, dass Du mich nicht mehr herum scheuchen kannst, wie es Dir passt und mach zur Abwechslung einfach mal Deinen Job. Dann habe ich auch wieder mehr Zeit für meinen“ erklärte sie und schaute in die eisblauen Augen von Tanja „Du spuckst ganz schön große Töne, aber keine Sorge, Dein Fall wird schneller kommen, als Du denkst und er wird ziemlich tief sein, das kann ich Dir versprechen. Es wäre schlauer gewesen meinen Vorschlag anzunehmen, dann hättest Du wenigstens als Designerin noch eine Chance gehabt, aber so…Du wirst am Ende sehr kleine Brötchen backen, Rebecca. Ihr Lahnsteins seid doch alle gleich, große Klappe, aber wenn es drauf ankommt, dann versagt ihr auf ganzer Linie“ bemerkte sie abfällig und ließ die andere einfach stehen. Rebecca blieb zurück und schloss resigniert die Augen, sie hatte gewusst, dass es schwierig werden würde nach Tanjas Rückkehr und sie hatte sich innerlich darauf eingestellt. Doch jetzt spürte sie, dass ihr langsam die Kräfte ausgingen und sie kaum noch die Energie aufbringen konnte, um sich ihr entgegen zu stellen. Sie ließ sich erschöpft auf ihren Stuhl sinken und fragte sich, wie dieser Tag bloß so eine beschissene Wendung hatte nehmen können.

Das Fußballspiel hatte sich nach anfänglicher Überlegenheit der Hausherren, die bis zur 54. Minute mit 3:1 geführt hatten, doch noch zu einem echten Nervenkrimi entwickelt, als Schalke in der 79. Minute der Anschlusstreffer gelang. Seitdem war das Stadion ein einziger Hexenkessel, um jeden Ball wurde jetzt gekämpft, als ob es um Leben und Tod ging und jede Schiedsrichter Entscheidung wurde mit einem Pfeifkonzert geahndet, dass einem die Ohren weh taten. Selbst Marlene, die eigentlich nicht das geringste Interesse an Fußball hatte, war total elektrisiert und fieberte mit den anderen Fans mit, die um sie herum wuselten, wie aufgescheuchte Hühner. Als Huntelaar dann wenige Minuten vor Spielende aus zwanzig Metern Entfernung den Ball in den Kasten von Roman Weidenfeller hämmerte, war das Entsetzen groß und für einen Moment herrschte gespenstische Stille in den Dortmunder Rängen. Der Jubel im Schalker Block war natürlich umso lauter und die ersten hämischen Lieder wurden lauthals angestimmt, doch das Schweigen der schwarz-gelben Anhänger hielt nicht lange vor. Sie peitschten ihre Mannschaft weiter nach vorne, die Nachspielzeit hatte bereits begonnen, doch das Spiel war erst zu Ende, wenn der Schiri es abgepfiffen hatte. Als Huntelaar sich dann erneut gefährlich dem Strafraum näherte und der Ball nur wenige Zentimeter am Tor vorbei flog, stand Jacky kurz vor einem Nervenzusammenbruch „was zum Teufel machen die denn da? Erst verschenken sie einen eigentlich klaren Sieg und jetzt laufen sie auch noch Gefahr das Ding zu verlieren! Das darf doch echt nicht wahr sein!“ schimpfte sie aufgebracht und raufte sich die Haare. Marlene musste über ihre Empörung lachen und versuchte sie zu beruhigen „hey, es ist doch nur ein Spiel…“ rief sie gerade, da köpfte Hummels aus einer abseitsverdächtigen Position einen Ball von Reus, den dieser von der Eckfahne aus ins Spiel gebracht hatte, in den gegnerischen Kasten. Das Tor wurde gegeben, das Stadion bebte und die Leute rasteten komplett aus, als der Schiedsrichter das Spiel abpfiff und lauter blau-weiß gekleidete Spieler aufgebracht auf ihn zu stürmten. Den Dortmundern und ihren Fans war das egal, sie feierten den 4:3 Derby Sieg als wäre es die Meisterschaft, nachdem sie es in der letzten Saison nicht geschafft hatten, die Schalker zu besiegen. Jacky fiel Marlene vor lauter Freude um den Hals, drehte sich mit ihr im Kreis und schrie immer zu „Derbysieg! Derbysieg! Derbysieg!“ Die Blonde lachte, konnte aber gar nicht anders, als sich mit ihr zu freuen und empfand diesen Moment als etwas sehr Besonderes. Sie hatte nie begriffen, was die Menschen dazu bewegte in Stadien zu rennen, um zwei Mannschaften dabei zuzusehen, wie sie hinter einem Ball her rannten, doch dank Jacky und dem heutigen Erlebnis, konnte sie es tatsächlich verstehen. Sie lagen sich noch immer in den Armen, die Emotionen der Brünetten waren inzwischen etwas herunter gekocht, doch dafür meldete sich ein anderes Gefühl mit voller Wucht zurück. Als ihr die Nähe von Marlene plötzlich bewusst wurde, sie den süßen Duft ihres Parfüms wahrnahm und ihren weichen, warmen Körper an ihrem spürte, wurde ihr mit einem Mal ganz schwindelig und ihr Herz drohte ihr aus der Brust zu springen. Plötzlich nahm sie den ganzen Tumult um sich herum gar nicht mehr wahr und als sie sich vorsichtig von der anderen löste und sich ihre Blicke trafen, hatte Jacky das Gefühl die Bodenhaftung zu verlieren und wäre am liebsten in den wunderschönen, blauen Augen von Marlene versunken. Bislang hatte sie die Begeisterung für ihre Chefin noch als Schwärmerei abgetan, die bald wieder vergehen würde, doch in diesem Moment musste Jacky erkennen, dass sie sich ernsthaft und unwiderruflich in die schöne Blondine verliebt hatte.

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BeitragVerfasst: 11.09.2015, 19:12 
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Teil 224:

Es war der letzte Brief, den Helena jetzt in den Händen hielt, nachdem sie alle anderen gelesen hatte. Die Schrift von Karsten zeigte, dass er offenbar Probleme beim Schreiben gehabt hatte, die Worte wirkten teilweise so, als habe er gezittert und den Stift zwischendurch neu ansetzen müssen, um weiter zu schreiben.

„Ich dachte, nach dem Unfall, den ich verschuldet habe, könnte es nicht mehr schlimmer kommen. Mein Leben war bereits an seinem absoluten Tiefpunkt angekommen. So dachte ich. Nach Tagen, in denen ich mich verkrochen und regelrecht von der Außenwelt abgeschirmt hatte, beschloss ich, mich dem unausweichlichen zu stellen. Ich fuhr ins Krankenhaus, um die zwei Menschen aufzusuchen, die ich in Lebensgefahr gebracht hatte. Niemals zuvor hatte ich so viel Angst vor einer Begegnung, doch ich musste das tun. Weit bin ich nicht gekommen. Vor dem Krankenzimmer der jungen Frau, Rebecca von Lahnstein, traf ich auf einen Arzt. Er beäugte mich misstrauisch, als Freund der Familie, wusste er sofort, dass ich kein gewöhnlicher Besucher war. Er ließ mich nicht zu ihr, sie sei in keiner guten Verfassung, hieß es, und dass sie Ruhe braucht, nachdem sie an diesem Tag auf der Beerdigung ihres Bruders gewesen war. Eine Beerdigung. Mir war sofort klar, dass es sich um den jungen Mann handeln musste, der das Motorrad gefahren hatte. Tristan von Lahnstein. Er war gestorben, an den Folgen seiner schweren Verletzungen. An den Verletzungen, die ich ihm zugefügt habe. Meine Atmung muss für einen Moment ausgesetzte haben, ich weiß nicht mehr genau, was ich in den ersten Sekunden gedacht, oder gefühlt habe. Ich weiß nur noch, dass ich danach nichts mehr gefühlt habe. Ich war nicht mehr derselbe Mensch und würde es auch nie wieder sein. Ich war schuld am Tod eines anderen Menschen. Das war der Moment, als ich erkennen musste, dass der Tiefpunkt noch nicht erreicht war. Es ging noch viel tiefer, immer tiefer, so tief, dass kein Licht mehr zu erkennen war. Da war nur noch Dunkelheit. Das Schuldgefühl fraß mich von innen heraus auf, es gab nichts mehr gut zu machen, nichts mehr zu verzeihen, alles fand in diesem Moment ein jähes Ende. Endgültig. Mein Leben war schon vorher aus den Fugen geraten, der jahrelange Betrug meiner Frau, der Verrat meines Partners und besten Freundes und das Ende meiner Familie hatten mich so schwer getroffen, dass ich glaubte, es nicht ertragen zu können. Die Wahrheit jedoch war noch viel schlimmer. Ich konnte mich nicht mehr ertragen. Der Blick in den Spiegel wurde zum Spießrutenlauf, ich konnte nicht mehr hinein blicken, ohne Verachtung zu empfinden. Ich lief davon. Geradewegs zum nächsten Kiosk. Ohne nachzudenken. Danach ging ich nach Hause und trank. Nicht um zu vergessen, das war unmöglich, egal wie viel ich trinken würde. Ich trank, weil ich wusste, dass die Kombination aus Tabletten und Alkohol die beste Möglichkeit war, um mein Ziel schnellstmöglich zu erreichen. Beinahe wäre es mir gelungen, aber dann setzte doch noch mein Verstand ein. Mein Blick fiel auf ein Foto meiner beiden Kinder, Anna und Paul, und plötzlich kam ich mir vor wie ein elendiger Feigling. Hatte ich nicht schon genug Schaden angerichtet und zu viele Menschen ins Unglück gestürzt? Musste ich jetzt auch noch meine Kinder und meinen Bruder unglücklich machen und mich auf diese feige Art vor den Konsequenzen meines Handels drücken? Ich weiß selbst nicht, woher diese Erkenntnis in diesem Moment kam, aber sie brachte mich dazu aufzustehen und ins Badezimmer zu rennen, um das Gift, welches bereits auf den Weg in meinen Körper war, wieder nach draußen zu befördern. Irgendwie musste ich es noch geschafft haben, meinen Bruder zu benachrichtigen. Lukas kam kurze Zeit später und brachte mich zur Sicherheit ins Krankenhaus. Er war wütend auf mich, zu Recht und er hatte große Angst. „Tu das nie wieder, Du verdammter Idiot“ hatte er unter Tränen gesagt und ich habe es ihm versprochen. Mein Leben wird nie wieder so sein, wie es einmal war, ich werde immer mit der Gewissheit leben, dass jeder Atemzug, den ich mache, einer zu viel ist, weil ich einem anderen Menschen genau das genommen habe. Sein Leben, sein Glück, seine Zukunft. Das ist die Last, die ich mir aufgebürdet habe und mit der ich leben muss, weil ich es mir selbst schuldig bin. Mir und allen anderen Menschen, die ich an diesem Tag ins Unglück gestürzt habe. Ich hoffe, dass sie irgendwann wieder glücklich sein können. Dass sie mir jemals verzeihen, erwarte ich nicht, denn ich selbst werde mir niemals verzeihen können, was ich getan habe.“

Helena legte den Brief auf ihren Schoß, während sie einen Moment lang einfach nur da saß und gedankenverloren vor sich hin blickte. Ein leises, kaum hörbares Geräusch ließ sie aufschrecken und auf ihre Beine blicken. Eine Träne hatte sich auf dem Stück Papier verewigt. Sie wischte sie vorsichtig weg und legte den Brief zu den anderen auf den Tisch. Karsten Bergers Worte hatten etwas in ihr berührt. Es ging nicht um Mitgefühl, oder um die Tatsache, dass er sich beinahe umgebracht hätte. Helena fühlte etwas anderes. Sie konnte ihn verstehen. Sie konnte ihn verstehen, weil sie es selbst erlebt hatte. Sie kannte das Schuldgefühl, die innere Leere und das Gefühl einen anderen Menschen aus dem Leben gerissen zu haben. Es war das Schlimmste gewesen, was sie jemals empfunden hatte und sie selbst wäre daran fast zerbrochen. Ihr wurde damals verziehen. Aber war sie selbst auch in der Lage zu verzeihen? Helena hatte keine Antwort auf diese Frage, aber vielleicht war sie ihr heute ein kleines Stückchen näher gekommen.


Nachdem Tanja einige Zeit bei ihrer Tochter auf dem Schloss gewesen war, hatte sie ihren noch Ehemann aufgesucht, um ihn bezüglich der Scheidung zur Rede zu stellen, doch seine Reaktion fiel anders aus, als erwartet. Sebastian gab sich unbeeindruckt und ungewohnt locker „Tanja, es ist ja wirklich schön, dass Du wieder zurück bist, aber um ehrlich zu sein, hat sich meine Sehnsucht nach Dir in Grenzen gehalten“ bemerkte er trocken und schenkte sich einen Scotch ein. Die Blonde betrachtete ihn abschätzend „danke, das ging mir genauso. Der Urlaub war fantastisch und diese südländischen Männer...da merkt man erst, mit wie wenig man sich zufrieden gegeben hat“ sagte sie unverschämt grinsend. Der Graf nickte „ja, das kann ich mir vorstellen. War bestimmt ein teures Vergnügen, oder?“ erwiderte er zynisch. Tanja ging nicht weiter darauf ein, sondern baute sich vor ihm auf „wenn die Scheidung erst mal durch ist, muss ich mir um Geld keine Gedanken mehr machen. Es wird also langsam Zeit, dass Du aufhörst Dich an zu geizen und meinen Forderungen zustimmst. Ansonsten könnte sich das alles noch sehr lange hinziehen und das dürfte besonders Dich stören, wo Du doch schon dabei bist, Dir ein neues Nest zu bauen.“ Sebastian ging zum Sofa und ließ sich betont langsam darauf nieder „tja Tanja, und genau da liegt das Problem. Ich habe besseres mit meinem Geld vor, als es Dir in den Rachen zu schmeißen, schließlich habe ich eine Familie. Außerdem habe ich viel zu hart dafür gearbeitet. Ich habe Deinem Anwalt geschrieben, was ich bereit bin zu zahlen. Nimm es an, oder Du gehst leer aus“ entgegnete er ruhig. Tanja bedachte ihn mit einem Blick, der Bände sprach, sie hielt ihn für einen Idioten „Du weißt ganz genau, dass das so einfach nicht geht. Ich kenne Deine Vermögensverhältnisse und ich werde auf keinen einzigen Euro verzichten. Die Zeiten in denen Du mich mit Deinem Gutmensch Gerede beeinflussen konntest, sind Gott sei Dank vorbei. Also spar es Dir und erfüll meine Forderungen, dann muss niemand unnötig leiden.“ Sie lächelte ihn siegesgewiss an, ihre Überheblichkeit erinnerte ihn an Zeiten, die er längst aus seinem Gedächtnis gestrichen hatte und er konnte nicht umhin zu denken, dass er ein riesiger Narr gewesen war. Doch heute, um einige Erfahrungen reicher, war er kein Narr mehr und außerdem hatte er gelernt, dass man seine Gegner manchmal nur mit ihren eigenen Waffen schlagen konnte. „Das werde ich nicht. Stattdessen wirst Du auf sämtliche Ansprüche verzichten und einer einvernehmlichen Scheidung, sowie dem gemeinsamen Sorgerecht für Emma zustimmen, wobei unsere Tochter bei mir auf dem Schloss leben wird“ stellte er sachlich fest. Die Blondine wirkte zunächst überrascht, doch dann lachte sie höhnisch „natürlich, kein Problem. Wo soll ich unterschreiben?“ fragte sie ironisch und war perplex, als er ihr plötzlich einen Vertrag reichte „auf der letzten Seite, neben meiner Unterschrift“ erklärte er lapidar. Tanja runzelte die Stirn und überflog die Seiten „was soll der Unsinn, Sebastian? Du wirst doch nicht tatsächlich so dumm sein und glauben, dass ich das unterschreibe“ erwiderte sie und schmiss den Vertrag auf den Tisch. Der Graf lächelte „oh doch, ich glaube es nicht nur, ich weiß es. Denn wenn Du es nicht tust, dann werde ich das hier...“ er reichte ihr einige Dokumente „...dem Staatsanwalt zukommen lassen. Und was das bedeutet, muss ich Dir sicherlich nicht erklären, oder?“ fragte er und schaute sie entschlossen an. Seine noch Ehefrau erschien trotz ihrer Bräune plötzlich ziemlich blass „woher hast Du das?" murmelte sie fassungslos, erwartete aber nicht wirklich eine Antwort und starrte ihn ungläubig an "das wirst Du nicht tun. Ich kenne Dich, Sebastian. Du bringst es nicht fertig die Mutter Deiner Tochter in den Knast zu bringen." Sie blickten sich schweigend an, eine ganze Weile, dann ergriff Sebastian wieder das Wort "ich kann und ich werde. Du hast schließlich auch keine Skrupel den Vater Deiner Tochter fertig zu machen, also habe ich ebenfalls keinen Grund, länger auf Dich Rücksicht zu nehmen. Außerdem musst Du ja gar nicht ins Gefängnis, nur, wenn Du Dich weigerst zu unterschreiben" erklärte er und schob ihr den Vertrag noch einmal zu "wie war das noch? Kein Gutmensch Gerede mehr, oder? Kannst Du haben, Tanja. Die Zeiten in denen ich mir alles von Dir habe gefallen lassen, sind nämlich zum Glück ebenfalls vorbei“ bediente er sich ihrer Worte und reichte ihr einen Stift. Tanja konnte nicht fassen, dass ihr das gerade wirklich passierte und fragte sich, wieso er sich ausgerechnet jetzt so verhielt, wie sie es sich früher manches Mal gewünscht hätte. Sie hatte sich ihre Rückkehr eigentlich anders vorgestellt, doch sie wusste, wann sie eine Schlacht verloren hatte. Sie nahm den Stift entgegen, las sich der Form halber noch einmal alles durch und setzte dann ihre Unterschrift darunter. „Du überraschst mich, Sebastian. So viel Abgebrühtheit hätte ich Dir gar nicht zugetraut. Gratuliere“ sagte sie, gab ihm den Vertrag zurück und nahm die belastenden Unterlagen entgegen. Während Sebastian sich noch über ihr Verhalten wunderte, stolzierte Tanja hinaus und ließ ihren Frust erst raus, als sie weit genug vom Schloss entfernt war „das wirst Du mir büßen“ fluchte sie und stieg in ihren Wagen.

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